Schöninghsches Haus: Unterschied zwischen den Versionen
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Das Gebäude wurde 1576 von [[Egbert Crayers]], einem wohlhabenden Norder Kaufmann, im Stil der Renaissance errichtet. [[Wilhelm Peter Schöningh]], von dem das Gebäude seinen Namen hat, erwarb das Haus im | Das Gebäude wurde 1576 von [[Egbert Crayers]], einem wohlhabenden Norder Kaufmann, im Stil der Renaissance errichtet. Dieser hatte den Vorgängerbau im Jahre 1554 erworben und im genannten Jahr neu im Stile der Renaissance errichten lassen. Zu dieser Zeit trug das Grundstück die Anschrift ''[[Osterkluft]], 1. [[Rott]], Nr. 13.'' Von Crayers ging das Gebäude um 1600 an den Geldverleiher [[Johan Bitter]] und 1677 an [[Heino Sassen]], dessen Familie noch bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts im Besitz des Gebäudes war.<ref name=":6">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 78</ref> Anfang des 18. Jahrhunderts wohnte hier [[Meinhardus Johann Sassen|Bürgermeister Sassen]], später dessen Schwester, die das Haus um 1750 an einen Bäcker namens ''R. C. Janssen'' verkaufte. Über seine Tochter kommt das Haus an den [[Ratsherr|Ratsherrn]] ''A. J. Speer''. Im Besitz dieser Familie bleibt es bis 1863.<ref name=":4">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 79</ref> | ||
[[Wilhelm Peter Schöningh]], von dem das Gebäude seinen Namen hat, erwarb das Haus im Jahre 1869 für 3.000 Taler.<ref name=":4" /><ref name=":5" /> Fortan war es beinahe 100 Jahre im Besitz seiner Familie.<ref name=":5">[https://web.archive.org/web/20170823001036/http://www.ostfriesland.de/mein-ostfriesland/ferienorte/norden-norddeich/interessantes/haus-schoeningh-in-norden.html Beschreibung des Schöninghschen Hauses auf Ostfriesland.de], abgerufen am 22. April 2021</ref> Mit Beschluss vom Frühjahr 1962 verfügt verfügte das Norder Bauamt 1963 schließlich den Abriss des Gebäudes, da das Mauerwerk starke Beschädigungen aufweis. Denkmalschutz spielte zu dieser Zeit leider noch keine Rolle (siehe auch: [[Altstadtsanierung]]).<ref name=":3">Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 80</ref><ref name=":0" /> Als Ursache für den Schaden am Mauerwerk wird das Absinken des Grundwasserspiegels sowie der verstärkte Kraftfahrzeugverkehr gesehen.<ref name=":0">Pühl, Eberhard (2007): Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland, Oldenburg, S. 169</ref> | |||
Vor dem Verwaltungsgericht Oldenburg wurde daraufhin erfolgreich Klage gegen den Abriss eingereicht. Das Verwaltungsgericht hob die Verfügung des Bauamtes auf. Das Gebäude gelangte nun in den Besitz von Fürst Wilhelm Edzard zu Innhausen und Knyphausen aus Lütetsburg, der das Gebäude wiederum an den Rechtsanwalt [[Veit Wucherpfennig]] verkaufte. Dieser bewahrte das Gebäude durch umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen vor dem Verfall.<ref name=":3" /><ref name=":0" /> | Vor dem Verwaltungsgericht Oldenburg wurde daraufhin erfolgreich Klage gegen den Abriss eingereicht. Das Verwaltungsgericht hob die Verfügung des Bauamtes auf. Das Gebäude gelangte nun in den Besitz von Fürst Wilhelm Edzard zu Innhausen und Knyphausen aus Lütetsburg, der das Gebäude wiederum an den Rechtsanwalt [[Veit Wucherpfennig]] verkaufte. Dieser bewahrte das Gebäude durch umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen vor dem Verfall.<ref name=":3" /><ref name=":0" /> | ||
Insbesondere auch vor dem Hintergrund der nahezu vollständigen Zerstörung der Stadt Emden gilt das Schöninghsche Haus als der bedeutendste Vertreter unter den an niederländischen Vorbildern orientierten Patrizierhäusern der Renaissance in Ostfriesland.<ref name=":1">Kiesow, Gottfried (2010): Architekturführer Ostfriesland, Bonn, S. 275</ref> | Insbesondere auch vor dem Hintergrund der nahezu vollständigen Zerstörung der Stadt Emden gilt das Schöninghsche Haus als der bedeutendste Vertreter unter den an niederländischen Vorbildern orientierten Patrizierhäusern der Renaissance in Ostfriesland.<ref name=":1">Kiesow, Gottfried (2010): Architekturführer Ostfriesland, Bonn, S. 275</ref> Bis heute ist es ein beliebtes Fotomotiv und wird im Allgemeinen als das schönste Haus der Stadt angesehen. | ||
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Ursprünglich wies das Gebäude im oberen Stock 14 Wappenfenster auf, von denen beim Erwerb des Gebäudes durch die Familie Schöningh nur noch eines vorhanden war, das ein Rosenwappen zeigte. Dieses Fenster wurde bei der großen Explosion im [[Vertriebenenlager Tidofeld]] im Sommer 1945 zerstört.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 97</ref> Möglicherweise wurde es dort verwahrt, um es vor Plünderungen in der Nachkriegszeit zu bewahren oder ist aus anderen, nicht näher nachvollziehbaren Gründen dorthin verbracht worden. | Ursprünglich wies das Gebäude im oberen Stock 14 Wappenfenster auf, von denen beim Erwerb des Gebäudes durch die Familie Schöningh nur noch eines vorhanden war, das ein Rosenwappen zeigte. Dieses Fenster wurde bei der großen Explosion im [[Vertriebenenlager Tidofeld]] im Sommer 1945 zerstört.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 97</ref> Möglicherweise wurde es dort verwahrt, um es vor Plünderungen in der Nachkriegszeit zu bewahren oder ist aus anderen, nicht näher nachvollziehbaren Gründen dorthin verbracht worden. | ||
In der Zeit um 1754 befanden sich im Erdgeschoss neben einem Vorhaus eine Schlafkammer, eine große Küche, eine Stube und eine weitere, kleinere Küche. Alle Räumen waren mit einer offenen Feuerstelle ausgestattet, um diese angemessen beheizen zu können. Im ersten Geschoss befanden sich vier weitere Räume (Stuben), im obersten Geschoss schließlich ein Lagerraum. Der Dachboden, der sich über das gesamte Gebäude erstreckte, diente ebenfalls zur Lagerung. Daneben gab es noch zwei Keller, in der ebenfalls Waren gekühlt gelagert werden konnten. Im rückwärtigen Bereich des Gebäudes befanden sich zu dieser Zeit eine Scheune und ein Waschhaus.<ref name=":6" /> Die Selbstverpflegung war seinerzeit auch für wohlhabendere Familien nicht ungewöhnlich und verbreitet, so etwa auch beim [[Kettler'sches Haus|Kettler'schen Haus]]. | |||
Im Laufe der Jahrzehnte befanden sich im Erdgeschoss mehrere Restaurants, zuletzt das Restaurant ''Vesuvio''. Die weiteren Geschosse werden für Wohnzwecke genutzt. | |||
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