Kloster Norden: Unterschied zwischen den Versionen
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 58: | Zeile 58: | ||
Durch den (partiellen) Abbruch der Lateinschule in den Jahren 1851 bis 1852, in deren Folge das Ulrichsgymnasium erbaut wurde, verschwanden die letzten sichtbaren Überreste des Klosters. Bei den damit einhergehenden Grabungsarbeiten kamen Überreste der umfangreichen Bodenaufschüttungen, die den Bau des Klosters in dieser Form überhaupt erst möglich machten, zum Vorschein.<ref name=":4">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 66</ref><ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 64</ref> Bei Grabungsarbeiten zur [[Kanalisation]] im Jahre 1961 fanden sich neben weiteren Gebäudeteilen auch mehrere, systematisch begrabene Gebeine bzw. menschliche Skelette, was darauf hindeutet, dass die Mönche ihre Verstorbenen auf einem eigenen Friedhof bestatteten.<ref>Canzler, Gerhard (1994): Norden. Museen im Alten Rathaus, Norden, S. 39</ref> Weitere Funde wurden bei Erweiterungsarbeiten des Schulgebäudes im Jahre 1992 gemacht. Der Einschätzung der Archäologen zufolge handelt es sich wahrscheinlich um Überreste eines ehemals freistehenden Gebäudes auf dem Klostergelände.<ref name=":4" /> | Durch den (partiellen) Abbruch der Lateinschule in den Jahren 1851 bis 1852, in deren Folge das Ulrichsgymnasium erbaut wurde, verschwanden die letzten sichtbaren Überreste des Klosters. Bei den damit einhergehenden Grabungsarbeiten kamen Überreste der umfangreichen Bodenaufschüttungen, die den Bau des Klosters in dieser Form überhaupt erst möglich machten, zum Vorschein.<ref name=":4">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 66</ref><ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 64</ref> Bei Grabungsarbeiten zur [[Kanalisation]] im Jahre 1961 fanden sich neben weiteren Gebäudeteilen auch mehrere, systematisch begrabene Gebeine bzw. menschliche Skelette, was darauf hindeutet, dass die Mönche ihre Verstorbenen auf einem eigenen Friedhof bestatteten.<ref>Canzler, Gerhard (1994): Norden. Museen im Alten Rathaus, Norden, S. 39</ref> Weitere Funde wurden bei Erweiterungsarbeiten des Schulgebäudes im Jahre 1992 gemacht. Der Einschätzung der Archäologen zufolge handelt es sich wahrscheinlich um Überreste eines ehemals freistehenden Gebäudes auf dem Klostergelände.<ref name=":4" /> | ||
==Beschreibung== | ==Beschreibung== | ||
Die südliche Grenze des Klosterarels zog sich von den heutigen Häusern [[Am Markt 51]] bis [[Am Markt 54]] bogenförmig bis zu den Gärten der nördlichen Häuser [[Am Markt]]. Die östliche Grenze war die [[Klosterstraße]].<ref>Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 167</ref> Dort befand sich zugleich der Weg vom [[Marktplatz]] zum [[Kloster Marienthal]], wodurch die Straße auch zu ihrem Namen kam. | |||
Auf dem Klostergelände befanden sich die für den Betrieb eines Klosters notwendigen Gebäude wie einen Gebetsraum, eine Küche und einen Speisesaal sowie einen Schlafsaal. Anfänglich bestanden diese Gebäude vor allem aus Holz und ähnelten mehr Baracken, als klostertypischen Steinbauten. Ab dem 14. Jahrhundert wurden die Baracken dann durch Backsteinbauten ersetzt. Später wurden auch eine Kapelle und eine Klosterschule erbaut, in der einige Mönche sich auf ihre Studien in entfernten Universitäten vorbereiteten. Überlieferte Namen von Mönchen, die später Universitäten außerhalb der Region besuchten, lassen darauf schließen, dass diese zum größten Teil aus Ostfriesland kamen. Die Häuptlingsgeschlechter [[Attena]] und [[Cirksena]] scheinen maßgeblich an der Befestigung des Klosters beteiligt gewesen zu sein. | |||
Archäologen konnten bisher die Kirche und Teile der nördlich gelegenen Klausurgebäude einschließlich eines Kellers im Nordflügel freigraben. Dessen Grundmauern werden in einem Schauraum des Ulrichsgymnasiums gezeigt. In diesem Teil des Klosters wird der Wirtschaftsbereich vermutet. Bei den Grabungen kamen zudem mehr als 3200 Scherben von Fensterglas zutage, die auf die Zeit von 1320 bis 1340 datiert werden. Die Hälfte davon trug Bemalungen in Grisaille-Technik, hinzu kamen zahlreiche farbige Stücke. Bei den Motiven überwiegen Darstellungen von Pflanzen, die im Rahmen der Grisaille-Verglasung wohl Rankenmuster gebildet haben. Darstellungen von Personen oder Figuren sind hingegen selten. Für die Archäologen stehen die Scherben in ihrer Fülle stellvertretend für die ehemals prachtvolle Ausstattung der Norder Klöster. Die etwa 45 cm starken Mauerwerk bestand aus 29 cm langen und 8 cm hohen großformatigen Steinen, sogenannten Klostersteinen. Die Ausdehnung des Mauerwerks lässt auf einen Hallenraum mit etwa 14 Metern in der Längsachse und 6,90 Metern in der Schmalseite schließen. Insgsamt dürfte der Bau etwa 100 qm groß gewesen sein.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Norden, S. 12</ref> Mehr als 5.000 entdeckte Tierknochen geben zudem Einblicke in den Speiseplan des Ordens in der Mitte des 15. Jahrhunderts.<ref>Bärenfänger, Rolf (2009): Archäologie in Kirchen und Klöstern Ostfrieslands. In: Nachrichten des Marschenrates zur Förderung der Forschung im Küstengebiet der Nordsee, Heft 46/2009. S. 35ff.</ref> | Archäologen konnten bisher die Kirche und Teile der nördlich gelegenen Klausurgebäude einschließlich eines Kellers im Nordflügel freigraben. Dessen Grundmauern werden in einem Schauraum des Ulrichsgymnasiums gezeigt. In diesem Teil des Klosters wird der Wirtschaftsbereich vermutet. Bei den Grabungen kamen zudem mehr als 3200 Scherben von Fensterglas zutage, die auf die Zeit von 1320 bis 1340 datiert werden. Die Hälfte davon trug Bemalungen in Grisaille-Technik, hinzu kamen zahlreiche farbige Stücke. Bei den Motiven überwiegen Darstellungen von Pflanzen, die im Rahmen der Grisaille-Verglasung wohl Rankenmuster gebildet haben. Darstellungen von Personen oder Figuren sind hingegen selten. Für die Archäologen stehen die Scherben in ihrer Fülle stellvertretend für die ehemals prachtvolle Ausstattung der Norder Klöster. Die etwa 45 cm starken Mauerwerk bestand aus 29 cm langen und 8 cm hohen großformatigen Steinen, sogenannten Klostersteinen. Die Ausdehnung des Mauerwerks lässt auf einen Hallenraum mit etwa 14 Metern in der Längsachse und 6,90 Metern in der Schmalseite schließen. Insgsamt dürfte der Bau etwa 100 qm groß gewesen sein.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Norden, S. 12</ref> Mehr als 5.000 entdeckte Tierknochen geben zudem Einblicke in den Speiseplan des Ordens in der Mitte des 15. Jahrhunderts.<ref>Bärenfänger, Rolf (2009): Archäologie in Kirchen und Klöstern Ostfrieslands. In: Nachrichten des Marschenrates zur Förderung der Forschung im Küstengebiet der Nordsee, Heft 46/2009. S. 35ff.</ref> | ||