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Wann genau der Friedhof angelegt wurde, ist nicht bekannt. Es ist jedoch anzunehmen, dass hier bereits die Toten bestattet wurden, als sich auf dieser Warft (künstliche Erderhöhung zum Schutz vor Sturmfluten) noch der hölzerne Vorgängerbau der Andreaskirche befand. Der erste Tote wurde am 10. August 1597 begraben, offiziell freigegeben wurde der Friedhof jedoch erst im aufkommenden 17. Jahrhundert.<ref>Cremer, Ufke (1995): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 20</ref>
Wann genau der Friedhof angelegt wurde, ist nicht bekannt. Es ist jedoch anzunehmen, dass hier bereits die Toten bestattet wurden, als sich auf dieser Warft (künstliche Erderhöhung zum Schutz vor Sturmfluten) noch der hölzerne Vorgängerbau der Andreaskirche befand. Der erste Tote wurde am 10. August 1597 begraben, offiziell freigegeben wurde der Friedhof jedoch erst im aufkommenden 17. Jahrhundert.<ref>Cremer, Ufke (1995): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 20</ref>


Die Kirchen und den Kirchhof umrahmte eine Kirchhofmauer, von der ein Großteil noch erhalten ist. Wie in vielen Dörfern auch heute noch üblich, wurden Bestattungen um die Kirche herum auf dem Kirchhof vorgenommen. Dadurch erklärt sich auch "Karkhoff" als die niederdeutsche Bezeichnung für "Friedhof". Neben kleineren Zugängen gab es drei große Zugänge, die "Poort", also "Pforte" genannt wurden. So gab es die "Süderpoort" beim Glockenturm, die "Westerpoort" neben dem (ehemaligen) [[Weinhaus]], sowie die großzügig gestaltete "Osterpoort" in Richtung Innenstadt und Marktplatz. Die Osterpoort wurde am 13 April 1940 abgebaut und kurz darauf eingeschmolzen, um das wertvolle Eisen zur Waffenproduktion zu verwenden.<ref name=":1" /><ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 32</ref>
Die Kirchen und den Kirchhof umrahmte eine Kirchhofmauer, von der ein Großteil noch erhalten ist. Wie in vielen Dörfern auch heute noch üblich, wurden Bestattungen um die Kirche herum auf dem Kirchhof vorgenommen. Dadurch erklärt sich auch ''Karkhoff'' als die niederdeutsche Bezeichnung für ''Friedhof''. Neben kleineren Zugängen gab es drei große Zugänge, die ''Poort'', also Pforte genannt wurden. So gab es die ''Süderpoort'' beim Glockenturm, die ''Westerpoort'' neben dem (ehemaligen) [[Weinhaus]], sowie die großzügig gestaltete ''Osterpoort'' in Richtung Innenstadt und Marktplatz. Die Osterpoort wurde am 13 April 1940 abgebaut und kurz darauf eingeschmolzen, um das wertvolle Eisen zur Waffenproduktion zu verwenden.<ref name=":1" /><ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 32</ref>


Es existierten genaue Regelungen, welche Pforte von welchem Stadtteil bei Bestattungen zu nutzen war. So war die Süderpoort für die Bewohner der [[Kirchstraße]] vorgeschrieben, die Westerpoort für die Einwohner vom [[Burggraben]], der [[Westerstraße]] und des [[Fräuleinshof (Straße)|Fräuleinshof]] und die Osterpoort für Anlieger des [[Am Markt|Marktes]], der [[Sielstraße|Siel-]], der [[Osterstraße|Oster-]], der [[Klosterstraße|Kloster-]] sowie der [[Große Mühlenstraße|Großen]] und [[Kleine Mühlenstraße|Kleinen Mühlenstraße]].<ref name=":1">[https://www.norden-ludgeri.de/Ludgerikirche/Kirchenfuehrung/Alter-Friedhof Beschreibung des Alten Friedhofs], abgerufen am 1. März 2021</ref>
Es existierten genaue Regelungen, welche Pforte von welchem Stadtteil bei Bestattungen zu nutzen war. So war die Süderpoort für die Bewohner der [[Kirchstraße]] vorgeschrieben, die Westerpoort für die Einwohner vom [[Burggraben]], der [[Westerstraße]] und des [[Fräuleinshof (Straße)|Fräuleinshof]] und die Osterpoort für Anlieger des [[Am Markt|Marktes]], der [[Sielstraße|Siel-]], der [[Osterstraße|Oster-]], der [[Klosterstraße|Kloster-]] sowie der [[Große Mühlenstraße|Großen]] und [[Kleine Mühlenstraße|Kleinen Mühlenstraße]].<ref name=":1">[https://www.norden-ludgeri.de/Ludgerikirche/Kirchenfuehrung/Alter-Friedhof Beschreibung des Alten Friedhofs], abgerufen am 1. März 2021</ref>
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Durch stetes Bevölkerungswachstum wurde im 19. Jahrhundert ein neuer Friedhof notwendig. Man fand eine geeignete Fläche in [[Ostlintel]] auf den Landen des [[Gasthaus|Gasthauses]] bzw. des [[Kloster Marienthal|alten Klosters]], damals noch Teil der [[Sandbauerschaft]]. Hier befand sich bereits seit dem 16. Jahrhundert der [[Jüdischer Friedhof|Judenfriedhof]]. Seit 1900 gehörte die Fläche zum Stadtgebiet.<ref>[https://flurnamen-ostfriesland.de/flurnamenkarte Historische Flurnamensammlung] der Ostfriesischen Landschaft</ref>
Durch stetes Bevölkerungswachstum wurde im 19. Jahrhundert ein neuer Friedhof notwendig. Man fand eine geeignete Fläche in [[Ostlintel]] auf den Landen des [[Gasthaus|Gasthauses]] bzw. des [[Kloster Marienthal|alten Klosters]], damals noch Teil der [[Sandbauerschaft]]. Hier befand sich bereits seit dem 16. Jahrhundert der [[Jüdischer Friedhof|Judenfriedhof]]. Seit 1900 gehörte die Fläche zum Stadtgebiet.<ref>[https://flurnamen-ostfriesland.de/flurnamenkarte Historische Flurnamensammlung] der Ostfriesischen Landschaft</ref>


Die letzte Tote, die zweieinhalbjährige [[Anna Rose|Anna Maria Foline Rose]], wurde am 30.4.1879 um 18:00 Uhr auf dem Alten Friedhof bestattet. Insgesamt sollen hier rund 9.000 Menschen begraben worden sein.<ref name=":1" /> Alle späteren Begräbnisse fanden auf dem Neuen Friedhof statt. Noch heute sind jedoch viele der alten Grabmäler erhalten. 2012 belief sich ihre Zahl noch auf 42. Das älteste Grab ist das eine "T. Bermann" und stammt aus dem Mai 1867.<ref>[https://www.grabsteine-ostfriesland.de/friedhof/Norden-alter+Friedhof/ Grabsteine Ostfriesland], abgerufen am 1. März 2021</ref>
Die letzte Tote, die zweieinhalbjährige [[Anna Rose|Anna Maria Foline Rose]], wurde am 30.4.1879 um 18:00 Uhr auf dem Alten Friedhof bestattet. Insgesamt sollen hier rund 9.000 Menschen begraben worden sein.<ref name=":1" /> Alle späteren Begräbnisse fanden auf dem Neuen Friedhof statt. Noch heute sind jedoch viele der alten Grabmäler erhalten. 2012 belief sich ihre Zahl noch auf 42. Das älteste Grab ist das eines ''T. Bermann'' und stammt aus dem Mai 1867.<ref>[https://www.grabsteine-ostfriesland.de/friedhof/Norden-alter+Friedhof/ Grabsteine Ostfriesland], abgerufen am 1. März 2021</ref>


Seit 2013 setzt sich der [[Förderkreis Kulturschatz Ludgeri]] für den Erhalt des Alten Friedhofs ein. Eigens hierfür wurde in 2019 erstmals Steinmetz Sven Thater aus Friedeburg engagiert, der in mühsamer Einzelarbeit die Grabsteine restaurierte. Die Arbeiten brachten viele verborgene Details zurück ans Tageslicht: Die nach unten zeigenden Fackeln für das verlöschende Leben, der Schmetterling als Symbol für die aufsteigende Seele, die sich in den Schwanz beißende Schlange als Symbol der Ewigkeit. Inschriften erzählen Geschichte und Geschichten. Nicht nur Geburts- und Todesdatum sind vermerkt, auch Wichtiges aus dem Leben des verstorbenen Menschen ist hier in Stein gemeißelt.<ref name=":1" />
Seit 2013 setzt sich der [[Förderkreis Kulturschatz Ludgeri]] für den Erhalt des Alten Friedhofs ein. Eigens hierfür wurde in 2019 erstmals Steinmetz Sven Thater aus Friedeburg engagiert, der in mühsamer Einzelarbeit die Grabsteine restaurierte. Die Arbeiten brachten viele verborgene Details zurück ans Tageslicht: Die nach unten zeigenden Fackeln für das verlöschende Leben, der Schmetterling als Symbol für die aufsteigende Seele, die sich in den Schwanz beißende Schlange als Symbol der Ewigkeit. Inschriften erzählen Geschichte und Geschichten. Nicht nur Geburts- und Todesdatum sind vermerkt, auch Wichtiges aus dem Leben des verstorbenen Menschen ist hier in Stein gemeißelt.<ref name=":1" />
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== Trivia ==
== Trivia ==
Manchmal wird auch der ältere Teil des [[Neuer Friedhof|Neuen Friedhofs]] als "Alter Friedhof" bezeichnet.
Manchmal wird auch der ältere Teil des [[Neuer Friedhof|Neuen Friedhofs]] als ''Alter Friedhof'' bezeichnet.


Einer alten Norder Legende nach, werde der Stadt Norden kein Unglück geschehen, solange die Osterpoort und der [[Pannkooksboom]] vorhanden seien. Die Osterpoort wurde bereits im April 1940 eingeschmolzen, der Baum 1971 gefällt - das "große Unglück" vermutlich ausgeblieben.
Mit 9,7 Meter über Normalnull ist der Alte Friedhof der höchste Punkt der Stadt.


Mit 9,7 Meter über Normalnull ist der Alte Friedhof der höchste Punkt der Stadt.
Einer alten Norder Legende nach, werde der Stadt Norden kein Unglück geschehen, solange die Osterpoort und der [[Pannkooksboom]] vorhanden seien. Die Osterpoort wurde bereits im April 1940 eingeschmolzen, der Baum 1971 gefällt. Als ''großes Unglück'' lässt sich hier die [[Altstadtsanierung]] hineininterpretieren, bei der Norden einen großen Teil seiner historischen Bausubstanz unwiderbringlich verlor.


==Einzelnachweise==
==Einzelnachweise==