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Doch auch diesen neuen Eigentümern war das Glück wenig gesonnen, sodass sie das Gebäude an den [[Landkreis Norden]] veräußerten. Auch das [[Weinhaus]] ereilte dieses Schicksal. Während im Weinhaus das [[Finanzamt Norden|Finanzamt]] einzog, wurde in der ersten und zweiten Etage des ''Deutschen Hauses'' das ''Kreiswirtschaftsamt'' und eine Wohnung für einen Kreisbediensteten errichtet, die einliegende Gastwirtschaft und der Saal wurden von Peters in Pacht weiterbetrieben.<ref name=":1" />
Doch auch diesen neuen Eigentümern war das Glück wenig gesonnen, sodass sie das Gebäude an den [[Landkreis Norden]] veräußerten. Auch das [[Weinhaus]] ereilte dieses Schicksal. Während im Weinhaus das [[Finanzamt Norden|Finanzamt]] einzog, wurde in der ersten und zweiten Etage des ''Deutschen Hauses'' das ''Kreiswirtschaftsamt'' und eine Wohnung für einen Kreisbediensteten errichtet, die einliegende Gastwirtschaft und der Saal wurden von Peters in Pacht weiterbetrieben.<ref name=":1" />


Schon 1920 kaufte der Schwiegersohn von Ploeger, der Hotelier Ebeling von Norderney, das Gebäude und führte er seiner früheren Bestimmung zurück. Kurz darauf erwarb [[Johannes Fleeth]] das Gebäude, dem es gelang, den Hotelbetrieb auch durch die schwierige Zeit der Rezession und der Inflation zu führen. Mit Hilfe der Freimaurerloge [[Zu den drei Sternen]] errichtete Fleeth im Obergeschoss den sogenannten ''Logensaal'', der später auch ''Fliegersaal'' genannt wurde.<ref name=":1" /><ref name=":3">[http://www.westdoerp.eu/historie-der-norder-loge/ Geschichte der Norder Freimaurerloge], abgerufen am 17. Juni 2021</ref> Die Loge gewährte ihm ein zinsloses Darlehen von 1.000 Reichsmark und tagte hier ab dem 7. März 1926, ehe sie sich durch die nationalsozialistische Verfolgung auflösen musste.<ref name=":3" />
Schon 1920 kaufte der Schwiegersohn von Ploeger, der Hotelier Ebeling von Norderney, das Gebäude und führte er seiner früheren Bestimmung zurück. Kurz darauf erwarb [[Johannes Fleeth]] das Gebäude, dem es gelang, den Hotelbetrieb auch durch die schwierige Zeit der Rezession und der Inflation zu führen. Mit Hilfe der Freimaurerloge [[Zu den drei Sternen]] errichtete Fleeth im Obergeschoss den sogenannten ''Logensaal'', der später auch ''Fliegersaal'' genannt wurde.<ref name=":1" /><ref name=":3">[http://www.westdoerp.eu/historie-der-norder-loge/ Geschichte der Norder Freimaurerloge], abgerufen am 17. Juni 2021</ref> Die Loge gewährte ihm ein zinsloses Darlehen von 1.000 Reichsmark und tagte hier ab dem 7. März 1926, ehe sie sich durch die nationalsozialistische Verfolgung auflösen musste.<ref name=":3" /> Den langen Flur vor dem Eingang des Hotels bis zum Saal gestaltete er als Wintergarten, was dem damaligen Zeitgeist und Geschmack entsprach.<ref name=":1" />
 
Den langen Flur vor dem Eingang des Hotels bis zum Saal gestaltete er als Wintergarten, was dem damaligen Zeitgeist und Geschmack entsprach.<ref name=":1" />


1934 kam das Hotel in den Besitz von [[Robert Meinberg|Robert]] und [[Johanna Meinberg]], die es grundlegend renovierten und modernisierten. Bis dahin gab es nicht einmal eine Wasserleitung, sodass sich die Gäste in Porzellanschüsseln mit herbeigeholtem Wasser waschen mussten.<ref name=":1" /> Das Ehepaar Meinberg erweiterte das Gebäude auch um Parkplätze im Bereich der [[Große Hinterlohne|Großen Hinterlohne]], wo sich bis dahin noch Stellplätze für die Pferde der Gäste bzw. Kutscher befanden.<ref name=":2">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 128</ref> Durch den [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] kam der Hotelbetrieb erneut weitestgehend zum Erliegen, während die Gastwirtschaft noch recht gut genutzt wurde. Noch kurz vor Kriegsende rief NSDAP-Kreisleiter [[Lenhard Everwien]] am 20. April 1945 eine flammende Rede im Hotelsaal und stimmte die Norder Bürger zum Durchhalten ein. Indes standen die Alliierten bereits vor Leer und trafen Anfang Mai auch in Norden ein.<ref>Forster, Hans (1988): Norden - Eine Kreisstadt unterm Hakenkreuz: Dokumente aus der Zeit der Gewaltherrschaft</ref>
1934 kam das Hotel in den Besitz von [[Robert Meinberg|Robert]] und [[Johanna Meinberg]], die es grundlegend renovierten und modernisierten. Bis dahin gab es nicht einmal eine Wasserleitung, sodass sich die Gäste in Porzellanschüsseln mit herbeigeholtem Wasser waschen mussten.<ref name=":1" /> Das Ehepaar Meinberg erweiterte das Gebäude auch um Parkplätze im Bereich der [[Große Hinterlohne|Großen Hinterlohne]], wo sich bis dahin noch Stellplätze für die Pferde der Gäste bzw. Kutscher befanden.<ref name=":2">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 128</ref> Durch den [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] kam der Hotelbetrieb erneut weitestgehend zum Erliegen, während die Gastwirtschaft noch recht gut genutzt wurde. Noch kurz vor Kriegsende rief NSDAP-Kreisleiter [[Lenhard Everwien]] am 20. April 1945 eine flammende Rede im Hotelsaal und stimmte die Norder Bürger zum Durchhalten ein. Indes standen die Alliierten bereits vor Leer und trafen Anfang Mai auch in Norden ein.<ref>Forster, Hans (1988): Norden - Eine Kreisstadt unterm Hakenkreuz: Dokumente aus der Zeit der Gewaltherrschaft</ref>


Nach dem Krieg wurde das Gebäude von der britischen Besatzungsmacht beschlagnahmt, doch bereits wenig später wieder freigegeben. Um konkurrenzfähig zu bleiben, investierte Meinberg erneut große Summen in sein Hotel. Er errichtete eine neue Eingangshalle, erbaute den Saal neu und den südlichen Gebäudeflügel an. Die Innenausstattung wurde großzügig modernisiert. Nach 39 Jahren übergab Meinberg den Hotelbetrieb 1973 an seinen Sohn [[Herbert Meinberg]], der ihn mit seiner [[Helga Meinberg|Frau Helga]] erfolgreich weiterführte. Das Ehepaar erweiterte das Gebäude um ein ganzes Stockwerk, passte es den aktuellsten technischen Gegebenheiten an und richtete eine Kegelbahn ein.<ref name=":2" />
Nach dem Krieg wurde das Gebäude von der britischen Besatzungsmacht beschlagnahmt, doch bereits wenig später wieder freigegeben. Um konkurrenzfähig zu bleiben, investierte Meinberg erneut große Summen in sein Hotel. Er errichtete eine neue Eingangshalle, erbaute den Saal neu und den südlichen Gebäudeflügel an. Die Innenausstattung wurde großzügig modernisiert. Im September 1948 wurde im Saal des Deutschen Hauses der erste Tanzball der Nachkriegszeit abgehalten.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 245</ref> Nach 39 Jahren übergab Meinberg den Hotelbetrieb 1973 an seinen Sohn [[Herbert Meinberg]], der ihn mit seiner [[Helga Meinberg|Frau Helga]] erfolgreich weiterführte. Das Ehepaar erweiterte das Gebäude um ein ganzes Stockwerk, passte es den aktuellsten technischen Gegebenheiten an und richtete eine Kegelbahn ein.<ref name=":2" />


Seit etwa Ende der 2000er Jahre firmierte das Hotel als ''Hotel Stadt Norden'' weiter. Spätestens ab diesem Zeitpunkt ging es bergab, sodass sich die Kundenrezension in ihrer Negativität gegenseitig übertrumpften. Dies führte zu einem baldigen Ende des Traditionshotels. 2016 wurde das Gebäude an einen estnischen Investor veräußert, der das Hotel als ''Hotel Stadt Norden Betreibergesellschaft mbH'' verwertete. Trotz vollmündiger Pläne des Investors, hier mehrere Wohnungen und ggf. ein Hotel bei Erhalt der historischen Fassade zu errichten, gleicht das Gebäude seit dem erfolgten Teilabriss (April 2019) einer Ruine, die immer wieder Gegenstand hitziger Diskussionen im [[Stadtrat|Rat der Stadt Norden]].<ref>[https://www.oz-online.de/-news/artikel/692340/Deutsches-Haus-FDP-kritisiert-Abriss-Stopp Online-Bericht der Ostfriesen Zeitung vom 7. Oktober 2019], abgerufen am 7. Juni 2021</ref> Auch die konkreten Baupläne zu den Wohnungen, die sich zur [[Große Hinterlohne|Großen Hinterlohne]] erstrecken sollen, sind Bestandteil von teils heftiger Kritik, denn die äußere Erscheinung gleicht praktisch einem Hochbunker mit Fenstern.<ref>[https://as-norden.de/wohnquartier-stadthaus-norden/ Bauzeichnungen des Architekturbüros], abgerufen am 7. Juni 2021</ref>
Seit etwa Ende der 2000er Jahre firmierte das Hotel als ''Hotel Stadt Norden'' weiter. Spätestens ab diesem Zeitpunkt ging es bergab, sodass sich die Kundenrezension in ihrer Negativität gegenseitig übertrumpften. Dies führte zu einem baldigen Ende des Traditionshotels. 2016 wurde das Gebäude an einen estnischen Investor veräußert, der das Hotel als ''Hotel Stadt Norden Betreibergesellschaft mbH'' verwertete. Trotz vollmündiger Pläne des Investors, hier mehrere Wohnungen und ggf. ein Hotel bei Erhalt der historischen Fassade zu errichten, gleicht das Gebäude seit dem erfolgten Teilabriss (April 2019) einer Ruine, die immer wieder Gegenstand hitziger Diskussionen im [[Stadtrat|Rat der Stadt Norden]].<ref>[https://www.oz-online.de/-news/artikel/692340/Deutsches-Haus-FDP-kritisiert-Abriss-Stopp Online-Bericht der Ostfriesen Zeitung vom 7. Oktober 2019], abgerufen am 7. Juni 2021</ref> Auch die konkreten Baupläne zu den Wohnungen, die sich zur [[Große Hinterlohne|Großen Hinterlohne]] erstrecken sollen, sind Bestandteil von teils heftiger Kritik, denn die äußere Erscheinung gleicht praktisch einem Hochbunker mit Fenstern.<ref>[https://as-norden.de/wohnquartier-stadthaus-norden/ Bauzeichnungen des Architekturbüros], abgerufen am 7. Juni 2021</ref>