Eisenhütte: Unterschied zwischen den Versionen
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Durch das Erstarken der Sozialdemokratie und gewerkschaftlicher Verbände kommt es 1906 zu einem Arbeiterstreik bei der Eisenhütte. Obgleich militärische oder polizeiliche Niederschlagungen von Streiks zur damaligen Zeit nicht ungewöhnlich waren, endet der Streik unblutig, aber dennoch mit Folgen für die Streikenden: Die Geschäftsführung lässt die Namen und ihre Gehälter aller am Streik Beteiligten in ganzseitigen Zeitungsannoncen abdrucken.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 8</ref> | Durch das Erstarken der Sozialdemokratie und gewerkschaftlicher Verbände kommt es 1906 zu einem Arbeiterstreik bei der Eisenhütte. Obgleich militärische oder polizeiliche Niederschlagungen von Streiks zur damaligen Zeit nicht ungewöhnlich waren, endet der Streik unblutig, aber dennoch mit Folgen für die Streikenden: Die Geschäftsführung lässt die Namen und ihre Gehälter aller am Streik Beteiligten in ganzseitigen Zeitungsannoncen abdrucken.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 8</ref> | ||
Während des Ersten Weltkriegs produzierte die Eisenhütte vornehmlich Waren für das Militär. Nach dem Krieg wechselte das Werk erneut den Besitzer, als es von der | Während des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]] produzierte die Eisenhütte vornehmlich Waren für das Militär. Nach dem Krieg wechselte das Werk erneut den Besitzer, als es von der Teemanufaktur [[Onno Behrends]] erworben wurde. Auch wenn die Auftragslage zunächst weiter gut war, da die heimkehrenden Soldaten vielfach Familien gründeten und daher der Bedarf an Heizöfen für den neuen Wohnraum stieg, erwies sich die Übernahme durch Behrends für den wirtschaftlichen Erfolg nicht als Glücksgriff.<ref name=":1" /> Schließlich war ein Eisenwerk ein völlig anderer Gewerbszweig als der Teeimport. Auch wollte Behrends vor allem sein im Asienhandel verdientes Geld irgendwo anlegen.<ref name=":0" /> In einer Versteigerung übernahmen die Norder Senatoren [[Popke Fegter]] und [[Carl Stegmann (1881)|Carl Stegmann]] sowie der Betriebsdirektor [[Wilhelm Landmann]] im Jahr 1927 die Eisenhütte für 291.000 Reichsmark von Onno Behrends und retteten sie damit vor dem Bankrott. Fegter erbaute sich unmittelbar gegenüber der Hütte eine Stadtvilla ([[Osterstraße 34]]). | ||
Um 1930 kam das Werk in den Alleinbesitz Fegters, der jedoch 1936 von den Nationalsozialisten enteignet wurde, nachdem er bei ihnen durch Spott an Hermann Göring und sein wirtschaftliches Engagement, das die Arbeitslosigkeit senkte, in Ungnade gefallen war. Wäre er Mitglied der NSDAP gewesen, hätte man ihn dafür sicherlich gefeiert. Die Eisenhütte fiel nun an seinen Sohn [[Georg Fegter]], auch andere Familienmitglieder behielten ihre Firmenanteile. Georg konnte die schwächelnde Eisenhütte noch einmal wieder hochbringen, da die Kriegsmarine | Um 1930 kam das Werk in den Alleinbesitz Fegters, der jedoch 1936 von den Nationalsozialisten enteignet wurde, nachdem er bei ihnen durch Spott an Hermann Göring und sein wirtschaftliches Engagement, das die Arbeitslosigkeit senkte, in Ungnade gefallen war. Wäre er Mitglied der NSDAP gewesen, hätte man ihn dafür sicherlich gefeiert. Die Eisenhütte fiel nun an seinen Sohn [[Georg Fegter]], auch andere Familienmitglieder behielten ihre Firmenanteile. Georg konnte die schwächelnde Eisenhütte noch einmal wieder hochbringen, da die Kriegsmarine gusseiserne Teile benötigte. 1933 arbeiteten immerhin noch 80 Beschäftigte im Werk.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 240</ref> 1942 wurde durch den hohen Bedarf der Wehrmacht sogar fast ein Rekordhoch in der Produktion erzielt.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 242</ref> Als Ersatz für die kriegsbedingt fehlenden Arbeiter wurde auch in der Eisenhütte auf Kriegsgefangene zurückgegriffen, vor allem auf französische und polnische, die in ehemaligen Lagerräumen des Werks untergebracht waren.<ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Norden.pdf Beschreibung von Norden] in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft</ref> 1945 bereitete das Kriegsende dann der Produktion infolge des Verlustes der Kriegsgefangenen ein Ende. Auch die fehlenden Wehrmachtsaufträge schadeten der wirtschaftlichen Existenz. Das damalige Hauptabsatzprodukt, Kochöfen für Privathaushalte, konnte das Unternehmen kaum am Leben halten.<ref name=":0" /> | ||
Ab 1950 wurde in neue Maschinen investiert, um sich im nationalen und internationalen Preiskampf besser aufstellen zu können. Ermöglicht wurde dies durch die Währungsreform 1948.<ref name=":0" /> Auch wurden | Ab 1950 wurde in neue Maschinen investiert, um sich im nationalen und internationalen Preiskampf besser aufstellen zu können. Ermöglicht wurde dies durch die Währungsreform 1948.<ref name=":0" /> Auch wurden Auftragarbeiten für Eisengüsse für andere Firmen neben dem Tagesgeschäft abgewickelt und sogar Fensterrahmen aus Gusseisen gefertigt. Viele Aufträge kamen auch auch von Schiffsbauern, Landmaschinenherstellern und der boomenden Bauindustrie. Die Eisenhütte hatte feste Vertretungen in Hannover, Hamburg und Kiel. Sogar im Herrscherpalast des Schah von Persien (heute Iran) in der Hauptstadt Teheran soll ein Kachelofen der Norder Eisenhütte gestanden haben. | ||
1968 ging das Unternehmen nach längeren wirtschaftlichen Schwierigkeiten endgültig in Konkurs und wurde schließlich 1969 abgerissen. Das Unternehmen, das zuletzt 30 Mitarbeiter hatte, hatte vor allem dadurch einen herben Schlag erlitten, dass Häuser nun vor allem mit Öl- und Gasheizungen betrieben wurden. Hinzu kam, dass Norden fernab der prosperierenden Ballungszentren lag.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 113</ref> Der letzte (Allein-)Inhaber der Eisenhütte war der Kaufmann W. Kutz. Beim Abbruch der Eisenhütte wurde die [[Osterburg]] mit abgerissen, der seinerzeit älteste, noch bestehende Profanbau der Stadt, da dem Denkmalschutz seinerzeit noch keine Bedeutung zugemessen wurde.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 79</ref> Seit 1971 stehen auf dem alten Betriebsgelände ein Bürogebäude bzw. Mehrparteienhaus sowie ein Verbrauchermarkt. Der zweite ''Combi'' (nach dem in Esens) öffnete hier seine Türen. | 1968 ging das Unternehmen nach längeren wirtschaftlichen Schwierigkeiten endgültig in Konkurs und wurde schließlich 1969 abgerissen. Das Unternehmen, das zuletzt 30 Mitarbeiter hatte, hatte vor allem dadurch einen herben Schlag erlitten, dass Häuser nun vor allem mit Öl- und Gasheizungen betrieben wurden. Hinzu kam, dass Norden fernab der prosperierenden Ballungszentren lag.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 113</ref> Der letzte (Allein-)Inhaber der Eisenhütte war der Kaufmann W. Kutz. Beim Abbruch der Eisenhütte wurde die [[Osterburg]] mit abgerissen, der seinerzeit älteste, noch bestehende Profanbau der Stadt, da dem Denkmalschutz seinerzeit noch keine Bedeutung zugemessen wurde.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 79</ref> Seit 1971 stehen auf dem alten Betriebsgelände ein Bürogebäude bzw. Mehrparteienhaus sowie ein Verbrauchermarkt. Der zweite ''Combi'' (nach dem in Esens) öffnete hier seine Türen. | ||