Deichmühle: Unterschied zwischen den Versionen
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Im Laufe der Zeit wechselte die Mühle immer wieder den Besitzer und verfiel zusehends. Im Jahr 1900 gelangt die Mühle in den Besitz eines Mannes namens Ulferts. Dieser plante bereits einen Neubau, doch verstarb er daraufhin und seine Witwe veräußert die Mühle an [[Weert Meyer]], der bereits zuvor die [[Frisiamühle]] gepacht hatte. Sein Pachtvertrag war jedoch ausgelaufen. Durch Meyer wird die Bockwindmühle letztlich abgebrochen und als Galerieholländer wiedererrichtet.<ref>Schreiber, Gretje (2012): Mühlengeschichten in und um Norden, Manuskript</ref> Diese Jahreszahl ist auch über dem Eingang der Mühle vermerkt. | Im Laufe der Zeit wechselte die Mühle immer wieder den Besitzer und verfiel zusehends. Im Jahr 1900 gelangt die Mühle in den Besitz eines Mannes namens Ulferts. Dieser plante bereits einen Neubau, doch verstarb er daraufhin und seine Witwe veräußert die Mühle an [[Weert Meyer]], der bereits zuvor die [[Frisiamühle]] gepacht hatte. Sein Pachtvertrag war jedoch ausgelaufen. Durch Meyer wird die Bockwindmühle letztlich abgebrochen und als Galerieholländer wiedererrichtet.<ref>Schreiber, Gretje (2012): Mühlengeschichten in und um Norden, Manuskript</ref> Diese Jahreszahl ist auch über dem Eingang der Mühle vermerkt. | ||
Neben der Baufälligkeit war auch der hohe Hafendeich und die zunehmende Bebauung in der Nachbarschaft, die nur einen sehr eingeschränkten Betrieb ermöglichten, der Grund für einen Neubau. Bereits die Vorbesitzer plagten sich mit diesen Gegebenheiten. Meyer stellte daraufhin einen Bauantrag, der jedoch aufgrund Bedenken beim Brandschutz abgelehnt wurde: Im Umfeld der Mühle befanden sich mehrere Holzlagerstätten und die Behörden befürchteten, dass ein Galerieholländer zu hoch und damit zu anfällig für Blitzeinschläge sein würde. Nachdem Meyer eine Beschwerde an den Regierungspräsidenten in Aurich geschrieben hatte, erhielt er letztlich doch noch eine Baugenehmigung, wenn auch mit Auflagen (Blitzableiter, Blechdach, eiserne Flügelwelle). Der Mühlenbauer Dirks aus Emden führte errichtete schließlich im Auftrage Meyers die Mühle. Die Bauarbeiten schritten schnell voran und bereits gegen Ende des Jahres 1900 war ein erster Betrieb möglich. 1901 erfolgten dann die letzten Arbeiten an der Inneneinrichtung.<ref name=":0">[http://www.deichmuehle.de/ Internetseite der Deichmühle]</ref> | Neben der Baufälligkeit war auch der hohe Hafendeich und die zunehmende Bebauung in der Nachbarschaft, die nur einen sehr eingeschränkten Betrieb ermöglichten, der Grund für einen Neubau. Bereits die Vorbesitzer plagten sich mit diesen Gegebenheiten. Meyer stellte daraufhin einen Bauantrag, der jedoch aufgrund Bedenken beim Brandschutz abgelehnt wurde: Im Umfeld der Mühle befanden sich mehrere Holzlagerstätten und die Behörden befürchteten, dass ein Galerieholländer zu hoch und damit zu anfällig für Blitzeinschläge sein würde. Nachdem Meyer eine Beschwerde an den Regierungspräsidenten in Aurich geschrieben hatte, erhielt er letztlich doch noch eine Baugenehmigung, wenn auch mit Auflagen (Blitzableiter, Blechdach, eiserne Flügelwelle). Der Mühlenbauer Dirks aus Emden führte errichtete schließlich im Auftrage Meyers die Mühle. Die Bauarbeiten schritten schnell voran und bereits gegen Ende des Jahres 1900 war ein erster Betrieb möglich. 1901 erfolgten dann die letzten Arbeiten an der Inneneinrichtung.<ref name=":0">[http://www.deichmuehle.de/ Internetseite der Deichmühle], abgerufen am 5. Juli 2021</ref> | ||
An der erst wenige Jahre zuvor prachtvoll erweiterte [[Bahnhofstraße]] fügten sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine ansehnliche Stadtvilla an die nächste. So passte auch das alte Müllerhaus nicht mehr in das Straßenbild und erhielt daher eine neue neue Fassade im Stil des Historismus. 1908 erfolgte der Bau des Motorhauses. Ein Gasmotor konnte einen Mahlgang und einige Maschinen vom Wind unabhängig antreiben. Ein beachtlicher, wenn auch kostenintensiver Fortschritt.<ref name=":0" /> | An der erst wenige Jahre zuvor prachtvoll erweiterte [[Bahnhofstraße]] fügten sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine ansehnliche Stadtvilla an die nächste. So passte auch das alte Müllerhaus nicht mehr in das Straßenbild und erhielt daher eine neue neue Fassade im Stil des Historismus. 1908 erfolgte der Bau des Motorhauses. Ein Gasmotor konnte einen Mahlgang und einige Maschinen vom Wind unabhängig antreiben. Ein beachtlicher, wenn auch kostenintensiver Fortschritt.<ref name=":0" /> | ||
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1947 bekam die Mühle einen neuen Anstrich, 1948 konnte ein neuer Flügel eingebaut und der Wetterbalken erneuert werden. In den 1950er begann sich eine wirtschaftliche Verbesserung einzustellen, die Auftragsbücher waren gut gefüllt. Müller Bontjes beschäftigte einen Take Janssen als Müller, der sein Handwerk gut zu verstehen schien. Dennoch kam man mit der Arbeit kaum nach. Janssen berichtete: "Die Mühle war so voll Getreide, dass sie fast überlief". Ab 1957 pachtete ein M. O. Kalverkamp die Mühle. Unklar ist, ob Bontjes verstarb oder er diese lediglich weiterverpachtete. Kalverkamp investierte ebenso in die Mühle und richtete einen elektrischen Sackaufzug ein. Sein Pachtverhältnis dauerte jedoch nicht lange, bereits in den 1960ern wird die anliegende [[Raiffeisengenossenschaft]] neuer Pächter der Mühle. In diese Zeit fällt der Ausbau der Mehlproduktionsanlagen (Sichter und Walzenstühle) und des Pellsteins. Die Mühle wird nun vor allem zur Getreidelagerung und zur Herstellung von Futtermitteln genutzt. In den Nebengebäuden wurde Düngemittel gelagert. Bis etwa 1968 wurde die Windkraft zum Antrieb der Mühle genutzt und nur bei Windstille auf den Motor zurückgegriffen.<ref name=":0" /> | 1947 bekam die Mühle einen neuen Anstrich, 1948 konnte ein neuer Flügel eingebaut und der Wetterbalken erneuert werden. In den 1950er begann sich eine wirtschaftliche Verbesserung einzustellen, die Auftragsbücher waren gut gefüllt. Müller Bontjes beschäftigte einen Take Janssen als Müller, der sein Handwerk gut zu verstehen schien. Dennoch kam man mit der Arbeit kaum nach. Janssen berichtete: "Die Mühle war so voll Getreide, dass sie fast überlief". Ab 1957 pachtete ein M. O. Kalverkamp die Mühle. Unklar ist, ob Bontjes verstarb oder er diese lediglich weiterverpachtete. Kalverkamp investierte ebenso in die Mühle und richtete einen elektrischen Sackaufzug ein. Sein Pachtverhältnis dauerte jedoch nicht lange, bereits in den 1960ern wird die anliegende [[Raiffeisengenossenschaft]] neuer Pächter der Mühle. In diese Zeit fällt der Ausbau der Mehlproduktionsanlagen (Sichter und Walzenstühle) und des Pellsteins. Die Mühle wird nun vor allem zur Getreidelagerung und zur Herstellung von Futtermitteln genutzt. In den Nebengebäuden wurde Düngemittel gelagert. Bis etwa 1968 wurde die Windkraft zum Antrieb der Mühle genutzt und nur bei Windstille auf den Motor zurückgegriffen.<ref name=":0" /> | ||
Nach Ende der gewerblichen Nutzung gelangt die Mühle in den Besitz der Familie Wagener aus Papenburg. Maria Anna Wagener ließ sodann eine eine alte, baufällige Flügelrute erneuert. In den folgenden Jahren folgten zahlreiche weitere Instandsetzungsmaßnahmen, so wurde auch der Oberbau durch einen niederländischen Mühlenbauer erneuert. Die Kappe wurde letztmalig 2007 erneuert und die Mühle ist weiterhin voll funktionsfähig. Gegen Ende der 1970er kam es zu rechtlichen Auseinandersetzungen mit der Straßenverkehrsbehörde, die letztlich eine Verbreiterung der Bahnhofstraße durchsetzte und das vordere Grundstück der Windmühle dadurch massiv verkleinerte.<ref name=":0" /> | Nach Ende der gewerblichen Nutzung gelangt die Mühle in den Besitz der Familie Wagener aus Papenburg. Maria Anna Wagener ließ sodann eine eine alte, baufällige Flügelrute erneuert. In den folgenden Jahren folgten zahlreiche weitere Instandsetzungsmaßnahmen, so wurde auch der Oberbau durch einen niederländischen Mühlenbauer erneuert. Die Kappe wurde letztmalig 2007 erneuert und die Mühle ist weiterhin voll funktionsfähig. Gegen Ende der 1970er kam es zu rechtlichen Auseinandersetzungen mit der Straßenverkehrsbehörde, die letztlich eine Verbreiterung der Bahnhofstraße durchsetzte und das vordere Grundstück der Windmühle dadurch massiv verkleinerte.<ref name=":0" /> Ein großer Vorhof war für Mühlen üblich und spätestens ab dem 4. Dezember 1834 sogar gesetzlich vorgeschrieben, damit die Pferde vorbeifahrender Kutschen nicht durch den Flügelschlag scheuten. Der Abstand zur Straße musste mindestens 50 Ruthen (altes Längenmaß; 1 Ruthe = 3,89 Meter) betragen.<ref>[http://www.muehlenland-niedersachsen.de/fileadmin/Muehlenland/Downloads/M%C3%BChlst._51-11.pdf ''Ochtersumer Turmholländer 100 Jahre alt''], abgerufen am 18. August 2021</ref> | ||
Heute wird die Deichmühle als Museumsmühle genutzt. Eine Sammlung historischer Müllereimaschinen zeigt die technikhistorische Entwicklung im Müllereiwesen. Zudem werden Exponate zum Thema Müllereitechnik, Saatgutveredelung, Windenergie und Windmotoren ausgestellt. Im Packhaus sind japanische Motorradklassiker der 1960er und 1970er Jahre ausgestellt. | Heute wird die Deichmühle als Museumsmühle genutzt. Eine Sammlung historischer Müllereimaschinen zeigt die technikhistorische Entwicklung im Müllereiwesen. Zudem werden Exponate zum Thema Müllereitechnik, Saatgutveredelung, Windenergie und Windmotoren ausgestellt. Im Packhaus sind japanische Motorradklassiker der 1960er und 1970er Jahre ausgestellt. | ||