Reederei Frisia: Unterschied zwischen den Versionen
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1923 trat [[Carl Stegmann (1881)|Carl Stegmann]] in den Aufsichtsrat ein, wechselte 1929 in den Vorstand, dessen Vorsitzender er über drei Jahrzehnte blieb, um dann 1960 wieder in den Aufsichtsrat einzutreten, dem er bis zu seinem Tode angehörte. Nach seinem Tode wurde auf Juist die ''Carl-Stegmann-Straße'' nach ihm benannt. Bis heute ist der Name Stegmann untrennbar mit der Frisia verbunden. 1928 nahm die Reederei ihren letzten Dampfer in Betrieb. Die 600 PS starke Frisia I mit einer Kapazität von 800 Personen avancierte zum Flaggschiff der Reederei, bis es 1966 auf einer Abwrackwerft endete. Ab 1929 wurden schließlich nur noch motorbetrieben Schiffe eingesetzt. Geordert wurden diese regelmäßig bei der Papenburger Meyer-Werft. In den Folgejahren kamen immer mehr Passagiere mit Kraftfahrzeugen nach [[Norddeich]], weshalb die Reederei 1930 ihre erste Großgarage erbaute. 1934 folgte eine weitere Hallengarage, die bald darauf auf 300 Stellplätze ausgebaut wurde.<ref name=":0" /> | 1923 trat [[Carl Stegmann (1881)|Carl Stegmann]] in den Aufsichtsrat ein, wechselte 1929 in den Vorstand, dessen Vorsitzender er über drei Jahrzehnte blieb, um dann 1960 wieder in den Aufsichtsrat einzutreten, dem er bis zu seinem Tode angehörte. Nach seinem Tode wurde auf Juist die ''Carl-Stegmann-Straße'' nach ihm benannt. Bis heute ist der Name Stegmann untrennbar mit der Frisia verbunden. 1928 nahm die Reederei ihren letzten Dampfer in Betrieb. Die 600 PS starke Frisia I mit einer Kapazität von 800 Personen avancierte zum Flaggschiff der Reederei, bis es 1966 auf einer Abwrackwerft endete. Ab 1929 wurden schließlich nur noch motorbetrieben Schiffe eingesetzt. Geordert wurden diese regelmäßig bei der Papenburger Meyer-Werft. In den Folgejahren kamen immer mehr Passagiere mit Kraftfahrzeugen nach [[Norddeich]], weshalb die Reederei 1930 ihre erste Großgarage erbaute. 1934 folgte eine weitere Hallengarage, die bald darauf auf 300 Stellplätze ausgebaut wurde.<ref name=":0" /> | ||
Bis zum [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] verfügte die Reederei über drei Raddampfer, zwei Fahrgastschiffe und drei Frachtschiffe. Zu Kriegszeiten wurden die drei Raddampfer (Frisia IV, VIII und IX) sowie eines der Frachtschiffe (Frisia X) von der Kriegsmarine beschlagnahmt und als Minenräumschiffe genutzt; sie gingen teilweise verloren. Nach Kriegsende übernahmen die Briten kurzzeitig den Inselverkehr, bis die Reederei im Spätsommer 1945 wieder ihren Betrieb aufnehmen konnte. Die Briten waren es, die erstmals auch Kraftfahrzeuge statt nur Personen und Waren auf die Inseln transportierten. Bei vielen Besuchern und Insulaner stieg dadurch das Interesse, auch ihr eigenes Kraftfahrzeug mit auf die Inseln zu nehmen. Insbesondere mit dem verstärkt aufkommenden Kraftfahrzeugverkehrs infolge des Wirtschaftswunders wurde der Handlungsdruck auf die Reederei schließlich so groß, dass man 1962 die erste kombinierte Personen-Autofähre in Dienst stellte. In der frühen Nachkriegszeit setzte man die Frisia V auch für den Fischfang ein, da die Versorgung der Bevölkerung sich, wie schon zu Zeiten beider Weltkriege, als sehr schwierig erwies.<ref name=":2" />[[Datei:Norddeich Reederei Frisia Schiff Boot um 1930 01.JPG|mini|242x242px|Ein Kapitän der Reederei begrüßt ankommende Passagiere an Bord seines Schiffes (um 1930).]]1960 baute die Reederei das neue Verwaltungsgebäude am Molenkopf. | Bis zum [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] verfügte die Reederei über drei Raddampfer, zwei Fahrgastschiffe und drei Frachtschiffe. Zu Kriegszeiten wurden die drei Raddampfer (Frisia IV, VIII und IX) sowie eines der Frachtschiffe (Frisia X) von der Kriegsmarine beschlagnahmt und als Minenräumschiffe genutzt; sie gingen teilweise verloren. Nach Kriegsende übernahmen die Briten kurzzeitig den Inselverkehr, bis die Reederei im Spätsommer 1945 wieder ihren Betrieb aufnehmen konnte. Die Briten waren es, die erstmals auch Kraftfahrzeuge statt nur Personen und Waren auf die Inseln transportierten. Bei vielen Besuchern und Insulaner stieg dadurch das Interesse, auch ihr eigenes Kraftfahrzeug mit auf die Inseln zu nehmen. Insbesondere mit dem verstärkt aufkommenden Kraftfahrzeugverkehrs infolge des Wirtschaftswunders wurde der Handlungsdruck auf die Reederei schließlich so groß, dass man 1962 die erste kombinierte Personen-Autofähre in Dienst stellte. In der frühen Nachkriegszeit setzte man die Frisia V auch für den Fischfang ein, da die Versorgung der Bevölkerung sich, wie schon zu Zeiten beider Weltkriege, als sehr schwierig erwies.<ref name=":2" /> | ||
1946 kehrte [[Walter Stegmann]] in die Firma zurück, nachdem er 1941 zur Wehrmacht eingezogen wurde und Kriegsdienst, zuletzt in Wilhelmshaven, leisten musste.<ref name=":3">[https://bibliothek.ostfriesischelandschaft.de/wp-content/uploads/sites/3/dateiarchiv/2776/Stegmann-Walter.pdf Biografie von Walter Stegmann] in der Personendatenbank der Ostfriesischen Landschaft, abgerufen am 5. Juni 2026</ref> | |||
1949 wurde durch sein Wirken der massive Juister Schiffsanleger mit Gleisen zum Festland gebaut, die die hölzerne Anlage von 1894 ersetzte. Erste Autofährenanlegebrücken in Norderney und Norddeich entstanden 1953. 1957 wurde der zunehmende Güterverkehr nach Juist auf Paletten und Behälter umgestellt; 1958 auch der nach Norderney. 1958 musste die Gleisbrücke nach Juist bei starkem Verkehr erneuert werden.<ref name=":3" />[[Datei:Norddeich Reederei Frisia Schiff Boot um 1930 01.JPG|mini|242x242px|Ein Kapitän der Reederei begrüßt ankommende Passagiere an Bord seines Schiffes (um 1930).]]1960 baute die Reederei das neue Verwaltungsgebäude am [[Molenkopf]]. Im gleichen Jahr übernahm Walter Stegmann nach dem Rückzug seines Vaters den Alleinvorstand der Frisia-Reederei. Er stellte nun mit [[Wilhelm Groebler]] erstmals einen Diplomingenieur an, der fortan für die Konstruktionen verantwortlich war; acht weitere Schiffe wurden bis 1975 gebaut. 1962 begann der fahrplanmäßige Autoverkehr nach Norderney. Ab 1971 lief der Passagier- wie der Fahrverkehr über selbstkonstruierte Schiffsbrücken.<ref name=":3" /> 1972 wurde dann auch in Norddeich und auf Norderney die Fahrzeugrampe errichtet.<ref name=":0" /> 1975 gab es ein neues Betriebswerkstattgebäude.<ref name=":3" /> | |||
Gegen internen Widerstand stieg Stegmann 1969 mit einer fünfzigprozentigen Beteiligung in den Flugverkehr ein. Ab 1970 betrieb die Reederei als Alleingesellschafterin die [[Frisia Luftverkehr GmbH|''Frisia Luftverkehr GmbH'']], ab 1971 mit drei eigenen Maschinen (zwei vier- und einer sechssitzigen) einen Regelflugbetrieb betrieb sowie Sonderflüge anbot. Das Aktienkapital war von 1 Millionen RM (1935) auf 2,5 Millionen DM (1969) gewachsen. Die Personenbeförderung z.B. nach Norderney entwickelte sich von 243.413 im Jahre 1950 auf 818.996 im Jahre 1970.<ref name=":3" /> | |||
Im Laufe der 1980er Jahre ließ die Reederei die gesamte Flotte erneuern oder umbauen und Mitte der 1990er Jahre abermals modernisieren. Mit der Frisia IV stellte das Unternehmen im April 2002 erstmals eine Doppelendfähre in Dienst. Diese brauchte im Hafen nicht mehr zu wenden und konnte in beide Richtungen fahren. | Im Laufe der 1980er Jahre ließ die Reederei die gesamte Flotte erneuern oder umbauen und Mitte der 1990er Jahre abermals modernisieren. Mit der Frisia IV stellte das Unternehmen im April 2002 erstmals eine Doppelendfähre in Dienst. Diese brauchte im Hafen nicht mehr zu wenden und konnte in beide Richtungen fahren. | ||