Westermarsch I: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
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Westermarsch I befindet sich im Kalkmarschgebiet östlich der Leybucht in einer Höhe von bis zu 2 m über Meeresniveau (NN). Durch Eindeichungen gewannen die Bewohner der Nordsee bzw. Leybucht im Laufe der Jahrhunderte immer wieder neues Land ab.
Westermarsch I befindet sich im Kalkmarschgebiet östlich der Leybucht in einer Höhe von bis zu 2 m über Meeresniveau (NN). Durch Eindeichungen gewannen die Bewohner der Nordsee bzw. Leybucht im Laufe der Jahrhunderte immer wieder neues Land ab.


Die westliche Grenze stellt die Leybucht bzw. die Nordsee dar. Die südliche Grenze nach Neuwesteel und Süderneuland I verläuft in etwa entlang des [[Norder Tief | Norder Tiefs]]. Im Osten und im Norden ist die Abgrenzung deutlich schwieriger und ist historisch gewachsen. Sie folgt keiner auf den ersten Blick erkennbaren Logik, sondern bezieht sich vielmehr auf einzelne Grundstücke bzw. Flure, die entsprechend ihrer Größe entweder zu Westermarsch II oder Nordne gehören. In etwa kann man jedoch sagen, dass die Stadtgrenze von Norden südöstlich am Norder Tief beginnt, entlang von [[Vierzig Diemat]] bzw. dem [[Bürgermeisterviertel]] hoch bis zum [[Altendeichsweg (Westermarsch) | Alteneichsweg]] und von dort nach Westen hin bis zum [[Langhauser Tief]]. Von hier aus verläuft die Grenze weiter in nördliche Richtung einige hundert Meter an der [[Ziegeleistraße]] entlang bis kurz vor den [[Warfertog | Warfertogschloot]]. Die von hier nach Westen hin verlaufende nördliche Grenze folgt nun keinem klaren Muster mehr, hier sind einstige örtliche Besitztümer die Grenze, die sich nur schwer umschreiben lassen. Westermarsch I entspricht der alten Rotteinteilung Rott 1 bis Rott 4, während Westermarsch II Rott 5 bis Rott 9 umfasst. Ein "Rott" ist eine alte Bezeichnung für einen Bezirk, der eine bestimmte Anzahl an Ländereien umfasste. Hieraus erklärt sich die diffus wirkende nördliche Grenze zu Westermarsch II.
Die westliche Grenze stellt die Leybucht bzw. die Nordsee dar. Die südliche Grenze nach Neuwesteel und Süderneuland I verläuft in etwa entlang des [[Norder Tief | Norder Tiefs]]. Im Osten und im Norden ist die Abgrenzung deutlich schwieriger und ist historisch gewachsen. Sie folgt keiner auf den ersten Blick erkennbaren Logik, sondern bezieht sich vielmehr auf einzelne Grundstücke bzw. Flure, die entsprechend ihrer Größe entweder zu Westermarsch II oder Nordne gehören. In etwa kann man jedoch sagen, dass die Stadtgrenze von Norden südöstlich am Norder Tief beginnt, entlang von [[Vierzig Diemat]] bzw. dem [[Bürgermeisterviertel]] hoch bis zum [[Altendeichsweg (Westermarsch) | Alteneichsweg]] und von dort nach Westen hin bis zum [[Langhauser Tief]]. Von hier aus verläuft die Grenze weiter in nördliche Richtung einige hundert Meter an der [[Ziegeleistraße]] entlang bis kurz vor den [[Warfertog | Warfertogschloot]]. Die von hier nach Westen hin verlaufende nördliche Grenze folgt nun keinem klaren Muster mehr, hier sind einstige örtliche Besitztümer die Grenze, die sich nur schwer umschreiben lassen. Westermarsch I entspricht der alten Rotteinteilung Rott 1 bis Rott 4, während Westermarsch II Rott 5 bis Rott 9 umfasst. Ein "Rott" ist eine alte Bezeichnung für einen Bezirk, der eine bestimmte Anzahl an Ländereien umfasste. Hieraus erklärt sich die diffus wirkende nördliche Grenze zu Westermarsch II, da sich mehrere Bauern mit ihren verteilten Ländereien zu einem Rott zusammenschlossen.


An der alten Landseite, dem Langhauser Weg, ist der Boden schwärzlich und schwer, besonders in der Gegend vom [[Groß-Langhaus]], welches den schwärzesten Boden hat. Nach der südlichen Seite hin, wird der Boden sandiger und hellfarbiger.
An der alten Landseite, dem Langhauser Weg, ist der Boden schwärzlich und schwer, besonders in der Gegend vom [[Groß-Langhaus]], welches den schwärzesten Boden hat. Nach der südlichen Seite hin, wird der Boden sandiger und hellfarbiger.


== Geschichte ==
== Geschichte ==
Hinter dem Deich, der das Langhauser Tief begleitet und das Westermarscher Neuland im Norden
 
begrenzt, befand sich unter einer schwachen, bis 30 cm über das Umland ansteigenden Anhöhe
===Mittelalter===
eine kleine, im Querschnitt linsenförmige Anlage in den Marschsedimenten. Leider konnte wegen
Durch die erstmalige Erwähnung des Ortes in 1361 lässt sich eine frühere Besiedlung dieser Gegend ableiten. Für den Bereich der [[Mittelmarsch]] weisen archäologische Funde auf eine Besiedlung vor dem 16. Jahrhundert hin, als dort mutmaßlich ein Werkplatz von Warftbewohnern gefunden wurde.
fehlender Funde weder eine Datierung vorgenommen noch ein Zweck der Anlage bestimmt
 
werden. Die jüngere Ablagerungsschicht darf wahrscheinlich mit dem Wasserlauf des Langhauser
Seit Anbeginn der Besiedlung ist das Land den Launen der Nordsee ausgeliefert. Sturmfluten und damit einhergehende Überschwemmungen bestimmten seit jeher den Verlauf der Deichlinie und machten den Bewohnern das Leben schwer. Bis zum vollständigen Untergang der nordwestlich von Westermarsch gelegenenen Nordseeinsel [[Bant]] konnten sich die Menschen mit relativ geringen Deichen schützen und errichteten ihre Häuser auf Warften, die sie je nach Bedarf erhöhten. Warften sind künstlich geschaffene Erhöhungen der Landschaft. Man kann sie sich als Hügel vorstellen, auf denen die Erbauer ihre Gebäude errichteten. Noch heute sind viele Warften in der Landschaft als gut erkennbar und viele Gebäude stehen weiterhin auf solchen.
Tief und die Anlage selbst mit der nahe gelegenen Warf in Verbindung gebracht werden. Daher ist
 
zu vermuten, dass es sich um einen ausgegliederten Werkplatz der Warfbewohner handelte, der
Ihre Ländereien schützten sie, wenn überhaupt, mit kleinen Dämmen vor den Fluten der Nordsee. In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts begann man, diese kleinen Ringdeiche seewärts miteinander zu verbinden, so dass in den ersten Jahrzehnten nach 1100 ein fast geschlossener Hauptdeich entstand. Die damaligen Deiche waren in ihrer Bauweise jedoch keinesfalls mit den heutigen zu vergleichen und boten nicht immer Schutz. Besonders verheerende Deichbrüche und dadurch folgende Überschwemmungen sind für die Jahre 1164, 1196, 1219 und 1334 überliefert.
aus unbekannten Gründen in nur 50 m Entfernung in der ebenen Marsch angelegt worden war.
 
Die geologische Situation, die Geschichte der Bedeichung der Westermarsch und der Bezug zu
Die zweite Marcellusflut, die auch als "große Mandränke" (großes Ertrinken) in die Geschichte einherging, richtete 1362 große Verwüstungen in der gesamten Westermarsch an. Zahlreiche Menschen und Tiere kamen ums Leben, ein Großteil der Gebäude und Felder wurde zerstört. Auch gerieten weite Landesteile der Westermarsch unter Wasser, die erst Jahrhunderte später durch Eindeichungen wieder dem Wasser abgewonnen wurden. Die im 9. Jahrhundert entstandene Leybucht gelangte zu ihrer größten Ausdehnung, die Einbruchsrinne wurde nach der Leybucht auch "Leide" genannt. Aus ihr entsprang das [[Norder Tief]].
der Warf lassen vermuten, dass die entdeckte Anlage vor dem 16. Jahrhundert betrieben sein
 
muss, also noch aus dem späten Mittelalter stammt; sie könnte aber auch noch älter sein.15
Gerade einmal 12 Jahre später kam es erneut zu einer verheerenden Sturmflut, die erste Dionysiusflut, die erneut weite Teil der Westermarsch überschwemmte. Das südlich von Westermarsch gelegene [[Neuwesteel | Westeel]] wurde sogar gänzlich zerstört und aufgegeben.
 
Bei der zweiten Dionysiusflut in 1377 drang die Nordsee abermals tief in das Landesinnere vor. Überliefert ist, dass die Fluten bis an das [[Dominikanerkloster]] nahe des Norder Stadtzentrums reichten. Durch diese verheerende Sturmflut bekam die Stadt Norden direkten Zugang zur Nordsee. In der Folge errichteten die Bewohner der Westermarsch einen Deich entlang des [[Langhauser Tief | Langhauser Tiefs]], der von [[Utlandshörn]] bis nach Norden reichte.
 
Das 14. Jahrhundert war das wohl verheerendste Flutjahr in der überlieferten Geschichte der Westermarsch. Um 1400 hatte die Leybucht dadurch ihre größte Ausdehnung erreicht. Die Folgen der Sturmfluten waren so verheerend und weitreichend, als dass man sie in absehbarer Zeit hätte reparieren können. Doch nicht nur die Sturmfluten hatten viele Menschenleben gekostet, auch grassierte der Schwarze Tod (Lungenpest) zwischen 1350 und 1360 in der Region. Um 1400 suchte eine weitere, namentlich nicht bekannte schwere Seuche das Land heim.
 
===Neuzeit===
Im Laufe des 16. Jahrhunderts begann die Westermarsch langsam aber stetig, zu einer wohlhabenden Region zu werden. Insbesondere Gräfin [[Anna von Oldenburg]] und Graf [[Edzard II. Cirksena]] hatten wesentlichen Anteil an der Landgewinnung in der Westermarsch. Unter ihrer Herrschaft wurden weit über 1000 Hektar Land der Nordsee entrissen. Gräfin Anna polderte 1551 das Land nach Süden hin ein, es enstand der sogenannte [[Alte Süderdeich | Süderdeich]]. Die Deichlinie verläuft größtenteils entlang des heutigen [[Altendeichsweg (Westermarsch) | Altendeichswegs]]. Das neu- bzw. wiedergewonnene Land wird auch [[Westermarscher Altes Neuland]] genannt.
 
Graf Edzard II. setzte um 1583 einen weiteren Deich vor den Gräfin Annas. Hier liegt das [[Westermarscher Neuland]]. Der Deich erhielt ebenfalls den Namen [[Neuer Süderdeich | Süderdeich]]. Er begann in Norden beim [[Altes Zollhaus | Alten Zollhaus]] und endet an der Leybucht beim [[Buscherpolder]].
 
Unter [[Christine Charlotte von Württemberg]], Regentin von Ostfriesland bis 1699, kamen 1678 durch weitere Eindeichungen weitere 281 fruchtbares Land hinzu. Ihr zu Ehren wurde das Gebiet [[Wester-Charlottenpolder]] genannt.
 
Während des Dreißigjährigen Kriegs (1618-1648) wurde auch Westermarsch von Mansfeldern belagert. Die Söldner des berüchtigten Heerführers Peter Ernst II. von Mansfeld drangsalierten die Bevölkerung über viele Jahre und schikanierten sie fortwährend mit kaum zu erfüllenden Forderungen. Die Westermarscher Bewohner, die selbst oftmals kaum genug zum Leben hatten, mussten für Unterbringung und Verpflegung der Soldaten sorgen, ohne dafür eine Gegenleistung erwarten zu könnenn. Später kamen auch brandenburgische Soldaten hinzu, die noch schlimmer als die Mansfelder wüteten und für zahlreiche Verwüstungen sorgten.
 
Ab dem 16. bis 17. Jahrhundert begannen tiefgreifende sozialstrukturelle Veränderungen. Die Zahl der kleinen und mittleren Bauernhöfe ging zurück und einige wenige Großbauern dominierten fortan die Landwirtschaft. Während es um 1600 noch 37 Höfe in Westermarsch I gab, waren es 1719 noch 30. Die durchschnittliche Größe der Ländereien eines Hofs stieg von etwa 15 auf gut 30 bis 35 [[Diemat]]. Durch gute Erträge im fruchtbaren Marschland kamen die Großbauern zu ansehnlichem Wohlstand, während der Großteil der Westermarscher in ein wirtschaftliches Abhängigkeitsverhältnis zu ihnen gerieten und in Armut fortlebten. Die [[Westerstraße]] in Norden wurde zur Einkaufsstraße der Westermarscher Großbauern. Ihren Wohlstand stellten sie gerne durch vergleichsweise prunkvolle Kutschen und eigene Logen in der [[Ludgerikirche]] zur Schau. Eines der größten Höfe der Westermarsch ist der noch heute erhaltenene Hof [[Groß-Langhaus]], der gut 150 [[Diemat]] Land besaß (etwa 855.000 Quadratmeter).
 
Der oberste Beamte in der Grafen- bzw. Fürstenzeit (1464-1744) war der Drost, später im Norder
Amt Amtsverwalter genannt, der die Oberaufsicht und Polizeigewalt im ganzen Amt Norden hatte.
Der Vogt war der Exekutivbeamte des Drosten, der seine Bestallung vom Fürsten erhielt. Sein
Arbeitsbereich umfasste die ganze Westermarsch, Süderneuland I & II, sowie alles was südlich
von Norden gelegen war. Dem Vogt wurde ein Auskündiger beigegeben, der vom zeitigen
Amtsverwalter eingesetzt wurde.23 Zusätzlich gab es die Rottmeister, benannt nach den Rotten,
die die Aufgabe hatten, den Leuten, die im Rott wohnten, Schatzungen und andere die
Allgemeinheit betreffenden Pflichten oder Bestellungen anzusagen. Das Amt ging im Rott um
und wurde hier auf zwei Jahre verwaltet.24 Im 19. Jahrhundert stand der Gemeindevorsteher
(Bürgermeister) an oberster Spitze in Westermarsch I. Von 01.12.1965 bis 30.06.1672 fand unter
Samtgemeindedirektor Hippen die „kleine Gebietsreform“ statt. Auf die Samtgemeinde Leybucht
(Westermarsch I und II, Neuwesteel und Leybuchtpolder) folgt am 01. Juli 1972 die
Eingemeindung nach Norden. Westermarsch I steht jetzt ein Ortsvorsteher vor.
1735 standen an der Spitze der Landwehr ein Leutnant und ein Fähnrich, gewählt von den
qualifizierten Interessenten, konfirmiert vom fürstlichen Haus.25 Im September 1919 bestand die
Einwohnerwehr in Westermarsch I aus 73 Mann ohne Waffen, die allerdings zu dem Zeitpunkt
angefordert waren.  





Version vom 21. Dezember 2020, 00:42 Uhr

Westermarsch I

Wappen
Basisdaten
Höhe 0,0 - 2,0 m ü. NN
Fläche 19,424 km²
Einwohner 400 (30.06.2020)
Eingemeindung 1. Juli 1972
Bevölkerungsdichte 21 Einwohner/km²

Westermarsch I ist ein Stadtteil von Norden und hat 400 Einwohner (Stand: 30.06.2020), die sich auf einer Fläche von rund 19,42 km² verteilen.

Im Norden grenzt Westermarsch I an Westermarsch II, im Osten an die Westgaste sowie im Süden an Neuwesteel und Süderneuland I. Im Westen begrenzt die Nordsee bzw. die Leybucht das Gebiet.

Name

Der Name Westermarsch I kennzeichnet einerseits den Landschaftstyp des Ortes (Marsch) und bezeichnet andererseits seine Lage im Westen der historischen Region Norderland bzw. der Stadt Norden. Durch die römische 1 unterscheidet sich der Ort von Westermarsch II.

Erstmalige Erwähnung findet die Westermarsch in 1361. Spätere Bezeichnungen waren ebenfalls "Westermarsch" (1541/1542). In 1553 wird die "Westermersch" erwähnt. 1823 und 1826 folgen dann "Westermarsch 1. und 2. Bauernschaft" und schließlich die heutige Bezeichnung ab 1858.

Geografie

Westermarsch I befindet sich im Kalkmarschgebiet östlich der Leybucht in einer Höhe von bis zu 2 m über Meeresniveau (NN). Durch Eindeichungen gewannen die Bewohner der Nordsee bzw. Leybucht im Laufe der Jahrhunderte immer wieder neues Land ab.

Die westliche Grenze stellt die Leybucht bzw. die Nordsee dar. Die südliche Grenze nach Neuwesteel und Süderneuland I verläuft in etwa entlang des Norder Tiefs. Im Osten und im Norden ist die Abgrenzung deutlich schwieriger und ist historisch gewachsen. Sie folgt keiner auf den ersten Blick erkennbaren Logik, sondern bezieht sich vielmehr auf einzelne Grundstücke bzw. Flure, die entsprechend ihrer Größe entweder zu Westermarsch II oder Nordne gehören. In etwa kann man jedoch sagen, dass die Stadtgrenze von Norden südöstlich am Norder Tief beginnt, entlang von Vierzig Diemat bzw. dem Bürgermeisterviertel hoch bis zum Alteneichsweg und von dort nach Westen hin bis zum Langhauser Tief. Von hier aus verläuft die Grenze weiter in nördliche Richtung einige hundert Meter an der Ziegeleistraße entlang bis kurz vor den Warfertogschloot. Die von hier nach Westen hin verlaufende nördliche Grenze folgt nun keinem klaren Muster mehr, hier sind einstige örtliche Besitztümer die Grenze, die sich nur schwer umschreiben lassen. Westermarsch I entspricht der alten Rotteinteilung Rott 1 bis Rott 4, während Westermarsch II Rott 5 bis Rott 9 umfasst. Ein "Rott" ist eine alte Bezeichnung für einen Bezirk, der eine bestimmte Anzahl an Ländereien umfasste. Hieraus erklärt sich die diffus wirkende nördliche Grenze zu Westermarsch II, da sich mehrere Bauern mit ihren verteilten Ländereien zu einem Rott zusammenschlossen.

An der alten Landseite, dem Langhauser Weg, ist der Boden schwärzlich und schwer, besonders in der Gegend vom Groß-Langhaus, welches den schwärzesten Boden hat. Nach der südlichen Seite hin, wird der Boden sandiger und hellfarbiger.

Geschichte

Mittelalter

Durch die erstmalige Erwähnung des Ortes in 1361 lässt sich eine frühere Besiedlung dieser Gegend ableiten. Für den Bereich der Mittelmarsch weisen archäologische Funde auf eine Besiedlung vor dem 16. Jahrhundert hin, als dort mutmaßlich ein Werkplatz von Warftbewohnern gefunden wurde.

Seit Anbeginn der Besiedlung ist das Land den Launen der Nordsee ausgeliefert. Sturmfluten und damit einhergehende Überschwemmungen bestimmten seit jeher den Verlauf der Deichlinie und machten den Bewohnern das Leben schwer. Bis zum vollständigen Untergang der nordwestlich von Westermarsch gelegenenen Nordseeinsel Bant konnten sich die Menschen mit relativ geringen Deichen schützen und errichteten ihre Häuser auf Warften, die sie je nach Bedarf erhöhten. Warften sind künstlich geschaffene Erhöhungen der Landschaft. Man kann sie sich als Hügel vorstellen, auf denen die Erbauer ihre Gebäude errichteten. Noch heute sind viele Warften in der Landschaft als gut erkennbar und viele Gebäude stehen weiterhin auf solchen.

Ihre Ländereien schützten sie, wenn überhaupt, mit kleinen Dämmen vor den Fluten der Nordsee. In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts begann man, diese kleinen Ringdeiche seewärts miteinander zu verbinden, so dass in den ersten Jahrzehnten nach 1100 ein fast geschlossener Hauptdeich entstand. Die damaligen Deiche waren in ihrer Bauweise jedoch keinesfalls mit den heutigen zu vergleichen und boten nicht immer Schutz. Besonders verheerende Deichbrüche und dadurch folgende Überschwemmungen sind für die Jahre 1164, 1196, 1219 und 1334 überliefert.

Die zweite Marcellusflut, die auch als "große Mandränke" (großes Ertrinken) in die Geschichte einherging, richtete 1362 große Verwüstungen in der gesamten Westermarsch an. Zahlreiche Menschen und Tiere kamen ums Leben, ein Großteil der Gebäude und Felder wurde zerstört. Auch gerieten weite Landesteile der Westermarsch unter Wasser, die erst Jahrhunderte später durch Eindeichungen wieder dem Wasser abgewonnen wurden. Die im 9. Jahrhundert entstandene Leybucht gelangte zu ihrer größten Ausdehnung, die Einbruchsrinne wurde nach der Leybucht auch "Leide" genannt. Aus ihr entsprang das Norder Tief.

Gerade einmal 12 Jahre später kam es erneut zu einer verheerenden Sturmflut, die erste Dionysiusflut, die erneut weite Teil der Westermarsch überschwemmte. Das südlich von Westermarsch gelegene Westeel wurde sogar gänzlich zerstört und aufgegeben.

Bei der zweiten Dionysiusflut in 1377 drang die Nordsee abermals tief in das Landesinnere vor. Überliefert ist, dass die Fluten bis an das Dominikanerkloster nahe des Norder Stadtzentrums reichten. Durch diese verheerende Sturmflut bekam die Stadt Norden direkten Zugang zur Nordsee. In der Folge errichteten die Bewohner der Westermarsch einen Deich entlang des Langhauser Tiefs, der von Utlandshörn bis nach Norden reichte.

Das 14. Jahrhundert war das wohl verheerendste Flutjahr in der überlieferten Geschichte der Westermarsch. Um 1400 hatte die Leybucht dadurch ihre größte Ausdehnung erreicht. Die Folgen der Sturmfluten waren so verheerend und weitreichend, als dass man sie in absehbarer Zeit hätte reparieren können. Doch nicht nur die Sturmfluten hatten viele Menschenleben gekostet, auch grassierte der Schwarze Tod (Lungenpest) zwischen 1350 und 1360 in der Region. Um 1400 suchte eine weitere, namentlich nicht bekannte schwere Seuche das Land heim.

Neuzeit

Im Laufe des 16. Jahrhunderts begann die Westermarsch langsam aber stetig, zu einer wohlhabenden Region zu werden. Insbesondere Gräfin Anna von Oldenburg und Graf Edzard II. Cirksena hatten wesentlichen Anteil an der Landgewinnung in der Westermarsch. Unter ihrer Herrschaft wurden weit über 1000 Hektar Land der Nordsee entrissen. Gräfin Anna polderte 1551 das Land nach Süden hin ein, es enstand der sogenannte Süderdeich. Die Deichlinie verläuft größtenteils entlang des heutigen Altendeichswegs. Das neu- bzw. wiedergewonnene Land wird auch Westermarscher Altes Neuland genannt.

Graf Edzard II. setzte um 1583 einen weiteren Deich vor den Gräfin Annas. Hier liegt das Westermarscher Neuland. Der Deich erhielt ebenfalls den Namen Süderdeich. Er begann in Norden beim Alten Zollhaus und endet an der Leybucht beim Buscherpolder.

Unter Christine Charlotte von Württemberg, Regentin von Ostfriesland bis 1699, kamen 1678 durch weitere Eindeichungen weitere 281 fruchtbares Land hinzu. Ihr zu Ehren wurde das Gebiet Wester-Charlottenpolder genannt.

Während des Dreißigjährigen Kriegs (1618-1648) wurde auch Westermarsch von Mansfeldern belagert. Die Söldner des berüchtigten Heerführers Peter Ernst II. von Mansfeld drangsalierten die Bevölkerung über viele Jahre und schikanierten sie fortwährend mit kaum zu erfüllenden Forderungen. Die Westermarscher Bewohner, die selbst oftmals kaum genug zum Leben hatten, mussten für Unterbringung und Verpflegung der Soldaten sorgen, ohne dafür eine Gegenleistung erwarten zu könnenn. Später kamen auch brandenburgische Soldaten hinzu, die noch schlimmer als die Mansfelder wüteten und für zahlreiche Verwüstungen sorgten.

Ab dem 16. bis 17. Jahrhundert begannen tiefgreifende sozialstrukturelle Veränderungen. Die Zahl der kleinen und mittleren Bauernhöfe ging zurück und einige wenige Großbauern dominierten fortan die Landwirtschaft. Während es um 1600 noch 37 Höfe in Westermarsch I gab, waren es 1719 noch 30. Die durchschnittliche Größe der Ländereien eines Hofs stieg von etwa 15 auf gut 30 bis 35 Diemat. Durch gute Erträge im fruchtbaren Marschland kamen die Großbauern zu ansehnlichem Wohlstand, während der Großteil der Westermarscher in ein wirtschaftliches Abhängigkeitsverhältnis zu ihnen gerieten und in Armut fortlebten. Die Westerstraße in Norden wurde zur Einkaufsstraße der Westermarscher Großbauern. Ihren Wohlstand stellten sie gerne durch vergleichsweise prunkvolle Kutschen und eigene Logen in der Ludgerikirche zur Schau. Eines der größten Höfe der Westermarsch ist der noch heute erhaltenene Hof Groß-Langhaus, der gut 150 Diemat Land besaß (etwa 855.000 Quadratmeter).

Der oberste Beamte in der Grafen- bzw. Fürstenzeit (1464-1744) war der Drost, später im Norder Amt Amtsverwalter genannt, der die Oberaufsicht und Polizeigewalt im ganzen Amt Norden hatte. Der Vogt war der Exekutivbeamte des Drosten, der seine Bestallung vom Fürsten erhielt. Sein Arbeitsbereich umfasste die ganze Westermarsch, Süderneuland I & II, sowie alles was südlich von Norden gelegen war. Dem Vogt wurde ein Auskündiger beigegeben, der vom zeitigen Amtsverwalter eingesetzt wurde.23 Zusätzlich gab es die Rottmeister, benannt nach den Rotten, die die Aufgabe hatten, den Leuten, die im Rott wohnten, Schatzungen und andere die Allgemeinheit betreffenden Pflichten oder Bestellungen anzusagen. Das Amt ging im Rott um und wurde hier auf zwei Jahre verwaltet.24 Im 19. Jahrhundert stand der Gemeindevorsteher (Bürgermeister) an oberster Spitze in Westermarsch I. Von 01.12.1965 bis 30.06.1672 fand unter Samtgemeindedirektor Hippen die „kleine Gebietsreform“ statt. Auf die Samtgemeinde Leybucht (Westermarsch I und II, Neuwesteel und Leybuchtpolder) folgt am 01. Juli 1972 die Eingemeindung nach Norden. Westermarsch I steht jetzt ein Ortsvorsteher vor. 1735 standen an der Spitze der Landwehr ein Leutnant und ein Fähnrich, gewählt von den qualifizierten Interessenten, konfirmiert vom fürstlichen Haus.25 Im September 1919 bestand die Einwohnerwehr in Westermarsch I aus 73 Mann ohne Waffen, die allerdings zu dem Zeitpunkt angefordert waren.


Sehenswürdigkeiten

Quellenverzeichnis