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===Mittelalter===
===Mittelalter===
Über die frühe Geschichte des Ortes bzw. der Umgebung liegen keine Daten mehr vor. Es ist jedoch davon auszugehen, dass das Gebiet relativ früh besiedelt war. Nach mehreren verheerenden Sturmfluten des 14. Jahrhunderts, insbesondere der [[Erste Dionysiusflut|Ersten Dionysiusflut]], brachen an vielen Stellen in Ostfriesland die Deiche und die [[Leybucht]] erreichte ihre größte Ausdehnung. Sie erreichte eine Fläche von gut 129 km² und dehnte sich von Greetsiel im Westen bis Marienhafe im Osten bzw. dem Rand der Stadt Norden bis nach Canhusen (Gemeinde Hinte) im Süden aus. Allein durch die Erste Dionysiusflut gingen etwa 20.000 Hektar Land verloren.
Über die frühe Geschichte des Ortes bzw. der Umgebung liegen keine Daten mehr vor. Es ist jedoch davon auszugehen, dass das Gebiet relativ früh besiedelt war. Nach mehreren verheerenden Sturmfluten des 14. Jahrhunderts, insbesondere der [[Erste Dionysiusflut|Ersten Dionysiusflut]], brachen an vielen Stellen in Ostfriesland die Deiche und die [[Leybucht]] erreichte ihre größte Ausdehnung. Sie erreichte eine Fläche von gut 129 km² und dehnte sich von Greetsiel im Westen bis Marienhafe im Osten bzw. dem Rand der Stadt Norden bis nach Canhusen (Gemeinde Hinte) im Süden aus. Allein durch die Erste Dionysiusflut gingen etwa 20.000 Hektar Land verloren. Das Land, auf dem heute Leybuchtpolder liegt, war damit über Jahrhunderte Teil des Meeres und als solcher nicht mehr besiedelbar.


===Neuzeit===
===Neuzeit===
In den nächsten Jahrhunderten wurden sukzessive Landgewinnungsmaßnahmen vorgenommen, deren Abschluss die Eindeichung des Leybuchtpolders bildete. Durch den Bau des [[Störtebekerdeich|Störtebekerdeiches]], wurde die Küstenlinie in ihrem heutigen Verlauf begradigt und das neue Land vor dem Meer geschützt.
In den nächsten Jahrhunderten wurden sukzessive Landgewinnungsmaßnahmen aus der [[Leybucht]] vorgenommen, deren Abschluss die Eindeichung des Leybuchtpolders bildete. Durch den Bau des [[Störtebekerdeich|Störtebekerdeiches]], wurde die Küstenlinie in ihrem heutigen Verlauf begradigt und das neue Land vor dem Meer geschützt. Bereits 1947 begann ein ganzes Heer von Deicharbeitern unter der Leitung des [[Karl Wenholt]], damals Leiter des [[Bauamt für Küstenschutz und Landgewinnung|Bauamtes für Küstenschutz und Landgewinnung]] in Norden, mit dem Bau des [[Störtebekerdeich|Störtebekerdeichs]]. Es galt, eine Fläche von gut 1000 Hektar dem Meer abzuringen, auf Dauer zu sichern und den fruchtbaren Boden als Weide- und Ackerland urbar zu machen.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 149</ref>


Bereits 1947 begann ein ganzes Heer von Deicharbeitern unter der Leitung des [[Karl Wenholt]], damals Leiter des [[Bauamt für Küstenschutz und Landgewinnung|Bauamtes für Küstenschutz und Landgewinnung]] in Norden, mit dem Bau des [[Störtebekerdeich|Störtebekerdeichs]]. Es galt, eine Fläche von gut 1000 Hektar dem Meer abzuringen, auf Dauer zu sichern und den fruchtbaren Boden als Weide- und Ackerland urbar zu machen.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 149</ref> Nach Abschluss der Eindeichung im Jahr 1950 wurde 1952 mit der Besiedlung des neu gewonnenen Landes begonnen. Hierbei wurden zu gleichen Anteilen Einheimische und Vertriebene aus dem ehemaligen deutschen Ostgebieten bei der Verteilung berücksichtigt. Bevorzugt wurden dabei die Deicharbeiter, unabhängig ihrer Herkunft, die mit ihrer Arbeit die Besiedlung des Ortes erst möglich gemacht haben.
Nach Abschluss der Eindeichung im Jahr 1950 wurde 1952 mit der Besiedlung des neu gewonnenen Landes begonnen. Hierbei wurden zu gleichen Anteilen Einheimische und Vertriebene aus dem ehemaligen deutschen Ostgebieten bei der Verteilung berücksichtigt. Bevorzugt wurden dabei die Deicharbeiter, unabhängig ihrer Herkunft, die mit ihrer Arbeit die Besiedlung des Ortes überhaupt erst möglich gemacht haben. Vergeben wurden 53 landwirtschaftliche Betriebe im Umfang von 10 bis 16 Hektar, 21 Betriebe in der Größenordnung von 7 bis 10 Hektar sowie 28 Arbeiter- und Handwerkerstellen, deren Grundstücke einen Hektar umfassten. Als Zuwegung und Verbindungen wurden etwa zwölf Kilometer Straßen angelegt, von denen viele noch in ihrer ursprünglichen, plattenartigen Bauweise existieren. Insgesamt wurden 103 Siedlerstellen geschaffen.<ref name=":0" />


Vergeben wurden 53 landwirtschaftliche Betriebe im Umfang von 10 bis 16 Hektar, 21 Betriebe in der Größenordnung von 7 bis 10 Hektar sowie 28 Arbeiter- und Handwerkerstellen, deren Grundstücke einen Hektar umfassten. Als Zuwegung und Verbindungen wurden etwa zwölf Kilometer Straßen angelegt, von denen viele noch in ihrer ursprünglichen, plattenartigen Bauweise existieren. Insgesamt wurden 103 Siedlerstellen geschaffen.<ref name=":0" />
Offiziell gegründet wurde die (zunächst) eigenstände Gemeinde Leybuchtpolder schließlich am 1. Juli 1954. Wesentliche Teile des Ortes bestanden aus neu eingedeichtem Land, jedoch wurden auch Teile benachbarter Gemeinde in das Gebiet integriert. Hierbei wurden die Grenzen neu gezogen und vorwiegend alte Deichlinien und Flüsse bzw. Entwässerungsgräben als solche herangezogen. Zu diesem Zeitpunkt gab es Pläne, den weitere Eindeichungen vorzunehmen. Die Überlegungen gingen dahin, sogar die gesamte Leybucht dem Meer abzuringen. Aus Naturschutzgründen wurde davon nichts mehr umgesetzt, da die Leybucht seit jeher ein Vogelrastgebiet von internationaler Bedeutung ist. Lediglich kleinere Arbeiten, wie der Bau des [[Leysiel|Leysiels]] im Jahre 1991 wurden vorgenommen.


Offiziell gegründet wurde die Gemeinde Leybuchtpolder schließlich am 1. Juli 1954. Wesentliche Teile des Ortes bestanden aus neu eingedeichtem Land, jedoch wurden auch Teile benachbarter Gemeinde in das Gebiet integriert. Hierbei wurden die Grenzen neu gezogen und vorwiegend alte Deichlinien und Flüsse bzw. Entwässerungsgräben als Grenzen herangezogen. Zu diesem Zeitpunkt gab es Pläne, den weitere Eindeichungen vorzunehmen. Die Überlegungen gingen dahin, sogar die gesamte Leybucht dem Meer abzuringen. Aus Naturschutzgründen wurde davon nichts mehr umgesetzt, da die Leybucht seit jeher ein Vogelrastgebiet von internationaler Bedeutung ist. Lediglich kleinere Arbeiten, wie den Bau des [[Leysiel|Leysiels]] wurden vorgenommen.
Mit dem Bau der [[Leybuchtpolder Schule]] im Jahr 1955 sowie der Errichtung [[Evangelisch-lutherische Kirche Leybuchtpolder|einer Kirche]] am [[Marktstraße|Dorfkern]] wurde Leybuchtpolder vollends zu einem eigenen Dorf.<ref name=":0" /> Ab 1965 war es Hauptort und Gliedgemeinde der Samtgemeinde Leybucht, zu der neben Leybuchtpolder auch die (ebenfalls) bis dahin eigenständigen Gemeinden [[Westermarsch I]], [[Westermarsch II]] und [[Neuwesteel]] gehörten. Ein Jahr zuvor, am 6. Juni 1964, wurde der [[Sportverein Leybuchtpolder]] gegründet.


Mit dem Bau der [[Leybuchtpolder Schule]] im Jahr 1955 sowie der Errichtung [[Evangelisch-lutherische Kirche Leybuchtpolder|einer Kirche]] am [[Marktstraße|Dorfkern]] wurde Leybuchtpolder vollends zu einem eigenen Dorf.<ref name=":0" /> Ab 1965 war es Hauptort und Gliedgemeinde der Samtgemeinde Leybucht. Ein Jahr zuvor, am 6. Juni 1964, wurde der [[Sportverein Leybuchtpolder]] gegründet.
Zum 1. Juli 1972 wurden die [[Norder Umlandgemeinden]] im Zuge der niedersächischen Gebitsreform nach Norden eingemeindet. [[Süderneuland I]] und Leybuchtpolder weigerten sich zunächst noch beharrlich, die Unterschrift zu leisten, sodass sie per Gesetzeskraft zwangseingemeindet werden mussten.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 77</ref> Alle anderen heutigen Stadtteile fügten sich ihrem Schicksal und gaben ihre Eigenständigkeit auf.
 
Zum 1. Juli 1972 werden die [[Norder Umlandgemeinden]] nach Norden eingemeindet. [[Süderneuland I]] und Leybuchtpolder weigern sich jedoch beharrlich, die Unterschrift zu leisten, sodass sie per Gesetzeskraft zwangseingemeindet werden.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 77</ref>


==Verwaltung==
==Verwaltung==
Seit dem Verlust der Eigenständigkeit steht Leybuchtpolder ein [[Ortsvorsteher]] vor, der den Ort und seine Interessen gegenüber dem Rat und der Verwaltung der Stadt vertritt. Als eigenständige Gemeinde standen ein Bürgermeister und ein Gemeindedirektor an der Spitze der Verwaltung.
Seit dem Verlust der Eigenständigkeit steht Leybuchtpolder kein [[Liste der Bürgermeister der Gemeinde Leybuchtpolder]], sondern ein [[Ortsvorsteher]] vor, der den Ort und seine Interessen gegenüber der Verwaltung und dem [[Stadtrat|Rat der Stadt Norden]] vertritt. Als eigenständige Gemeinde standen der Verwaltung ein ehrenamtlicher Bürgermeister mit vorwiegend repräsentativen Aufgaben und ein hauptamtlicher Gemeindedirektor als eigentlicher Hauptverwaltungsbeamter an der Spitze der Verwaltung.


==Bildung==
==Bildung==
Der Ort verfügt über eine [[Grundschule Leybuchtpolder|Grundschule]], deren Arbeiten 1955 beendet wurden. Der Besuch weiterführender Schulen ist in Norden möglich.
Der Ort verfügt über eine [[Grundschule Leybuchtpolder|Grundschule]], deren Arbeiten 1955 abgeschlossen wurden. Der Besuch weiterführender Schulen ist - unter anderem - in Norden möglich.


==Religion==
==Religion==
Beim Bau des Dorfes wurden zwei Kirchen gebaut, eine für die [[Evangelisch-lutherische Kirche Leybuchtpolder|evangelisch-lutherischen Siedler]] und eine für die [[Evangelisch-reformierte Kirche Leybuchtpolder|evangelisch-reformierten]]. Die reformierte Kirche ist mittlerweile aufgrund Mitgliederschwundes geschlossen. Hier befindet sich heute das Dorfgemeinschaftshaus des Ortes, welches auch ''Lüttje Kark'' (niederdeutsch für ''Kleine Kirche'') genannt wird.
Beim Bau des Dorfes wurden zwei Kirchen gebaut, eine für die [[Evangelisch-lutherische Kirche Leybuchtpolder|evangelisch-lutherischen Siedler]] und eine für die [[Evangelisch-reformierte Kirche Leybuchtpolder|evangelisch-reformierten]]. Die reformierte Kirche ist mittlerweile aufgrund Mitgliederschwundes geschlossen. Hier befindet sich heute das Dorfgemeinschaftshaus des Ortes, welches auch ''Lüttje Kark'' (niederdeutsch für ''Kleine Kirche'') genannt wird.
Die anderen Konfessionen besuchten seit jeher die [[Liste der Sakralbauten im Stadtgebiet|anderen Gotteshäuser der Stadt]], so etwa die katholische [[Ludgeruskirche]] an der [[Osterstraße]].


==Gesundheit und Soziales==
==Gesundheit und Soziales==
Das nächstgelegene Krankenhaus befindet sich seit jeher in Norden.
Das nächstgelegene Krankenhaus befindet sich seit jeher in Norden. In Leybuchtpolder gab und gibt es kein Krankenhaus oder ähnliches.


==Wirtschaft und Verkehr==
==Wirtschaft und Verkehr==