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==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
An der Nordseeküste werden bereits vielen Jahrhunderten Deiche errichtet, sowohl zum unmittelbaren Hochwasserschutz, aber auch zur Neulandgewinnung. Die durch Eindeichung gewonnenen Landstriche nennt man [[Polder]]. Andere, regionale Begriffe hierfür sind ''Groden'' oder auch ''Koog''. Die Böden dieser so geschützten Gebiete weisen vom Meeresspiegel herantransportierte Sedimentablagerungen auf und werden als [[Marsch]] bezeichnet. In der heutigen Zeit, die durch ein fortgeschrittenes Umweltbewusstsein der Bevölkerung charakterisiert wird, ist die Umweltpolitik zu einem stark prägenden Faktor geworden. Diese setzt sich für eine stärkere Regulierung des Landmanagements ein. So ist heute die Neulandgewinnung in den Hintergrund getreten und Deiche dienen praktisch nur noch dem Hochwasserschutz. | An der Nordseeküste werden bereits vielen Jahrhunderten Deiche errichtet, sowohl zum unmittelbaren Hochwasserschutz, aber auch zur Neulandgewinnung. Die durch Eindeichung gewonnenen Landstriche nennt man [[Polder]]. Andere, regionale Begriffe hierfür sind ''Groden'' oder auch ''Koog''. Die Böden dieser so geschützten Gebiete weisen vom Meeresspiegel herantransportierte Sedimentablagerungen auf und werden als [[Marsch]] bezeichnet. In der heutigen Zeit, die durch ein fortgeschrittenes Umweltbewusstsein der Bevölkerung charakterisiert wird, ist die Umweltpolitik zu einem stark prägenden Faktor geworden. Diese setzt sich für eine stärkere Regulierung des Landmanagements ein. So ist heute die Neulandgewinnung in den Hintergrund getreten und Deiche dienen praktisch nur noch dem Hochwasserschutz. | ||
Die Deichhöhe und -breite ist von der jeweiligen Landschaft und Flutgefahr abhängig. Mit dem Steigen des Meeresspiegels und der technischen Entwicklung wuchsen auch die Ausmaße der Deiche an. Nach alten Aufzeichnungen waren die Deiche im 12. Jahrhundert etwa 2,50 bis 2,80 Meter hoch. Mit der Zeit wurden sie immer höher aufgeschüttet und erreichten um 1550 eine Höhe von 3,50 bis 3,75 Meter. Heutige Deiche erreichen Höhe von bis zu 10 Metern und sind mit Vor- und Hinterland bis zu 100 Meter lang. | |||
Vor Beginn der Deichbauarbeiten musste grundsätzlich der Deichuntergrund auf Höhe und Festigkeit, d.h. auf seine Tragfähigkeit untersucht werden. Bei der Ermittlung der Höhe, ging man zunächst von der Höhe des Maifeldes aus, auf dem der Deich zu errichten war und rechnete einen Zuschlag von 60 Zentimeter hinzu. Erst später bezog man sich auf die ordinäre Flut, d.h. auf den Hochwasserstand. Die Bodenfestigkeit wurde durch Bohrungen ermittelt, die jedoch leider nicht bis in ausreichende Tiefe durchgeführt wurden. | |||
Bei der Beschaffenheit des Materials bezog sich zunächst auf Karren, Dielen, Schippen und Spaten. Wobei Spaten und Schippen meist von den Arbeitern selbst mitgebracht werden mussten. Holz, Stroh und Reit mussten für den Bau der Deicharbeiterunterkünfte beschafft werden. Zusätzlich wurde mit den Brauern und Bäckern vor Baubeginn die Lieferung von Brot und Bier, nach Menge und Preis vereinbart. | |||
Das für den Deichbau notwendige Erdmaterial wurde im Deichvorland, durch die Anlage von ''Pütten'' gewonnen. Die Pütten waren nach einem bestimmten Schema abzustecken. Ein Pütt war 20 Fuß x 20 Fuß, etwa 6 Meter x 6 Meter groß, sie sollte durchweg 4 Fuß, also 1,20 Meter tief ausgestochen werden. 1 Fuß Tiefe bezeichnete man als ''Schacht''. Dem Kubikinhalt entsprechend wurden Länge und Breite vergrößert, wenn man die Pütt des Untergrundes wegen nur auf 0,90 Meter ausheben konnte. | |||
Die Einzelpütten waren genau ausgerichtet. Zwischen den Pütten mussten sogenannte ''Speckdämme'' stehen bleiben, um die Karren oder Wüppen darüber zu führen. Bei der Koyerarbeit mussten sie 3 Meter breit, bei Wüppen 6 Meter breit sein. Das Gesamtvorfeld teilte man in Pfänder von 30 Meter Breite für die Koyerarbeit und 1,80 Meter Breite bei Wüppenarbeit auf; diese Pfänderaufteilung sollte den Wettbewerb unter den Arbeitskolonnen anregen. Alle Speckdämme standen winkelrecht zur Berme. Bei Deichkrümmungen musste man das Püttwerk notgedrungen winkelschief anlegen. An der Seeseite des Hauptdeiches durfte ein Weg von etwa 10 Meter Breite nicht abgegraben werden. | |||
Mit den Ausgrabungsarbeiten wurde bei den hintersten Pütten begonnen, dadurch war die Arbeit zu Beginn am schwersten und am aufwendigsten. In der Pütt standen 3 Männer, die die schwerste Arbeit besorgten, den Aushub der Erde. | |||
Diese Erde wurde in die Wüppen geworfen, die dann über Dielen zur Deichbaustelle gefahren wurden. Je nach der Länge des Weges wurden Ausweichstellen eingerichtet. Auf dem Weg wurden die vollen Karren aus erster Hand der zweiten Hand, bei längeren Wegen weiteren Personen übergeben. Die leeren Karren wurden wieder auf den Ausweichstellen abgestellt und von dem Vorgänger mitgenommen. Auf diese Weise sollte eine Unterbrechung der Arbeit verhindert werden. Am Deich standen zwei Männer, die die dort abgeworfene Erde aufschichten und glätten mussten, dabei kamen sie auf eine Tagesleistung von 45 Kubikmetern Erde pro Mann, wenn man die damals üblichen 12 Stunden Arbeitszeit zugrundelegt. | |||
Die Wüppenarbeit, also mit dem Einsatz von Pferden als Zugtieren, war nur bei trocknem Wetter möglich. Wenn der Klei nass wurde, klebte er an den Pferdehufen und Wagenrädern und war so weich, dass die Räder tief in den Boden einsanken. | |||
==Aufbau== | ==Aufbau== | ||
[[Datei:Deichacht Deich Hinweisschild Mandepolderweg 01.jpg|mini|Schematischer Aufbau eines Schardeichs. Hier auf einem Hinweisschild der [[Deichacht Norden|Deichacht]] am [[Mandepolderweg]] in [[Ostermarsch]].]] | |||
Der Deichquerschnitt erfüllt die technischen Forderungen nach Standsicherheit und Zugänglichkeit und hat gleichzeitig durch das Aufbringen einer Belebtzone eine ökologische Bedeutung für Flora und Fauna. | Der Deichquerschnitt erfüllt die technischen Forderungen nach Standsicherheit und Zugänglichkeit und hat gleichzeitig durch das Aufbringen einer Belebtzone eine ökologische Bedeutung für Flora und Fauna. | ||
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In Norden gibt es viele Schlafdeiche, die oftmals noch in den Landstrichen als klare Erhebungen in der Landschaft zu erkennen sind, so zum Beispiel der [[Wurzeldeich]]. Entlang der Schoonorther Straße gen Krummhörn, insbesondere im Umfeld der sogenannten ''[[Todeskreuzung]]'' sind noch viele Schlafdeiche erkennbar, die gleichzeitig Grenzen der heute überwiegend zu [[Neuwesteel]] gehörenden [[Polder]] darstellen (z.B. [[Groß-Schulenburger-Polder]] oder [[Groß-Charlottenpolder]]). | In Norden gibt es viele Schlafdeiche, die oftmals noch in den Landstrichen als klare Erhebungen in der Landschaft zu erkennen sind, so zum Beispiel der [[Wurzeldeich]]. Entlang der Schoonorther Straße gen Krummhörn, insbesondere im Umfeld der sogenannten ''[[Todeskreuzung]]'' sind noch viele Schlafdeiche erkennbar, die gleichzeitig Grenzen der heute überwiegend zu [[Neuwesteel]] gehörenden [[Polder]] darstellen (z.B. [[Groß-Schulenburger-Polder]] oder [[Groß-Charlottenpolder]]). | ||
==Weiterführende Links== | |||
*[http://www.flecken-hage.com/Nordsee/Nordsee.htm#:~:text=Nach%20alten%20Aufzeichnungen%20waren%20die,m%20bis%203%2C75%20m. Die Geschichte des Deichbaus in Ostfriesland] auf Flecken-Hage.com | |||
==Einzelnachweise== | |||
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==Siehe auch== | ==Siehe auch== | ||