Ludgerikirche: Unterschied zwischen den Versionen
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|Entstehungszeit=1235-1445 | |Entstehungszeit=1235-1445 | ||
|Erbauer=[[Ludgerigemeinde Norden|Norder Kirchengemeinde]] | |Erbauer=[[Ludgerigemeinde Norden|Norder Kirchengemeinde]] | ||
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Im Chorumgang wurden zum Schutz vor weiterer Verwitterung die Reste jener Skulpturen aus Baumberger Sandstein aufgestellt, die bis 1957 in den Fensterblenden der Querschiffgiebel ihren Platz hatten. Sie werden auf das zweite Viertel des 13. Jahrhunderts datiert und lassen den Einfluss der französischen Kathedralplastik erkennen. Ursprünglich stammen sie wahrscheinlich von der ehemaligen Andreaskirche. Von größerer künstlerischer Bedeutung ist die Gruppe der Verkündigung. Die sehr gut erhaltene Statue der Maria steht hier einem Engel (heute ohne Kopf) gegenüber, der auf sie zuzugehen scheint, um ihr die Geburt Jesu anzukündigen. Links neben dieser Gruppe steht ein Engel, der der Taufe Jesu beiwohnt und dabei seine Kleidung hält. Zu den weiteren im Chorumgang ausgestellten Gegenständen zählt eine Inschrift in Sandstein, die ursprünglich über dem Südportal angebracht war. Sie gilt als erstes eindeutiges schriftliches Zeugnis aus der Baugeschichte der Ludgerikirche. Sie wurde wohl im Gedenken an den Wiederaufbau des Querschiffs im Jahre 1445 angebracht. Durch ihre starke Verwitterung war eine Entzifferung schwierig. Im weiteren Verlauf des Chorumgangs findet sich noch die Figur eines bärtigen Heiligen. Sie war früher über dem Südportal angebracht und wurde lange Zeit fälschlicherweise als Liudger angesehen. Ergänzte Kopien der Sandsteinfiguren und der Inschrift, angefertigt von dem Bildhauer Georg Arfmann aus Königslutter, schmücken seit 1988 wieder die südliche Querhausfront. | Im Chorumgang wurden zum Schutz vor weiterer Verwitterung die Reste jener Skulpturen aus Baumberger Sandstein aufgestellt, die bis 1957 in den Fensterblenden der Querschiffgiebel ihren Platz hatten. Sie werden auf das zweite Viertel des 13. Jahrhunderts datiert und lassen den Einfluss der französischen Kathedralplastik erkennen. Ursprünglich stammen sie wahrscheinlich von der ehemaligen Andreaskirche. Von größerer künstlerischer Bedeutung ist die Gruppe der Verkündigung. Die sehr gut erhaltene Statue der Maria steht hier einem Engel (heute ohne Kopf) gegenüber, der auf sie zuzugehen scheint, um ihr die Geburt Jesu anzukündigen. Links neben dieser Gruppe steht ein Engel, der der Taufe Jesu beiwohnt und dabei seine Kleidung hält. Zu den weiteren im Chorumgang ausgestellten Gegenständen zählt eine Inschrift in Sandstein, die ursprünglich über dem Südportal angebracht war. Sie gilt als erstes eindeutiges schriftliches Zeugnis aus der Baugeschichte der Ludgerikirche. Sie wurde wohl im Gedenken an den Wiederaufbau des Querschiffs im Jahre 1445 angebracht. Durch ihre starke Verwitterung war eine Entzifferung schwierig. Im weiteren Verlauf des Chorumgangs findet sich noch die Figur eines bärtigen Heiligen. Sie war früher über dem Südportal angebracht und wurde lange Zeit fälschlicherweise als Liudger angesehen. Ergänzte Kopien der Sandsteinfiguren und der Inschrift, angefertigt von dem Bildhauer Georg Arfmann aus Königslutter, schmücken seit 1988 wieder die südliche Querhausfront. | ||
Zahlreiche Malereien und alte, wertvolle Kronleuchter zeugen im Hochchor von einer jahrhundertealten Kirchenkunst. Aus der Neuzeit ist das Kruzifix erwähnenswert, das von heimkehrenden Kriegsgefangenen aus Frankreich mitgebracht wurde.<ref>Leiner, Karl (1972): Norden. Gestern heute morgen, Norden, S. 22</ref> | |||
====Glockenturm==== | ====Glockenturm==== | ||
[[Datei:Große Mühlenstraße 21 Glocke 19 09 2021 03.jpg|mini|Die als Ersatz für die ''Christusglocke'' gefertigte Glocke. Aufschrift: ''Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Hebr. 13,8 - Für die im Kriege gebliebene Christusglocke durch I. F. Weule, Bockenem, für die luth. Kirchengemeinde Norden 1950 gegossen.'']]Das Geläut im Glockenturm besteht aus drei Bronzeglocken, von denen die mittlere, die sogenannte ''Lutherglocke'', die älteste ist. Sie wurde 1911 von der Firma M & O Ohlsson aus Lübeck gefertigt. Hier benutzte man das Material der ''Annenglocke'' aus dem Jahr 1489, die seinerzeit vom Sohn des Ghert Klinghe, Barthold Klinghe, gegossen wurde. Aus dem so gewonnenen Material wurde eine weitere, die ''Christusglocke'' gegossen, die – wie auch die anderen Glocken im Turm – in den Weltkriegen abgegeben werden mussten (nach dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] wurden sie zurückgegeben, im [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] eingeschmolzen, um daraus Rüstungsgüter zu fertigen). So ereilte die Glocke das gleiche Schicksal wie die östlichen Pforte des [[Alter Friedhof]], die [[Osterpoort]]. Erhalten blieb nur die Lutherglocke als kleinste des Geläuts. Sie war von 1917 bis 1919 und von 1942 bis 1951 auch die einzige Glocke im Turm. 1950 wurde ein Ersatz für die Christusglocke bei ''I. F. Weule'' in Bockenem gegossen. Sie befindet sich heute an der [[Große Mühlenstraße 21|Großen Mühlenstraße 21]]. | [[Datei:Große Mühlenstraße 21 Glocke 19 09 2021 03.jpg|mini|Die als Ersatz für die ''Christusglocke'' gefertigte Glocke. Aufschrift: ''Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Hebr. 13,8 - Für die im Kriege gebliebene Christusglocke durch I. F. Weule, Bockenem, für die luth. Kirchengemeinde Norden 1950 gegossen.'']]Das Geläut im Glockenturm besteht aus drei Bronzeglocken, von denen die mittlere, die sogenannte ''Lutherglocke'', die älteste ist. Sie wurde 1911 von der Firma M & O Ohlsson aus Lübeck gefertigt. Hier benutzte man das Material der ''Annenglocke'' aus dem Jahr 1489, die seinerzeit vom Sohn des Ghert Klinghe, Barthold Klinghe, gegossen wurde. Aus dem so gewonnenen Material wurde eine weitere, die ''Christusglocke'' gegossen, die – wie auch die anderen Glocken im Turm – in den Weltkriegen abgegeben werden mussten (nach dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] wurden sie zurückgegeben, im [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] eingeschmolzen, um daraus Rüstungsgüter zu fertigen). So ereilte die Glocke das gleiche Schicksal wie die östlichen Pforte des [[Alter Friedhof]], die [[Osterpoort]]. Erhalten blieb nur die Lutherglocke als kleinste des Geläuts. Sie war von 1917 bis 1919 und von 1942 bis 1951 auch die einzige Glocke im Turm. 1950 wurde ein Ersatz für die Christusglocke bei ''I. F. Weule'' in Bockenem gegossen. Sie befindet sich heute an der [[Große Mühlenstraße 21|Großen Mühlenstraße 21]]. | ||
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Bereits 1936 gab es ein (erstes) Glockenspiel. Es wurde im März 1936 von der Firma Korfhage & Söhne, Buer/Osnabrück, geliefert und im nördlichen Schallloch des Glockenturms angebracht. Die zwölf Bronzeglocken waren auf die Töne g, a, h, c<sup>1</sup>, d<sup>1</sup>, e<sup>1</sup>, f<sup>1</sup>, fis<sup>1</sup>, g<sup>1</sup>, a<sup>1</sup>, h<sup>1</sup>, c<sup>2</sup> gestimmt. Die damaligen Planungen sahen eine Anlage von insgesamt 25 Glocken vor. 13 weitere Glocken sollten zu einem späteren Zeitpunkt eingebaut werden, was jedoch nicht geschah. Während des Zweiten Weltkrieges mussten im Jahre 1942 fast alle Glocken abgegeben werden. Lediglich vier überstanden den Krieg auf dem Boden des Turms. Ende der 80er Jahre initiierte der damalige Bürgermeister der Stadt, [[Fritz Fuchs]], eine Spendensammlung, mit der das heutige Glockenspiel finanziert wurde. Am Ostermontag 1992 erklang das Spiel zum ersten Mal.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 95</ref> | Bereits 1936 gab es ein (erstes) Glockenspiel. Es wurde im März 1936 von der Firma Korfhage & Söhne, Buer/Osnabrück, geliefert und im nördlichen Schallloch des Glockenturms angebracht. Die zwölf Bronzeglocken waren auf die Töne g, a, h, c<sup>1</sup>, d<sup>1</sup>, e<sup>1</sup>, f<sup>1</sup>, fis<sup>1</sup>, g<sup>1</sup>, a<sup>1</sup>, h<sup>1</sup>, c<sup>2</sup> gestimmt. Die damaligen Planungen sahen eine Anlage von insgesamt 25 Glocken vor. 13 weitere Glocken sollten zu einem späteren Zeitpunkt eingebaut werden, was jedoch nicht geschah. Während des Zweiten Weltkrieges mussten im Jahre 1942 fast alle Glocken abgegeben werden. Lediglich vier überstanden den Krieg auf dem Boden des Turms. Ende der 80er Jahre initiierte der damalige Bürgermeister der Stadt, [[Fritz Fuchs]], eine Spendensammlung, mit der das heutige Glockenspiel finanziert wurde. Am Ostermontag 1992 erklang das Spiel zum ersten Mal.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 95</ref> | ||
Im unteren Teil des Glockenturms befand sich früher die [[Stadtwaage]]. Heute befindet sich dort ein Denkmal für die Gefallenen des [[Erster Weltkrieg|Ersten]] und [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]]. | |||
==Trivia== | ==Trivia== | ||