Brauerei Doornkaat: Unterschied zwischen den Versionen
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Die '''Brauerei Doornkaat''' war eine zunächst eigenständige, dann unmittelbar zum Unternehmen [[Doornkaat]] gehörige Brauerei in [[Westgaste]]. 1922 wurde sie an die ''Bavaria Brauerei'' aus Altona verkauft und ein Jahr später geschlossen. Sie befand sich zwischen der [[Brauhausstraße]] und [[Martensdorf]]. Heute erinnert noch der Name ''Brauhausstraße'' an die alte Brauerei, sämtliche Überreste sind verschwunden. Lediglich eine Villa ([[Alleestraße]] 62), die wahrscheinlich das Wohnhaus des Geschäftsführers war, ist erhalten geblieben. | Die '''Brauerei Doornkaat''' (offiziell: ''H. & J. ten Doornkaat-Koolman Bayerische Bierbrauerei Westgaste'') war eine zunächst eigenständige, dann unmittelbar zum Unternehmen [[Doornkaat]] gehörige Brauerei in [[Westgaste]]. 1922 wurde sie an die ''Bavaria Brauerei'' aus Altona verkauft und ein Jahr später geschlossen. Sie befand sich zwischen der [[Brauhausstraße]] und [[Martensdorf]]. Heute erinnert noch der Name ''Brauhausstraße'' an die alte Brauerei, sämtliche Überreste sind verschwunden. Lediglich eine Villa ([[Alleestraße]] 62), die wahrscheinlich das Wohnhaus des Geschäftsführers war, ist erhalten geblieben. | ||
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Trotz anfänglicher Erfolge wirtschafteten die Inhaber nicht besonders gut, sodass die Brauerei zum 12. Dezember 1899 mit der Brennerei des älteren Doornkaat-Bruders verschmolz. Man firmierte nun gemeinsam als ''Doornkaat Brennerei und Brauerei Aktiengesellschaft''. Insbesondere die Kühlung des Bieres erforderte große Schwierigkeiten und Investitionen. Der Import von Eis aus Skandinavien verschlang jährliche große Mengen Geld.<ref name=":3" /> An eine [[Stromversorgung]] war seinerzeit noch nicht zu denken; sie hielt erst ab 1914 in Norden Einzug. | Trotz anfänglicher Erfolge wirtschafteten die Inhaber nicht besonders gut, sodass die Brauerei zum 12. Dezember 1899 mit der Brennerei des älteren Doornkaat-Bruders verschmolz. Man firmierte nun gemeinsam als ''Doornkaat Brennerei und Brauerei Aktiengesellschaft''. Insbesondere die Kühlung des Bieres erforderte große Schwierigkeiten und Investitionen. Der Import von Eis aus Skandinavien verschlang jährliche große Mengen Geld.<ref name=":3" /> An eine [[Stromversorgung]] war seinerzeit noch nicht zu denken; sie hielt erst ab 1914 in Norden Einzug. | ||
[[Datei:Westgaste Brauhausstraße Brauerei Doornkaat um 1890 (0627077) MZ.jpg|mini|Mittig und links die Hauptgebäude der Brauerei, rechts die bis heute erhaltene Villa ([[Alleestraße]] 62). Das eingeschossige, von links nach rechts verlaufende Gebäude waren die Pferdestallungen.]] | |||
Letztlich brachte die Fusionierung der Brauerei große Vorteile und bereits im ersten Geschäftsjahr verzeichnete man einen gemeinsamen Reingewinn von 172.425 Mark. Um die Angestellten am Erfolg zu beteiligen, richtete man 1900 eine Betriebskrankenkasse ein. Eine für damalige Zeiten äußerst wohltätige Geste.<ref name=":0" /> Auch gab es Arbeiterwohnungen am Funkweg für die Angestellten sowie eine Villa (heute [[Alleestraße]] 62), die wahrscheinlich vom Geschäftsführer bzw. Betriebsleiter bewohnt wurde. | Letztlich brachte die Fusionierung der Brauerei große Vorteile und bereits im ersten Geschäftsjahr verzeichnete man einen gemeinsamen Reingewinn von 172.425 Mark. Um die Angestellten am Erfolg zu beteiligen, richtete man 1900 eine Betriebskrankenkasse ein. Eine für damalige Zeiten äußerst wohltätige Geste.<ref name=":0" /> Auch gab es Arbeiterwohnungen am Funkweg für die Angestellten sowie eine Villa (heute [[Alleestraße]] 62), die wahrscheinlich vom Geschäftsführer bzw. Betriebsleiter bewohnt wurde. | ||
Der [[Erster Weltkrieg|Erste Weltkrieg]] verpasste dem Unternehmen einen schweren Schlag, ein großer Teil der Belegschaft wurde zum Kriegsdienst verpflichtet. Die Bierproduktion kam dadurch gänzlich zum Erliegen. Erst 1921 konnte man diese wieder aufnehmen, doch arbeitete die Brauerei längst nicht mehr rentabel. Ein Jahr später veräußerte man sie daher gewinnbringend für 1,675 Millionen Mark an die ''Bavaria Brauerei'' aus Altona (heute Stadtteil von Hamburg).<ref name=":0" /> Der Erlös wurde sogleich für dringend benötigte Investitionen in der Brennerei umgesetzt, welche bis zuletzt das ''Kerngeschäft'' der Familie Doornkaat bildete.<ref>Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 93</ref> | Der [[Erster Weltkrieg|Erste Weltkrieg]] verpasste dem Unternehmen einen schweren Schlag, ein großer Teil der Belegschaft wurde zum Kriegsdienst verpflichtet. Die Bierproduktion kam dadurch gänzlich zum Erliegen. Erst 1921 konnte man diese wieder aufnehmen, doch arbeitete die Brauerei längst nicht mehr rentabel. Ein Jahr später veräußerte man sie daher gewinnbringend für 1,675 Millionen Mark an die ''Bavaria Brauerei'' aus Altona (heute Stadtteil von Hamburg).<ref name=":0" /> Der Erlös wurde sogleich für dringend benötigte Investitionen in der Brennerei umgesetzt, welche bis zuletzt das ''Kerngeschäft'' der Familie Doornkaat bildete.<ref>Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 93</ref> | ||
Ein Großteil der Bierproduktion in Norden wurde 1923 eingestellt, gänzlich zum Erliegen kam sie kurz nach Beginn des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]].<ref name=":1" /><ref name=":2">Sanders, Adolf (1999): Norden - wie es früher war, Gudensberg, S. 51</ref> Der Brauerei-Schornstein wurde am 19. April 1943 gesprengt, womit das endgültige Ende der Brauerei besiegelt wurde.<ref name=":2" /> Die verbleibenden Überreste der Brauerei sowie die Arbeiterwohnungen am Funkweg verschwanden zwischen 1969 und 1970, wobei die zur Brauerei gehörende Villa sowie die ehemaligen Pferdestallungen als einziges erhalten blieben. Die Villa ist bis heute erhalten, die Stallungen wurden ungefähr Anfang der 1980er Jahre abgebrochen.<ref>Auskunft von Joke Kallikalis per facebook am 4. Dezember 2025</ref> Seitdem erinnert nur noch der Name ''Brauhausstraße'' an die alte Brauerei. | Ein Großteil der Bierproduktion in Norden wurde 1923 eingestellt, gänzlich zum Erliegen kam sie kurz nach Beginn des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]].<ref name=":1" /><ref name=":2">Sanders, Adolf (1999): Norden - wie es früher war, Gudensberg, S. 51</ref> Der Brauerei-Schornstein wurde von der Wehrmacht am 19. April 1943 gesprengt, womit das endgültige Ende der Brauerei besiegelt wurde.<ref name=":2" /> Der Brauereibetrieb war zu dieser Zeit jedoch ohnehin kaum mehr möglich. Der genaue Grund, warum nur der Schornstein und nicht weitere markante Ziele im Stadtgebiet gesprengt wurden, ist nicht mehr bekannt. Denkbar ist, dass man eigenen [[Liste der Flakstellungen|Flakstellungen]] (z.B. jene auf dem benachbarten [[Wasserturm]]) eine bessere Schusslinie ermöglichen wollte. Auch das Entfernen eines markanten Erkennungszeichens für feindliche Flieger ist denkbar, allerdings gab es noch weitere Schornsteine im Stadtgebiet, die dann ebenfalls hätten gesprengt werden müssen, wie beispielsweise jener der nahegelegenen [[Molkerei (Norden)|Molkerei]] oder der [[Doornkaat|Brennerei Doornkaat]]. | ||
Die verbleibenden Überreste der Brauerei sowie die Arbeiterwohnungen am Funkweg verschwanden zwischen 1969 und 1970, wobei die zur Brauerei gehörende Villa sowie die ehemaligen Pferdestallungen als einziges erhalten blieben. Die Villa ist bis heute erhalten, die Stallungen wurden ungefähr Anfang der 1980er Jahre abgebrochen.<ref>Auskunft von Joke Kallikalis per facebook am 4. Dezember 2025</ref> Seitdem erinnert nur noch der Name ''Brauhausstraße'' an die alte Brauerei. | |||
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