Erste Dionysiusflut: Unterschied zwischen den Versionen
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Als '''Erste Dionysiusflut''' werden zwei schwere Sturmfluten an der Nordsee bezeichnet, die die ostfriesische Küste am 9. Oktober 1374 und vom 8. bis zum 10. Oktober 1375 heimsuchten. In Ostfriesland, aber auch in Flandern (Belgien) und an der Weser kam es zu massiven Zerstörungen und zahlreichen Todesopfern. Benannt sind die Sturmfluten nach dem | Als '''Erste Dionysiusflut''' werden zwei schwere Sturmfluten an der Nordsee bezeichnet, die die ostfriesische Küste am 9. Oktober 1374 und vom 8. bis zum 10. Oktober 1375 heimsuchten. In Ostfriesland, aber auch in Flandern (Belgien) und an der Weser kam es zu massiven Zerstörungen und zahlreichen Todesopfern. Benannt sind die Sturmfluten nach dem Heiligen Dionysius von Paris, dessen Gedenktag der 9. Oktober ist.<ref>M.K. Elisabeth Gottschalk: Stormvloeden en rivieroverstromingen in Nederland. Bd. 1, 1977</ref> | ||
Die [[Leybucht]] erreichte nach der Flut mit etwa 13.000 Hektar ihre größte Ausdehnung und das Dorf [[Westeel]] musste aufgegeben werden. Bezogen auf das heutige Stadtgebiet von Norden reichte sie ungefähr bis an die heutigen Straßenzüge [[Utlandshörn (Straße)|Utlandshörn]] und [[Westermarscher Straße]], wo nachfolgend auch eine Deichlinie errichtet wurde. Nach Osten reichten die Fluten bis an das Stadtgebiet, die Wellen sollen sogar bis an die Mauern des [[Dominikanerkloster|Dominikanerklosters]] am [[Fräuleinshof]] geschlagen haben. Auch [[Süderneuland]] ging in den Fluten verloren, die Leybucht drang hier bis etwa zur heutigen [[Bundesstraße]] vor. | Die [[Leybucht]] erreichte nach der Flut mit etwa 13.000 Hektar ihre größte Ausdehnung und das Dorf [[Westeel]] musste aufgegeben werden. Bezogen auf das heutige Stadtgebiet von Norden reichte sie ungefähr bis an die heutigen Straßenzüge [[Utlandshörn (Straße)|Utlandshörn]] und [[Westermarscher Straße]], wo nachfolgend auch eine Deichlinie errichtet wurde. Nach Osten reichten die Fluten bis an das Stadtgebiet, die Wellen sollen sogar bis an die Mauern des [[Dominikanerkloster|Dominikanerklosters]] am [[Fräuleinshof]] geschlagen haben. Auch [[Süderneuland]] ging in den Fluten verloren, die Leybucht drang hier bis etwa zur heutigen [[Bundesstraße]] vor, teilweise sogar bis nach Lütetsburg. | ||
Trotz zahlloser Todesopfer und Landverluste hatte die auf einer erhöhten [[Norder Geestinsel|Geestinsel]] errichtete Stadt Norden nun direkten Zugang zum Meer. Der [[Norder Hafen]] bescherte der Stadt fortan über Jahrhunderte eine wirtschaftliche Blüte. | Trotz zahlloser Todesopfer und Landverluste hatte die auf einer erhöhten [[Norder Geestinsel|Geestinsel]] errichtete Stadt Norden nun direkten Zugang zum Meer. Der [[Norder Hafen]] bescherte der Stadt fortan über Jahrhunderte eine wirtschaftliche Blüte. Der Geschichtsschreiber [[Ubbo Emmius]] berichtete in den 1590er Jahren von den Sturmfluten: | ||
Der Geschichtsschreiber [[Ubbo Emmius]] | |||
''Am 9. Oktober 1373 erfolgte eine große Überschwemmung, wie sie seit Menschengedenken nicht gewesen war, welche sich über die ganze friesische Küste erstreckte und den Einwohnern zu schwerem Unglück gereichte. Denn sie bedeckte das ansehnliche Dorf Westeel, in einer fruchtbaren Gegend fast 2000 Schritte im Süden von Norden gelegen und gegen Aufgang der Sonne Osten schauend mit einer solchen Menge Wassers, dass alle Gebäude mit der Kirche niedergerissen und zerstört wurden, ja ein Teil des Bodens verschlungen ist und Menschen und Tiere verschwanden.'' | ''Am 9. Oktober 1373 erfolgte eine große Überschwemmung, wie sie seit Menschengedenken nicht gewesen war, welche sich über die ganze friesische Küste erstreckte und den Einwohnern zu schwerem Unglück gereichte. Denn sie bedeckte das ansehnliche Dorf Westeel, in einer fruchtbaren Gegend fast 2000 Schritte im Süden von Norden gelegen und gegen Aufgang der Sonne Osten schauend mit einer solchen Menge Wassers, dass alle Gebäude mit der Kirche niedergerissen und zerstört wurden, ja ein Teil des Bodens verschlungen ist und Menschen und Tiere verschwanden.'' | ||