Westgaster Mühle: Unterschied zwischen den Versionen
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| Text = Gebäude in Westgaste | | Text = Gebäude in Westgaste | ||
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Die '''Westgaster Mühle''' ist eine 1863 erbaute und bis 1975 mit Wind betriebene Mühle im Stile eines Galerieholländers in [[Westgaste]]. Der Name ist seit 1781 überliefert. | Die '''Westgaster Mühle''' (auch: ''Gaster Mühle'') ist eine 1863 erbaute und bis 1975 mit Wind betriebene Mühle im Stile eines Galerieholländers in [[Westgaste]]. Der Name ist seit 1781 überliefert. | ||
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==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
Die früheste Erwähnung einer Mühle in Westgaste stammt | Die früheste Erwähnung einer Mühle in Westgaste stammt vom September 1550, wobei der erste Besitzer erst namentlich im 17. Jahrhundert genannt wurde. Diese holzerne Bockwindmühle stand damals noch weiter nordöstlich ihres heutigen Standortes, ungefähr an der Einmündung des [[Mühlenweg|Mühlenwegs]] und der [[Mühlenlohne]].<ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 74</ref> Seinerzeit stand das Betreiben einer Mahlmühle noch unter Genehmigungspflicht des Landesherren, an den ein jährlicher Betrag, das sogenannte ''Windgeld'', zu zahlen war. Zudem machte dieser von seinem Vorrecht als Grundherr Gebrauch und verpflichtete die umliegenden Bauern dort und nirgendwo anders zu mahlen, was auch als ''Mühlenzwang'' bezeichnet wurde. | ||
1717 wurde [[Johann Muhlen|Johann Janssen Muhlen]] Pächter des Mühlenanwesens für sechs Jahre. Jährlich waren 94 Reichsthaler Heuer zu entrichten. Dieser Pachtvertrag wurde noch vor Ablauf der 6 Jahre aufgelöst. 1731 wird als neuer Pächter [[Melchert Goldenstein|Melchert Renken Goldenstein]] genannt. 1781 bis mindestens 1794 wird [[Roolf Janssen|Roolf Rieken Janssen]] neuer Pächter. Zu diesem Zeitpunkt wird die Mühle erstmals als | 1717 wurde [[Johann Muhlen|Johann Janssen Muhlen]] Pächter des Mühlenanwesens für sechs Jahre. Jährlich waren 94 Reichsthaler Heuer zu entrichten. Dieser Pachtvertrag wurde noch vor Ablauf der 6 Jahre aufgelöst. 1731 wird als neuer Pächter [[Melchert Goldenstein|Melchert Renken Goldenstein]] genannt. 1781 bis mindestens 1794 wird [[Roolf Janssen|Roolf Rieken Janssen]] neuer Pächter. Zu diesem Zeitpunkt wird die Mühle erstmals als ''Westgaster Mühle'' bezeichnet. | ||
1818 | 1818 werden die Erben des [[Claes Ulrichs]] neue Besitzer der Westgaster Mühle. 1834 wird sie in der Mühlenbrand-Societät Ostfriesland (Brandversicherung für Mühlen) als ''Rockenmühle auf der Gaste'' mit 4.000 holländischen Gulden versichert. 1846 wird [[Ode Gerdes]] als Besitzer genannt. Bis 1856 war offenbar ein J. R. Steinblock Müller zu Westgaste.<ref>Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 36</ref> | ||
1856 wird die alte Bockwindmühle schließlich abgebrochen. O.F. Onnen, der neue Besitzer, ließ sie daraufhin am heutigen Standort als dreistöckigen Galerieholländer wiedererrichten. Dieser Bau wird bereits 1862 durch einen Blitzschlag zerstört und daraufhin ein Jahr später wieder aufgebaut. Die Höhe der Mühle beträgt nun 27 Meter. In diese Zeit fällt wohl auch der Bau des anliegenden Gebäudes (Müllerhaus). | 1856 wird die alte Bockwindmühle schließlich abgebrochen. [[O. F. Onnen]], der neue Besitzer, ließ sie daraufhin am heutigen Standort als dreistöckigen Galerieholländer wiedererrichten. Der Grund für die Verlegung war, dass sie sich dann auf direkterem Wege in die [[Westermarsch]] befand und so besser für die Bauern erreichbar war.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 148</ref> Dieser 18.000 Reichstaler teure Bau wird bereits 1862 durch einen Blitzschlag zerstört und daraufhin ein Jahr später wieder aufgebaut. Die Höhe der Mühle beträgt nun 27 Meter. In diese Zeit fällt wohl auch der Bau des anliegenden Gebäudes (Müllerhaus). | ||
Im 19. Jahrhundert und bis Anfang des 20. Jahrhunderts sollen - in guten Zeiten - bis zu 12 Menschen Arbeit in der Westgaster Mühle gefunden haben, die von der Säuberung über die Verarbeitung bis zur Auslieferung des gemahlenen Korns jeden Arbeitsschritt ausführten. Bei gutem Wind war das in einer Stunde eine Tonne Korn, die gemahlen wurde, allerdings mit drei Mahlgängen. So konnte es auch vorkommen, dass die Mannschaft der Mühle die ganze Nacht durcharbeiten musste. | Im 19. Jahrhundert und bis Anfang des 20. Jahrhunderts sollen - in guten Zeiten - bis zu 12 Menschen Arbeit in der Westgaster Mühle gefunden haben, die von der Säuberung über die Verarbeitung bis zur Auslieferung des gemahlenen Korns jeden Arbeitsschritt ausführten. Bei gutem Wind war das in einer Stunde eine Tonne Korn, die gemahlen wurde, allerdings mit drei Mahlgängen. So konnte es auch vorkommen, dass die Mannschaft der Mühle die ganze Nacht durcharbeiten musste. | ||
1921 wird die Mühle erneut schwer beschädigt. Ein starker Sturm riss die Mühlenkappe mit Flügelkreuz herunter. Die herunterstürzenden Flügel zerstörten die Galerie und das Nebengebäude des Mühlenbetriebes. Die Mühle glich dadurch fast einer Ruine. Ein Jahr später erwirbt [[Franz Hinrichs]] die Mühle vom letzten Eigentümer innerhalb der Familie Onnen, [[Hinrich Onno]]. Dieser schafft 1925 eines Sauggasmotor als Sekundärbetrieb an, den er bereits drei Jahre später durch einen 25 PS starken Dieselmotor der Marke | 1921 wird die Mühle erneut schwer beschädigt. Ein starker Sturm riss die Mühlenkappe mit Flügelkreuz herunter. Die herunterstürzenden Flügel zerstörten die Galerie und das Nebengebäude des Mühlenbetriebes. Die Mühle glich dadurch fast einer Ruine. Ein Jahr später erwirbt [[Franz Hinrichs]] die Mühle vom letzten Eigentümer innerhalb der Familie Onnen, [[Hinrich Onno]]. Dieser schafft 1925 eines Sauggasmotor als Sekundärbetrieb an, den er bereits drei Jahre später durch einen 25 PS starken Dieselmotor der Marke ''Deutz'' ersetzt. | ||
In den 1930er Jahren werden zwei von drei mit Windkraft angetriebene Schrotmahlgänge ausgebaut. Dafür wird ein mit einem Elektromotor angetriebener Schrotmahlgang mit einem Durchmesser von 1,30 m eingebaut und es erfolgte eine betriebliche Umstellung auf Feinmüllerei. Dazu wurden zwei Doppelwalzenstühle installiert, die durch einen 40 PS starken Deutz-Dieselmotor angetrieben werden. | In den 1930er Jahren werden zwei von drei mit Windkraft angetriebene Schrotmahlgänge ausgebaut. Dafür wird ein mit einem Elektromotor angetriebener Schrotmahlgang mit einem Durchmesser von 1,30 m eingebaut und es erfolgte eine betriebliche Umstellung auf Feinmüllerei. Dazu wurden zwei Doppelwalzenstühle installiert, die durch einen 40 PS starken Deutz-Dieselmotor angetrieben werden. | ||
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Im März 1991 begann man mit dem Einsetzen der alten Achse in den im Neubau befindlichen Mühlenkopf. Im Mai wurde diese gerichtet und im Juli aufgesetzt. Indes zog sich die Bremer Gesellschaft zurück und Gerhard Campen wurde alleiniger Eigentümer der Mühle. | Im März 1991 begann man mit dem Einsetzen der alten Achse in den im Neubau befindlichen Mühlenkopf. Im Mai wurde diese gerichtet und im Juli aufgesetzt. Indes zog sich die Bremer Gesellschaft zurück und Gerhard Campen wurde alleiniger Eigentümer der Mühle. | ||
Etwa ein Jahr später, im Juli 1992 wurden die beiden neuen Flügelpaare montiert. Diese wurden zuvor niederländischen Oude-Schanz angefertigt. Die Betriebsfähigkeit der Windmühle war nun wiederhergestellt. Durch Campen wurden zum Erhalt der Windmühle eine Teestube und ein | Etwa ein Jahr später, im Juli 1992 wurden die beiden neuen Flügelpaare montiert. Diese wurden zuvor niederländischen Oude-Schanz angefertigt. Die Betriebsfähigkeit der Windmühle war nun wiederhergestellt. Durch Campen wurden zum Erhalt der Windmühle eine Teestube und ein Bioladen gegründet, der von hiesigen Landwirten beliefert wurde. Dieser Laden firmierte schon bald a der [[Westerstraße 21]] unter dem Namen [[Grön Nörderland|''Grön Nörderland'']]. Bis heute können bei der Westgaster Mühle Bio-Produkte, darunter selbst gemahlenes und gebackenes Brot, erworben werden. | ||
1998 feiert die mittlerweile wieder betriebsbereite Mühle anlässlich des 10-jährigen Bestehens des Westgaster Mühlenvereins ein großes | 1998 feiert die mittlerweile wieder betriebsbereite Mühle anlässlich des 10-jährigen Bestehens des Westgaster Mühlenvereins ein großes ''Mühlenfest''. Durch ihre Funktionsfähigkeit wird die Westgaster Mühle ein großer Anziehungspunkt für die Besucher. | ||
2006 wurde die abgängige Galerie erneuert, 2009 folgen der Kappenumlauf und Teile der Flughölzer. 2014 wird der abgängige Windrosenbock ersetzt. Die Flügel wurden 2018 neu angestrichen. Ein Jahr später werden sich breit machende Holzwürmer bekämpft und eine Aufhängung am Stirnrad befestigt. Im Jahr 2020 übernimmt [[Martin Campen]] die Mühle als Erbe seines Vaters Gerhard Campen. Sodann lässt er den maroden Fugbalken und die Getreidescheiben der Windrose erneuern. | 2006 wurde die abgängige Galerie erneuert, 2009 folgen der Kappenumlauf und Teile der Flughölzer. 2014 wird der abgängige Windrosenbock ersetzt. Die Flügel wurden 2018 neu angestrichen. Ein Jahr später werden sich breit machende Holzwürmer bekämpft und eine Aufhängung am Stirnrad befestigt. Im Jahr 2020 übernimmt [[Martin Campen]] die Mühle als Erbe seines Vaters Gerhard Campen. Sodann lässt er den maroden Fugbalken und die Getreidescheiben der Windrose erneuern. | ||
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==Trivia== | ==Trivia== | ||
Die Westgaster Mühle verhinderte lange Zeit, dass der umliegende Bereich bebaut wurde. So wurde beispielsweise die Straße [[Martensdorf]] erst ab 1958 in der heutigen Form bebaut. | Die Westgaster Mühle verhinderte lange Zeit, dass der umliegende Bereich bebaut wurde. So wurde beispielsweise die Straße [[Martensdorf]] erst ab 1958 in der heutigen Form bebaut. | ||
==Galerie== | |||
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Datei:Alleestraße Westgaster Mühle unbekanntes Datum 01.jpg|Ansicht aus Richtung [[Feldpfad]] (undatierte Aufnahme). | |||
Datei:Alleestraße Westgaster Mühle unbekanntes Datum 02.jpg|Ansicht von Westen (undatierte Aufnahme). | |||
Datei:Alleestraße Westgaster Mühle um 1950 01.jpg|Ansicht von der [[Alleestraße]] (um 1950). | |||
Datei:Westgaster Muehle 01042002 01.jpg|Ansicht von der [[Alleestraße]] - Aufnahme vom 1. April 2002. | |||
Datei:Alleestraße 65 - Westgaster Mühle - 04052003.jpg|Ansicht von [[An der Welle]] - Aufnahme vom 4. Mai 2003. | |||
Datei:Alleestraße 65 - Westgaster Mühle 26102003.jpg|Ansicht von der [[Alleestraße]] - Aufnahme vom 26. Oktober 2003. | |||
Datei:Alleestraße - 07092019.jpg|Die Westgaster Mühle beim ''Döschkefest'' - Aufnahme vom 7. September 2019. | |||
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==Einzelnachweise== | |||
<references /> | |||
==Quellenverzeichnis== | ==Quellenverzeichnis== | ||
* [http://www.westgaster-muehle.de/wordpress/ Internetseite der Westgaster Mühle], abgerufen am 9. März 2021 | * [http://www.westgaster-muehle.de/wordpress/ Internetseite der Westgaster Mühle], abgerufen am 9. März 2021 | ||
* Schreiber, Gretje (1997): Streit um das Land am Meeresrand, in: Ostfriesland Magazin Jg. 1997/12, S. 108-119, hier S. 112f. | |||
==Siehe auch== | ==Siehe auch== | ||
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[[Kategorie:Gebäude im Stadtgebiet]] | [[Kategorie:Gebäude im Stadtgebiet]] | ||
[[Kategorie:Gebäude in Norden (Stadtteil)]] | [[Kategorie:Gebäude in Norden (Stadtteil)]] | ||
[[Kategorie: | [[Kategorie:Westgaste]] | ||