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Vor seiner Nutzung als Vertriebenenlager befand sich auf dem Gelände zunächst ein Ausbildungs- und Durchgangslager der Kriegsmarine der Wehrmacht, welches kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs im Jahre 1939 fertiggestellt wurde. Als Bauarbeiter kamen vor allem auch Wehrmachtssoldaten zum Einsatz.<ref>Foraita, Heinz (1985): Dein sind die Zeiten, Herr. Die Geschichte der Katholischen Gemeinde Norden. Herausgegeben zur 100-Jahr-Feier der St.-Ludgerus-Kirche zu Norden, Norden, S. 23</ref> Zuvor war die Fläche weitestgehend unbebaut und wurde für die Landwirtschaft genutzt. Das Lager war der 4. Schiffsstammabteilung in Wilhelmshaven unterstellt und trug die Bezeichnung ''5./8. Marine-Ersatzabteilung''.<ref name=":1" /> Zeitweise waren hier auch Teile der Emder Marineartillerie sowie eine Motorkompanie stationiert.<ref name=":2">Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 41</ref><ref name=":0">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 146</ref> Im Lager versahen junge Marinerekruten ihre Grundausbildung, besonders in den letzten Kriegsjahren wurden sie oft unmittelbar nach oder noch während der Ausbildung an der Front eingesetzt.<ref name=":1">Forum der Wehrmacht (Zeitzeugenberichte)</ref> Die nationalsozialistischen Machthaber veranstalteten im Lager zudem alljährlich einen ''Tag der Wehrmacht''.<ref name=":2" />
Vor seiner Nutzung als Vertriebenenlager befand sich auf dem Gelände zunächst ein Ausbildungs- und Durchgangslager der Kriegsmarine der Wehrmacht, welches kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs im Jahre 1939 fertiggestellt wurde. Als Bauarbeiter kamen vor allem auch Wehrmachtssoldaten zum Einsatz.<ref>Foraita, Heinz (1985): Dein sind die Zeiten, Herr. Die Geschichte der Katholischen Gemeinde Norden. Herausgegeben zur 100-Jahr-Feier der St.-Ludgerus-Kirche zu Norden, Norden, S. 23</ref> Zuvor war die Fläche weitestgehend unbebaut und wurde für die Landwirtschaft genutzt. Das Lager war der 4. Schiffsstammabteilung in Wilhelmshaven unterstellt und trug die Bezeichnung ''5./8. Marine-Ersatzabteilung''.<ref name=":1" /> Zeitweise waren hier auch Teile der Emder Marineartillerie sowie eine Motorkompanie stationiert.<ref name=":2">Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 41</ref><ref name=":0">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 146</ref> Im Lager versahen junge Marinerekruten ihre Grundausbildung, besonders in den letzten Kriegsjahren wurden sie oft unmittelbar nach oder noch während der Ausbildung an der Front eingesetzt.<ref name=":1">Forum der Wehrmacht (Zeitzeugenberichte)</ref> Die nationalsozialistischen Machthaber veranstalteten im Lager zudem alljährlich einen ''Tag der Wehrmacht''.<ref name=":2" />


Zum Lager gehörten unter anderem eine Exerzierhalle, eine Turnhalle und verschiedene Lagergebäude sowie insgesamt 27 Baracken nebst Ziegelsteinbauten als Unterkünfte für die Mannschaftsdienstgrade.<ref name=":0" /> Für die kommandierenden Offiziere des Lagers wurden zwei große Doppelhäuser (Baujahr 1939) an der heutigen [[Huntestraße]] (Nr. 4 - 7) errichtet. Die Gebäude sind bis heute erhalten und bewohnt. Auch das Unterkunftsgebäude der Mannschaften ist erhalten, wurde im Laufe der Jahre mehrfach saniert und umgebaut und wird heute von der [[Behindertenhilfe Norden]] genutzt. Bis zum Neubau im Jahre 2013 war in einem Teil dieses Gebäudes auch ein [[Kindergarten Tidofeld|Kindergarten]] beheimatet, der sich seitdem im Winkel der [[Emsstraße]] und der [[Weserstraße]] befindet.<ref>[https://behindertenhilfe-norden.de/wp-content/uploads/2014/06/flyer-kiga-und-krippe-final.pdf Flyer des Kindergartens in Tidofeld], abgerufen am 18. Mai 2021</ref>
Zum Lager gehörten unter anderem eine Exerzierhalle, eine Turnhalle und verschiedene Lagergebäude sowie insgesamt 27 Baracken nebst Ziegelsteinbauten als Unterkünfte für die Mannschaftsdienstgrade.<ref name=":0" /> Für die kommandierenden Offiziere des Lagers wurden zwei große Doppelhäuser (Baujahr 1939) an der heutigen [[Huntestraße]] (Nr. 4 - 7) errichtet. Die Gebäude sind bis heute erhalten und bewohnt. Auch das Unterkunftsgebäude der Mannschaften ist erhalten, wurde im Laufe der Jahre mehrfach saniert und umgebaut und wird heute von der [[Behindertenhilfe Norden]] genutzt. Bis zum Neubau im Jahre 2013 war in einem Teil dieses Gebäudes auch ein Kindergarten beheimatet, der sich seitdem im Winkel der [[Emsstraße]] und der [[Weserstraße]] befindet.<ref>[https://behindertenhilfe-norden.de/wp-content/uploads/2014/06/flyer-kiga-und-krippe-final.pdf Flyer des Kindergartens in Tidofeld], abgerufen am 18. Mai 2021</ref>


Ab dem 2. November 1944 wurde die Kaserne zum Sitz des ''Seekommandanten Ostfriesland''. Die Stelle wurde neu geschaffen, um die Marineeinheiten an der ostfriesischen Küste besser koordinieren zu können. Einziger Offizier in dieser Position war Admiral Kurt Weyher (1901 - 1991), dem sämtliche Marineeinheiten von Emden bis Wilhelmshaven (teilweise auch Küstengebiete in den Niederlanden) nebst der ostfriesischen Inseln unterstellt wurden. Gegen Kriegsende gab Weyher der Norder Obrigkeit sein Einverständnis für eine kampflose Übergabe der Stadt an die alliierten Truppen. Damit hatte er nicht unerheblichen Anteil daran, dass die Stadt den Krieg weitestgehend unbeschadet überstand.<ref>Lohmann, Walter / Hildebrand, Hans (1956): Die deutsche Kriegsmarine 1939 - 1945, Bad Nauheim, S. 3f.</ref>
Ab dem 2. November 1944 wurde die Kaserne zum Sitz des ''Seekommandanten Ostfriesland''. Die Stelle wurde neu geschaffen, um die Marineeinheiten an der ostfriesischen Küste besser koordinieren zu können. Einziger Offizier in dieser Position war Admiral Kurt Weyher (1901 - 1991), dem sämtliche Marineeinheiten von Emden bis Wilhelmshaven (teilweise auch Küstengebiete in den Niederlanden) nebst der ostfriesischen Inseln unterstellt wurden. Gegen Kriegsende gab Weyher der Norder Obrigkeit sein Einverständnis für eine kampflose Übergabe der Stadt an die alliierten Truppen. Damit hatte er nicht unerheblichen Anteil daran, dass die Stadt den Krieg weitestgehend unbeschadet überstand.<ref>Lohmann, Walter / Hildebrand, Hans (1956): Die deutsche Kriegsmarine 1939 - 1945, Bad Nauheim, S. 3f.</ref>