Zunft- und Gildewesen: Unterschied zwischen den Versionen
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Den Vorsitzenden eine Zunft nennt man - im Gegensatz zu den anderen Meistern - Obermeister. Ein der Bäckerzunft bzw. -innung vorsitzender Bäckermeister wurde daher beispielsweise als ''Bäckerobermeister'' bezeichnet. | Den Vorsitzenden eine Zunft nennt man - im Gegensatz zu den anderen Meistern - Obermeister. Ein der Bäckerzunft bzw. -innung vorsitzender Bäckermeister wurde daher beispielsweise als ''Bäckerobermeister'' bezeichnet. | ||
Sämtliche Straßen im [[Gewerbegebiet Leegemoor]] tragen die Bezeichnung alter Berufe, die größtenteils in Zünften zusammengeschlossen waren. Aber auch außerhalb dieses Gebietes finden sich alte Berufsbezeichnungen wieder, so etwa bei der [[Weberslohne]] oder die [[Schmiedestraße]]. | |||
== Geschichte == | == Geschichte == | ||
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Nach der Machtergreifung des NS-Regimes wurden alle Innungen um 1935 gleichgeschaltet und wurden unselbständige Teilverbände des RIV (Reichsinnungsverband). Erst nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] wurden sie wieder eigenständig. | Nach der Machtergreifung des NS-Regimes wurden alle Innungen um 1935 gleichgeschaltet und wurden unselbständige Teilverbände des RIV (Reichsinnungsverband). Erst nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] wurden sie wieder eigenständig. | ||
== Bäckerzunft == | == Bäckerzunft == | ||
Die ebenfalls 1535 erwähnten Norder Bäcker haben sich spätestens bis 1585 zu einer Zunft zusammengeschlossen, da aus diesem Jahre ebenfalls verschiedene Auszüge aus der Bäckerrolle erhalten sind. Die erste vollständige Zunftrolle datiert allerdings erst auf den 12. Februar 1661. In den Jahren 1691, 1737 und 1768 wird diese Rolle von der Landesherrschaft bestätigt. Letztmalig wird die Bäckerzunft am 20. August 1820 namentlich genannt, ab dem 19. Dezember 1882 bestand sie dann als Bäcker- und Konditorinnung fort.<ref name=":2" /> | Die ebenfalls 1535 erwähnten Norder Bäcker haben sich spätestens bis 1585 zu einer Zunft zusammengeschlossen, da aus diesem Jahre ebenfalls verschiedene Auszüge aus der Bäckerrolle erhalten sind. Die erste vollständige Zunftrolle datiert allerdings erst auf den 12. Februar 1661. In den Jahren 1691, 1737 und 1768 wird diese Rolle von der Landesherrschaft bestätigt. Letztmalig wird die Bäckerzunft am 20. August 1820 namentlich genannt, ab dem 19. Dezember 1882 bestand sie dann als Bäcker- und Konditorinnung fort.<ref name=":8">Rack, Eberhard (1967): Besiedlung und Siedlung des Altkreises Norden, Münster, S. 45</ref><ref name=":2">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 61</ref> | ||
Die Familie [[Café ten Cate|ten Cate-Tapper]] stellt seit 1907 die Obermeister dieser Innung.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 182</ref> | Die Familie [[Café ten Cate|ten Cate-Tapper]] stellt seit 1907 die Obermeister dieser Innung.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 182</ref> | ||
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Die Zunft der Böttcher, die Fässer und Transportgefäße aus Holz herstellten, gehört zu den ältesten Zünften der Stadt. Vor allem für die ordnungsgemäße Durchführung der Ausfuhr von Waren vom [[Marktplatz|Norder Marktplatz]] waren sie von entscheidender Bedeutung, da ansonsten schlichtweg entsprechende Behältnisse gefehlt hätten.<ref name=":7">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 18</ref> | Die Zunft der Böttcher, die Fässer und Transportgefäße aus Holz herstellten, gehört zu den ältesten Zünften der Stadt. Vor allem für die ordnungsgemäße Durchführung der Ausfuhr von Waren vom [[Marktplatz|Norder Marktplatz]] waren sie von entscheidender Bedeutung, da ansonsten schlichtweg entsprechende Behältnisse gefehlt hätten.<ref name=":7">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 18</ref> | ||
Ihre erste Zunftordnung wurde den Böttchern im Herbst 1553 von [[Anna von Oldenburg|Gräfin Anna]] genehmigt. Damit einhergehend gewährte sie ihnen das Privileg einer Monopolstellung zur Herstellung von Fässern und Tonnen im Stadtgebiet. Das Verschließen und Versiegeln dieser Behältnisse durfte dabei grundsätzlich nur unter den Augen eines der sieben Böttchermeister geschehen, um Betrug beim Warenhandel zu verhindern.<ref name=":7" /> Daher hatten die Böttcher die Behältnisse der Händler vor der Ausfuhr auf ihren ordnungsgemäßen Verschluss zu prüfen und diese dann mit einer Marke zu versehen.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 74</ref> | Ihre erste Zunftordnung wurde den Böttchern im Herbst 1553 von [[Anna von Oldenburg|Gräfin Anna]] genehmigt. Damit einhergehend gewährte sie ihnen das Privileg einer Monopolstellung zur Herstellung von Fässern und Tonnen im Stadtgebiet. Das Verschließen und Versiegeln dieser Behältnisse durfte dabei grundsätzlich nur unter den Augen eines der sieben Böttchermeister geschehen, um Betrug beim Warenhandel zu verhindern.<ref name=":7" /> Daher hatten die Böttcher die Behältnisse der Händler vor der Ausfuhr auf ihren ordnungsgemäßen Verschluss zu prüfen und diese dann mit einer Marke zu versehen.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 74</ref> Ihre Privilegien und ihre Zunftrolle wurde ihnen von der Landesherrschaft nachweisbar 1629 und 1738 bestätigt.<ref name=":8" /> | ||
Noch bis in die Zeit um 1900 gab es acht Böttchermeister in Norden. Das Geschäft von [[Hinrich Müller]] gab erst Anfang der 1960er Jahren den an der [[Westerstraße 62]] befindlichen Betrieb auf, nachdem der wirtschaftliche Druck durch maschinell hergestellte Produkte von außerhalb immer größer wurde.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 74</ref> | Noch bis in die Zeit um 1900 gab es acht Böttchermeister in Norden. Das Geschäft von [[Hinrich Müller]] gab erst Anfang der 1960er Jahren den an der [[Westerstraße 62]] befindlichen Betrieb auf, nachdem der wirtschaftliche Druck durch maschinell hergestellte Produkte von außerhalb immer größer wurde.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 74</ref> | ||
== Brauerzunft == | |||
Obgleich das Bierbrauen eine lange Tradition hat und Bier noch lange vor Tee und Kaffee, die hierzulande erst zu Beginn des 18. Jahrhundert aufkommen, als Volksgetränk galt und einen guten Ruf hatte, organisierten sich die Bierbrauer erst verhältnismäßig spät in einer Zunft.<ref name=":5" /> So wurde ihre Zunftrolle erstmalig am 27. Juli 1689 bestätigt.<ref name=":8" /><ref name=":5" /> Ursächlich für den Zusammenschluss der Brauer war wohl die Preistreiberei mit dem zu importierenden Brauholz und Hopfen, dem man mit einer Zunft entgegenzuwirken versuchte.<ref name=":5" /> | |||
Im Jahr der Zunftgründung betrug die Zahl der örtlichen Bierbrauer 30, bereits im Folgejahrhundert sank diese Zahl jedoch zusehends. Der Tee begann das Bier als Volksgetränk abzulösen und die Nachfrage danach stieg immer weiter, während der Bierkonsum schwand. Die Geschichte der Brauerzunft scheint dabei nur von kurzer Dauer gewesen zu sein. Wurde ihre Zunftrolle noch 1699 bestätigt und 1710 erneuert, finden sich seit 1735 keine Nennungen dieser Zunft mehr.<ref name=":5" /> | |||
1761 gab es nur noch 17 Bierbrauer in Norden. Diese begannen nicht mehr nur für den Eigengebrauch (z.B. die eigene Gaststätte), sondern auch für den Handel zu produzieren, um ihren Absatz zu steigern und gingen in Kooperation mit anderen Gaststätten. 1804 gab es noch zwölf Brauerein; 1819 nur noch acht, die allesamt mit einer Gaststätte verbunden waren. 1864 existierten zwei Brauereien ([[Doornkaat]] in der [[Brauhausstraße]] und [[Brauerei Beck]] in der [[Heringstraße]]), die nur Bier produzierten, ohne eine eigene Gaststätte zu betreiben. Dazu kamen fünf Gaststätten, die Bier im Nebenerwerb produzierten. Als letzte Brauerei ging die Beck'sche im [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] ein.<ref name=":5" /> | |||
== Goldschmiedezunft == | == Goldschmiedezunft == | ||
[[Datei:Zunft Gilde Goldschmiede Schmiede Stempelzeichen 01.jpg|mini|468x468px|Verschiedene Stempelzeichen örtlicher Goldschmiede]] | [[Datei:Zunft Gilde Goldschmiede Schmiede Stempelzeichen 01.jpg|mini|468x468px|Verschiedene Stempelzeichen örtlicher Goldschmiede]] | ||
Die Goldschmiede waren seit spätestens 1589 zünftig organisiert. Dieser Zusammenschluss lässt sich jedoch nur bis 1664 verfolgen.<ref name=":2" /> Ihr Handwerk verschwand deshalb jedoch keineswegs aus der Stadt, auch weiterhin gab es zahlreiche Goldschmiede. Bis 1955 lassen sich gut 150 Goldschmiede für Norden nachweisen, von denen ein Drittel im 18. Jahrhundert tätig war. Anfang der 1770er Jahre gab es Versuche, die alte Goldschmiedezunft wieder zum Leben zu erwecken, doch schlugen diese Versuche fehl.<ref name=":3">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 62</ref> | Die Goldschmiede waren seit spätestens 1589 zünftig organisiert.<ref name=":8" /> Dieser Zusammenschluss lässt sich jedoch nur bis 1664 verfolgen.<ref name=":2" /> Ihr Handwerk verschwand deshalb jedoch keineswegs aus der Stadt, auch weiterhin gab es zahlreiche Goldschmiede. Bis 1955 lassen sich gut 150 Goldschmiede für Norden nachweisen, von denen ein Drittel im 18. Jahrhundert tätig war. Anfang der 1770er Jahre gab es Versuche, die alte Goldschmiedezunft wieder zum Leben zu erwecken, doch schlugen diese Versuche fehl.<ref name=":3">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 62</ref> | ||
Gab es 1809 noch 19 selbstständige Goldschmiede in der Stadt, schwand ihre Zahl in der Folgezeit. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden sie mehr und mehr zum Uhrmacher, die parallel zu dieser Tätigkeit noch Gold- und Silberschmiedetätigkeiten anboten. Oftmals wurde jedoch gar nicht mehr selbst geschmiedet, sondern nur feilgeboten.<ref name=":3" /> | Gab es 1809 noch 19 selbstständige Goldschmiede in der Stadt, schwand ihre Zahl in der Folgezeit. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden sie mehr und mehr zum Uhrmacher, die parallel zu dieser Tätigkeit noch Gold- und Silberschmiedetätigkeiten anboten. Oftmals wurde jedoch gar nicht mehr selbst geschmiedet, sondern nur feilgeboten.<ref name=":3" /> | ||
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Am 1. Januar 1888 trat ein Reichsgesetz in Kraft, nachdem Schmiedeerzeugnisse aus Gold und Silber mit dem Stempelzeichen des jeweiligen Schmiedes versehen werden mussten.<ref name=":3" /> | Am 1. Januar 1888 trat ein Reichsgesetz in Kraft, nachdem Schmiedeerzeugnisse aus Gold und Silber mit dem Stempelzeichen des jeweiligen Schmiedes versehen werden mussten.<ref name=":3" /> | ||
== | == Krämerzunft == | ||
Die | Die älteste erhaltene Rolle der Krämerzunft (Händler) stammt von 1651.<ref name=":8" /><ref name=":4">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 63</ref> In der Krämerzunft wurden auch (Ge-)Wandschneider (Tuchhändler) sowie Lakenhändler und Kräutner (Gewürzhändler) aufgenommen. In den Jahren 1664, 1690, 1710 und 1748 wurde die Zunftrolle vom Landesherren bestätigt.<ref name=":4" /> | ||
Am 21. November 1812 fand die letzte Zunftversammlung statt. Wie alle anderen auch (siehe Geschichte) wurde die Kräuterzunft aufgelöst, ihr Inventar am 26. November des Jahres in einer öffentlichen Auktion verkauft.<ref name=":4" /> Am 15. August 1821 wurde die Zunft neu gegründet.<ref name=":5">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 64</ref> | |||
== | == Manufaktur- und Ellenhändlerzunft == | ||
Erst am 9. September 1820 organisierten sich die Manufakturer (Inhaber einer Manufaktur) und Ellenhändler in einer Zunft.<ref name=":5" /> Ellenhändler handelten mit allen unverarbeiteten Textilien, die mit der Elle (Arm) abgemessen wurden. | |||
== Schlachterzunft == | |||
Die Schlachterzunft scheint bereits vor 1535 existiert zu haben, da sie in der [[Polizeiordnung]] des Jahres namentlich genannt werden. Eine Zunftrolle hatten sie bereits seit vor 1594.<ref name=":1" /><ref name=":8" /> Am 15. März 1594 führt diese Zunft Klage gegen die [[Jüdische Gemeinde Norden|Norder Juden]], da diese trotz einer Vorschrift von 1591 wiederholt auch Fleisch an Nicht-Juden zu regulären Preisen verkauft zu haben. Dies war ihnen nur zu einem erheblich reduzierten Preis gestattet, damit es für sie nicht lohnend ist.<ref name=":2" /> | |||
Bemerkenswert an dieser Zunft ist, dass sie in ihrer Rolle bereits recht genaue Vorschriften bezüglich ihrer Arbeitsgestaltung festgelegt hatten. Von Fastnacht (i.d.R. Ende Februar) bis Michaelis (29. September) war ein Schlachten nur in der Zeit von 06:00 bis 10:00 sowie von 13:00 bis 17:00 Uhr gestattet. Von Michaelis bis Fastnacht war der Zeitraum von Tagesanbruch bis 10:00 Uhr sowie von 13:00 Uhr bis zum Einbruch der Nacht erlaubt, sonntags zudem nur in der Zeit von 06:00 bis 09:00 Uhr sowie von 14:00 bis 16:00 Uhr. Festgelegt wurden auch drakonische Strafen festgelegt, etwa für Verstöße gegen die Arbeitszeiten.<ref name=":2" /> | |||
Geschlachtet wurde offenbar in einem [[Schlachthof|Schlachthaus]], das sich in einem der Wirtschaftsräume des (zum oben genannten Zeitpunkt bereits säkularisierten) [[Kloster Marienthal|Klosters Marienthal]] befunden hat und bereits von den Mönchen als solches benutzt wurde.<ref name=":2" /> | |||
== Schmiedezunft == | == Schmiedezunft == | ||
Die Rolle der Schmiedezunft kann auf den 8. März 1616 datiert werden. Diese wird 1626, 1660, 1668, 1693, 1738 und 1821 erneuert bzw. bestätigt.<ref name=":4" /> | Die Rolle der Schmiedezunft kann auf den 8. März 1616 datiert werden.<ref name=":8" /><ref name=":4" /> Diese wird 1626, 1660, 1668, 1693, 1738 und 1821 erneuert bzw. bestätigt.<ref name=":4" /> | ||
Innerhalb der Zunft gab es Bestrebungen die einzelnen Spezialisierungen (Grobschmiede, Feinschmiede und Messermacher) zu trennen. Die Schwierigkeiten und Gegensätze waren jedoch zu groß und man verblieb in einer (Schmiede-)Zunft. Die Verhandlungen wurden mit einer neuen Rolle vom 14. März 1738 abgeschlossen. Nach der Neuordnung der Zünfte (siehe ''Geschichte'') erhielt die Zunft am 12. April 1821 eine neue Rolle.<ref name=":4" /> | Innerhalb der Zunft gab es Bestrebungen die einzelnen Spezialisierungen (Grobschmiede, Feinschmiede und Messermacher) zu trennen. Die Schwierigkeiten und Gegensätze waren jedoch zu groß und man verblieb in einer (Schmiede-)Zunft. Die Verhandlungen wurden mit einer neuen Rolle vom 14. März 1738 abgeschlossen. Nach der Neuordnung der Zünfte (siehe ''Geschichte'') erhielt die Zunft am 12. April 1821 eine neue Rolle.<ref name=":4" /> | ||
== | == Schneiderzunft == | ||
Die | Die Zunft der Schneider wird erstmalig zu Zeiten von [[Edzard II. Cirksena|Graf Edzard II.]] am 24. Dezember 1591 erwähnt. Wie auch die Schlachter klagten die Schneider die Norder Juden im Jahre 1594 vor dem Landtag in Aurich an. Sie warfen ihnen Wucherei und monopolisches Handeln vor. Die Juden werden verurteilt, ihr Treiben aufzugeben und im Wiederholungsfalle die Landesverweisung angedroht.<ref name=":3" /> | ||
Die älteste im Wortlaut erhaltene Zunftrolle der Schneider stammt von 1669. Die Erlaubnis ihres Zusammenschlusses wird in den Jahren 1711, 1736 und 1781 bestätigt. Am 3. März 1821 ist eine neue Zunftrolle belegt.<ref name=":3" /> | |||
== Schusterzunft == | |||
Mindestens seit dem 12. Mai 1606 waren die Schuster zünftig organisiert, wie aus einer alten Urkunde erkennbar ist. An diesem Tage bezahlen die Ältesten der Zunft getreu der Vorschrift ihrer Zunftrolle einen Betrag von 3 Goldgulden an das [[Armenhaus]]. Diese Zunftrolle wurde in den Jahren 1680, 1720 und 1738 durch den Landesherren bestätigt bzw. erneuert. Letztmalig ist eine solche Zunftrolle für den 8. August 1821 belegbar.<ref name=":4" /> | |||
== | == Sielfahrerzunft == | ||
Die Sielfahrer (auch: ''Slededriver'') waren seit dem 31. Januar 1610 zünftig organisiert.<ref name=":8" /><ref name=":4" /> Sie hatten das Privileg des Warentransportes zwischen den [[Liste der Siele|Sielen]] und der Stadt inne, sofern die Waren vom Eigentümer nicht auf einem eigenen Fahrwerk transportiert werden konnten. Ihre Zahl war auf 12 beschränkt.<ref name=":4" /> Eine solche Beschränkung finden wir heute noch bei den Taxiunternehmen. | |||
Tatsächlich hatten auch die Sielfahrer eine besondere Rolle beim Personentransport. Sie hatten seit 1611 mindestens sechs Mal jährlich eine Fahrt zwischen Norden nach Berum oder Marienhafe zu leisten. Ab dort übernahmen Emder Sielfahrer den Weitertransport. Diese Pflichtfahrten wurden erst 1746 durch Zahlung eines Geldbetrages abgelöst.<ref name=":4" /> | |||
Die Zunftrolle wurde in den Jahren 1670, 1690 und 1792 bestätigt. Der Posten des Sielfahrers konnte weitervererbt oder verkauft werden, zu Beginn des 19. Jahrhunderts werden zwischen 200 und 300 Reichstalern als Kaufpreis genannt. 1838 wurde das Sielfahrerwesen entschädigungslos aufgelöst und bald durch neue Regelungen vom [[Magistrat]] abgelöst, die das Transportwesen neu ordneten. An das alte Sielfahrerwesen erinnert noch heute der Flurname ''[[Fuhrleute-Heller]]'', jener [[Heller]] vom [[Norder Hafen]] bis zum [[Zuckerpolder]].<ref name=":4" /> | |||
== Weberzunft == | |||
Spätestens 1593 hat es eine Weberzunft gegeben, wie aus einer Urkunde vom 17. Mai des Jahres hervorgeht.<ref name=":8" /><ref name=":3" /> Die älteste, erhaltene Zunftrolle stammt vom 17. April 1616 und wurde von [[Enno III. Cirksena|Graf Enno III.]] ausgestellt. Die Legitimität der Zunftrollen wird 1652, 1661, 1691 und 1738 vom Landesherren bestätigt. In letztgenannter Rolle wird ersichtlich, dass sich zwischenzeitlich auch die Leinen-, Servietten- und Wollweber der Weberzunft angeschlossen haben.<ref name=":3" /> | |||
Durch die von Friedrich dem Großen erlassenen Lockerungen der Zunftvorschriften kam auch die Weberzunft in Bedrängnis. 1803 wurden die Weberzünfte aufgelöst, eine Neugründung für sechs Jahre verboten. Aber auch danach kam es nur zu erfolglosen Versuchen, sich wieder in einer Zunft zu organisieren. Zu sehr war die Weberei durch die aufkommende Industrialisierung in Not geraten. Betrug die Zahl der in Norden ansässigen Webermeister im Jahre 1803 noch 48, die 116 Arbeiter beschäftigten. 1864 gab es nur noch 18 Webermeister und spätestens ab 1904 keinen mehr.<ref name=":3" /> | |||
== Einzelnachweise == | == Einzelnachweise == | ||
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