Stadtrat: Unterschied zwischen den Versionen
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Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Stadtrat faktisch entmachtet, schon vor 1933 hat die NSDAP eine große Mehrheit im Rat und durch gewaltsame Verfolgung der Sozialdemokraten (SPD) und Kommunisten (KPD) können diese ihr Mandat spätestens ab 1933 faktisch nicht mehr ausüben.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 29</ref> Ab 1934 wurde das demokratisch gewählte Bürgervorsteherkollegium faktisch entmachtet und abgeschafft. Die Mitglieder des Stadtrates werden nun auf Vorschlag des NS-Gauleiters Weser-Ems vom Auricher Regierungsbezirkspräsidenten eingesetzt. Ein Jahr später wird auch der [[Bürgermeister]] durch die Machthaber eingesetzt und nicht mehr gewählt.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 35</ref> | Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Stadtrat faktisch entmachtet, schon vor 1933 hat die NSDAP eine große Mehrheit im Rat und durch gewaltsame Verfolgung der Sozialdemokraten (SPD) und Kommunisten (KPD) können diese ihr Mandat spätestens ab 1933 faktisch nicht mehr ausüben.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 29</ref> Ab 1934 wurde das demokratisch gewählte Bürgervorsteherkollegium faktisch entmachtet und abgeschafft. Die Mitglieder des Stadtrates werden nun auf Vorschlag des NS-Gauleiters Weser-Ems vom Auricher Regierungsbezirkspräsidenten eingesetzt. Ein Jahr später wird auch der [[Bürgermeister]] durch die Machthaber eingesetzt und nicht mehr gewählt.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 35</ref> | ||
Nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] nahm der Rat am 1946 unter der britischen Militärregierung seine Arbeit wieder auf, ehe er ab 1955 mit dem Erlass der Niedersächsischen Gemeindeordnung endgültig eine neue, offizielle Legitimiät erhielt. Seitdem hat sich seine Praxis der Zusammensetzung bis heute im Wesentlichen erhalten. In der frühen Nachkriegszeit war der Stadtrat vor allem damit beschäftigt, den überall herrschenden Mangel entgegenzuwirken, was aufgrund der äußeren Gesamtumstände nur schwer möglich war.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 244</ref><ref name=":1" /> Die ersten Ratsherren der Nachkriegszeit waren der Reeder [[Carl Stegmann (1881)|Carl Stegmann]], der Teefabrikant [[Bernhard Behrends]], der führende Norder Kommunist und Maurer [[Anton Casjens]] sowie der spätere Bürgermeister [[Johann Fischer]]. Da sich Behrends und Stegmann jedoch bereits in der ersten bzw. konstituierenden Sitzung am 13. Juni 1945 zerstritten, bestand der Stadtrat aus nur drei Personen, ehe Stegmann im September des Jahres wieder an den Sitzungen teilnahm.<ref name=":1">Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 51</ref> In ihrer ersten Sitzung beschließen die Ratsherren die Aufarbeitung der Vorfälle vom 3. Mai 1933, als die Nationalsozialisten mehrere Sozialdemokraten im [[Gasthof Zur Börse]] misshandelten.<ref name=":1" /><ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 23</ref> Auch die Geschehnisse der Reichspogromnacht, insbesondere der Brand der [[Synagoge]] wurden zum Thema gemacht.<ref name=":1" /> | Nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] nahm der Rat am 1946 unter der britischen Militärregierung seine Arbeit wieder auf, ehe er ab 1955 mit dem Erlass der Niedersächsischen Gemeindeordnung endgültig eine neue, offizielle Legitimiät erhielt. Seitdem hat sich seine Praxis der Zusammensetzung bis heute im Wesentlichen erhalten. In der frühen Nachkriegszeit war der Stadtrat vor allem damit beschäftigt, den überall herrschenden Mangel entgegenzuwirken, was aufgrund der äußeren Gesamtumstände nur schwer möglich war.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 244</ref><ref name=":1" /> Die ersten Ratsherren der Nachkriegszeit waren der Reeder [[Carl Stegmann (1881)|Carl Stegmann]], der Teefabrikant [[Bernhard Behrends]], der führende Norder Kommunist und Maurer [[Anton Casjens]] sowie der spätere Bürgermeister [[Johann Fischer]]. Da sich Behrends und Stegmann jedoch bereits in der ersten bzw. konstituierenden Sitzung am 13. Juni 1945 zerstritten, bestand der Stadtrat aus nur drei Personen, ehe Stegmann im September des Jahres wieder an den Sitzungen teilnahm.<ref name=":1">Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 51</ref> In ihrer ersten Sitzung beschließen die Ratsherren die Aufarbeitung der Vorfälle vom 3. Mai 1933, als die Nationalsozialisten mehrere Sozialdemokraten im [[Gasthof Zur Börse]] misshandelten.<ref name=":1" /><ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 23</ref> Auch die Geschehnisse der ''Reichspogromnacht'', insbesondere der Brand der [[Synagoge]] wurden zum Thema gemacht.<ref name=":1" /> | ||
Parallel zum Stadtrat existierte seit dem 19. Dezember 1945 ein größeres, von den Briten eingeführtes Gremium: Das Stadtparlament. Es setzte sich aus einer von der britischen Militärregierung zusammengesetzten Auswahl von nationalsozialistisch unbelasteten Personen zusammen. Das Parlament vertrat die Sozialdemokratische Partei Deutschlands, die Kommunistische Partei Deutschlands, die Deutsche Union, die Gewerkschaften, den [[Kaufmännischer Verein|Kaufmännischen Verein]] und einen auf Kreisebene tätigen Beratungsausschuss. Insgesamt bestand dieses Parlament aus 22 Personen.<ref name=":1" /> Ab 1949 wurden Stadtparlament und Stadtrat unter letztgenanntem Begriff wieder vereint. | Parallel zum Stadtrat existierte seit dem 19. Dezember 1945 ein größeres, von den Briten eingeführtes Gremium: Das Stadtparlament. Es setzte sich aus einer von der britischen Militärregierung zusammengesetzten Auswahl von nationalsozialistisch unbelasteten Personen zusammen. Das Parlament vertrat die Sozialdemokratische Partei Deutschlands, die Kommunistische Partei Deutschlands, die Deutsche Union, die Gewerkschaften, den [[Kaufmännischer Verein|Kaufmännischen Verein]] und einen auf Kreisebene tätigen Beratungsausschuss. Insgesamt bestand dieses Parlament aus 22 Personen.<ref name=":1" /> Ab 1949 wurden Stadtparlament und Stadtrat unter letztgenanntem Begriff wieder vereint. | ||