Albert Schöneberg: Unterschied zwischen den Versionen
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Anfang 1946 konstituierte sich dann auf Anweisung der Besatzungsbehörden der erste [[Stadtrat|Nachkriegsstadtrat]]. Hauptaufgabe des ernannten Stadtrates, der aus politisch nicht belasteten Mitgliedern bestand, war die Umsetzung der von der Militärregierung nach britischem Muster entwickelten neuen ''Deutschen Gemeindeordnung'', die damit verbundene Redemokratisierung der kommunalen Strukturen und die Vorbereitung der ersten Kommunalwahlen. Wichtigstes Ziel der neuen Kommunalordnung war die Abschaffung des nationalsozialistischen Führerprinzips und seine Ersetzung durch das ''Prinzip gemeinschaftlicher Verantwortung''.<ref name=":0">Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. 1944–1948. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 100f.</ref> Das Amt des Bürgermeisters war ohnehin eher formeller Natur und durch die faktische Kontrolle des gesamten Verwaltungsapparates waren die Befugnisse Schönebergs lange Zeit weiter eingeschränkt. | Anfang 1946 konstituierte sich dann auf Anweisung der Besatzungsbehörden der erste [[Stadtrat|Nachkriegsstadtrat]]. Hauptaufgabe des ernannten Stadtrates, der aus politisch nicht belasteten Mitgliedern bestand, war die Umsetzung der von der Militärregierung nach britischem Muster entwickelten neuen ''Deutschen Gemeindeordnung'', die damit verbundene Redemokratisierung der kommunalen Strukturen und die Vorbereitung der ersten Kommunalwahlen. Wichtigstes Ziel der neuen Kommunalordnung war die Abschaffung des nationalsozialistischen Führerprinzips und seine Ersetzung durch das ''Prinzip gemeinschaftlicher Verantwortung''.<ref name=":0">Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. 1944–1948. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 100f.</ref> Das Amt des Bürgermeisters war ohnehin eher formeller Natur und durch die faktische Kontrolle des gesamten Verwaltungsapparates waren die Befugnisse Schönebergs lange Zeit weiter eingeschränkt. | ||
Bereits im März 1946 wurde Schöneberg durch die Militärregierung als Bürgermeister abgesetzt. An seine Stelle trat [[Johann Fischer]] als | Bereits im März 1946 wurde Schöneberg durch die Militärregierung als Bürgermeister abgesetzt. An seine Stelle trat [[Johann Fischer]] als sein bisheriger Stellvertreter. Die Begründung für die Entlassung Schönebergs war der Vorwurf, er habe falsche Angaben über seine Mitgliedschaft in nationalsozialistischen Organisationen gemacht. Dieser Vorwurf wurde später entkräftet, was zu seiner Rehabilitation führte. 1948 wurde Schöneberg dann erneut Bürgermeister und damit auch erster Norder Bürgermeister zu Zeiten der 1949 gegründeten Bundesrepublik Deutschland.<ref name=":0" /> | ||
Nach Schöneberg ist die [[Bürgermeister-Dr.-Schöneberg-Straße]] in [[Vierzig Diemat]] benannt. Seine letzte Ruhestätte befindet sich auf dem [[Neuer Friedhof|Neuen Friedhof]].<ref>[https://www.grabsteine-ostfriesland.de/grabstein/28968/Albert-Sch%C3%B6neberg--Norden-neuer+Friedhof Grabsteine Ostfriesland], abgerufen am 9. März 2021</ref> | Nach Schöneberg ist die [[Bürgermeister-Dr.-Schöneberg-Straße]] in [[Vierzig Diemat]] benannt. Seine letzte Ruhestätte befindet sich auf dem [[Neuer Friedhof|Neuen Friedhof]].<ref>[https://www.grabsteine-ostfriesland.de/grabstein/28968/Albert-Sch%C3%B6neberg--Norden-neuer+Friedhof Grabsteine Ostfriesland], abgerufen am 9. März 2021</ref> | ||
Version vom 5. August 2021, 20:03 Uhr
Dr. Albert Schöneberg (* 12. Mai 1890; † 21. Februar 1978) war Jurist und von 1929 bis 1937, von 1945 bis 1946 und von 1948 bis 1956 Bürgermeister der Stadt Norden.[1]
Leben

Erstmalig wurde Schöneberg, eigentlich Rechtsanwalt, zu Zeiten der Weimarer Republik in das Amt gewählt und bekleidete es von 1929 bis 1937. Sein Nachfolger wurde Kurt Eifrig, der den Nationalsozialisten geeigneter erschien als der der liberalen Deutschen Volkspartei angehörende Schöneberg. Der Auricher Regierungspräsident konnte eine Absetzung des fähigen Juristen jedoch noch bis 1937 verhindern. Gänzlich entmachten konnten die Nationalsozialisten ihn allerdings auch dann nicht. So kann Schöneberg schon ab 1938 als städtischer Verwaltungsrechtsrat und ab 1940 als Leiter des Norder Wirtschaftsamtes wieder tätig werden.[2]
Nach Kriegsende wurde Schöneberg am 8. Juni 1945 durch die britische Militärregierung zum ersten Nachkriegsbürgermeister bestimmt. Zunächst gegen seinen Willen, da Schöneberg eigentlich geplant hatte, sich um das Amt des Landrats zu bemühen.[3]
Anfang 1946 konstituierte sich dann auf Anweisung der Besatzungsbehörden der erste Nachkriegsstadtrat. Hauptaufgabe des ernannten Stadtrates, der aus politisch nicht belasteten Mitgliedern bestand, war die Umsetzung der von der Militärregierung nach britischem Muster entwickelten neuen Deutschen Gemeindeordnung, die damit verbundene Redemokratisierung der kommunalen Strukturen und die Vorbereitung der ersten Kommunalwahlen. Wichtigstes Ziel der neuen Kommunalordnung war die Abschaffung des nationalsozialistischen Führerprinzips und seine Ersetzung durch das Prinzip gemeinschaftlicher Verantwortung.[4] Das Amt des Bürgermeisters war ohnehin eher formeller Natur und durch die faktische Kontrolle des gesamten Verwaltungsapparates waren die Befugnisse Schönebergs lange Zeit weiter eingeschränkt.
Bereits im März 1946 wurde Schöneberg durch die Militärregierung als Bürgermeister abgesetzt. An seine Stelle trat Johann Fischer als sein bisheriger Stellvertreter. Die Begründung für die Entlassung Schönebergs war der Vorwurf, er habe falsche Angaben über seine Mitgliedschaft in nationalsozialistischen Organisationen gemacht. Dieser Vorwurf wurde später entkräftet, was zu seiner Rehabilitation führte. 1948 wurde Schöneberg dann erneut Bürgermeister und damit auch erster Norder Bürgermeister zu Zeiten der 1949 gegründeten Bundesrepublik Deutschland.[4]
Nach Schöneberg ist die Bürgermeister-Dr.-Schöneberg-Straße in Vierzig Diemat benannt. Seine letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Neuen Friedhof.[5]
Trivia
Als erster Vorsitzender des neu gegründeten Norder Wassersportvereins veranlasste er, dass der junge Verein seine Boote in den Kellerräumen des ehemaligen Sieltorhauses lagern konnte.[6] Bis 1930 war Schöneberg auch Mitglied der Norder Freimaurerloge.[2]
Einzelnachweise
- ↑ Canzler, Gerhard (1989): Norden - Handel und Wandel, Norden
- ↑ 2,0 2,1 Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 35
- ↑ Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 51
- ↑ 4,0 4,1 Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. 1944–1948. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 100f.
- ↑ Grabsteine Ostfriesland, abgerufen am 9. März 2021
- ↑ 75 Jahre Wassersportverein Norden (Festschrift)