Kloster Marienthal: Unterschied zwischen den Versionen
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 16: | Zeile 16: | ||
__TOC__ | __TOC__ | ||
==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
Marienthal war, wie die anderen frühen Niederlassungen des Benediktinerordens in Ostfriesland, ein Doppelkloster. An der Spitze stand ein Abt; die Nonnenabteilung leitete eine ihm unterstellte Priorin. Über dem Kloster stand der Bischof von Bremen, zu dessen Bistum Norden zu dieser Zeit zugeordnet war. Archäologische Funde belegen eine Nutzung des Geländes bereits in der Zeit vor 1200, weshalb eine Gründung für das 12. Jahrhundert angenommen werden kann.<ref name=":0">[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/af/norden04-31.htm Bericht über archäologische Funde] der Ostfriesischen Landschaft</ref> Jedoch ist nicht zweifelsfrei nachgewiesen, ob die Funde tatsächlich dem Kloster oder doch eher anderen Bauten zuzurechnen. Sicher ist, dass das Gelände in vorklösterlicher Zeit landwirtschaftlichen Zwecken diente.<ref name=":4">Bärenfänger, Rolf (2007): Archäologie auf den ehemaligen Klosterplätzen Ostfrieslands, Rahden/Westf, S. 67ff.</ref> [[Gretje Schreiber]] geht in ihren Vermutungen noch weiter zurück und verlegt die Gründung in das Jahr 793. | Marienthal war, wie die anderen frühen Niederlassungen des Benediktinerordens in Ostfriesland, ein Doppelkloster. An der Spitze stand ein Abt; die Nonnenabteilung leitete eine ihm unterstellte Priorin. Über dem Kloster stand der Bischof von Bremen, zu dessen Bistum Norden zu dieser Zeit zugeordnet war. Archäologische Funde belegen eine Nutzung des Geländes bereits in der Zeit vor 1200, weshalb eine Gründung für das 12. Jahrhundert angenommen werden kann.<ref name=":0">[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/af/norden04-31.htm Bericht über archäologische Funde] der Ostfriesischen Landschaft</ref> Jedoch ist nicht zweifelsfrei nachgewiesen, ob die Funde tatsächlich dem Kloster oder doch eher anderen Bauten zuzurechnen. Sicher ist, dass das Gelände in vorklösterlicher Zeit landwirtschaftlichen Zwecken diente.<ref name=":4">Bärenfänger, Rolf (2007): Archäologie auf den ehemaligen Klosterplätzen Ostfrieslands, Rahden/Westf, S. 67ff.</ref> [[Gretje Schreiber]] geht in ihren Vermutungen noch weiter zurück und verlegt die Gründung in das Jahr 793.<ref>Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 170</ref> | ||
Die ersten Bauten des Klosters errichteten die Mönche vermutlich aus Holz. Im 13. Jahrhundert wurde das Kloster erheblich ausgebaut und vermutlich entstand zu dieser Zeit ein neuerlicher Kirchbau. Nach Angaben von [[Ubbo Emmius]] soll Marienthal im 13. Jahrhundert das schönste Kloster zwischen Weser und Ems gewesen sein.<ref name=":0" /> Das Gebiet war mit einer Mauer umfriedet. Der nördliche Teil dieser Umzingelung ist erhalten geblieben.<ref name=":1">Deeters, Walter (1978): Benediktinische Doppelklöster in Ostfriesland. In: Res Frisicae. Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands 59, S. 73ff.</ref> An diese alte Mauer erinnert heute noch der Straßenname [[Am Zingel]]. Bei Ausgrabungen konnte nachgewiesen werden, dass in Marienthal Glocken gegossen wurden.<ref name=":0" /> Im Vergleich mit einer ähnlich verzierten Glocke in Dornum wird die in Marienthal genutzte Form in die romanische Zeit datiert.<ref name=":4" /> | Die ersten Bauten des Klosters errichteten die Mönche vermutlich aus Holz. Im 13. Jahrhundert wurde das Kloster erheblich ausgebaut und vermutlich entstand zu dieser Zeit ein neuerlicher Kirchbau. Nach Angaben von [[Ubbo Emmius]] soll Marienthal im 13. Jahrhundert das schönste Kloster zwischen Weser und Ems gewesen sein.<ref name=":0" /> Das Gebiet war mit einer Mauer umfriedet. Der nördliche Teil dieser Umzingelung ist erhalten geblieben.<ref name=":1">Deeters, Walter (1978): Benediktinische Doppelklöster in Ostfriesland. In: Res Frisicae. Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands 59, S. 73ff.</ref> An diese alte Mauer erinnert heute noch der Straßenname [[Am Zingel]]. Bei Ausgrabungen konnte nachgewiesen werden, dass in Marienthal Glocken gegossen wurden.<ref name=":0" /> Im Vergleich mit einer ähnlich verzierten Glocke in Dornum wird die in Marienthal genutzte Form in die romanische Zeit datiert.<ref name=":4" /> | ||
| Zeile 26: | Zeile 26: | ||
Abt in Marienthal war in dieser Zeit ein gewisser ''Winandus''. Sein Siegel zeigte einen stehenden Geistlichen mit Hirtenstab und Bibel mit der teilweise zerstörten Inschrift: ''S(igillum) Abbatis Wi(nandi) S(ancte) Marie Norden''.<ref>Schreiber, Gretje (1994): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 170ff.</ref> Er wird in der Urkunde als Zeuge an erstrangiger Position genannt, was für die Bedeutung des Klosters spricht. Die Rolle als vornehme Vertreter des [[Norderland|Norderlandes]] blieb auch seinen Nachfolgern erhalten.<ref name=":1" /> Der historisch überlieferte große Reichtum des Klosters konnte durch umfangreiche Funde belegt werden.<ref name=":0" /> Erlangt wurde der Wohlstand des Klosters vor allem durch Zuwendungen der zahlreichen Edelfamilien, die sich durch Schenkungen vor bzw. nach ihrem Tod wahrscheinlich ihr Seelenheil für begangene Sünden erkaufen wollten.<ref name=":02">[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Theda_Graefin_v_Ostfr.pdf Deeters, Walter (1997): Biographie der Theda Ukena], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref> Mehrere Güter und Höfe, so etwa der [[Armenplatz]] und das [[Westerlooger Grashaus]] sicherten dem Kloster ein gutes Auskommen und unterstützten es bei seinen wohltätigen Einsätzen. Aber auch außerhalb der heutigen Stadtgrenzen verfügte das Kloster über Ländereien, so etwa bei 50 Hektar bei Wolthusen, das heute zu Emden gehört. Es entstammte einer testamentarischen Schenkung [[Theda Ukena|Gräfin Thedas]].<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 106</ref> | Abt in Marienthal war in dieser Zeit ein gewisser ''Winandus''. Sein Siegel zeigte einen stehenden Geistlichen mit Hirtenstab und Bibel mit der teilweise zerstörten Inschrift: ''S(igillum) Abbatis Wi(nandi) S(ancte) Marie Norden''.<ref>Schreiber, Gretje (1994): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 170ff.</ref> Er wird in der Urkunde als Zeuge an erstrangiger Position genannt, was für die Bedeutung des Klosters spricht. Die Rolle als vornehme Vertreter des [[Norderland|Norderlandes]] blieb auch seinen Nachfolgern erhalten.<ref name=":1" /> Der historisch überlieferte große Reichtum des Klosters konnte durch umfangreiche Funde belegt werden.<ref name=":0" /> Erlangt wurde der Wohlstand des Klosters vor allem durch Zuwendungen der zahlreichen Edelfamilien, die sich durch Schenkungen vor bzw. nach ihrem Tod wahrscheinlich ihr Seelenheil für begangene Sünden erkaufen wollten.<ref name=":02">[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Theda_Graefin_v_Ostfr.pdf Deeters, Walter (1997): Biographie der Theda Ukena], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref> Mehrere Güter und Höfe, so etwa der [[Armenplatz]] und das [[Westerlooger Grashaus]] sicherten dem Kloster ein gutes Auskommen und unterstützten es bei seinen wohltätigen Einsätzen. Aber auch außerhalb der heutigen Stadtgrenzen verfügte das Kloster über Ländereien, so etwa bei 50 Hektar bei Wolthusen, das heute zu Emden gehört. Es entstammte einer testamentarischen Schenkung [[Theda Ukena|Gräfin Thedas]].<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 106</ref> | ||
Im 14. Jahrhundert wurde Ostfriesland von mehreren verheerenden Sturmfluten, wie der [[Erste Dionysiusflut|Ersten Dionysiusflut]] heimgesucht. Dazu kam von 1347 bis 1353 eine europaweit wütende [[Pestepidemie 1350 - 1360|Pestepidemie]], der geschätzte 25 Millionen Menschen - ein Drittel der damaligen europäischen Bevölkerung - zum Opfer fielen. Auch das Kloster Marienthal wurde von der Seuche heimgesucht. Es wurde daraufhin 1350 und erneut um 1400 grundlegend umgestaltet, um nach damaligem Verständnis der Krankheit besser Herr zu werden.<ref name=":1" /><ref>Möhlmann, Günther (1959): Norder Annalen. Aufzeichnungen aus dem Dominikanerkloster in Norden, Aurich, S. 65</ref> Da man im Mittelalter vermutete, dass sich Krankheiten vor allem über Gerüche verbreiteten, ist davon auszugehen, dass die Gebäude weitflächiger, größer und besser belüftet gebaut wurden. Der Neubau der Klosterkirche wird in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts datiert. Er war vermutlich breiter als sein Vorgänger. Möglicherweise stand ihre Errichtung in Zusammenhang mit den [[Cirksena|Cirksenas]], die dort ihr Erbbegräbnis einrichteten.<ref name=":5">Dolle, Josef (2012): Marienthal. In: Niedersächsisches Klosterbuch. Verzeichnis der Klöster, Stifte, Kommenden und Beginenhäuser in Niedersachsen und Bremen von den Anfängen bis 1810, Bielefeld, S. 1033ff.</ref> | Im 14. Jahrhundert wurde Ostfriesland von mehreren verheerenden Sturmfluten, wie der [[Erste Dionysiusflut|Ersten Dionysiusflut]] heimgesucht. Dazu kam von 1347 bis 1353 eine europaweit wütende [[Pestepidemie 1350 - 1360|Pestepidemie]], der geschätzte 25 Millionen Menschen - ein Drittel der damaligen europäischen Bevölkerung - zum Opfer fielen. Auch das Kloster Marienthal wurde von der Seuche heimgesucht. Es wurde daraufhin 1350 und erneut um 1400 grundlegend - auch mit finanzieller Unterstützung des Papstes<ref>Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 171</ref> - umgestaltet, um nach damaligem Verständnis der Krankheit besser Herr zu werden.<ref name=":1" /><ref>Möhlmann, Günther (1959): Norder Annalen. Aufzeichnungen aus dem Dominikanerkloster in Norden, Aurich, S. 65</ref> Da man im Mittelalter vermutete, dass sich Krankheiten vor allem über Gerüche verbreiteten, ist davon auszugehen, dass die Gebäude weitflächiger, größer und besser belüftet gebaut wurden. Der Neubau der Klosterkirche wird in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts datiert. Er war vermutlich breiter als sein Vorgänger. Möglicherweise stand ihre Errichtung in Zusammenhang mit den [[Cirksena|Cirksenas]], die dort ihr Erbbegräbnis einrichteten.<ref name=":5">Dolle, Josef (2012): Marienthal. In: Niedersächsisches Klosterbuch. Verzeichnis der Klöster, Stifte, Kommenden und Beginenhäuser in Niedersachsen und Bremen von den Anfängen bis 1810, Bielefeld, S. 1033ff.</ref> | ||
[[Datei:Am Zingel Kloster Marienthal Statue Maria 02 12 2012.jpg|mini|Statue der Heiligen Maria auf dem Gelände des Altenwohnheims.]] | [[Datei:Am Zingel Kloster Marienthal Statue Maria 02 12 2012.jpg|mini|Statue der Heiligen Maria auf dem Gelände des Altenwohnheims.]] | ||
1420 nahm das Kloster mehrere Benediktinermönche aus dem Kloster Marienkamp in Esens und 1444 einen Teil der Nonnen des Klosters Sielmönken in der Krummhörn auf, nachdem die dortigen Klöster in Augustiner-Chorherren-Stifte umgewandelt worden waren.<ref name=":2">Dolle, Josef (2012): Niedersächsisches Klosterbuch. Verzeichnis der Klöster, Stifte, Kommenden und Beginenhäuser in Niedersachsen und Bremen von den Anfängen bis 1810. Teil 3, Bielefeld, S. 1033ff.</ref> | 1420 nahm das Kloster mehrere Benediktinermönche aus dem Kloster Marienkamp in Esens und 1444 einen Teil der Nonnen des Klosters Sielmönken in der Krummhörn auf, nachdem die dortigen Klöster in Augustiner-Chorherren-Stifte umgewandelt worden waren.<ref name=":2">Dolle, Josef (2012): Niedersächsisches Klosterbuch. Verzeichnis der Klöster, Stifte, Kommenden und Beginenhäuser in Niedersachsen und Bremen von den Anfängen bis 1810. Teil 3, Bielefeld, S. 1033ff.</ref> | ||