Keine Bearbeitungszusammenfassung
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 31: Zeile 31:
26506 Norden
26506 Norden
|}
|}
Die '''jüdische Synagoge''' befand sich seit 1804 im heutigen [[Synagogenweg]] in der Norder Innenstadt. Sie wurde während der Reichspogromnacht 1938 in Brand gesetzt und infolge dessen zerstört.
Die '''jüdische Synagoge''' befand sich seit 1804 am [[Synagogenweg]] in der Norder Innenstadt. Sie wurde während der Reichspogromnacht 1938 in Brand gesetzt und infolge dessen zerstört. Seit 1987 erinnert eine Gedenk- und Mahnstätte an die Geschehnisse und die Verfolgung der [[Jüdische Gemeinde Norden|Norder Juden]].


__TOC__
__TOC__
Zeile 37: Zeile 37:
Schon 1679 erwarb die [[Jüdische Gemeinde Norden|jüdische Gemeinde]] ein Gebäude am [[Neuer Weg 110|Neuen Weg 110]], das sie als Synagoge, [[Jüdische Schule|Schule]] und Wohnhaus nutzten. Dieses Gebäude wurde bis 1804 als Gebetsstätte genutzt, 1903 neu errichtet erbaut und um eine Lehrerwohnung im Obergeschoss erweitert, in dem der Lehrer der 1871 errichteten, unmittelbar anliegenden [[Jüdische Schule|jüdischen Schule]] wohnte.<ref>[https://web.archive.org/web/20160807044136/https://www.norden.de/media/custom/512_4970_1.PDF?1452781848 Ein Rundgang durch Norden], abgerufen am 25. März 2021</ref>
Schon 1679 erwarb die [[Jüdische Gemeinde Norden|jüdische Gemeinde]] ein Gebäude am [[Neuer Weg 110|Neuen Weg 110]], das sie als Synagoge, [[Jüdische Schule|Schule]] und Wohnhaus nutzten. Dieses Gebäude wurde bis 1804 als Gebetsstätte genutzt, 1903 neu errichtet erbaut und um eine Lehrerwohnung im Obergeschoss erweitert, in dem der Lehrer der 1871 errichteten, unmittelbar anliegenden [[Jüdische Schule|jüdischen Schule]] wohnte.<ref>[https://web.archive.org/web/20160807044136/https://www.norden.de/media/custom/512_4970_1.PDF?1452781848 Ein Rundgang durch Norden], abgerufen am 25. März 2021</ref>


1804 erbauten sie in der unmittelbar anliegenden Judenlohne, dem heutigen [[Synagogenweg]], eine neue Synagoge.<ref name=":2">Schreiber, Gretje (2006): Norder Häuser (XIX). Die Bewohner des Neuen Weges, in: Ostfriesischer Kurier, 17./18. August 2006, S. 12</ref> Möglicherweise gab es auch schon vor 1679 einen jüdischen Gebetsraum im Stadtgebiet, doch ist über deren Ursprung - ebenso wenig wie über den Zeitpunkt der Ansiedlung der ersten Juden in Norden - nichts näher bekannt.
1804 erbauten sie in der unmittelbar anliegenden Judenlohne, dem heutigen [[Synagogenweg]], eine neue Synagoge, die im Dezember des Jahres eingeweiht wurde.<ref name=":2">Schreiber, Gretje (2006): Norder Häuser (XIX). Die Bewohner des Neuen Weges, in: Ostfriesischer Kurier, 17./18. August 2006, S. 12</ref><ref>Ökumenischer Arbeitskreis (2021): Kleiner Rundgang durch Norden, Norden, S. 24</ref> Möglicherweise gab es auch schon vor 1679 einen jüdischen Gebetsraum im Stadtgebiet, doch ist über deren Ursprung - ebenso wenig wie über den Zeitpunkt der Ansiedlung der ersten Juden in Norden - nichts näher bekannt.


Das Grundstück, auf dem die Synagoge und nachfolgend das Gemeindezentrum errichtet wurde, hatte seit 1752 einer jüdische Familie aus [[Bargebur]] gehört. Für den Bau der Synagoge bewilligte König Friedrich Wilhelm III. von Preußen 100 Reichstaler als Zuschuss. Den Rest der Bausumme finanzierten Gemeindemitglieder und nichtjüdische Spender aus Aurich, Emden und Greetsiel.<ref name=":0">Fraenkel, Daniel (2005): Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Wallstein, Göttingen, S. 1122–1139</ref> 1891 folgte der Neubau eines neuen Gebäudes für den [[Vorsängers Haus|Vorsänger der Gemeinde]], in dem sich auch ein Frauenbad befand und Holz zum Sargbau sowie die Totenbahren gelagert wurden. Diesem Bau ging ein älterer Bau voran, über den jedoch nichts näher bekannt ist.<ref name=":2" /> Im selben Jahr wurde auch das [[Synagogenweg 3|Wohnhaus des Lehrers]] gebaut.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 86</ref> Hier wohnte später die bekannte jüdische Widerstandskämpferin [[Recha Freier]] mit ihrer Familie.
Das Grundstück, auf dem die Synagoge und nachfolgend das Gemeindezentrum errichtet wurde, hatte seit 1752 einer jüdische Familie aus [[Bargebur]] gehört. Für den Bau der Synagoge bewilligte König Friedrich Wilhelm III. von Preußen 100 Reichstaler als Zuschuss. Den Rest der Bausumme finanzierten Gemeindemitglieder und nicht-jüdische Spender aus Aurich, Emden und Greetsiel.<ref name=":0">Fraenkel, Daniel (2005): Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Wallstein, Göttingen, S. 1122–1139</ref> 1891 folgte der Neubau eines neuen Gebäudes für den [[Vorsängers Haus|Vorsänger der Gemeinde]], in dem sich auch ein Frauenbad befand und Holz zum Bauen von Särgen sowie die Totenbahren gelagert wurden. Diesem Bau ging ein älterer Bau voran, über den jedoch nichts näher bekannt ist.<ref name=":2" /> Im selben Jahr wurde auch das [[Synagogenweg 3|Wohnhaus des Lehrers]] gebaut.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 86</ref> Hier wohnte später die bekannte jüdische Widerstandskämpferin [[Recha Freier]] mit ihrer Familie.


In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge von den Nationalsozialisten unter der Führung des NSDAP-Kreisleiters [[Lenhard Everwien]] niedergebrannt. Dieser hatte das dafür verwendete Benzin zuvor eigens mit zwei weiteren Parteimitgliedern bei einer Norder Tankstelle besorgt. Die bereits vorab alarmierte [[Feuerwehr Norden|Norder Feuerwehr]] wurde ausdrücklich angewiesen, ihre Maßnahmen lediglich darauf zu beschränken, ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Gebäude zu verhindern.<ref>Gödeken, Lina (2000): Rund um die Synagoge in Norden. Die Geschichte der Synagogengemeinde seit 1866, Aurich, S. 304</ref> Die Überbleibsel der Synagoge wurden nach dem Brand einem Norder Altwarenhändler zur Beseitigung und Wiederverwertung der Überreste übergeben.<ref name=":0" />
In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge von den Nationalsozialisten unter der Führung des NSDAP-Kreisleiters [[Lenhard Everwien]] niedergebrannt. Dieser hatte das dafür verwendete Benzin zuvor eigens mit zwei weiteren Parteimitgliedern bei einer Norder Tankstelle besorgt. Die bereits vorab alarmierte [[Feuerwehr Norden|Norder Feuerwehr]] wurde ausdrücklich angewiesen, ihre Maßnahmen lediglich darauf zu beschränken, ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Gebäude zu verhindern.<ref>Gödeken, Lina (2000): Rund um die Synagoge in Norden. Die Geschichte der Synagogengemeinde seit 1866, Aurich, S. 304</ref> Die Überbleibsel der Synagoge wurden nach dem Brand einem Norder Altwarenhändler zur Beseitigung und Wiederverwertung der Überreste übergeben.<ref name=":0" />