Anna von Oldenburg: Unterschied zwischen den Versionen
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'''Anna von Oldenburg''' (* 14. November 1501 in Oldenburg, † 24. September 1575 in Emden) war Gräfin von Ostfriesland und nach dem Tode ihres Mannes [[Enno II. Cirksena]] ab 1542 zugleich vormundschaftliche Regentin des Landes. | [[Datei:Anna Cirksena unbekanntes Datum.jpg|mini|300x300px|Anna von Oldenburg auf einer undatierten Aufnahme (abfotografiert aus dem Historischen Museum in Aurich).]] | ||
'''Anna von Oldenburg''' (* 14. November 1501 in Oldenburg, † 24. September 1575 in Emden) war Gräfin von Ostfriesland und nach dem Tode ihres Mannes [[Enno II. Cirksena]] ab 1540 (oder 1542) zugleich vormundschaftliche Regentin des Landes. | |||
==Leben== | ==Leben== | ||
Anna wurde als Tochter des Grafen Johann V. von Oldenburg und Anne von Anhalt-Zerbst in Oldenburg geboren. Als Jugendliche wurde sie am Hofe des Kurfürsten von Brandenburg in Cölln erzogen und heiratete am 6. März 1530 den Grafen von Ostfriesland, [[Enno | Anna wurde als Tochter des Grafen Johann V. von Oldenburg und Anne von Anhalt-Zerbst in Oldenburg geboren. Als Jugendliche wurde sie am Hofe des Kurfürsten von Brandenburg in Cölln erzogen und heiratete am 6. März 1530 den Grafen von Ostfriesland, [[Enno II. Cirksena]]. Enno starb etwa 10 Jahre später, sodass Anna fortan die Regierungsgeschäfte übernahm, da ihre Söhne noch nicht mündig waren. Wichtigster Berater und Vertrauter war in allen Belangen ihr Bruder, Graf Christoph von Oldenburg. | ||
Wichtige Ereignisse in ihrer Regierungszeit waren die Konflikte durch die auch in Ostfriesland aufkommende Reformation. Hier strebte sie einen Ausgleich in form einer friedlichen Koexistenz der Glaubensrichtungen an. Obgleich sie selbst auch den reformatorischen Bestrebungen anhang, setzte sie durch, dass Ostfriesland kein verpflichtendes Landesbekenntnis bekam. Bis heute gilt sie aufgrund ihrer religiösen Toleranz aus frühzeitige Verfechterin der Glaubensfreiheit. Allein auf Druck des Kaisers verbot sie 1549 der christlichen Gruppierung der Täufer den Aufenthalt in Ostfriesland. Eine für die weitere Entwicklung Ostfrieslands sehr gravierende politische Entscheidung fällte Gräfin Anna, als sie die Primogenitur abschaffte. Sie legte | Wichtige Ereignisse in ihrer Regierungszeit waren die Konflikte durch die auch in Ostfriesland aufkommende Reformation. Hier strebte sie einen Ausgleich in form einer friedlichen Koexistenz der Glaubensrichtungen an. Obgleich sie selbst auch den reformatorischen Bestrebungen anhang, setzte sie durch, dass Ostfriesland kein verpflichtendes Landesbekenntnis bekam. Bis heute gilt sie aufgrund ihrer religiösen Toleranz aus frühzeitige Verfechterin der Glaubensfreiheit. Allein auf Druck des Kaisers verbot sie 1549 der christlichen Gruppierung der Täufer den Aufenthalt in Ostfriesland. Eine für die weitere Entwicklung Ostfrieslands sehr gravierende politische Entscheidung fällte Gräfin Anna, als sie die Primogenitur abschaffte. Sie legte 1558 fest, dass die Regierung über das Herrschaftsterritorium nach ihrer Regentschaft von ihren drei Söhnen Edzard, Christoph und Johann gemeinsam ausgeführt werden sollte. Zur Erziehung ihrer Söhne holte sie sich den Gelehrten [[Wilhelm Gnapheus]] an den Hofe, der auch [[Liste der Bürgermeister der Stadt Norden|Bürgermeister der Stadt]] wurde. | ||
Ein weiterer Höhepunkt ihrer Amtszeit war die friedliche Lösung eines Konfliktes mit dem Harlingerland. Nachdem [[ | Anna galt als eine der Förderinnen der Bildung. Sie hatte maßgeblichen Einfluss auf die Gründung des [[Ulrichsgymnasium|Ulrichsgymnasiums]], dessen offizieller Gründer jedoch ihr Sohn Edzard II. war. Von ihr stammen die Pläne, sie auf dem [[Kloster Norden|alten Klostergelände]] anzusiedeln. Weiterhin vermachte sie der neuen Schule zur Finanzierung des Unterhalts die [[Linteler Mühle]].<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 16</ref> | ||
Ein weiterer Höhepunkt ihrer Amtszeit war die friedliche Lösung eines Konfliktes mit dem Harlingerland. Nachdem [[Balthasar von Esens]] Anfang der 1530er bereits plündernd, mordend und brandschatzend durch Ostfriesland gezogen war, fiel dessen Nachfolger, Graf Johann II. von Rietberg, im Jahr 1556 erneut im [[Norderland]] ein und verbleibte sich einen Landstrich beim Accumer Tief in der heutigen Gemeinde Dornum ein. Anstatt einen bewaffneten Konflikt einzugehen, klagte Anna stattdessen vor dem Reichskammergericht und beim Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis. Johann, der sich auch anderweitig viele Feinde gemacht hatte, starb schließlich 1562 in Gefangenschaft des Reichskreises. | |||
Im Jahr 1562 setzte sie nun ihre Söhne [[Edzard II. Cirksena]] und [[Johann II. Cirksena]] sowie Christoph als Grafen ein. Christoph starb jedoch bereits 1566. Anna lebte fortan in der Cirksenaburg in Emden, wo sie am 24. September 1575 verstarb. | Im Jahr 1562 setzte sie nun ihre Söhne [[Edzard II. Cirksena]] und [[Johann II. Cirksena]] sowie Christoph als Grafen ein. Christoph starb jedoch bereits 1566. Anna lebte fortan in der Cirksenaburg in Emden, wo sie am 24. September 1575 verstarb. | ||
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Zwischen 1558 und 1559 ließ sie den [[Wurzeldeich]] erbauen und förderte somit die Landgewinnung auf dem Gebiet des heutigen [[Süderneuland|Süderneulands]]. | Zwischen 1558 und 1559 ließ sie den [[Wurzeldeich]] erbauen und förderte somit die Landgewinnung auf dem Gebiet des heutigen [[Süderneuland|Süderneulands]]. | ||
== Einzelnachweise == | ==Einzelnachweise== | ||
<references/> | <references /> | ||
==Quellenverzeichnis== | |||
*Friedländer, Ernst (1875): Anna, Gräfin von Ostfriesland. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 468 f. | |||
*Janssen, Heiko (1998): Gräfin Anna von Ostfriesland – eine hochadelige Frau der späten Reformationszeit (1540/42–1575). Ein Beitrag zu den Anfängen der reformierten Konfessionalisierung im Reich, Münster | |||
*Jürgens, Henning (1999): Die vormundschaftliche Regentschaft der Gräfin Anna und die Berufung Johannes a Lascos zum ostfriesischen Superintendenten. In: Emder Jahrbuch, Jg. 79 (1999), S. 42–65 | |||
*Maybaum, Heinz (1953): Anna. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin, S. 300f. | |||
== Siehe auch == | |||
* [[Theda Ukena]] | |||
[[Kategorie:Bürger der Stadt Norden]] | [[Kategorie:Bürger der Stadt Norden]] | ||