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26506 Norden
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Das '''Kloster Norden''' (auch: ''Dominikanerkloster'', ''Brüderkloster'' bzw. ''Broerkloster,'') war ein um 1264 vom katholischen Dominikanerorden gegründetes und größtenteils von [[Ostfriesische Häuptlinge|ostfriesischen Häuptlingen]] gestiftetes (finanziertes) Kloster am späteren [[Fräuleinshof]] in [[Norden (Stadtteil)|Norden]]. Im Gegensatz zum [[Kloster Marienthal]] lebten hier nur Mönche und keine Nonnen, woraus sich seine entsprechenden Alternativbezeichnungen erklären.
Das '''Kloster Norden''' (auch: ''Dominikanerkloster'', ''Brüderkloster'' bzw. ''Broerkloster,'') war ein um 1264 vom katholischen Dominikanerorden gegründetes und größtenteils von [[Ostfriesische Häuptlinge|ostfriesischen Häuptlingen]] gestiftetes Kloster am späteren [[Fräuleinshof]] in [[Norden (Stadtteil)|Norden]]. Im Gegensatz zum [[Kloster Marienthal|''Doppelkloster'' Marienthal]] lebten hier nur Mönche und keine Nonnen, woraus sich seine entsprechenden Alternativbezeichnungen erklären.
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==Geschichte==
==Geschichte==
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In den Jahren 1300, 1337, 1383, 1422 und 1449 sollen Versammlungen von Mönchen des Ordens aus dem Norder und umliegenden Klostern hier stattgefunden haben. In den Jahren 1318 und 1358 ist es bei nicht näher bezeichneten Unruhen im [[Norderland]] besetzt und infolge dessen besser befestigt worden.<ref name=":0" /> Für letztgenanntes Jahr zeichneten sich [[Martin Cirksena]] und [[Hylo Attena]] verantwortlich, die damit andere einflussreiche Amtsträger zur Niederlegung ihrer Ämter drängen wollten.<ref>Köller, André (2015): Agonalität und Kooperation: Führungsgruppen im Nordwesten des Reiches 1250-1550, Göttingen, S. 307</ref> In diese Zeit fallen auch größere Umbauarbeiten, in deren Folge die bis dahin hölzernen Klostergebäude durch Backsteinbauten ersetzt werden.<ref name=":1" />
In den Jahren 1300, 1337, 1383, 1422 und 1449 sollen Versammlungen von Mönchen des Ordens aus dem Norder und umliegenden Klostern hier stattgefunden haben. In den Jahren 1318 und 1358 ist es bei nicht näher bezeichneten Unruhen im [[Norderland]] besetzt und infolge dessen besser befestigt worden.<ref name=":0" /> Für letztgenanntes Jahr zeichneten sich [[Martin Cirksena]] und [[Hylo Attena]] verantwortlich, die damit andere einflussreiche Amtsträger zur Niederlegung ihrer Ämter drängen wollten.<ref>Köller, André (2015): Agonalität und Kooperation: Führungsgruppen im Nordwesten des Reiches 1250-1550, Göttingen, S. 307</ref> In diese Zeit fallen auch größere Umbauarbeiten, in deren Folge die bis dahin hölzernen Klostergebäude durch Backsteinbauten ersetzt werden.<ref name=":1" />


Während der Pestepidemie in der Zeit um 1349 bis 1350 scheinen die Mönche sich soweit erfolgreich isoliert zu haben, dass das Kloster offenbar nicht von der Seuche heimgesucht wurde. Bei der nächsten großen Pestepidemie im Jahr 1360 scheinen alle Mönche des Klosters dieser erlegen zu sein. Sieben Jahre später sollen jedoch bereits wieder 16 Mönche im Kloster gelebt haben.<ref name=":1" /> Es ist zu vermuten, dass die Dominikanermönchen es den Benediktinermönchen des Klosters Marienthal gleichtaten und bauliche Veränderungen in der Klosterstruktur vornahmen, um Seuchen fortan besser gewappnet zu sein.
Während der Pestepidemie in der Zeit um 1349 bis 1350 scheinen die Mönche sich soweit erfolgreich isoliert zu haben, dass das Kloster offenbar nicht von der Seuche heimgesucht wurde. Bei der nächsten großen [[Pestepidemie 1350 - 1360|Pestepidemie von 1350 bis 1360]] scheinen alle Mönche des Klosters dieser erlegen zu sein. Sieben Jahre später sollen jedoch bereits wieder 16 Mönche im Kloster gelebt haben.<ref name=":1" /> Es ist zu vermuten, dass die Dominikanermönchen es den Benediktinermönchen des Klosters Marienthal gleichtaten und bauliche Veränderungen in der Klosterstruktur vornahmen, um Seuchen fortan besser gewappnet zu sein.


Das 14. Jahrhundert ging in die ostfriesische und die Norder Geschichte nicht nur als das Jahrhundert verheerender Seuchen, sondern auch als jenes der Sturmfluten ein. Die Deiche waren durch mehrere schwere Sturmfluten ebenso geschwächt wie die Menschen, sodass die [[Erste Dionysiusflut|Dionysiusfluten]] zum Bruch der Deiche und schwersten Verwüstungen führten. Die Wellen dieser Katastrophenflut sollen bis an die Mauern des Klosters geschlagen und hier ebenso schwere Verwüstungen wie im Umland angerichtet haben.<ref name=":0" /> 1373 retten Mönche zahlreiche Reliquien, Paramente und sonstige Kirchenschätze aus der aufgegebenen Kirche in [[Westeel]].<ref>Cremer, Ufke (1995): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 22</ref>
Das 14. Jahrhundert ging in die ostfriesische und die Norder Geschichte nicht nur als das Jahrhundert verheerender Seuchen, sondern auch als jenes der Sturmfluten ein. Die Deiche waren durch mehrere schwere Sturmfluten ebenso geschwächt wie die Menschen, sodass die [[Erste Dionysiusflut|Dionysiusfluten]] zum Bruch der Deiche und schwersten Verwüstungen führten. Die Wellen dieser Katastrophenflut sollen bis an die Mauern des Klosters geschlagen und hier ebenso schwere Verwüstungen wie im Umland angerichtet haben.<ref name=":0" /> 1373 retten Mönche zahlreiche Reliquien, Paramente und sonstige Kirchenschätze aus der aufgegebenen Kirche in [[Westeel]].<ref>Cremer, Ufke (1995): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 22</ref>
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Weitere schwere Schäden erlitt das Kloster nach Ostern 1430 bei den Auseinandersetzungen des Häuptlings [[Udo von Norden]], eines Sohnes von Focko Ukena, mit Anhänger des [[tom Brook|Okko II. tom Brook]]. Diese wollten ihren in Norden gefangengehaltenen Häuptling befreien, der bereits zuvor vier Jahre in Leer inhaftiert war und von Ukena im Kloster wohl unter Hausarrest gesetzt wurde. Udos Anhänger flüchteten in das Kloster, das daraufhin erobert, geplündert und schließlich niedergebrannt wurde.<ref name=":1" /> Als Wiedergutmachung soll Okko II. dem Kloster einen Teil seines Vermögens vermacht haben, das von den Mönchen zum Wiederaufbau des Klosters verwendet wurde.<ref name=":0" /> Okko II. verstarb schließlich 1435 in Norden.
Weitere schwere Schäden erlitt das Kloster nach Ostern 1430 bei den Auseinandersetzungen des Häuptlings [[Udo von Norden]], eines Sohnes von Focko Ukena, mit Anhänger des [[tom Brook|Okko II. tom Brook]]. Diese wollten ihren in Norden gefangengehaltenen Häuptling befreien, der bereits zuvor vier Jahre in Leer inhaftiert war und von Ukena im Kloster wohl unter Hausarrest gesetzt wurde. Udos Anhänger flüchteten in das Kloster, das daraufhin erobert, geplündert und schließlich niedergebrannt wurde.<ref name=":1" /> Als Wiedergutmachung soll Okko II. dem Kloster einen Teil seines Vermögens vermacht haben, das von den Mönchen zum Wiederaufbau des Klosters verwendet wurde.<ref name=":0" /> Okko II. verstarb schließlich 1435 in Norden.


Nach den Zerstörungen im Jahr 1430 ist das Kloster offenbar umfassend repariert worden. In einer Urkunde aus dem Jahre 1439 werden Stühle für den Chor der Kirche, Bodenplatten und Kalk genannt, die über Utrecht (Niederlande) nach Norden transportiert wurden.<ref name=":0" /> Am 25. September 1475 erließ der Ordensvorstand ein Handelsverbot gegen das Kloster. Offenbar waren die Handelstätigkeiten der Mönche so umfangreich geworden, dass diese im krassen Gegensatz zu den Ordensidealen - einem Leben in Armut und Besitzlosigkeit - stand.
Nach den Zerstörungen ist das Kloster offenbar umfassend repariert worden. In einer Urkunde aus dem Jahre 1439 werden Stühle für den Chor der Kirche, Bodenplatten und Kalk genannt, die über Utrecht (Niederlande) nach Norden transportiert wurden.<ref name=":0" /> Am 25. September 1475 erließ der Ordensvorstand ein Handelsverbot gegen das Kloster. Offenbar waren die Handelstätigkeiten der Mönche so umfangreich geworden, dass diese im krassen Gegensatz zu den Ordensidealen - einem Leben in Armut und Besitzlosigkeit - stand.


Ab 1527 hielt die Reformation auch in Norden Einzug, die vom Kloster der Dominikaner ausging.<ref>Foraita, Heinz (1985): Dein sind die Zeiten, Herr. Die Geschichte der Katholischen Gemeinde Norden. Herausgegeben zur 100-Jahr-Feier der St.-Ludgerus-Kirche zu Norden, Norden, S. 8</ref> Am 1. Januar des Jahres lud der Dominikanermönch [[Hinrich Reese]] überregional zu einer Disputation über seine reformatorischen Thesen in das Kloster ein. Nach Angaben des ostfriesischen Geschichtsschreibers Eggerik Beninga kamen nahezu alle Geladenen, darunter auch [[Gerardus Synellius]], Abt des [[Kloster Marienthal|Klosters Marienthal]]. Er war der einzige, der den alten Glauben verteidigte. [[Hysse van Ewsum]], Priorin des Marienthaler Klosters, schrieb damals, dass er und die wenigen verbliebenen glaubenstreuen Katholiken bei der [[Norder Disputation]] wüste Beschimpfungen über sich ergehen lassen mussten. Am Ende der Versammlung zog Reese seine Mönchskutte demonstrativ aus und bekräftige so seinen Bruch mit der katholischen Kirche auch symbolisch.<ref name=":0" /> Durch die Reformation löste sich das Kloster schließlich noch vor 1528 auf.<ref>Suur, Hemmo (1838): Geschichte der ehemaligen Klöster in der Provinz Ostfriesland, Emden, S. 107</ref>
Ab 1527 hielt die Reformation auch in Norden Einzug, die vom Kloster der Dominikaner ausging.<ref>Foraita, Heinz (1985): Dein sind die Zeiten, Herr. Die Geschichte der Katholischen Gemeinde Norden. Herausgegeben zur 100-Jahr-Feier der St.-Ludgerus-Kirche zu Norden, Norden, S. 8</ref> Am 1. Januar des Jahres lud der Dominikanermönch [[Hinrich Reese]] überregional zu einer Disputation über seine reformatorischen Thesen in das Kloster ein. Nach Angaben des ostfriesischen Geschichtsschreibers Eggerik Beninga kamen nahezu alle Geladenen, darunter auch [[Gerardus Synellius]], Abt des [[Kloster Marienthal|Klosters Marienthal]]. Er war der einzige, der den alten Glauben verteidigte. [[Hysse van Ewsum]], Priorin des Marienthaler Klosters, schrieb damals, dass er und die wenigen verbliebenen glaubenstreuen Katholiken bei der [[Norder Disputation]] wüste Beschimpfungen über sich ergehen lassen mussten. Am Ende der Versammlung zog Reese seine Mönchskutte demonstrativ aus und bekräftige so seinen Bruch mit der katholischen Kirche auch symbolisch.<ref name=":0" /> Durch die Reformation löste sich das Kloster schließlich noch vor 1528 auf.<ref>Suur, Hemmo (1838): Geschichte der ehemaligen Klöster in der Provinz Ostfriesland, Emden, S. 107</ref>