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==Ölmühle==
==Ölmühle==
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|Bauweise
|Bauweise
|Windmühle
|Galerieholländer
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|erhalten (ohne Flügel)
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|Genaue Lage
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26506 Norden
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__NOTOC__
Die '''Ölmühle''' (auch: ''Die Vereinigung'') befindet sich am nach ihr benannten [[Ölmühlenweg]] in [[Süderneuland II]], unmittelbar an der Schnittstelle zwischen [[Norden (Stadtteil)|Norden]] und [[Bargebur]]. Sie wurde von 1773 bis etwa 1870 als solche und anschließend, bis 1945, als herkömmliche Schrot- und Peldemühle genutzt. Die Ölmühle wurde im amtlichen Gebrauch zudem als Ortsteil der ehemals selbstständigen Gemeinde Süderneuland II geführt. Das gesamte Mühlenensemble steht heute unter Denkmalschutz.
Die '''Ölmühle''' befindet sich am nach ihr benannten [[Ölmühlenweg]] in [[Süderneuland II]], unmittelbar an der Schnittstelle zwischen [[Norden (Stadtteil)|Norden]] und [[Bargebur]]. Sie wurde von 1773 bis etwa 1870 als solche und anschließend, bis 1945, als herkömmliche Schrot- und Peldemühle genutzt. Die Ölmühle wurde im amtlichen Gebrauch zudem als Ortsteil der ehemals selbstständigen Gemeinde Süderneuland II geführt.


Historisch wurde die Mühle aufgrund ihrer Grenzlage auch als "Vereinigung" bezeichnet.
Zeitweise soll es bis zu fünf Ölmühlen innerhalb der heutigen [[Stadt Norden|Stadtgrenzen]] gegeben haben, die auch ''Ölschlag'' genannt wurden, das sich wiederum vom Ölschlagen, also der Gewinnung von Öl aus Pflanzen wie Raps, ableitete. Das gewonnene Öl wurde sowohl als günstiger Brotaufstrich als auch zum Beleuchten von Öllampen verwendet. Eine dieser Ölmühlen war wahrscheinlich die nahegelegene [[Westerroggenmühle]], in der die [[Reformierte Gemeinde Lütetsburg-Norden]] vor dem Bau der [[Bargeburer Kirche]] zeitweise ihren Gottesdienst abhielt. Eine weitere befand sich seit spätestens 1632 am [[Fräuleinshof]].<ref>Rack, Eberhard (1982): Up Leegemoors Wohlfahrt, Norden, S. 24</ref>
__TOC__
==Geschichte==
Am 20. Oktober 1772 erhält eine Interessengemeinschaft die Erlaubnis, im Süden des [[Heerstraße|Bargeburer Wegs]] eine Ölmühle anzulegen.<ref>StAA, Rep.12, Nr. 3060</ref><ref name=":1">Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 197</ref> Die Erlaubnis implizierte das Privileg, als einzige Ölmühle in der Umgebung arbeiten zu dürfen, wobei ausdrücklich auch nur ein solcher Betrieb erlaubt wurde.<ref name=":1" /> Weiterhin waren die Eigner verpflichtet, unmittelbar ab ihrer Inbetriebnahme das Windgeld (Steuer für den Betrieb einer Windmühle) in höhe von 20 Reichstalern in Gold, zu zahlen.<ref name=":2" />
 
Im August 1773 war die Fertigstellung geplant. Bauherr war [[Johann Friedrich Janßen]], ein gebürtiger Ostfriese. Dieser hatte offenbar maßgebliche Unterstützung von [[Hajo Laurenz Damm|Amtsverwalter Damm]] erhalten.<ref name=":1" /><ref name=":2">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 155</ref>
 
Bis 1844 wurde die Mühle als [[Roßmühle]] betrieben, ehe mit einer Dampfmaschine ausgestattet wurde.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 156</ref> In dieser Zeit wurde auch der - schon lange nicht mehr existente - Schornstein errichtet. Später, am 22. August 1857, schied die Ölmühle aus der Brand-Sozietät (Feuerversicherung) aus. Wahrscheinlich war die Versicherung zu teuer geworden.


==Geschichte==
Nachdem die Besitzer das Ölschlagen um 1870 eingestellt hatten, wurde die Mühle als windbetriebene Pelde- und Schrotmühle eingerichtet und erhielt den Namen ''(Die) Vereinigung'', weil dort jetzt auch Getreide gemahlen werden konnte. Die ursprüngliche Beschränkung auf den Betrieb als Ölmühle von Seiten der Behörden war offenbar obsolet geworden. In dieser Zeit werden die Interessenten der ''Oelmühlen Vereinigung'' mit Senator R. Eiben in Norden genannt.<ref name=":0" /> Ursächlich für die Umstellung der Mahlart war die aufkommende Unwirtschaftlichkeit von Ölmühlen, deren Zahl in der Stadt im Jahre 1860 noch fünf betrug. Raps als wichtigster Rohstoff für das Ölschlagen war häufig unsicher im Ertrag.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 89</ref>
Am 20. Oktober 1772 erhält eine Interessengemeinschaft die Erlaubnis, im Süden des [[Heerstraße|Bargeburer Weges]] eine Windölmühle anzulegen.<ref>StAA, Rep.12, Nr. 3060</ref> Zehn Jahre durfte im Umkreis keine andere Ölmühle gebaut werden. Die Erlaubnis wurde darauf beschränkt, dass die Ölmühle nur als solche betrieben werden darf. Weiterhin waren die Eigner verpflichtet, unmittelbar ab ihrer Betriebnahme das "Windgeld" (Steuer für den Betrieb einer Windmühle), zu zahlen. Im August 1773 war die Fertigstellung geplant. Bauherr war [[Johann Friedrich Janßen]], ein gebürtiger Ostfriese.


Als eine Dampfmaschine angelegt wird, schied die Ölmühle aus der Brand-Sozietät (Feuerversicherung) am 22. August 1857 aus. Nachdem die Besitzer das Ölschlagen um 1870 eingestellt hatten, wurde die Mühle als Pelde- und Schrotmühle eingerichtet und erhielt den Namen "(Die) Vereinigung", weil dort jetzt auch Getreide gemahlt werden konnte. Die ursprüngliche Beschränkung auf den Betrieb als Ölmühle war offenbar obsolet geworden. In dieser Zeit werden die Interessenten der "Oelmühlen Vereinigung" mit Senator R. Eiben in Norden genannt.<ref name=":0" /> Ursächlich für die Umstellung der Mahlart war die aufkommende Unwirtschaftlichkeit von Ölmühlen, deren Zahl in der Stadt im Jahre 1860 noch fünf betrug. Raps als wichtigster Rohstoff für das Ölschlagen war häufig unsicher im Ertrag.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 89</ref>
Seit 1945 ist die Mühle ohne Flügel. Mühlenhaus und -rumpf werden seitdem privat für Wohnzwecke genutzt.<ref name=":0">Schreiber, Gretje (2012): Mühlengeschichten in und um Norden, Manuskript</ref> Letzte Eigentümer waren die Familie Weerda sowie danach der Dachdeckermeister Lüchow.<ref>Brückner, Annemarie / Gerdes, Edo (1984): So war es damals. Bilder aus dem alten Norden, Leer, S. 37</ref> Letzterer investierte erhebliche Mühen und Geldmittel in den Ausbau und den Erhalt der Ölmühle, nachdem er diese zu Anfang der 1970er Jahre erworben hatte. Zunächst sanierte Lüchow den Mühlenstumpf. 1983 folgte der Ostflügel des Mühlenkomplexes, zu Beginn der 1990er Jahre dann der Westflügel.<ref>Schriftliche Auskunft von Klaus Lüchow, bei facebook mitgeteilt am 26. November 2022</ref>


Seit 1945 ist die Mühle ohne Flügel. Mühlenhaus und -rumpf werden seitdem privat für Wohnzwecke genutzt.<ref name=":0">Schreiber, Gretje (2012): Mühlengeschichten in und um Norden, Manuskript</ref>
Am 22. Dezember 2022 wurde die Ölmühle zum Preis von ca. 1,2 Millionen Euro zum Verkauf angeboten.


== Ortschaft ==
==Ortschaft==
In amtlichen Verzeichnissen zählte die Ölmühle neben [[Altendeich]] und [[Nadörst]] als eine Ortschaft der einst selbstständigen Gemeinde [[Süderneuland II]]. Erste urkundliche Erwähnung fand der aus einzelnen Häusern bestehende Ort im Jahre 1842. 1848 lebten hier 21 Personen in zwei Wohngebäuden.<ref>Remmers, Arend (2004): Von Aaltukerei bis Zwischenmooren, Die Siedlungssnamen zwischen Dollart und Jade, Leer, S. 171</ref>
In amtlichen Verzeichnissen zählte die Ölmühle neben [[Altendeich]] und [[Nadörst]] als eine Ortschaft der einst selbstständigen Gemeinde [[Süderneuland II]]. Erste urkundliche Erwähnung fand der aus einzelnen Häusern bestehende Ort im Jahre 1842. 1848 lebten hier 21 Personen in zwei Wohngebäuden.<ref>Remmers, Arend (2004): Von Aaltukerei bis Zwischenmooren, Die Siedlungssnamen zwischen Dollart und Jade, Leer, S. 171</ref>


==Steuern==
==Steuern==
Die Eigentümer, die Interessengemeinschaft (gegründet 1772/1773), der Ölmühle waren verpflichtet, ein jährliches Windgeld von 20 Reichstalern in Gold an die städtische Rentei zu entrichten. Dazu waren für Verkäufe jeweils gesonderte Steuern zu zahlen. Zudem mussten 16 Reichstaler 18 Stüber Erbpacht an einen Jacob Dirks gezahlt werden. 2 Reichstaler und 6 Stüber nebst Veräußerungsgewinnen mussten darüber hinaus als jährliche Erbpacht an die Stadtkämmerei für die sogenannten Aaskuhlen (Gruben, in denen Tierkadaver entsorgt wurden) bezahlt werden. Damit nicht genug, war die Ölmühle verpflichtet, sich am Unterhalt der steinernen Brücke an einer anderen Mühle zu beteiligen. Gemeint ist damit wahrscheinlich die [[Frisiamühle]] und die Brücke(n) an der [[Brückstraße]]. Abschließend mussten noch Beiträge für die Kirche und die Armenversorgung geleistet werden.<ref>StAA, Rep. 237, Bd. 1385, Nr. 53, Rep. 237, Bd. 1353, S. 383 und Rep. 37, Bd. 1386, Nr. 37</ref>
Die Eigentümer, die Interessengemeinschaft (gegründet 1772/1773), der Ölmühle waren verpflichtet, ein jährliches Windgeld von 20 Reichstalern in Gold an die städtische Rentei zu entrichten. Dazu waren für Verkäufe jeweils gesonderte Steuern zu zahlen. Zudem mussten 16 Reichstaler 18 Stüber Erbpacht an einen Jacob Dirks gezahlt werden. 2 Reichstaler und 6 Stüber nebst Veräußerungsgewinnen mussten darüber hinaus als jährliche Erbpacht an die Stadtkämmerei für die sogenannten Aaskuhlen (Gruben, in denen Tierkadaver entsorgt wurden) bezahlt werden. Damit nicht genug, war die Ölmühle verpflichtet, sich am Unterhalt der steinernen Brücke an einer anderen Mühle zu beteiligen. Gemeint ist damit wahrscheinlich die [[Frisiamühle]] und die Brücke(n) an der [[Brückstraße]]. Abschließend mussten noch Beiträge für die Kirche und die Armenversorgung geleistet werden.<ref>StAA, Rep. 237, Bd. 1385, Nr. 53, Rep. 237, Bd. 1353, S. 383 und Rep. 37, Bd. 1386, Nr. 37</ref>
==Anlegestelle==
Die für den Torftransport notwendigen Schiffe der [[Norder Fehngesellschaft]] wurden anfangs von dieser selbst in einer betriebseigenen Werft nahe der Ölmühle gebaut und gewartet. Dort befand sich auch der Ausladeplatz für den Torf.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 27</ref> Der [[Berumerfehnkanal]] verlief damals noch in unmittelbarer Nähe. Von hier aus wurden die Waren dann mit Kutschen über die [[Brückstraße]] in die Stadt transportiert.
==Trivia==
Wollte man in früheren Jahren jemanden verspotten, der sich als sehr klug und welterfahren zeigte, dann witzelte man, dass dieser sehr weit gereist sei: Vom [[Berumerfehnkanal|Fehnkanal]] bis zur Ölmühle.<ref>Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 35</ref>
==Galerie==
<gallery>
Datei:Süderneuland II Bargebur Bargeburer Mühle Ölmühle Müllerhaus Berumerfehnkanal Fehnkanal um 1870.JPG|Die Ölmühle mit Blickrichtung nach Lütetsburg (um 1870). Rechts die [[Westerroggenmühle]] und die [[Bargeburer Mühle]].
Datei:Ölmühle unbekanntes Datum 01.JPG|Die Ölmühle - hier noch mit Schornstein - auf einem undatierten Gemälde.
Datei:Ölmühle Berumerfehnkanal Fehnkanal undatierte Aufnahme 01.jpg|Undatierte Aufnahme, wahrscheinlich um 1910.
Datei:Fehnkanal Zwillingsmühlen um 1900 01.jpg|Die Ölmühle und die [[Frisiamühle]] mit dem [[Berumerfehnkanal|Fehnkanal]] im Vordergrund (um 1900).
Datei:Heerstraße Ölmühle Berumerfehnkanal 1902 01.jpg|Blick in Richtung [[Bargebur]] mit [[Berumerfehnkanal|Fehnkanal]] und Ölmühle (1902).
Datei:Bahnhofstraße Deichmühle Frisiamühle Ölmühle Gemälde 1916 01.jpg|Die [[Frisiamühle]] (rechts), die [[Deichmühle]] (mittig) und die Ölmühle (links) im Jahre 1916.
Datei:Ölmühle um 1930 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1930.
Datei:Heerstraße Ölmühle Berumerfehnkanal um 1930 01.jpg|Blick in Richtung Stadt (um 1930).
Datei:Ölmühle Berumerfehnkanal Fehnkanal Bahnstrecke Bahnschienen um 1950 01.jpg|Blick zur Ölmühle, davor der [[Fehnkanal]] und die [[Bahnstrecke Rheine-Norddeich Mole]] (um 1950).
Datei:Süderneuland II Ansichtskarte Ölmühle unbekanntes Datum 01.jpg|Ansichtskarte aus den 1960er Jahren.
Datei:Ölmühle - 02082021 (2).jpg|Die Ölmühle am 2. August 2021.
Datei:Ölmühle - 02082021 (1).jpg|Die Ölmühle am 2. August 2021.
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==Einzelnachweise==
==Einzelnachweise==
<references />
<references/>


==Siehe auch==
==Siehe auch==
*[[Bargeburer Mühle]]
*[[Bargeburer Mühle]]
*[[Liste der Mühlen im Stadtgebiet]]


[[Kategorie:Mühlen im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Mühlen im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Gebäude im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Gebäude im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Gebäude in Süderneuland II]]
[[Kategorie:Gebäude in Süderneuland II]]
[[Kategorie:Orte im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Orte in Süderneuland II]]
[[Kategorie:Süderneuland II]]
[[Kategorie:Süderneuland II]]