Hildebrand ten Doornkaat Koolman: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
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'''Hildebrand ten Doornkaat Koolman''' (* 24. November 1854 in Norden, † 13. Oktober 1903 in Bremen) war Kaufmann und Reeder sowie Geschäftsführer und Mitbesitzer der Kornbrennerei [[Doornkaat]]. Er war der Sohn von
'''Hildebrand ten Doornkaat Koolman''' (* 24. November 1854 in Norden; † 13. Oktober 1903 in Bremen) war ein Norder Kaufmann und Reeder sowie Geschäftsführer und Mitbesitzer der Kornbrennerei [[Doornkaat]].
 
==Leben==
==Leben==
Jan ten Doornkaat Koolman wurde als Sohn seines [[Jan ten Doornkaat Koolman (1773)|gleichnamigen Vaters]] und dessen Ehefrau [[Menna ten Doornkaat Koolman|Menna Johanna Silomon]] in Norden geboren.
Hildebrand ten Doornkaat Koolman wurde in Norden als Sohn von [[Jan ten Doornkaat Koolman (1815)|Jan ten Doornkaat Koolman]] und [[Menna ten Doornkaat Koolman|Menna Johanna Silomon]] geboren. Da sein [[Jan ten Doornkaat Koolman (1848)|älterer Bruder]], der eigentlich das Unternehmensgeschäft fortführen sollte, 1870 im Deutsch-französischen Krieg fiel, übernahm er gemeinsam mit seinem Vetter [[Jan ten Doornkaat Koolman (1850)|Jan ten Doornkaat Koolman]] die Geschäftsführung.<ref>[http://www.familie-herlyn.de/webtrees/individual.php?pid=I10570&ged=familie_herlyn.ged Stammbaum der Familie Herlyn], abgerufen am 22. März 2021</ref> Ab Frühjahr 1878 wohnte Hildebrand im väterlichen Haus am [[Neuer Weg 39|Neuen Weg 39]] ([[Hausnummerierung|damals]] Nr. 111).<ref>Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 51</ref>
 
Nachdem er mit 16 Jahren das [[Ulrichgymnasium]] verließ, absolvierte er eine Buchbinderlehre, die er 1835 beendete. Jan, der sich mehr den geistigen Dingen als dem Firmengeschäft verbunden fühlte, äußerte den Wunsch, nach Halle zu ziehen, um dort in einer Buchhandlung zu arbeiten. Seine Eltern verweigerten ihm diesen Wunsch und forderten seinen Einstieg in das Familienunternehmen, in das er 1836 eintrat.
 
1846 zog sich sein Vater aus dem Firmengeschäft zurück und übertrug ihm und Fiepko die Geschäftsführung. Trotz seines ursprünglichen Wunsches, einen anderen Berufsweg zu gehen, zeigte er großes wirtschaftliches Geschick. Allein in den beiden ersten Jahrzehnten der Nachfolger des Firmengründers, also im Zeitraum von 1846 bis 1876, verzehnfachte sich die Jahresproduktion von 1560 auf 15 000 Hektoliter. Die Brüder bauten die Fabrik systematisch aus und hielten sie auf dem neuesten Stand der Technik. Während der Bruder Fiepko für die praktisch-technische Seite des Betriebes zuständig war, widmete Jan sich der kaufmännischen Seite; eine glückliche Arbeitsaufteilung, die offenbar auch durch ein harmonisches Verhältnis der Brüder befördert wurde.
 
Am 24. Mai 1846 heiratete Jan ten Doornkaat Koolmann die Tochter eines mennonitischen Kaufmannes, [[Menna ten Doornkaat Koolman|Menna Johanna Silomon]]. Das Ehepaar hatte neun Kinder, drei Söhne und sechs Töchter, wovon das als Nachfolger ausersehene erstgeborene, der nach dem Vater benannte [[Jan ten Doornkaat Koolmann (1848)|Sohn Jan]] im Deutsch-französischen Krieg fiel.
 
Seit 1864 war Jan ten Doornkaat Koolman Ehrenbürger der Stadt Norden. 1870 ernannte man ihn zum [[Kommerzienrat]], 1887 zum [[Geheimer Kommerzienrat|Geheimen Kommerzienrat]].
 
Nach dem Tod Fiepkos im Jahr 1876 wurde Jan alleiniger Inhaber der Firma, deren Grundbesitz er 1884 und 1885 noch einmal kräftig vergrößern konnte. Als er 1886 mit einer großen Feier den 50. Jahrestag seiner Tätigkeit in der Firma beging, beschäftigte diese 100 Arbeiter und die Jahresproduktion betrug fast zwei Millionen Liter. "Doornkaat" war jetzt eine in ganz Deutschland bekannte Marke, die schließlich auch 1894 in das Warenzeichenregister als geschütztes Markenzeichen eingetragen wurde. Dass man dem Jubilar an diesem Tag einen, wie der [[Ostfriesischer Kurier|Ostfriesische Kurier]] schrieb, "fast endlosen" Fackelzug mit rund 700 Fackeln darbrachte, dass die ganze Stadt Norden mit
Flaggen geschmückt war, mag ein Beweis sein für das Ansehen und die Beliebtheit, die er sich erworben hatte. Tatsächlich war Jan ten Doornkaat Koolman ein menschenfreundlicher und wohltätiger Mann und bekennender Christ. In der [[Mennonitengemeinde]] wirkte er, wie auch schon sein Vater, über viele Jahre als Diakon und Kirchenältester. Persönlich bescheiden, unterstützte er freigebig viele, die der Hilfe bedürftig waren.
 
Auch politisch engagierte er sich. Im Revolutionsjahr 1848 machte man ihn zum Präsidenten der Bürgerversammlung. Seit 1850 war er Senator, seit 1857 Bürgervorsteher (Vorsitzender des [[Stadtrat|Stadtrates]]. Von 1850 bis 1856 war er Mitglied der Zweiten hannoverschen Kammer, von 1869 bis 1870 gehörte er dem Reichstag des Norddeutschen Bundes an, von 1877 bis 1879 dem Deutschen Reichstag als Nationalliberaler. Für das preußische Abgeordnetenhaus hatte er 1867 allerdings erfolglos kandidiert. Dazu kamen weitere Aktivitäten und Mitgliedschaften: Er war korrespondierendes Mitglied des braunschweigischen Vereins für Land- und Forstwirtschaft, Mitglied des ostfriesischen Landwirtschaftlichen Vereins, Ausschussmitglied des deutschen Pomologen-Vereins und Vorstandsmitglied des hannoverschen Pomologen-Vereins.
 
Bereits früh interessierte er sich auch für Pflanzen und legte Gewächshäuser an, in denen er exotische Blumen und Wein zog. Insbesondere galt sein Interesse der Obstzucht, über deren Möglichkeiten unter den erschwerten ostfriesischen Bedingungen mit den salzigen Seewinden er seine Landsleute aufklären wollte. 1864 legte er in [[Nadörst]] einen [[Pomologie|pomologischen Garten]] an, in den er viel Geld investierte, ohne große Erfolge vorweisen zu können.
 
1870 veröffentlichte er ein Buch über die Probleme der Apfelzucht in "einer der exponiertesten Gegenden Norddeutschlands", wie es im Titel hieß. Ein weiterer Niederschlag seiner naturwissenschaftlichen Interessen ist eine umfangreiche Naturaliensammlung. Sie wurde 1896 von seinem [[Hildebrand ten Doornkaat Koolman|Sohn Hildebrand]] der Naturforschenden Gesellschaft in Emden, die der Vater schon zu Lebzeiten gefördert hatte, geschenkt. Sie war dann in den nach dem Sammler benannten Sälen des Museums der Gesellschaft ausgestellt.
 
Geisteswissenschaftlich tritt Jan ten Doornkaat Koolman zunächst als religiösnaturphilosophischer Kopf in Erscheinung. 1865 veröffentlicht er ein Buch über die Unendlichkeit der Welt, in dem er gegen den Trend der modernen Naturwissenschaft die prinzipielle Unauslotbarkeit des Universums als göttliche Schöpfung betont.


Am dauerhaftesten aber ist sein Name heute wohl mit der Leistung auf sprachwissenschaftlichem Gebiet verknüpft. So veröffentlichte er 1879 ein Wörterbuch der ostfriesischen (nicht plattdeutschen!) Sprache, das er ab 1862 gemeinsam mit einem Germanisten sowie einem jüdischen Lehrer erarbeitete. Mit seinem Eintritt in die Firma 1836 und der Zuständigkeit für die Geschäftsbeziehungen waren ausgedehnte Reisen durch ganz Ostfriesland und Kontakte mit unterschiedlichsten Schichten der Bevölkerung verbunden. Das Reisen war zu jener Zeit noch sehr viel gemächlicher und von Aufenthalten unterbrochen. Dadurch konnte der junge Geschäftsmann weite Einblicke in die Sprache der Ostfriesen erhalten und er lernte das ostfriesische Niederdeutsch in allen seinen Färbungen und lokalen Besonderheiten, mit seinen Redensarten und Sprichwörtern kennen. Bis heute gilt dieses Wörterbuch als bedeutendstes seiner Art, wenngleich es vielfach wissenschaftlicher Kritik, insbesondere in Bezug auf Herleitungen bestimmter Wörter, ausgesetzt war. Es erfuhr aber nicht nur Kritik, sondern auch Anerkennung von wissenschaftlicher Seite. Das Freie deutsche
Zum 30. Juni 1896 schied er jedoch auf eigenem Wunsch aus dem Betrieb aus, um nach Bremen umzuziehen. Zuvor verkaufte er dem Unternehmen mehrere seiner Immobilien.<ref>Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 64</ref> Im Herbst 1903 verstarb er in der Hansestadt, aus seinem Nachlass gingen 10.000 Mark an den [[Turnverein Norden]], das als Stiftungsvermögen verwaltet wurde und der Instandsetzung und Neuanschaffung von Turngeräten sowie dem jährlichen Kommers dienen sollte.<ref>Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 65</ref>
Hochstift in Frankfurt am Main ernannte ten Doornkaat Koolman 1880 zu seinem Ehrenmitglied und Meister. Ebenso war er Mitglied der Maatschappy Nederlandsche Letterkunde in Leiden.


==Quellenverzeichnis==
==Einzelnachweise==
*[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/DoornkaatKoolman_Jan_II.pdf Biographie des Jan ten Doornkaat Koolman] in der der Personendatenbank der Ostfriesischen Landschaft
<references/>


==Siehe auch==
==Siehe auch==

Aktuelle Version vom 25. März 2022, 04:27 Uhr

Hildebrand ten Doornkaat Koolman (* 24. November 1854 in Norden; † 13. Oktober 1903 in Bremen) war ein Norder Kaufmann und Reeder sowie Geschäftsführer und Mitbesitzer der Kornbrennerei Doornkaat.

Leben

Hildebrand ten Doornkaat Koolman wurde in Norden als Sohn von Jan ten Doornkaat Koolman und Menna Johanna Silomon geboren. Da sein älterer Bruder, der eigentlich das Unternehmensgeschäft fortführen sollte, 1870 im Deutsch-französischen Krieg fiel, übernahm er gemeinsam mit seinem Vetter Jan ten Doornkaat Koolman die Geschäftsführung.[1] Ab Frühjahr 1878 wohnte Hildebrand im väterlichen Haus am Neuen Weg 39 (damals Nr. 111).[2]

Zum 30. Juni 1896 schied er jedoch auf eigenem Wunsch aus dem Betrieb aus, um nach Bremen umzuziehen. Zuvor verkaufte er dem Unternehmen mehrere seiner Immobilien.[3] Im Herbst 1903 verstarb er in der Hansestadt, aus seinem Nachlass gingen 10.000 Mark an den Turnverein Norden, das als Stiftungsvermögen verwaltet wurde und der Instandsetzung und Neuanschaffung von Turngeräten sowie dem jährlichen Kommers dienen sollte.[4]

Einzelnachweise

  1. Stammbaum der Familie Herlyn, abgerufen am 22. März 2021
  2. Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 51
  3. Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 64
  4. Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 65

Siehe auch