Gräfin-Theda-Schule: Unterschied zwischen den Versionen
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26506 Norden | 26506 Norden | ||
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Die '''Gräfin-Theda-Schule''' war | Die '''Gräfin-Theda-Schule''' war von 1912 bis 1927 eine ausschließlich Mädchen vorbehaltene [[Höhere Töchterschule]] und anschließend bis zum Neubau des [[Schulzentrum Ekel|Schulzentrums Ekel]] eine Mittel- bzw. Realschule ohne Geschlechtertrennung. 1980 wurde der eigentliche Schulbetrieb verlagert und das Gebäude nur noch als Außenstelle für das unter Raumnot leidende [[Ulrichsgymnasium]] genutzt. Seit 1996 befindet sich hier unter anderem die ''Kreismusikschule'', eine Einrichtung des Landkreises Aurich zur Förderung der Musik. | ||
__TOC__ | __TOC__ | ||
==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
Die Gründung der Gräfin-Theda-Schule geht zurück auf die Überlegung zur Einrichtung einer Schule für höhere Mädchenbildung. Das [[Ulrichsgymnasium]] war seinerzeit nur Jungen vorbehalten, Mädchen war es daher unmöglich, einen gleichgelagerten Schulabschluss zu erlangen. So gründeten Norder Bürger bereits im Jahre 1850 eine [[Höhere Töchterschule]] in der [[Neuweger Schule]]. 1873 wurde die bis dahin privat betriebene Schule von der Stadt Norden übernommen und an [[Höhere Töchterschule|wechselnden Standorten]] weiterbetrieben.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 103</ref> | |||
Nach langer Planung wurde von 1911 bis 1912 der Neubau des Schulgebäudes an der [[Gartenstraße]] verwirklicht und dieser am 17. April des Jahres eingeweiht.<ref>Brückner, Annemarie / Gerdes, Edo (1984): So war es damals. Bilder aus dem alten Norden, Leer, S. 109</ref><ref name=":6" /> Die Schule wurde zu Ehren von [[Theda Ukena]] benannt. Theda war durch Heirat mit [[Ulrich Cirksena]] zur Gräfin von Ostfriesland aufgestiegen. Ein gemeinsamer Sohn Sohn war der spätere [[Edzard Cirksena|Graf Edzard]], der als ''Edzard der Große'' in die ostfriesische Geschichte einging.<ref name=":6">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 106</ref> Unklar ist, warum Theda als Namenspatronin gewählt wurde, wo doch beispielsweise [[Anna von Oldenburg|Gräfin Anna]], anders als Theda, maßgeblichen Anteil am Ausbau eines ostfriesischen Schulsystems hatte. Möglicherweise ging man damals noch irrigerweise davon aus, dass das [[Ulrichsgymnasium]] nach ihrem Mann benannt wurde und wollte daher die Gleichstellung der Schule mit dem Gymnasium betonen. | |||
Dieses Gebäude, seinerzeit schon mit einer Warmwasserheizung ausgestattet, erhielt neben einer ausreichenden Zahl von Klassenräumen eine Aula und sogar eine eigene Turnhalle. Dies galt für die damalige Zeit als außergewöhnlich fortschrittlich.<ref name=":3">[http://www.graefin-theda-schule-68.de/Schule/schule.html Geschichte der Gräfin-Theda-Schule], abgerufen am 14. Mai 2021</ref> | |||
Die Schülerinnen kamen nicht nur aus Norden, sondern auch dem Umland und sogar von den ostfriesischen Inseln. Das hatte zur Folge, dass viele von ihnen in Pensionen oder bei Privatleuten im Stadtgebiet untergebracht waren, vor allem im sogenannten [[Mädchenpensionat Reins]] an der [[Westerstraße]].<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 107</ref> Noch in den 1920er Jahren war es üblich, dass die Schülerinnen Schulmützen trugen, die unterschiedliche Bänder aufwiesen und jährlich wechselten.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 108</ref> | |||
Vom Herbst 1920 bis 1931 nutzte die [[Ackerbauschule]] einige Räume der Gräfin-Theda-Schule für ihren Unterricht, da in ihrem ursprünglichen Gebäude seit 1919 die [[Ländliche Genossenschaftsbank]] eingezogen war.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 129</ref> Seit 1928 war auch Mädchen das Ablegen der Reifeprüfung (Abitur) am Norder Gymnasium möglich.<ref name=":1">[http://www.ug-norden.de/index.php/das-sind-wir/historisches-pressespiegel/historisches Internetseite des Ulrichsgymnasiums Norden], abgerufen am 15. April 2021</ref> Dies war zurückzuführen auf die Umwandlung der Schule von einer Höheren Töchter- bzw. Mädchenschule zu einer Mittelschule, wodurch die Geschlechtertrennung an beiden Schulen aufgehoben wurde. Die Umwandlung der Schule war jedoch erst 1930 abgeschlossen.<ref name=":0" /> | |||
Gleich am ersten Tag nach den Sommerferien 1939 mussten Schüler und Lehrer eine Luftschutzübung abhalten.<ref>Haddinga, Johann (1995): Kriegsalltag in Ostfriesland, Norden, S. 19</ref> Mit Beginn des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] wurde der Schulbetrieb vorläufig eingestellt, jedoch bereits am 18. September 1939 wieder aufgenommen. Da in vier Klassenräumen im Erdgeschoss bereits am 6. September ein Lazarett eingerichtet wurde, musste der Unterricht im Lehrerzimmer und in den Räumen im 1. Obergeschoss stattfinden, zwei weitere Räume wurden seit dem 20. Dezember des Jahres vom Führungsstab der [[Liste der Flakstellungen|Flakstellungen]] genutzt. Der Schulunterricht bestand während des Krieges vielfach aus Propagandaunterricht, so wurde etwa am 19. Februar 1940 ein Film mit dem Titel ''Feldzug in Polen'' gezeigt. In den Wintermonaten fiel der Unterricht oftmals wegen Kohlemangels aus, Teile der Lehrerschaft (u.a. der Direktor selbst) wurden zum Kriegsdienst einberufen.<ref name=":2">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 110</ref> Die Turnhalle wurde ab 1938, wie auch die [[Sielturnhalle]], für Lagerungszwecke (Getreide und Kartoffeln) umfunktioniert.<ref name=":4">Ocken, Ihno (1996): Entstehung und Entwicklung des Sports in der Stadt Norden, Norden, S. 41</ref> Zudem wurden Teile der Schule auch für eine Kunstausstellung regionaler Künstler genutzt, die für etwas Zerstreuung in den schweren Jahren sorgen sollten.<ref>Haddinga, Johann (1995): Kriegsalltag in Ostfriesland, Norden, S. 148</ref> | |||
Nach Kriegsende kam es, bedingt durch einen Zuzug einer Vielzahl von Vertriebenen und Flüchtlingen aus den (ehemaligen) deutschen Ostgebieten zu einem starken Anstieg der Schülerzahlen. Besuchten 1944 noch gut 200 Kinder die Schule, waren es um 1950 bereits über 400.<ref name=":5" /> | |||
Nach Kriegsende wurde die Turnhalle zur Unterbringung von Flüchtlingen und Vertriebenen genutzt und erst 1949 wieder für Sportzwecke freigegeben. Der Boden war jedoch abgängig, sodass die Halle zunächst von Norder Sportlern in Eigenleistung umfassend - aber spartanisch - renoviert werden musste.<ref name=":4" /> | |||
Zu Beginn der 1950er Jahren wurde das bei Weitem über seine Kapazitäten kommende Gebäude um einen Anbau erweitert. In diesem befindet sich heute das [[Medienzentrum Norden|Medienzentrum]]. Ein vollständiger Neubau war jedoch unbedingt erforderlich.<ref name=":5">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 112</ref> Die Raumnot vergrößerte sich derart, dass der Unterricht an weiteren Standorten im Stadtgebiet abgehalten werden musste, so etwa im Saal des [[Altes Feuerwehrhaus]], der [[Baracke (Schulstraße)|Baracke an der Schulstraße]] oder sogar in einer Baubude nahe des [[Neuer Friedhof|Friedhofs]].<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 113</ref> Das Vorhaben scheiterte jedoch lange an der Finanzierung in Angesicht der klammen Stadtkasse. 1965 wird aus der ''Mittelschule'' eine ''Realschule''.<ref name=":3" /> | |||
1967 erklärte sich schließlich der [[Landkreis Norden]] bereit, die Kosten für einen Neubau zu übernehmen. 1969 wurde mit dem Bau des [[Schulzentrum Ekel]] begonnen. Die feierliche Einweihung fand am 11. Februar 1970 statt.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 116</ref> Zu dieser Zeit war der bekannte Norder Heimatforscher [[Gerhard Canzler]] Direktor der Schule. Kurze Zeit später wurde der den Namen tragende Schriftzug an der Gebäudemauer entfernt, der sich aber mitterweile wieder an seinem angestammten Platz befindet.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 120</ref> Von 1974 bis 1980 befand sich in der Schule die ''Orientierungsstufe II'', die ab dann in das Ekeler Schulzentrum verlegt wurde, da das an seine Kapazitäten kommende [[Ulrichsgymnasium]] eine Nutzung der Räumlichkeiten für eigene Zwecke beantragte.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 166</ref> | |||
Nachnutzer wurde der Landkreis Norden, ab 1977 der Landkreis Aurich. Seit 1996 befindet sich hier die Musikschule (zuvor seit 1992 in der ehemaligen [[Ackerbauschule]]), deren breit gefächertes Angebot hunderten Schülern zugänglich gemacht wird. Es umfasst unter anderem eine musikalische Früherziehung für Kinder ab viereinhalb Jahren, Grundkurse für die Erst- und Zweitklässler, Instrumentalunterricht für Streich-, Blas- und Tasteninstrumente sowie Gitarre, Gesang und Schlagzeug.<ref>[https://www.landkreis-aurich.de/bildung-wirtschaft/musikschule.html Beschreibung der Musikschule in Norden], abgerufen am 14. Mai 2021</ref> | |||
Im Juni 2010 stifteten zehn Schulabgänger des Abschlussjahrgangs 1950 der Schule ein von einem Norder Künstler gemaltes Bildnis von Gräfin Theda, um die Erinnerung an sie als Namensgeberin der Schule zu bewahren.<ref>[https://www.oz-online.de/-news/artikel/29459/Sie-haengt-wieder-in-ihrer-Schule Online-Bericht der Ostfriesen Zeitung vom 17. Juni 2010], abgerufen am 14. Mai 2021</ref> | |||
==Schuldirektoren== | |||
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!Zeitraum | |||
!Vollständiger Name | |||
|- | |||
|1873 - ??? | |||
|[[Hermann Jungk]] | |||
|- | |||
|vor 1921 bis nach 1930 | |||
|[[Reinhold Schröter]] | |||
|- | |||
|??? - ??? | |||
|[[Jan Reck]] | |||
|- | |||
|1966 - 1970 | |||
|[[Gerhard Canzler]] | |||
|- | |||
|??? - ??? | |||
|[[Manfred Schilter]] | |||
|} | |||
== Schülerzahlen == | |||
{| class="wikitable" | |||
!Schuljahr | |||
!Anzahl | |||
|- | |||
|1912 | |||
|165 | |||
|- | |||
|1927 | |||
|218 | |||
|- | |||
|1944 | |||
|ca. 200 | |||
|- | |||
|1950 | |||
|über 400 | |||
|- | |||
|1965 | |||
|510 | |||
|- | |||
|um 1967 | |||
|ca. 700 | |||
|- | |||
|1969 | |||
|673 | |||
|} | |||
==Galerie== | |||
<gallery> | |||
Datei:Gartenstraße Gräfin-Theda-Schule 1913 01.jpg|Das Schulgebäude im Jahre 1913. | |||
Datei:Gartenstraße Gräfin-Theda-Schule Höhere Töchterschule Musikschule um 1910 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1915. | |||
Datei:Graefin Theda Schule Gartenstr 1918 01.JPG|Aufnahme vom 31. Juli 1918. | |||
Datei:Gartenstraße Gräfin-Theda-Schule Höhere Töchterschule Musikschule um 1930 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1930. | |||
Datei:Gartenstraße Gräfin-Theda-Schule Lazarett Rettungsstelle 1939 01.jpg|Ein Lazarett (''Rettungsstelle'') in der Schule (1939). | |||
Datei:Gartenstraße Gräfin-Theda-Schule Mittelschule 11 06 1961.JPG|Aufnahme vom 11. Juni 1961. | |||
Datei:Gartenstrasse Graefin Theda Schule 11102015.jpg|Aufnahme vom 11. Oktober 2015. | |||
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==Weiterführende Links== | |||
*[http://www.graefin-theda-schule-68.de/index.html Homepage des Entlassungsjahrganges 1968 der Gräfin-Theda-Schule], abgerufen am 14. Mai 2021 | |||
==Literatur== | ==Literatur== | ||
*Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 103-120 | *Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 103-120 | ||
==Einzelnachweise== | |||
<references/> | |||
==Siehe auch== | ==Siehe auch== | ||