Marktschule: Unterschied zwischen den Versionen
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|Entstehungszeit=1861 | |||
|Erbauer=[[Stadt Norden]] | |||
|Bauweise=Schulgebäude | |||
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| | |Genaue Lage=[[Am Markt]] 50 | ||
| zoom = | 26506 Norden | ||
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Die '''Marktschule''' war eine mehrklassige Volksschule (Klassen 1-8) an der Nordwestseite des [[Marktplatz|Norder Marktplatzes]]. Sie existierte von 1861 bis 1962 und wurde in letztgenanntem Jahr abgebrochen. Erbaut wurde sie auf dem Grund des [[Haus Weber|''Haus Weber'']]. Heute befindet sich an ihrer Stelle das sogenannte ''[[Haus des Handwerks]].'' | |||
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==Geschichte== | |||
Steigende Schülerzahlen ließen die Kapazitäten der [[Lutherische Klassenschule|Lutherischen Klassenschule]], die kirchliche Schule an der [[Ludgerikirche]], Mitte des 19. Jahrhunderts zu knapp werden. Um 1860 kamen daher Überlegungen auf, diese Schule aufzulösen und eine neue zu errichten. Gelegenheit dazu bot sich, als die [[Herrnhuter Brüdergemeine]] das ihr gehörende, nordwestlich des Marktplatzes gelegene [[Haus Weber]] veräußern wollte, welches sie aus einer Schenkung des [[Hero Folkerts Stroman]] erhalten hatte.<ref>Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 125</ref><ref name=":0">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 121ff.</ref> | |||
Das etwa 900 m² große Grundstück samt Gebäude daraufhin von der Stadt Norden, vertreten durch [[Johann Taaks|Bürgermeister Taaks]] und Amtsassessor Grimsehl, für 2.000 Reichstaler erworben, planiert und hier ein neues Schulgebäude errichtet. Aufgrund ihrer Lage zum [[Marktplatz]] wurde die neue Schule ''Marktschule'' genannt, offiziell trug sie den Namen der alten Schule an der Kirche (''Lutherische Klassenschule'') jedoch weiter.<ref name=":0" /> Die Baukosten beliefen sich auf 11.000 Taler.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 157</ref> | |||
Nach Abbruch des alten Hauses wurde unter Leitung des Zimmermeisters G. Rühaak ein Neubau errichtet. Zusätzlich wurde ein kleines, ebenfalls der Brüdergemeine gehörendes Grundstück, für 150 Mark pro Jahr auf 25 Jahre gepachtet, um hier einen Spielplatz für die Jungen einzurichten.<ref name=":1">Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 126</ref> | |||
Unterrichtet wurden die Kinder zunächst im 1. Schuljahr vom Untergehilfen des Präzeptors (Hauptlehrer). Das 2. Schuljahr wurde durch des kirchlichen Kantors Untergehilfen unterrichtet, das 3. Schuljahr vom Obergehilfen des Präzeptors. Im 4. Schuljahr lehrte der Obergehilfe des Kantors. Die Mädchen der vier oberen Schulklassen (5-8) wurden vom Präzeptor selbst, die Knaben der vier obersten Klassen vom Kantor unterrichtet.<ref name=":1" /> | |||
1861 umfasste die Schule nur vier Klassenräume, die den Schülern kaum genügend Platz boten. 1874 mussten daher vier weitere Räume an der Westseite durch Baumeister von Hülst angebaut werden.<ref name=":0" /> Auf einen Lehrer kamen zwischenzeitlich bis zu 139 Kinder.<ref name=":1" /> Die trotz Anbaus unverändert große Raumnot wurde dadurch weiter gesteigert, dass 1877 die [[Neuweger Schule]] geschlossen und die Schüler an die Marktschule umgeschult wurden. 1885 glich das Gebäude, das durch jeweils zwei Klassenräume im Erd- und Obergeschoss von den Baumeistern Jüchter und Extra zur Nordseite hin abermals erweitert wurde, einem Irrgarten.<ref name=":0" /><ref name=":1" /> | |||
An der Schule wurde indes großen Wert auf Zucht und Ordnung gelegt. Die Schüler mussten nach Ende der Pause auf dem 1870 errichteten Pausenhof (heute Parkplatz vor den Häusern 45-49) geordnet antreten und sich unter Wahrung höchster Disziplin in ihre Klassenräume führen lassen. Bei Verstößen gegen die Schulregeln wurde nicht selten vom Rohrstock Gebrauch gemacht.<ref name=":0" /> | |||
Geleitet wurde die Schule bis zum 30. April 1884 von einem Präzeptor. Ab dem 1. Mai 1884 oblag die Leitung einem Rektor. Der letzte Hauptlehrer war Kantor Goßmann, der erste Rektor hieß [[Hermann Dittmer]], der zum 1. April 1914 sein Amt niederlegte.<ref name=":1" /> | |||
1917 wurde der bis dahin obligatorische Nachmittagsunterricht abgeschafft. Der Grund dürfte an der Knappheit der Heizmaterialien zu suchen sein. Aufgrund des andauernden [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]] waren viele Güter nur noch schwer zu erhalten, darunter auch das damals vorwiegend zum Heizen genutzte Torf. Auch der das Torf abbauenden [[Norder Fehngesellschaft]] dürfte es angesichts zahlreicher Einberufungen zum Kriegsdienst wohl an Arbeitern gemangelt haben.<ref name=":0" /> | |||
Am 9. September 1944 wurde die Schule geschlossen und in den Räumlichkeiten eine Auffang- und Beratungsstelle für ausgebombte Emder eingerichtet. Die Stadt Emden war am 6. September 1944 durch alliierte Bombenangriffe fast gänzlich in Schutt und Asche gelegt worden und ihre Bombardierung hielt weiter an. Zahllose Emder suchten daraufhin eine Zuflucht in den umliegenden Städten und Orten. Von der Marktschule aus wurden die Flüchtlinge auf das Stadtgebiet verteilt und in [[Behelfsheime|Behelfsheimen]] sowie freiwillig zur Verfügung gestellten und beschlagnahmten Unterkünften untergebracht.<ref>Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 28</ref> | |||
Bedingt durch den Flüchtlingsstrom in der [[Zweiter Weltkrieg|Nachkriegszeit]] wuchsen die Klassen der Markt-, wie auch der [[Zingelschule]] zu sprichwörtlichen ''Mammutklassen'' heran. So waren allein in der Marktschule ganze 23 (!) Klassen untergebracht, auch musste die [[Sielschule]] nun von der Marktschule mitverwaltet werden. Im Oktober 1949 verfügten Schulbehörde und Stadt daher die Dreiteilung der Schulen. Die Gliederung sah vor, dass unter ''Norden I'' die Marktschule mit elf Räumen, unter ''Norden II'' die Zingelschule mit sechs Räumen, zuzüglich einer Schulbaracke mit drei Räumen zusammengefasst wurden. ''Norden III'' umfasste vier Räume der Marktschule, vier Räume der [[Sielschule]] und zwei Räume an der [[Westgaster Schule]].<ref name=":0" /> | |||
Die herrschenden Raumprobleme konnten erst durch den Bau der [[Grundschule Lintel]] im Jahr 1955 sowie der [[Grundschule Im Spiet]] im Jahr 1962 entspannt werden, die als offizieller Nachfolger der Marktschule gilt. In letztgenanntem Jahr wurde die Marktschule schließlich abgebrochen. Am 26. April 1962 schrieb der [[Ostfriesischer Kurier|''Ostfriesische Kurier'']] hierzu: ''"Die Marktschule stirbt und mit ihr ein Stück Norder Stadtgeschichte."<ref name=":1" />'' Das nachfolgend erbaute [[Haus des Handwerks|''Haus des Handwerks'']], ein schmuckloser Bau, der mit der Marktschule jedoch architektonische Gemeinsamkeiten teilt, steht seither am Ort der ehrwürdigen Marktschule. Der frühere Schulhof dient nun als Zuwegung zu den Behörden rund um den [[Fräuleinshof]].<ref name=":0" /> | |||
==Schulleiter== | |||
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!Zeitraum | |||
!Vollständiger Name | |||
|- | |- | ||
|??? - 1884 | |||
|- | |Kantor Goßmann | ||
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|- | |- | ||
| | |1884 - 1914 | ||
| | |[[Hermann Dittmer]] | ||
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| | |1914 - ??? | ||
| | | | ||
|- | |- | ||
| | |1949 - 1962 | ||
|[[Heinrich van Düllen]] | |||
|[[ | |||
|} | |} | ||
==Trivia== | |||
Das Panorama der Schule war untrennbar verbunden mit dem sogenannten ''[[Pannkooksboom]]''. | |||
== | ==Galerie== | ||
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Datei:Am Markt Marktschule unbekanntes Datum 01.jpg|Undatierte Aufnahme der Marktschule. | |||
Datei:Am Markt Marktschule Pannkooksboom unbekanntes Datum 01.JPG|Die Marktschule (links) in der Zeit um 1900. Im Vordergrund steht der 1971 gefällte, sogenannte [[Pannkooksboom]]. Rechts im Bild das [[Am Markt 54]], eine Filiale von [[EDEKA Anton Götz|''Anton Götz'']]. | |||
Datei:Am Markt Marktplatz Marktschule 1905 01.jpg|Die Marktschule im Jahre 1905. | |||
Datei:Am Markt Marktschule 1905 01.jpg|Aufnahme aus dem Jahr 1905. | |||
Datei:Am Markt West Marktschule 1954 01.jpg|Aufnahme aus dem Jahr 1954. Sie ist offenbar an einem Feiertag gemacht worden (siehe Fahne). | |||
Datei:Die Marktschule.jpg|Die Marktschule zu Beginn der 1960er Jahre. Die römische Zahl über der Eingangstür verweist auf das Baujahr 1861. | |||
Datei:1962-03-xx Dia 2215 Norden Marktschule von vorn, nah März 1962 kurz vor Abbruch.JPG|März 1962, kurz vor dem Abbruch. | |||
Datei:1962-03-xx Dia 2216 Norden Marktschule, nah März 1962 kurz vor Abbruch.JPG|März 1962, kurz vor dem Abbruch. | |||
Datei:1962-03-xx Dia 2217 Norden Marktschule, Portal März 1962 kurz vor Abbruch.JPG|März 1962, kurz vor dem Abbruch. | |||
Datei:1962-03-xx Dia 2218 Norden Marktschule, MOCCCLXI März 1962 kurz vor Abbruch.JPG|März 1962, kurz vor dem Abbruch. | |||
Datei:1962-03-xx Dia 2219 Norden Marktschule, Zwischenteil März 1962 kurz vor Abbruch.JPG|März 1962, kurz vor dem Abbruch. | |||
Datei:1962-03-xx Dia 2220 Norden Marktschule, Abstützung, Rektorzimmer März 1962 kurz vor Abbruch.JPG|März 1962, mit Blick auf das alte Rektorzimmer. | |||
Datei:Marktschule 03 1962 01.jpg|März 1962, kurz vor dem Abbruch | |||
Datei:Marktschule 03 1962 02.jpg|März 1962, kurz vor dem Abbruch | |||
Datei:Marktschule kurz vor Abriss 04 05 1962.jpg|Der Abriss, hier aufgenommen am 4. Mai 1962. | |||
Datei:Marktschule Abriss 07 05 1962.jpg|Der Abriss, hier aufgenommen am 7. Mai 1962. | |||
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==Einzelnachweise== | ==Einzelnachweise== | ||