Stadt Norden: Unterschied zwischen den Versionen
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Nachdem das Reich der Friesen, beherrscht vom legendären Friesenkönig [[Radbodstraße|Radbod]], durch Karl Martell im Jahre 734 zerschlagen wurde, geriet Friesland unter die Herrschaft der Franken, die von Karl dem Großen endgültig vollzogen wurde.<ref name=":11">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 7</ref> Neben einer christlichen Missionierung verfolgten die Franken in erster Linie politische Ziele zur Ausweitung ihres Machtbereichs. Der fränkische Missionar Luidger, nach dem die [[Ludgerikirche]] benannt wurde, sprach friesisch und konnte die Einheimischen von den Gedanken einer befürchteten Fremdherrschaft durch die Hintertür abbringen.<ref name=":10" /> Er hatte damit maßgeblichen Einfluss am Siegeszug des Christentums im bis dahin heidnischen Ostfriesland. | Nachdem das Reich der Friesen, beherrscht vom legendären Friesenkönig [[Radbodstraße|Radbod]], durch Karl Martell im Jahre 734 zerschlagen wurde, geriet Friesland unter die Herrschaft der Franken, die von Karl dem Großen endgültig vollzogen wurde.<ref name=":11">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 7</ref> Neben einer christlichen Missionierung verfolgten die Franken in erster Linie politische Ziele zur Ausweitung ihres Machtbereichs. Der fränkische Missionar Luidger, nach dem die [[Ludgerikirche]] benannt wurde, sprach friesisch und konnte die Einheimischen von den Gedanken einer befürchteten Fremdherrschaft durch die Hintertür abbringen.<ref name=":10" /> Er hatte damit maßgeblichen Einfluss am Siegeszug des Christentums im bis dahin heidnischen Ostfriesland. | ||
Die Menschen besiedelten zunächst die Gebiete auf der [[Norder Geestinsel]], die deutlich über den Meeresspiegel ragt und dadurch einen natürlichen Schutz vor Überflutungen | Die Menschen besiedelten zunächst die Gebiete auf der [[Norder Geestinsel]], die deutlich über den Meeresspiegel ragt und dadurch einen natürlichen Schutz vor Überflutungen bot. Die umliegenden [[Marsch|Marschgebiete]] wurden erst wesentlich später besiedelt bzw. [[Liste der Eindeichungen|eingedeicht]]. Es gibt jedoch Vermutungen, dass die fruchtbare Marsch vor dem 8. Jahrhundert, als der Meeresspiegel noch tiefer lag und damit kaum Überflutungen eintraten, schon vor der [[Geest]] besiedelt war. | ||
Entlang der Geestinsel bildeten sich einzelne Bauerschaften (kleine Hofstellen bzw. Bauernsiedlungen), die sich später zu einer Gemeinde, der sogenannten [[Sandbauerschaft]], zusammenschlossen. Im Zentrum ihrer Bauerschaften errichteten sie einen [[Marktplatz]], von dem aus sich das spätere Stadtgebiet entwickelte. Hier erbauten besonders vornehme Familien bzw. Geschlechter ihre Wohnhäuser, sogar [[Oldeborg|eine Burg]] entstand. Fast alle [[Ostfriesische Häuptlinge|ostfriesischen Häuptlings- und Edelgeschlechter]] haben ihre Wurzeln in Norden.<ref name=":10" /> Nach den Edelgeschlechtern folgten spätestens im 15. Jahrhundert die wohlhabenden Bauern aus der [[Ostermarsch|Oster-]] und [[Westermarsch]], die vor allem durch Viehhandel zu ansehnlichem Wohlstand kamen und neben ihren Höfen auch ein Stadthaus am Marktplatz unterhielten.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 16</ref> In der Folgezeit wuchsen die Bauerschaften des Norder Umlandes um das Jahr 800 parallel zur Besiedlung um den Marktplatz weiter zusammen, sodass Norden einen ersten, stadtähnlichen Charakter entwickelte. | |||
Norden war über eine hochwassersichere Verbindung auf der [[Geest]] mit Esens verbunden, das Endpunkt des ''Friesischen Heerwegs'' von Oldenburg war. Auch war Norden letzter Abschnitt des Westfälischen (von Süden kommend) und des Bremischen Heerwegs (von Osten kommend).<ref name=":10" /><ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 324</ref> Über den westfälischen Heerweg kamen nicht zuletzt auch viele arme westfälische Wanderarbeiter, die sich auf den Höfen der reichen Marschbauern eine Arbeit erhofften. Noch heute erinnert die [[Heerstraße]] mit ihrem Namen an den alten Heerweg gen Bremen. Aber auch die [[Osterstraße]] war einst ein alter Heerweg. Hinzu kamen zahlreiche Wege an und auf Deichen, die als solche benutzt wurden. Viele Straßen in Norden verlaufen an oder auf alten Deichlinien, so etwa die [[Wurzeldeicher Straße]], die [[Landstraße]] oder der [[Altendeichsweg (Westermarsch)|Altendeichsweg]]. | Norden war über eine hochwassersichere Verbindung auf der [[Geest]] mit Esens verbunden, das Endpunkt des ''Friesischen Heerwegs'' von Oldenburg war. Auch war Norden letzter Abschnitt des Westfälischen (von Süden kommend) und des Bremischen Heerwegs (von Osten kommend).<ref name=":10" /><ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 324</ref> Über den westfälischen Heerweg kamen nicht zuletzt auch viele arme westfälische Wanderarbeiter, die sich auf den Höfen der reichen Marschbauern eine Arbeit erhofften. Noch heute erinnert die [[Heerstraße]] mit ihrem Namen an den alten Heerweg gen Bremen. Aber auch die [[Osterstraße]] war einst ein alter Heerweg. Hinzu kamen zahlreiche Wege an und auf Deichen, die als solche benutzt wurden. Viele Straßen in Norden verlaufen an oder auf alten Deichlinien, so etwa die [[Wurzeldeicher Straße]], die [[Landstraße]] oder der [[Altendeichsweg (Westermarsch)|Altendeichsweg]]. | ||