Vierzig Diemat: Unterschied zwischen den Versionen
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
|||
| Zeile 49: | Zeile 49: | ||
Mitte der 2010er Jahre folgten zwei Stadtvillenähnliche Mehrfamilienhäuser. | Mitte der 2010er Jahre folgten zwei Stadtvillenähnliche Mehrfamilienhäuser. | ||
Ab 2017 begonnene Pläne zum Bau eines neuen [[Polizeikommissariat | Polizeigebäudes]] hinter dem [[Schlachthof]] wurden 2020 verworfen und als neuer Standort eine Fläche auf dem ehemaligen [[Doornkaat | Doornkaatgelände]] ins Auge gefasst. | Ab 2017 begonnene Pläne zum Bau eines neuen [[Polizeikommissariat |Polizeigebäudes]] auf [[Schmertmanns Land]] hinter dem [[Schlachthof]] wurden 2020 verworfen und als neuer Standort eine Fläche auf dem ehemaligen [[Doornkaat | Doornkaatgelände]] ins Auge gefasst. | ||
2020 eröffnete die Post ein innerhalb kürzester Zeit erbautes Logistikzentrum auf ehemals unbebauten Gebiet. Das [[Postamt | Postgebäude]] am östlichen [[Am Markt | Marktplatz]] wurde daraufhin geschlossen. | 2020 eröffnete die Post ein innerhalb kürzester Zeit erbautes Logistikzentrum auf ehemals unbebauten Gebiet. Das [[Postamt | Postgebäude]] am östlichen [[Am Markt | Marktplatz]] wurde daraufhin geschlossen. | ||
Version vom 23. September 2021, 15:28 Uhr
Vierzig Diemat | ||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Basisdaten | ||||||||
| {{#multimaps: | Title = Vierzig Diemat | Text = Ungefähre Abgrenzungen | center = 53.58662050199838, 7.203668058794178 | polygon = 53.581126558139616, 7.201854852950668 :53.58653857369235, 7.196404557993026 :53.590402468434014, 7.207314791715232 :53.58820864859897, 7.209945734207938 | zoom = 14 | width = 300px | height = 300px
}} | |
| Administrativer Stadtteil | Norden | |||||||
| Ungefähre Lage | südlich des Stadtgebiets | |||||||
Vierzig Diemat (auch "40 Diemat") gehört als (informelles) Stadtviertel zur Kernstadt von Norden. Der Name geht zurück auf seine ungefähre Größe von vierzig Diemat. Ein Diemat ist ein historisches, ostfriesisches Flächenmaß und beschreibt die Fläche, die ein guter Landarbeiter an einem Tag mit der Sense mähen konnte. Ein Diemat sind in etwa 5.700 Quadratmeter, vierzig Diemat damit ungefähr 228.000 Quadratmeter, was der ungefähren Fläche des Viertels entspricht. Dominiert wird das Viertel vor allem durch Reihen- und Mehrfamilienhäuser sowie anliegende Gewerbebetriebe.
Etwa mittig des Viertels befindet sich ein Kinderspielplatz, an dem sich ein großes Fußballfeld anschließt. Auch wurden an mehreren Stellen Garagen für die Kraftfahrzeuge der Bewohner geschaffen, da die Häuser nicht über eigene Garagen verfügen. Die Straßen von Vierzig Diemat sind allesamt durch Pfade und Wege miteinander verbunden.
Geografie
Vierzig Diemat liegt südwestlich des historischen Stadtkerns und lässt sich geografisch in etwa wie folgt umgrenzen: Im Norden entlang der Fritz-Reuter-Straße, aber noch unterhalb der Radbodstraße, im Osten bis zur Schlachthausstraße, im Süden bis zum Norder Tief und im Westen bis zur Bürgermeister-Dr.-Schöneberg-Straße, welche direkt an der Grenze zu Westermarsch I liegt.
Geschichte
Historisch war Vierzig Diemat bis 1952 Teil der damals noch eigenständigen Gemeinde Westermarsch I und kam erst dann zur Kernstadt. In diesem Jahr wurde das Land zur Besiedlung freigegeben und baulich erschlossen. Es entstanden, wie auch in anderen Teilen von Norden, vor allem Sozialbauten um dem nach dem Zweiten Weltkrieg starken Bevölkerungswachstum Herr zu werden. Die den Ortsteil prägenden Reihenhäuser wurden allesamt um das Jahr 1965 errichtet.[1]
In 1583 wurde Vierzig Diemat durch Edzard II. Cirksena eingedeicht. Das neugewonnene Land wurde auch Westermarscher Neuland genannt. Zuvor stand das Gebiet unter Wasser und war Teil des Norder Hafens bzw. des Norder Tiefs. Auch heute noch lässt die Bodenbeschaffenheit eine "wässrige Vergangenheit" erkennen. Bis zur Eindeichung von 1583 befand sich seit 1551 die Deichlinie nördlich von Vierzig Diemat. Auch dieser Deich würde von Anna von Oldenburg gezogen. Zuvor befanden sich hier keine Deiche, sondern man vertraute bei Sturmfluten auf die erhöhte Lage der Norder Kernstadt.
Von 1551 bis 1583 gehörte Vierzig Diemat zum Umland der Oldeborg, die sich etwas weiter nördlich befand und an die heute noch die Straßenbezeichnung Burggraben erinnert. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche diente der Ernährung der Burgherren und wurde daher auch als "Küchenland" bezeichnet. Die Ländereien gehörten auch nach dem Abbruch der Burg noch weiter zum Eigentümer des dortigen Grundstücks bzw. des Kaufmannschen Hauses oder wurden zumindest von diesem gepachtet.[2]
Bereits im 16. Jahrhundert scheint es in Vierzig Diemat ein Dachpfannenwerk (genannt "Pannenwerk") eines Popke Iderhave gegeben haben. In dieser Zeit hat es eine vergrößerte Nachfrage nach Dachziegeln gegeben, da die bisher hauptsächlich reetgedeckten Häuser verheerende Folgen bei den zahlreichen Stadtbränden der Vergangenheit hatten.[3] Graf Ulrich II. aus dem Hause Cirksena verkaufte das Land 1631 an einen Amtmann namens Rautenstein aus Varel. Die nachfolgende Nutzung ist ungewiss, vermutlich wurde das Land verpachtet und für landwirtschaftliche Zwecke genutzt.
Erst mit der Fertigstellung des Leybuchtsiels wurde das Land um Vierzig Diemat tatsächlich sturmflutsicher. Dies erklärt zugleich, warum die östliche Straßenseite des Burggrabens bereits zuvor bebaut wurde, während der westliche Teil erst nach 1929 bebaut wurde.
Gebäude
Vierzig Diemat bestand in seiner Anfangszeit vor allem aus Wohnblocks, die sich entlang der Berend-de-Vries-Straße, Enno-Hektor-Straße und August-Hinrichs-Straße konzentrieren. Die weiteren Straßen östlich der Zuckerpolderstraße bestehen bis zur Herbert-Gentzsch-Straße vor allem aus Reihenhäusern. Freistehende Einfamilienhäuser sind im vorgenannten selten und wurden erst im Laufe der weiteren Jahre erbaut.
In den 1990er Jahren wurde Vierzig Diemat westlich der Zuckerpolderstraße um ein Neubaugebiet erweitert, das auch den Namen Bürgermeisterviertel trägt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Straßen dort zwischen Zuckerpolderstraße und Wigboldstraße nach ehemaligen Norder Bürgermeistern benannt wurden.
Ab den 2000er Jahren wurde das Viertel durch weitere Straßen erweitert. Entgegen ihrer anfänglichen Bebauung handelt es sich bei den Neubauten überwiegend um freistehende Einfamilienhäusern mit eigenem Grundstück und Garagen.
Mitte der 2010er Jahre folgten zwei Stadtvillenähnliche Mehrfamilienhäuser.
Ab 2017 begonnene Pläne zum Bau eines neuen Polizeigebäudes auf Schmertmanns Land hinter dem Schlachthof wurden 2020 verworfen und als neuer Standort eine Fläche auf dem ehemaligen Doornkaatgelände ins Auge gefasst.
2020 eröffnete die Post ein innerhalb kürzester Zeit erbautes Logistikzentrum auf ehemals unbebauten Gebiet. Das Postgebäude am östlichen Marktplatz wurde daraufhin geschlossen.
Ab 2021 soll südlich von Vierzig Diemat, hinter dem Bürgermeisterviertel, ein weiteres Neubaugebiet entstehen. Diese Fläche liegt jedoch auf dem Gelände von Westermarsch I und gehört damit eigentlich nicht mehr zu Vierzig Diemat.
Das Gewerbe siedelt sich hier fast ausschließlich auf der südlichen Straßenseite von Am Norder Tief an. Am westlichen Ende liegen das Klärwerk sowie der Bauhof der Stadt Norden. Bis zum Ersten Weltkrieg befand sich hier eine Ziegelei. Westlich vom Burggraben befindet sich der Schlachthof, welcher noch heute in geringem Umfang in Betrieb ist.
Unbebautes Land befindet sich (Stand: Dezember 2020) noch zwischen dem Schlachthof und der Herbert-Dunkel-Straße sowie südlich der Bürgermeister-Dr.-Schöneberg-Straße bzw. westlich der Bürgermeister-Peters-Straße. Aufgrund der Geruchsbelästigung durch das Klärwerk ist eine Bebauung für Wohnzwecke der letztgenannten Fläche jedoch eher unwahrscheinlich.
Einzelnachweise
Quellenverzeichnis
- Scheuermann, Ulrich (1995): Flurnamenforschung. Bausteine zur Heimat- und Regionalgeschichte
- Schreiber, Gretje (2011): Das Norder Hafengebiet und seine beiden Häfen im 16. Jahrhundert