Itzendorf: Unterschied zwischen den Versionen
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| Title = Itzendorf | | Title = Itzendorf | ||
| Text = | | Text = ungefähre Lage des Ortes | ||
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| | | polygons = 53.616440591480625, 7.145865209491164 :53.602989683585335, 7.125396339605472 :53.59412734091051, 7.144399886954227 :53.604686102028616, 7.168980393476901 | ||
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'''Itzendorf''' war eine Ortschaft auf dem Gebiet des heutigen [[Westermarsch II]]. Es wurde nach der [[Weihnachtsflut]] im Jahre 1717 ausgedeicht. An den Ort erinnern heute noch die [[Itzendorfplate]] und die [[Itzendorfer Straße]]. | '''Itzendorf''' war eine Ortschaft auf dem Gebiet des heutigen [[Westermarsch II]]. Es wurde nach der [[Weihnachtsflut]] im Jahre 1717 ausgedeicht. An den Ort erinnern heute noch die Bezeichnungen [[Itzendorfplate]] und die [[Itzendorfer Straße]]. Der Kartenausschnitt rechts zeigt die ungefähre Lage des historischen (und heutigen) Itzendorfs. | ||
==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
[[Datei:Norden Karte 1595.jpg|links|mini|266x266px|Itzendorf auf einer Karte des [[Ubbo Emmius]] aus dem Jahr 1595.|alternativtext=]] | |||
===Anfang und Ende=== | ===Anfang und Ende=== | ||
Ursprünglich war der Ort wohl der Stammsitz der später in [[Ostlintel]] ansässigen [[Idzinga]]. Die Menschen hier betrieben vor allem Fischerei und Torfsalzgewinnung, wie sie auch in der [[Westermarsch II]], zum Beispiel auf der [[Uden-Soltjers Warf]] betrieben wurde. Hierbei wurden Torflagerstätten im Watt bei Ebbe abgebaut und der so gewonnene Torf an Land gebracht, getrocknet und anschließend verbrannt. Aus der Asche wurde dann in weiteren Arbeitsschritten ein graufarbenes Salz, welches unter der Bezeichnung | Ursprünglich war der Ort wohl der Stammsitz der später in [[Ostlintel]] ansässigen [[Idzinga]]. Erstmalig wird der Ort 1559 als ''Itzigendorp'' erwähnt. Es folgten ''Itschendorp'' (1595 / 1599) und ''Idzingdorf'' (1787).<ref name=":0" /> Die Menschen hier betrieben vor allem Fischerei und Torfsalzgewinnung, wie sie auch in der [[Westermarsch II]], zum Beispiel auf der [[Uden-Soltjers Warf]], betrieben wurde. Hierbei wurden Torflagerstätten im Watt bei Ebbe abgebaut und der so gewonnene Torf an Land gebracht, getrocknet und anschließend verbrannt. Aus der Asche wurde dann in weiteren Arbeitsschritten ein graufarbenes Salz, welches unter der Bezeichnung ''Friesensalz'' gehandelt wurde, erzeugt. Vermutlich hat der Torfabbau die Erosion der Küste beschleunigt. Die Landfläche im Deichvorland wurde abgesenkt und diese damit den Sturmfluten stärker ausgesetzt.<ref>Förderverein Museum Nordseeheilbad Norderney (2009): Ausstellung: Meer & Salz. In: museums-nachrichten, bade~museum norderney, Ausgabe 1/2009, Norderney, S. 3</ref> Das Dorf galt als wohlhabend, [[Itzendorfer Schule|ihre Schule]] blieb daher nie lange ohne Lehrer.<ref name=":0" /> | ||
1717 wurde der zwischen Norddeich und Utlandshörn verlaufende [[Westermarscher Seedeich]] durch die [[Weihnachtsflut]] schwer beschädigt und an sechs Stellen völlig durchbrochen. An vier Durchbrüchen bildeten sich tiefe [[Kolk|Kolke]]. Vier dieser Deichbrüche befanden sich im Gebiet um den Ort, viele Einwohner fanden dabei den Tod und die Bausubstanz wurde schwer beschädigt. Zunächst versuchten die überlebenden Bewohner, ihr Dorf wieder zu sichern. Drei Jahre später richtet die [[Neujahrsflut]] vom 31. Dezember 1720 auf den 1. Januar 1721 verheerende Schäden an. Itzendorf wurde dabei völlig zerstört.<ref>Ohlig, Christoph (2005): Ostfriesland und das Land Oldenburg im Schutz der Deiche und weitere wasserhistorische Beiträge, S. 36</ref> Nach erfolglosen Instandsetzungsversuchen wurde die alte Deichlinie 1721 endgültig aufgegeben, der südlich des Ortes gelegene Notdeich zum Seedeich ausgebaut und Itzendorf ausgedeicht, indem man den gesamten Westermarscher Seedeich von [[Norddeich]] bis [[Utlandshörn]] auf einer Strecke von 7,2 km Länge zurückverlegte. Rund 270 Hektar fruchtbares Land sind seitdem ausgedeicht.<ref>Schreiber, Gretje (2010): Historische Ortsdatenbank Ostfriesland, Westermarsch II, Manuskript</ref> | 1717 wurde der zwischen Norddeich und [[Utlandshörn]] verlaufende [[Westermarscher Seedeich]] durch die [[Weihnachtsflut]] schwer beschädigt und an sechs Stellen völlig durchbrochen. An vier Durchbrüchen bildeten sich tiefe [[Kolk|Kolke]]. Vier dieser Deichbrüche befanden sich im Gebiet um den Ort, viele Einwohner fanden dabei den Tod und die Bausubstanz wurde schwer beschädigt. Zunächst versuchten die überlebenden Bewohner, ihr Dorf wieder zu sichern. Drei Jahre später richtet die [[Neujahrsflut]] vom 31. Dezember 1720 auf den 1. Januar 1721 verheerende Schäden an. Itzendorf wurde dabei völlig zerstört.<ref>Ohlig, Christoph (2005): Ostfriesland und das Land Oldenburg im Schutz der Deiche und weitere wasserhistorische Beiträge, S. 36</ref> Nach erfolglosen Instandsetzungsversuchen wurde die alte Deichlinie 1721 endgültig aufgegeben, der südlich des Ortes gelegene Notdeich zum Seedeich ausgebaut und Itzendorf ausgedeicht, indem man den gesamten Westermarscher Seedeich von [[Norddeich]] bis [[Utlandshörn]] auf einer Strecke von 7,2 km Länge zurückverlegte. Rund 270 Hektar fruchtbares Land sind seitdem ausgedeicht.<ref name=":0">Schreiber, Gretje (2010): Historische Ortsdatenbank Ostfriesland, Westermarsch II, Manuskript</ref> Unklar ist, ob und wann der Ort eigenständig war. In jedem Fall gehörte er als [[Itzendorfer Rott]] zur einst eigenständigen Gemeinde [[Westermarsch II]]. | ||
===Fischerhausen=== | === Fischerhausen=== | ||
In unmittelbarer Nähe des untergegangenen Dorfes entstand spätestens ab 1780 ein rund 20 Meter langer Nachfolgebau für den Hafen, der bis 1840 genutzt wurde. Östlich davon entwickelte sich seit dem Ende des 18. Jahrhunderts dann ein weiterer Hafen, der bereits ab 1824 als | In unmittelbarer Nähe des untergegangenen Dorfes entstand spätestens ab 1780 ein rund 20 Meter langer Nachfolgebau für den Hafen, der bis 1840 genutzt wurde. Östlich davon entwickelte sich seit dem Ende des 18. Jahrhunderts dann ein weiterer Hafen, der bereits ab 1824 als ''Fischerhausen am sogenannten Norddeich'' bezeichnet wurde, die Keimzelle des heutigen Ortes [[Norddeich]]. | ||
Wie der Name bereits erkennen lässt, betrieben die Bewohner hier vor allem Fischfang.<ref>Haddinga, Johann / Stromann, Martin (2001): Norden/Norddeich – Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor, Norden, S. 48</ref> Neben dem Fischfang hat es hier offenbar bereits schon in der Zeit um 1735 zwei Höfe sowie (später oder zeitgleich) ein Wirtshaus, den sogenannten [[Seebergskrug|''Seebergskrug'']] gegeben, sodass naheliegt, dass die Bewohner auch Landwirtschaft betrieben.<ref>Arends, Friedrich (1824): Erdbeschreibung des Fürstenthums Ostfriesland und des Harlingerlandes, Unverändeter Nachdruck 1972 der Ausgabe Emden, S. 398</ref><ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 158</ref> | |||
== Itzendorf heute == | |||
An das ehemalige Itzendorf erinnern heute noch die Bezeichnungen ''Itzendorfplate'' für eine Untiefe in der nahen Nordsee, die [[Itzendorfer Straße]] sowie eine kleine Siedlung im östlichen Bereich von [[Westermarsch II]], die den Namen ''Itzendorf'' trägt. Diese Siedlung befindet sich beim [[Nordsee-Camp Norddeich|Campingplatz]] (erster Standort von [[Norddeich Radio]]), in dessen Nähe sich auch die [[Itzendorfer Schule]] und die [[Alte Itzendorfer Schule]] befanden. | |||
==Einzelnachweise== | ==Einzelnachweise== | ||
<references/> | <references /> | ||
==Siehe auch== | ==Siehe auch== | ||
*[[Westeel]] | *[[Westeel]] | ||
*[[Itzendorfer Zugschloot]] | |||
[[Kategorie:Orte im Stadtgebiet]] | [[Kategorie:Orte im Stadtgebiet]] | ||
[[Kategorie:Orte in Norddeich]] | [[Kategorie:Orte in Norddeich]] | ||
[[Kategorie: | [[Kategorie:Orte in Westermarsch II]] | ||
[[Kategorie:Westermarsch II]] | |||