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'''Derk de Haan''' (* 16. Mai 1908 in Oldersum; † 9. Januar 1975 in Norden)<ref name=":0">[https://www.grabsteine-ostfriesland.de/grabstein/27174/Derk-Haan%2C+de--Bargebur Grab von Derk de Haan auf Grabsteine Ostfriesland], abgerufen am 10. April 2021</ref> war Rektor des [[Ulrichsgymnasium|Ulrichsgymnasiums]] und Heimatforscher. Nach ihm ist der [[Derk-de-Haan-Padd]] in [[Ekel]] benannt. Während des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] kämpfte er als Mitglied der Waffen-SS, wo er bis zum SS-Hauptsturmführer (vergleichbar mit einem Hauptmann der Wehrmacht) aufstieg.
'''Derk de Haan''' (* 16. Mai 1908 in Oldersum; † 9. Januar 1975 in Norden)<ref name=":0">[https://www.grabsteine-ostfriesland.de/grabstein/27174/Derk-Haan%2C+de--Bargebur Grab von Derk de Haan auf Grabsteine Ostfriesland], abgerufen am 10. April 2021</ref> war Rektor des [[Ulrichsgymnasium|Ulrichsgymnasiums]] und Heimatforscher. Nach ihm ist der [[Derk-de-Haan-Padd]] in [[Ekel]] benannt. Während des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] kämpfte er als Mitglied der Waffen-SS an mehreren Kriegsschauplätzen und stieg in der Hierarchie bis zum SS-Hauptsturmführer auf.


==Leben==
==Leben==
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Am 17. Januar 1937 rettete er gemeinsam mit einem Schüler einer 13. Klasse einen verunfallten Mann aus dem eiskalten Wasser der Werra, einem Nebenfluss der Weser. Der Mann war zuvor mit seinem PKW in den Fluss gestürzt. Ihm gelang es, ihn durch Einschlagen der Scheibe und Durchstechen des Daches vor dem Ertrinkungstod zu retten. Sein Einsatz wurde von August Heißmeyer, dem damaligen Chef des SS-Hauptamtes, schriftlich gewürdigt.<ref name=":1" />
Am 17. Januar 1937 rettete er gemeinsam mit einem Schüler einer 13. Klasse einen verunfallten Mann aus dem eiskalten Wasser der Werra, einem Nebenfluss der Weser. Der Mann war zuvor mit seinem PKW in den Fluss gestürzt. Ihm gelang es, ihn durch Einschlagen der Scheibe und Durchstechen des Daches vor dem Ertrinkungstod zu retten. Sein Einsatz wurde von August Heißmeyer, dem damaligen Chef des SS-Hauptamtes, schriftlich gewürdigt.<ref name=":1" />


Im [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] kämpfte de Haan als SS-Mann in mehreren Fronteinsätzen. Am 31. Juni 1943 wurde er zum SS-Hauptsturmführer befördert sowie nach drei Verwundungen von weiteren Kampfeinsätzen freigestellt und als Leiter einer Schule in Haselünne eingesetzt. Dort - sowie an der Nationalpolitischen Erziehungsanstalt (Napola) in Ilfeld - wurde de Haan zum Führer der Hitlerjugend ernannt. An der Napola Ilfeld wurde er zum stellvertretenden Anstaltsleiter.<ref>[https://www.wikiwand.com/de/Kreisgymnasium_St._Ursula_Hasel%C3%BCnne Geschichte des Kreisgymnasiums St. Ursula Haselünne], abgerufen am 10. April 2021</ref> Zu seinen Schülern gehörten unter anderem Angehörige von Nazi-Größen wie dem NS-Außenminister Joachim von Ribbentropp und dem Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Hermann Göring.<ref name=":1" />
Im [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] kämpfte de Haan als Angehöriger der Waffen-SS in mehreren Fronteinsätzen. Am 31. Juni 1943 wurde er zum SS-Hauptsturmführer befördert sowie nach drei Verwundungen von weiteren Kampfeinsätzen freigestellt und als Leiter einer Schule in Haselünne eingesetzt. Dort, sowie an der Nationalpolitischen Erziehungsanstalt (Napola) in Ilfeld, wurde de Haan zum Führer der Hitlerjugend ernannt. An der Napola Ilfeld wurde er zum stellvertretenden Anstaltsleiter.<ref>[https://www.wikiwand.com/de/Kreisgymnasium_St._Ursula_Hasel%C3%BCnne Geschichte des Kreisgymnasiums St. Ursula Haselünne], abgerufen am 10. April 2021</ref> Zu seinen Schülern gehörten unter anderem Angehörige von Nazi-Größen wie dem NS-Außenminister Joachim von Ribbentropp und dem Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Hermann Göring.<ref name=":1" />


Als er 1945 verhaftet werden sollte und sogar mit seiner Auslieferung an die Russen rechnete, verschaffte er sich den Namen eines gefallenen Pfarrers und arbeitet als ''Hans Häfner'' bis 1949 im Getreidehandel einer Firma in Bad Pyrmont. Von Drygalski, sein früherer Mentor an der Napola Ilfeld, holte ihn nach der Entnazifizierung an das Kaiser-Wilhelm in Hannover, wo er ab 1952 unter anderem als Latein- und Griechischlehrer tätig war. Mit seinen Schülern unternahm de Haan 1953 eine Fahrt nach Griechenland. Auf einer Pause in Jugoslawien gerieten sie in eine Polizeikontrolle. Der sehr nervös auf diese - letztlich glimpflich abgelaufene - Kontrolle reagierende de Haan offenbarte seinen Schülern, dass er Sorge um eine Entdeckung seiner ehemaligen Zugehörigkeit zur SS gehabt hatte.<ref name=":1" />
Als de Haan 1945 verhaftet werden sollte und daher mit seiner Auslieferung an die Russen rechnete, verschaffte er sich den Namen eines gefallenen Pfarrers und arbeitete als ''Hans Häfner'' bis 1949 in einem Getreidehandel in Bad Pyrmont. Von Drygalski, sein früherer Mentor an der Napola Ilfeld, holte ihn nach der Entnazifizierung an das Kaiser-Wilhelm in Hannover, wo er ab 1952 unter anderem als Latein- und Griechischlehrer tätig war. Mit seinen Schülern unternahm de Haan 1953 eine Fahrt nach Griechenland. Auf einer Pause in Jugoslawien gerieten sie in eine Polizeikontrolle. Der sehr nervös auf diese, letztlich glimpflich abgelaufene, Kontrolle reagierende de Haan offenbarte seinen Schülern, dass er Sorge um eine Entdeckung seiner ehemaligen Zugehörigkeit zur SS gehabt hatte.<ref name=":1" /> Diese waren leicht anhand der tätowierten Blutgruppe als solche zu erkennen.


1957 wurde de Haan nach Norden versetzt, wo er Schulleiter am [[Ulrichsgymnasium]] wurde.<ref name=":1" /> Hier verfasste er 1967 eine Festschrift anlässlich des 400-jährigen Bestehens des Gymnasiums (400 Jahre Ulrichsgymnasium Norden. 1567–1967). Am 9. Januar 1975 starb er im Alter von 66 Jahren und wurde auf dem [[Bargeburer Friedhof|reformierten Friedhof]] in [[Bargebur]] bestattet.<ref name=":0" />
1957 wurde de Haan nach Norden versetzt, wo er Schulleiter am [[Ulrichsgymnasium]] wurde.<ref name=":1" /> Hier verfasste er 1967 eine Festschrift anlässlich des 400-jährigen Bestehens des Gymnasiums (Titel: ''400 Jahre Ulrichsgymnasium Norden. 1567-1967''). Am 9. Januar 1975 starb er im Alter von 66 Jahren und wurde auf dem [[Bargeburer Friedhof|reformierten Friedhof]] in [[Bargebur]] bestattet.<ref name=":0" />


==Ehrungen==
==Ehrungen==
Trotz seiner als hochproblematisch anzusehenden Vergangenheit als kommandierender Offizier einer an unzähligen Kriegsverbrechen beteiligten Organisation sowie als führende Lehrkraft an einer nationalsozialistisch durchtränkten Bildungsanstalt wurde ihm vom [[Stadtrat|Norder Stadtrat]] posthum die Ehre einer Straßenbenennung zuerkannt, als ein bis dato namenloser Wanderweg entlang des [[Norder Tief|Norder Tiefs]] im Jahre 2010 nach ihm benannt wurde.<ref>[https://www.oz-online.de/-news/artikel/33285/Wanderweg-hinter-Krankenhaus-erhaelt-Namen Online-Bericht der Ostfriesen Zeitung vom 14. Oktober 2010], abgerufen am 10. April 2021</ref> Die Benennung folgte auf Wunsch der Familie. De Haan selbst wohnte tatsächlich nur wenige Meter von ''seinem Padd'' entfernt - und zwar im Winkel der [[Baltrumer Straße]] und der [[Uferstraße]].
Trotz seiner als hochproblematisch anzusehenden Vergangenheit als kommandierender Offizier einer an unzähligen Kriegsverbrechen beteiligten Organisation sowie als führende Lehrkraft an einer nationalsozialistischen Bildungsanstalt wurde ihm vom [[Stadtrat|Norder Stadtrat]] posthum die Ehre einer Straßenbenennung zuerkannt, als ein bis dato namenloser Wanderweg entlang des [[Norder Tief|Norder Tiefs]] im Jahre 2010 nach ihm benannt wurde.<ref>[https://www.oz-online.de/-news/artikel/33285/Wanderweg-hinter-Krankenhaus-erhaelt-Namen Online-Bericht der Ostfriesen Zeitung vom 14. Oktober 2010], abgerufen am 10. April 2021</ref> Die Benennung folgte auf Wunsch der Familie. De Haan selbst wohnte tatsächlich nur wenige Meter von ''seinem Padd'' entfernt - und zwar im Winkel der [[Baltrumer Straße]] und der [[Uferstraße]]. Ein Großteil der Ländereien am [[Hexenkolk]] soll ihm und seiner Frau gehört haben.


==Literatur==
==Literatur==