Doornkaat: Unterschied zwischen den Versionen
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Unter der preußischen Regierung ab 1744 wurde das allgemeine wirtschaftliche Leben in Ostfriesland erheblich gefördert. Davon profitierte auch Doornkaat, denn Friedrich der Große verbot den Import fremder Ware zum Vorteil der ostfriesischen Brenner, sicherte aber zugleich eine fortwährende Qualität, indem er minderwertigen Produkten durch Beschlagnahme einen Riegel vorschob und er nur noch vereidigte Brennmeister produzieren ließ. Allen Bemühungen zum Trotz stellten die preußischen Beamten noch 1804 fest, dass ''wohl nirgends so schlechter Branntwein gebrannt und in solche schreckhaftem Übermaß getrunken wird als gerade in dieser Provinz''.<ref name=":1" /> Tatsächlich suchte Ostfriesland seinerzeit eine regelrechte Branntweinepidemie heim, ein Großteil der Bewohner war schwer Alkoholkrank, was zum einen in den allgemeinen Trinkgewohnheiten lag, vor allem aber auch an der schlechten Qualität des Trinkwassers. | Unter der preußischen Regierung ab 1744 wurde das allgemeine wirtschaftliche Leben in Ostfriesland erheblich gefördert. Davon profitierte auch Doornkaat, denn Friedrich der Große verbot den Import fremder Ware zum Vorteil der ostfriesischen Brenner, sicherte aber zugleich eine fortwährende Qualität, indem er minderwertigen Produkten durch Beschlagnahme einen Riegel vorschob und er nur noch vereidigte Brennmeister produzieren ließ. Allen Bemühungen zum Trotz stellten die preußischen Beamten noch 1804 fest, dass ''wohl nirgends so schlechter Branntwein gebrannt und in solche schreckhaftem Übermaß getrunken wird als gerade in dieser Provinz''.<ref name=":1" /> Tatsächlich suchte Ostfriesland seinerzeit eine regelrechte Branntweinepidemie heim, ein Großteil der Bewohner war schwer Alkoholkrank, was zum einen in den allgemeinen Trinkgewohnheiten lag, vor allem aber auch an der schlechten Qualität des Trinkwassers. | ||
In diesen Umständen suchte Doornkaat Koolman wohl sein Glück und erhoffte sich, durch seine Produkte besonders hervorzustechen - zu Recht, wie sich schnell zeigte. Hinzu kamen die schwierigen politischen Verhältnisse in den Niederlanden im ausgehenden 18. Jahrhundert.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 69</ref> Mithilfe seines entfernten Verwandten, dem angesehen [[Doede Lübberts Cremer]], konnte Doornkaat Koolman schnell Fuß in der Stadt fassen und erlangte schon am 1807 das [[Bürgerrecht]]. Zuvor vermittelte ihm Cremer die wirtschaftlich schwächelnde Brennerei des [[Dirk Hermann Taaks]] an der [[Osterstraße 147]], wo er sein erstes Brennereigebäude errichtete. Dieses Gebäude wurde 1965 abgerissen, dort zog ''Cremer Haustechnik'' ein.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 71</ref> | In diesen Umständen suchte Doornkaat Koolman wohl sein Glück und erhoffte sich, durch seine Produkte besonders hervorzustechen - zu Recht, wie sich schnell zeigte. Hinzu kamen die schwierigen politischen Verhältnisse in den Niederlanden im ausgehenden 18. Jahrhundert.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 69</ref> Mithilfe seines entfernten Verwandten, dem angesehen [[Doede Lübberts Cremer]], konnte Doornkaat Koolman schnell Fuß in der Stadt fassen und erlangte schon am 1807 das [[Bürgerrecht]]. Zuvor vermittelte ihm Cremer die wirtschaftlich schwächelnde Brennerei des [[Dirk Hermann Taaks]] an der [[Osterstraße 147]], wo er sein erstes Brennereigebäude errichtete. Dieses Gebäude wurde 1965 abgerissen, dort zog ''Cremer Haustechnik'' ein.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 71</ref> Heute befindet sich hier die ''Drogerie Müller''. | ||
1808 übernahm Doornkaat auch die [[Brennerei Stroman]], die er jedoch bereits 1813 wieder verkaufte, nachdem er im Vorjahr das Haus und die Brauerei am [[Neuer Weg|Neuen Weg]] von Brauer [[Jibbe Cornelius Poppinga]] mitsamt Zubehör erwarb. Das Gebäude mitsamt Grundstück, wo Doornkaat auch Viehstallungen zum sinnvollen Verwerten der beim Brennen anfallenden Schlempe errichtete.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 72</ref> Mit dem Kauf weiterer Grundstücke weitete er den Firmenbesitz aus. Auch in der [[Westermarsch]] erwarb er 1831 einen bei der [[Februarflut]] beschädigten Bauernhof für den sehr geringen Preis von 625 Goldmark, den er jedoch bereits 1851 wegen zu geringer Rentabilität wieder abstoß.<ref name=":2">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 73</ref> | 1808 übernahm Doornkaat auch die [[Brennerei Stroman]], die er jedoch bereits 1813 wieder verkaufte, nachdem er im Vorjahr das Haus und die Brauerei am [[Neuer Weg|Neuen Weg]] von Brauer [[Jibbe Cornelius Poppinga]] mitsamt Zubehör erwarb. Das Gebäude mitsamt Grundstück, wo Doornkaat auch Viehstallungen zum sinnvollen Verwerten der beim Brennen anfallenden Schlempe errichtete.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 72</ref> Mit dem Kauf weiterer Grundstücke weitete er den Firmenbesitz aus. Auch in der [[Westermarsch]] erwarb er 1831 einen bei der [[Februarflut]] beschädigten Bauernhof für den sehr geringen Preis von 625 Goldmark, den er jedoch bereits 1851 wegen zu geringer Rentabilität wieder abstoß.<ref name=":2">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 73</ref> | ||
Version vom 14. Juni 2021, 14:10 Uhr
Doornkaat AG | ||||||||
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| Basisdaten | ||||||||
| Gründung | 1806 | |||||||
| Auflösung | 1992 | |||||||
| Rechtsform | Aktiengesellschaft (AG) | |||||||
| Hauptsitz | Doornkaatlohne
26506 Norden | |||||||
Die Doornkaat AG war lange Zeit das überregional (und oftmals auch bis heute) bekannteste Norder Unternehmen. Der Name wird meist synonym mit dem Hauptabsatzprodukt, einem Kornbrand, verwendet, der seit dem Niedergang der Firma bei Berentzen in Haselünne weitergebrannt wird. Kenner des ursprünglichen Doornkaat sagen diesem jedoch nach, dass er von wesentlich geringerer Qualität ist.
Geschichte
Das Unternehmen wurde im Jahre 1806 von dem niederländischen Kaufmann Jan ten Doornkaat Koolman am Neuen Weg gegründet. Er war ein Jahr zuvor über Emden nach Norden gekommen und fand zunächst im Hause seines entfernten Verwandten Doede Lübberts Cremer eine Unterkunft. Die Konkurrenz in der Stadt war seinerzeit groß: Für das Jahr 1813 sind 27 (meist kleinere) Geneverbrennereien in Norden nachgewiesen. Ihre Zahl ging jedoch in den Folgejahren zurück, 1840 waren es noch elf, 1858 hatte Doornkaat nur noch einen städtischen Konkurrenten.[1] Das mag vor allem darin begründet sein, dass der niederländische Generver dem klassischen, ostfriesischen Kornbrand seit jeher qualitativ weit überlegen war.[2] Im Laufe der Jahrzehnte wurde Doornkaat mit seiner populären Qualität zu einer deutschlandweit bekannten Branntweinmarke.
Unter der preußischen Regierung ab 1744 wurde das allgemeine wirtschaftliche Leben in Ostfriesland erheblich gefördert. Davon profitierte auch Doornkaat, denn Friedrich der Große verbot den Import fremder Ware zum Vorteil der ostfriesischen Brenner, sicherte aber zugleich eine fortwährende Qualität, indem er minderwertigen Produkten durch Beschlagnahme einen Riegel vorschob und er nur noch vereidigte Brennmeister produzieren ließ. Allen Bemühungen zum Trotz stellten die preußischen Beamten noch 1804 fest, dass wohl nirgends so schlechter Branntwein gebrannt und in solche schreckhaftem Übermaß getrunken wird als gerade in dieser Provinz.[2] Tatsächlich suchte Ostfriesland seinerzeit eine regelrechte Branntweinepidemie heim, ein Großteil der Bewohner war schwer Alkoholkrank, was zum einen in den allgemeinen Trinkgewohnheiten lag, vor allem aber auch an der schlechten Qualität des Trinkwassers.
In diesen Umständen suchte Doornkaat Koolman wohl sein Glück und erhoffte sich, durch seine Produkte besonders hervorzustechen - zu Recht, wie sich schnell zeigte. Hinzu kamen die schwierigen politischen Verhältnisse in den Niederlanden im ausgehenden 18. Jahrhundert.[3] Mithilfe seines entfernten Verwandten, dem angesehen Doede Lübberts Cremer, konnte Doornkaat Koolman schnell Fuß in der Stadt fassen und erlangte schon am 1807 das Bürgerrecht. Zuvor vermittelte ihm Cremer die wirtschaftlich schwächelnde Brennerei des Dirk Hermann Taaks an der Osterstraße 147, wo er sein erstes Brennereigebäude errichtete. Dieses Gebäude wurde 1965 abgerissen, dort zog Cremer Haustechnik ein.[4] Heute befindet sich hier die Drogerie Müller.
1808 übernahm Doornkaat auch die Brennerei Stroman, die er jedoch bereits 1813 wieder verkaufte, nachdem er im Vorjahr das Haus und die Brauerei am Neuen Weg von Brauer Jibbe Cornelius Poppinga mitsamt Zubehör erwarb. Das Gebäude mitsamt Grundstück, wo Doornkaat auch Viehstallungen zum sinnvollen Verwerten der beim Brennen anfallenden Schlempe errichtete.[5] Mit dem Kauf weiterer Grundstücke weitete er den Firmenbesitz aus. Auch in der Westermarsch erwarb er 1831 einen bei der Februarflut beschädigten Bauernhof für den sehr geringen Preis von 625 Goldmark, den er jedoch bereits 1851 wegen zu geringer Rentabilität wieder abstoß.[6]
1839 und 1845 erwarb das Unternehmen zwei Grundstücke in Leezdorf, um hier Brenntorf für die Fabrik abzubauen. Offenbar wollte man sich damit von der Norder Fehngesellschaft unabhängig machen. Das Fabrikgebäude an sich wurde 1840 erheblich erweitert. Es entstanden weitere Lagerräume, ein Maischhaus, Trocknungsanlagen, ein Brennraum und eine Roßmühle (eine mit einem Pferd betriebene Mühle).[6]
1845 und 1846 kam es infolge von Missernten zu einer andauernden Hungersnot, in deren Folge die hannoversche Regierung (Ostfriesland gehörte seit 1815 zum Königreich Hannover) im März 1847 beschloss, den Getreideverkauf an die Brennerei zu stoppen, um es nicht dem Lebensmittelmarkt zu entziehen. Zwischenzeitlich waren des Gründers Söhne Fiepko ten Doornkaat Koolman und Jan ten Doornkaat Koolman II. Geschäftsführer geworden und auch diese waren sozial und verantwortungsbewusst genug, um der Forderung nachzukommen. Da die Getreideernte im Sommer des Jahres unerwartet gut ausfiel, konnte man die Produktion schon im September 1847 wieder hochfahren.[7]
Das Revolutionsjahr 1848 spielte dem Geschäft von Doornkaat in die Karten. Obgleich die unsicheren politischen Verhältnisse allgemeine wirtschaftliche Probleme mit sich brachten, zog es viele Bewohner doch nun gehäuft in die Gaststätten, wo sie nicht zuletzt auch Doornkaat tranken. Nachdem die Firma nun auch per Schiff Getreide aus Pommern und Mecklenburg importierte, konnte die gestiegene Nachfrage bedient werden. Zur Lagerung erwarb man ein Lagerhaus an der Großen Hinterlohne, wo später das Maschinenhaus eingerichtet wurde.[8] Da jedoch auch die zusätzlichen Getreideimporte bald nicht mehr ausreichten, ließ das Unternehmen 1871 ein eigenes Dampfschiff mit dem Namen der Firma bauen, um damit Roggen aus dem deutschen Ostseeraum zu importieren. Gleichzeitig wurde damit die für den Betrieb dringend benötigte Kohle aus England importiert.[9] Zur besseren Einfahrt zum Norder Hafen erwarb man zusätzlich drei Leichterschiffe und eine Schleppdampfer. Der Doornkaat-Dampfer sank jedoch bereits zwei Jahre später, nachdem er von einem schwedischen Dampfer gerammt wurde.[10]
Ab 1879 wurde keine Kohle mehr aus England importiert, stattdessen setzte man auf Importe aus Westfalen, die per Bahn nach Leer transportiert und von dort mit den Leichterschiffen und dem Schleppdampfer bis nach Norden transportiert wurden.[10] Einen Anschluss an das Eisenbahnnetz erhielt Norden erst ab 1883. In diesem Jahr sank auch ein weiteres Schiff der Firma, der Schoner Gebrüder Doornkaat. Dieser sank auf der Fahrt von Estland nach Tallinn (Estland) nach Brüssel und galt seither als verschollen.[11]
1882 eröffnete das Unternehmen eine Brauerei Doornkaat in Westgaste, an die heute noch die Brauhausstraße erinnert. Ein Jahr später werden Hildebrand ten Doornkaat Koolman und Jan ten Doornkaat Koolman III. an die Geschäftsführung herangeführt. 1885 führt das Unternehmen einen Rechtsstreit gegen einen Dresedener Brenner namens Woldemar Schmidt, der den guten Namen der Firma widerrechtlich für seine eigenen Produkte verwendete. Der über zwei Jahre dauernde Prozess beschäftigte sogar das Reichsgericht in Leipzig und endete schließlich zugunsten der Kläger.[11] Insbesondere wohl auch deshalb wurde der Markenname Doornkaat am 1. Oktober 1894 offiziell angemeldet und am 8. Dezember 1894 in das deutsche Markenregister eingetragen.
1896 trat Hildebrand ten Doornkaat Koolman aus der Firma aus und seine Geschäftsanteile an Jan ten Doornkaat Koolman III. ab, der damit zum alleinigen Firmeninhaber wurde. Zum 5. Oktober 1897 trat Fiepko ten Doornkaat Koolman in die Firma ein. Um die Jahrhundertwende erwarb das Unternehmen, noch auf Veranlassung von Jan ten Doornkaat Koolman II., große Flächen (267 Hektar) im Bereich Großheide und Menstede-Coldinne, wo man umfangreiche Viehwirtschaft betreiben wollte. Als Futtermittel sollte die beim Brennen anfallende Schlempe verfüttert werden. Für den Gutsverwalter wurde das Schloss Großheide (Schloßstraße, Ecke Großheider Straße) errichtet. Die Flächen erwiesen sich jedoch bald als ungeeignet und der Betrieb an sich als unwirtschaftlich, sodass der Landkreis Norden die Flächen zur Besiedlung erwarb und vergab. In das Schloss des Gutsverwalters zog später eine Gaststätte ein.[12] Heute befindet sich hier ein Institut für Intensivpädagogik.
Der Erste Weltkrieg verpasste dem Unternehmen jedoch einen schweren Schlag, ein großer Teil der Belegschaft wurde zum Kriegsdienst verpflichtet. Die Produktion kam dadurch gänzlich zum Erliegen. Erst 1920 konnte man diese wieder aufnehmen, ein Jahr später auch in der Brauerei.[13] Auch das Inflationsjahr 1923 wirkte sich negativ auf das Unternehmen aus. Erst mit der Währungsreform erholte es sich. Die vormals in Berlin, München und Leipzig betriebenen Vertretungen des Unternehmens wurden jedoch Ende der 1920er Jahre geschlossen.[14]
Ab 1930 vertrieb Doornkaat mit Doka Tee auch einen eigenen Tee mit einem jährlichen Absatz von gut 23 Tonnen. Etwa zur gleichen Zeit begann man mit der Produktion vom Doka-Tafelwasser, das aus einem Brunnen an der Großen Hinterlohne gewonnen und mit Sole aus Bad Wimpfen verfeinert wurde. Durch Schiffsbeteiligungen rundete das Unternehmen sein Portfolio ab. Das 20. Jahrhundert war jedoch vor allem durch Schwierigkeiten beim Absatz, nicht zuletzt bedingt durch die beiden Weltkriege, die die Weltwirtschaft im Allgemeinen und die deutsche im Speziellen lange Zeit lähmten. Während des Zweiten Weltkrieg kam die Produktion, anders als im Ersten, nicht zum Erliegen, da man die Wehrmacht bis April 1945 beliefern konnte.[14]
Die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg brachten jedoch nochmals einen großen Aufschwung, nachdem man bereits kurz nach Kriegsende wieder mit Genehmigung der britischen Militärregierung produzieren durfte. In der letzten Hochblüte, Ende der 1960er Jahre, wurde Doornkaat mit dem legendären Doornkaat-Mann (von Ludwig Hohlwein bereits in den 1920er Jahren geschaffen), der die Doornkaat-Vierkantflasche in der Hand hält, mit dem Slogan Doornkaat - heiß geliebt und kalt getrunken beworben.
In den 1970er und 1980er Jahren erfolgte ein schneller Abstieg, der letztlich auch zum Verkauf des Unternehmens führte. Dies lag im Kern am veränderten Trinkverhalten der Bevölkerung, was zu einem Einbruch des Absatzes führte. Auch die geänderte Branntweinsteuer und der drastische Anstieg importierter Spirituosen bestärkte den rückläufigen Trend. Die langjährigen Vorstände Gerhard ten Doornkaat Koolman und Klaus Scherhorn verließen das Unternehmen in der Mitte der 1980er Jahre. Die neuen Vorstände Jochen Buschbeck und Hans A. Alles entwickelten Umstrukturierungspläne. In den Jahren 1986 und 1987 wurde das Personal um 35 % auf 240 im Jahr 1988 reduziert. Das Konzernergebnis der Doornkaat-Gruppe war 1987 mit 4,9 Mio. DM immer noch recht passabel. 1989 verließ Alles das Unternehmen.[15]
Doornkaat beteiligte sich an der Gocher Firma Mülhoff mit ihrem bekannten Produkt Mampe. Doch auch dies konnte den weiter fallenden Absatz nicht stoppen. Das Fruchtsaftgeschäft kam erheblich unter Druck, die Sparte wurde mit dem Verkauf der Anteile an der Emig Fruchtsaft GmbH 1989 geschlossen. Die deutsche Wiedervereinigung führte bei Doornkaat zu einem überraschenden, aber kurzen Absatzplus. Der Verkauf des Stammgetränkes stieg um 21 %. Trotzdem konnte der negative Trend nicht gestoppt werden, im Jahr 1991 waren nur noch 232 Mitarbeiter bei Doornkaat beschäftigt.
Im August 1991 erwarb die Berentzen-Gruppe den Geschäftsbetrieb der damaligen Doornkaat AG, ein Beherrschungsvertrag wurde 1992 abgeschlossen und die Produktion schließlich verlagert. Berentzen verkaufte die Doornkaat AG an die WCM-Gruppe, die die Firma in die NORDAG umwandelte. Gleichzeitig wurden die Brenn- und Markenrechte an die neu gegründete Doornkaat Verwaltung GmbH verkauft, einer neu gegründeten Tochtergesellschaft von Berentzen. Diese wurde sodann wieder in die neue Doornkaat AG umgewandelt. Ab 1997 wurde kein Doornkaat mehr in der Norder Brennerei hergestellt.
Das ehemalige Doornkaat-Gelände liegt seither weitestgehend brach, viele Gebäude wurden abgerissen oder dem Verfall, bedingt durch den Verkauf an auswärtige Investoren, überlassen. In einigen Gebäuden erblühte jedoch neues Leben und seit Ende der 2010er Jahre existieren Planungen über eine Neunutzung. Unter anderem soll das neue Dienstgebäude der Norder Polizei auf dem Gelände entstehen.
Produkte
- Doornkaat: Der dreifach gebrannte Korn wird in einer grünen Vierkantflasche angeboten und hat einen Alkoholgehalt von 38 Volumenprozent. Hape Kerkelings Figur Horst Schlämmer genehmigte sich gern einen Doornkaat, auch vor laufenden Kameras, und trug so zur Bekanntheit der Marke bei.
- Doka Tee: Ein typischer Ostfriesentee.
- Doka Tafelwasser: Ein aus einem Brunnen an der Großen Hinterlohne gewonnenes Tafelwasser.
Literatur
- Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden
Einzelnachweise
- ↑ Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 89
- ↑ 2,0 2,1 Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 67
- ↑ Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 69
- ↑ Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 71
- ↑ Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 72
- ↑ 6,0 6,1 Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 73
- ↑ Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 54
- ↑ Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 74
- ↑ Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 88
- ↑ 10,0 10,1 Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 75
- ↑ 11,0 11,1 Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 76
- ↑ Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 78
- ↑ Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 79
- ↑ 14,0 14,1 Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 80
- ↑ Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 106