Norder Hafen: Unterschied zwischen den Versionen
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Noch bis in das späte 16. Jahrhundert, insbesondere auch wegen des Krieges zwischen den Niederlanden und Spanien, nutzten Freibeuter den Norder Hafen als Umschlagplatz für ihre Waren und Liegeplatz. Trotz gräflichen Verbotes wurde dies lange Zeit durch die Norder stillschweigend geduldet, die oftmals jedoch auch selbst durch erbeutete Waren profitierten. Erst als Freibeuter drei Frauen aus dem Groningerland nach Norden verschleppten, rottete sich ein wütender Mob zusammen und brachte die Frauen im [[Altes Rathaus|Alten Rathaus]] in Sicherheit. Die Freibeuter planten daraufhin, das Gebäude zu stürmen, woraufhin die Norder zu den Waffen griffen und die Freibeuter vertrieben. Die beiden Kapitäne wurden vor das [[Stadtgericht Norden|Stadtgericht]] gestellt und nach kurzer Haft hingerichtet.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 47f.</ref> Der amtierende Bürgermeister [[Bernhard von Münster]] wurde u.a. wegen Kollaboration mit den Freibeutern aus seinem Amt entlassen.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 49</ref> Seit dem 17. Jahrhundert befuhren Norder Schiffe das Meer sogar bis nach Spanien.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 66</ref> | Noch bis in das späte 16. Jahrhundert, insbesondere auch wegen des Krieges zwischen den Niederlanden und Spanien, nutzten Freibeuter den Norder Hafen als Umschlagplatz für ihre Waren und Liegeplatz. Trotz gräflichen Verbotes wurde dies lange Zeit durch die Norder stillschweigend geduldet, die oftmals jedoch auch selbst durch erbeutete Waren profitierten. Erst als Freibeuter drei Frauen aus dem Groningerland nach Norden verschleppten, rottete sich ein wütender Mob zusammen und brachte die Frauen im [[Altes Rathaus|Alten Rathaus]] in Sicherheit. Die Freibeuter planten daraufhin, das Gebäude zu stürmen, woraufhin die Norder zu den Waffen griffen und die Freibeuter vertrieben. Die beiden Kapitäne wurden vor das [[Stadtgericht Norden|Stadtgericht]] gestellt und nach kurzer Haft hingerichtet.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 47f.</ref> Der amtierende Bürgermeister [[Bernhard von Münster]] wurde u.a. wegen Kollaboration mit den Freibeutern aus seinem Amt entlassen.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 49</ref> Seit dem 17. Jahrhundert befuhren Norder Schiffe das Meer sogar bis nach Spanien.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 66</ref> | ||
Einen erneuten Zuwachs erlangte die Norder Hafenflotte während des US-amerikanischen Unabhängigkeitskrieges (1776 - 1783). Zahlreiche niederländische Kaufleute beantragten für Norden (vorübergehend) das Bürgerrecht, um ihre Waren so unter neutraler Flagge in alle Welt zu verschiffen. Allein vom 30. März bis 10. Juli 1795 erlangten 111 niederländische Schiffer das Norder Bürgerrecht.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 78</ref> 1806 kaperten die Engländer und die Franzosen einen Großteil der Norder Handelsflotte, was der Wirtschaft einen schweren Schlag verpasste.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 81</ref> Wenig später fiel Ostfriesland nach der Niederlage Preußens gegen Napoleon Bonaparte unter französische Herrschaft. Auch die Seeblockade der Franzosen ab 1810 versetzte dem Norder Seehandel einen schweren Schlag.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 18</ref> | Einen erneuten Zuwachs erlangte die Norder Hafenflotte während des US-amerikanischen Unabhängigkeitskrieges (1776 - 1783). Zahlreiche niederländische Kaufleute beantragten für Norden (vorübergehend) das [[Bürgerrecht]], um ihre Waren so unter neutraler Flagge in alle Welt zu verschiffen. Allein vom 30. März bis 10. Juli 1795 erlangten 111 niederländische Schiffer das Norder Bürgerrecht.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 78</ref> 1806 kaperten die Engländer und die Franzosen einen Großteil der Norder Handelsflotte, was der Wirtschaft einen schweren Schlag verpasste.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 81</ref> Wenig später fiel Ostfriesland nach der Niederlage Preußens gegen Napoleon Bonaparte unter französische Herrschaft. Auch die Seeblockade der Franzosen ab 1810 versetzte dem Norder Seehandel einen schweren Schlag.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 18</ref> | ||
Einhergehend mit der Gründung der [[Norder Fehngesellschaft]] im Jahr 1794 entstand auch der [[Berumerfehnkanal]], der von [[Norderfehn]] (heute Berumerfehn) bis in den Hafen führte. So wurde der Hafen fortan auch von Torfkähnen angesteuert und stellte die Versorgung der Stadt mit dem damals wichtigsten Brennmaterial sicher, das bis dahin umständlich und kostenintensiv aus den Niederlanden und dem Saterland beschafft werden musste. Auf dem Deich entlang des heutigen Straßenzuges [[Am Norder Tief]] wurden in späterer Zeit Bahnschienen zum Transport von Waren erbaut. Vermutlich führten diese Schienen bis zur westlich gelegenen [[Ziegelei (Vierzig Diemat)|Ziegelei]]. Auch wurde an diesem Deich die überregional bekannte [[Schiffswerft Herlyn]] gegründet. Im alten Werftgebäude befindet sich heute der [[Norder Ruderclub]]. An die alten Deichlinien erinnert heute noch der Name "[[Deichmühle]]". Auch die [[Raiffeisenstraße]] hieß noch bis etwa Mitte des 20. Jahrhunderts "Deichweg". Nach Norden hin reichte der Deich bis an das südliche Ende der [[Sielstraße]], wo sich heute der Wendehammer und die alte Gaststätte [[Kehre wieder]] befinden. Ebenfalls enstand in unmittelbarer das sogenannte [[Sieltorhaus|Dörenhuus]], in dem zunächst die Toren für die Norder Siele gelagert wurden. Später wurde dieses Gebäude als Obdachlosenunterkunft genutzt und erst nach 1933 zur Hafenmeisterdienstwohnung umgebaut. | Einhergehend mit der Gründung der [[Norder Fehngesellschaft]] im Jahr 1794 entstand auch der [[Berumerfehnkanal]], der von [[Norderfehn]] (heute Berumerfehn) bis in den Hafen führte. So wurde der Hafen fortan auch von Torfkähnen angesteuert und stellte die Versorgung der Stadt mit dem damals wichtigsten Brennmaterial sicher, das bis dahin umständlich und kostenintensiv aus den Niederlanden und dem Saterland beschafft werden musste. Auf dem Deich entlang des heutigen Straßenzuges [[Am Norder Tief]] wurden in späterer Zeit Bahnschienen zum Transport von Waren erbaut. Vermutlich führten diese Schienen bis zur westlich gelegenen [[Ziegelei (Vierzig Diemat)|Ziegelei]]. Auch wurde an diesem Deich die überregional bekannte [[Schiffswerft Herlyn]] gegründet. Im alten Werftgebäude befindet sich heute der [[Norder Ruderclub]]. An die alten Deichlinien erinnert heute noch der Name "[[Deichmühle]]". Auch die [[Raiffeisenstraße]] hieß noch bis etwa Mitte des 20. Jahrhunderts "Deichweg". Nach Norden hin reichte der Deich bis an das südliche Ende der [[Sielstraße]], wo sich heute der Wendehammer und die alte Gaststätte [[Kehre wieder]] befinden. Ebenfalls enstand in unmittelbarer das sogenannte [[Sieltorhaus|Dörenhuus]], in dem zunächst die Toren für die Norder Siele gelagert wurden. Später wurde dieses Gebäude als Obdachlosenunterkunft genutzt und erst nach 1933 zur Hafenmeisterdienstwohnung umgebaut. | ||