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{{Infobox Gebäude
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==Weinhaus==
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|Entstehungszeit=1804 (vor 1539)
| Title = Weinhaus
|Erbauer=[[Christoph Daniel Heuen]]
| Text = Gebäude in Norden
|Bauweise=Hotel
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|Genaue Lage=[[Am Markt]] 38
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Das '''Weinhaus''' ist ein ehemaliges Hotel mit Gasthof am [[Marktplatz|Norder Marktplatz]]. Nach einer Nutzung durch das [[Finanzamt Norden|Finanzamt]] ging das unter Denkmalschutz stehende Gebäude 1981 in die Nutzung der [[Polizei Norden|Polizei]] über, die bis dato Nutzer ist. Heute trägt ein Hotel in der [[Golfstraße]] ebenfalls diesen Namen, welches sich den guten Namen zu Eigen machte und vom den Nachfolger eines früheren Eigentümers des Weinhauses eröffnet wurde.
! colspan="2" |Basisdaten
|-
|Entstehungszeit
|1804 (vor 1539)
|-
|Erbauer
|[[Ludgerigemeinde Norden]]
|-
|Bauweise
|Ziegelsteinbau
|-
|Erhaltungszustand
|erhalten
|-
|Genaue Lage
|[[Am Markt]] 38
26506 Norden
|}
Das '''Weinhaus''' ist ein ehemaliger Gasthof am [[Marktplatz|Norder Marktplatz]]. Nach einer Nutzung durch das [[Finanzamt Norden|Finanzamt]] ging das unter Denkmalschutz stehende Gebäude 1981 in die Nutzung der [[Polizei Norden|Polizei]] über, die bis dato Nutzer ist. Heute trägt ein Hotel in der [[Golfstraße]] ebenfalls diesen Namen, welches sich den guten Namen zu Eigen machte und vom den Nachfolger eines früheren Eigentümers des Weinhauses eröffnet wurde.
__TOC__
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==Geschichte==
==Geschichte==
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Erneut wurde das Weinhaus im Jahre 1813 im Zusammenhang mit dem ''[[Seebergskrug]]'' in [[Norddeich]] erwähnt. Der Betreiber bot den im Weinhaus und im [[Vossenhus]] logierenden Gästen einen Kutschenservice zu einer Gastwirtschaft an.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 322</ref> Die mit dem Seebergskrug zusammenhängende Werbung gilt als erster Beleg touristischer Werbung für Norddeich.
Erneut wurde das Weinhaus im Jahre 1813 im Zusammenhang mit dem ''[[Seebergskrug]]'' in [[Norddeich]] erwähnt. Der Betreiber bot den im Weinhaus und im [[Vossenhus]] logierenden Gästen einen Kutschenservice zu einer Gastwirtschaft an.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 322</ref> Die mit dem Seebergskrug zusammenhängende Werbung gilt als erster Beleg touristischer Werbung für Norddeich.


Am 1. Mai 1833 erwarb [[Johann Carstens]] aus Emden das Weinhaus. Da Carstens zur 1848 gegründeten [[Bürgerwehr]] gehörte, nutzte diese den Saal im Weinhaus für ihre Zusammenkünfte. Ab 1854 oder 1857 gehörte das Gebäude dem [[Eduard Dippel|Gastwirt Dippel]] aus Münden, dessen Witwe es 1898 an den [[Peter Simmering|Gastwirt Simmering]] aus [[Süderneuland]] verkaufte, der nach eigenem Bekunden bereits viele Jahre erfolgreich als Hoteliefer auf Norderney tätig gewesen war.<ref name=":0" /> Simmering veräußerte das Weinhaus jedoch noch im selben Jahr an die Gebrüder Schmidt aus Dornum.<ref name=":4">Canzler, Gerhard (1994): Norden. Museen im Alten Rathaus, Norden, S. 72</ref> Die [[Doornkaat|Brennerei Doornkaat]] unterstützte die neuen Inhaber durch Gewährung von Bürgschaften.<ref>WirtA NW WAN F 20 Nr. 45</ref> So konnten diese das Gebäude 1899 mit einer neuen Fassade versehen.<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmale_in_Norden Liste der Baudenkmale in Norden], abgerufen am 11. November 2021</ref>
Am 1. Mai 1833 erwarb [[Johann Carstens]] aus Emden das Weinhaus. Da Carstens zur 1848 gegründeten [[Bürgerwehr]] gehörte, nutzte diese den Saal im Weinhaus für ihre Zusammenkünfte. Ab 1854 oder 1857 gehörte das Gebäude dem [[Eduard Dippel|Gastwirt Dippel]] aus Münden, dessen Witwe es 1898 an den [[Peter Simmering|Gastwirt Simmering]] aus [[Süderneuland]] verkaufte, der nach eigenem Bekunden bereits viele Jahre erfolgreich als Hotelier auf Norderney tätig gewesen war.<ref name=":0" /> Simmering veräußerte das Weinhaus jedoch noch im selben Jahr an die Gebrüder Schmidt aus Dornum.<ref name=":4">Canzler, Gerhard (1994): Norden. Museen im Alten Rathaus, Norden, S. 72</ref> Die [[Doornkaat|Brennerei Doornkaat]] unterstützte die neuen Inhaber durch Gewährung von Bürgschaften.<ref>WirtA NW WAN F 20 Nr. 45</ref> So konnten diese das Gebäude 1899 mit einer neuen Fassade versehen.<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmale_in_Norden Liste der Baudenkmale in Norden], abgerufen am 11. November 2021</ref>
 
1903 wurden die von Norderney stammenden Wirtsleute [[Georg Schuchardt|Schuchardt]] und [[Robert Hahn|Hahn]] neue Eigentümer des Hotels.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 13</ref> Zehn Jahre später, im Jahre 1913, verkauften sie es an den Hotelier König, der es nach einigen Jahren seinem [[Peter König|Sohn Peter]] vermachte.<ref name=":5" /> 1919 wurde ein neuer Hotelbetrieb im Weinhaus beantragt und am 8. September des Jahres genehmigt, allerdings bereits kurze Zeit später wegen Unrentabilität wieder aufgegeben.<ref name=":0" /> Kurz zuvor - am 13. Oktober des Jahres - wurde hier noch der [[Heimatverein Norderland]] gegründet.<ref>Canzler, Gerhard (1994): Norden. Museen im Alten Rathaus, Norden, S. 7</ref> Der Hotelbetrieb war unrentabel geworden, denn die 1883 erbaute [[Bahnstrecke Rheine-Norddeich Mole]] wurde 1892 bis zur [[Mole Norddeich]] erweitert, sodass die zahlreichen Inselgäste nicht mehr einen Zwischenhalt in Norden machen mussten.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 125</ref>
 
Ab dem 1. Januar 1921 zog das [[Finanzamt Norden|Finanzamt]] hier ein, der [[Landkreis Norden]] hatte das Gebäude kurz zuvor erworben und die Aufgaben des Finanzamtes von dem am [[Fräuleinshof]] ansässigen [[Landratsamt]] abgetrennt.<ref name=":3" /><ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 12</ref> Die große Norder Steuerbehörde entstand, wie auch in vielen anderen deutschen Städten - darunter Wittmund und Jever - in einem Hotel und um die von den Siegermächten auferlegten Reparationszahlungen eintreiben zu können.<ref name=":6">Ostfriesischer Kurier vom 15. Februar 1964</ref> Die Familie König zog in das benachbarte Gebäude, das im Volksmund auch ''[[Pumphaus]]'' genannt wurde.<ref name=":5" /> Das heutige ''Hotel Weinhaus'' an der [[Golfstraße]] in [[Norddeich]] wurde in den 1970er Jahren von dem [[Alfred Pöttke|Gastwirt Pöttke]] eröffnet.<ref name=":7">Wirteverein für Stadt und Landkreis Norden (1973): Chronik. 70 Jahre Wirteverein für Stadt und Landkreis Norden, Norden, S. 75f.</ref> Pöttke war der Neffe der letzten Weinhaus-Besitzerin [[Minna Wendelina König]] und ein Enkel des Gastwirts [[Gustav König]].


1903 wurden die von Norderney stammenden Wirtsleute [[Georg Schuchardt|Schuchardt]] und [[Robert Hahn|Hahn]] neue Eigentümer des Hotels.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 13</ref> Zehn Jahre später, im Jahre 1913, verkauften sie es an den Hotelier König, der es nach einigen Jahren seinem [[Peter König|Sohn Peter]] vermachte.<ref name=":5" /> 1919 wurde ein neuer Hotelbetrieb im Weinhaus beantragt und am 8. September des Jahres genehmigt, allerdings bereits kurze Zeit später wegen Unrentabilität wieder aufgegeben.<ref name=":0" /> Kurz zuvor - am 13. Oktober des Jahres - wurde hier noch der [[Heimatverein Norderland]] gegründet.<ref>Canzler, Gerhard (1994): Norden. Museen im Alten Rathaus, Norden, S. 7</ref> Der Hotelbetrieb war unrentabel geworden, denn die 1883 erbaute [[Bahnstrecke Rheine-Norddeich Mole]] wurde 1892 bis zur [[Mole Norddeich]] erweitert, sodass die zahlreichen Inselgäste nicht mehr einen Zwischenhalt in Norden machen mussten.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 125</ref> Ab dem 1. Januar 1921 zog das [[Finanzamt Norden|Finanzamt]] hier ein, der [[Landkreis Norden]] hatte das Gebäude kurz zuvor erworben und die Aufgaben des Finanzamtes von dem am [[Fräuleinshof]] ansässigen [[Landratsamt]] abgetrennt.<ref name=":3" /><ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 12</ref> Die Familie König zog in das benachbarte Gebäude, das im Volksmund auch ''[[Pumphaus]]'' genannt wurde.<ref name=":5" /> Das heutige ''Hotel Weinhaus'' an der [[Golfstraße]] in [[Norddeich]] wurde in den 1970er Jahren von dem Gastwirt Pötker eröffnet, der zuvor das im Pumphaus gelegene Hotel von der Familie König übernommen hatte.<ref>Wirteverein für Stadt und Landkreis Norden (1973): Chronik. 70 Jahre Wirteverein für Stadt und Landkreis Norden, Norden, S. 75f.</ref>
1951 übernahm die Landesfinanzverwaltung das Gebäude, hintere Räumlichkeiten wurden von der [[Ludgerigemeinde Norden|Kirchengemeinde]] genutzt. Bei Erkundungen im Jahre 2018 wurde noch ein - offenbar übersehener - Stapel von Standardformularen des Finanzamtes in einem der Kellerräume gefunden.<ref name=":1" /> Von Anfang an wurden die baulichen Gegebenheiten in dem Gebäude für die Bediensteten des Finanzamtes sowie für Besucher als Zumutung empfunden. Insbesondere die ''halbdunklen Diensträume'' wurden beklagt. Aus Platzmangel war die Behörde bereits seit August 1963 gezwungen, ein weiteres Gebäude an der Westseite des Marktplatzes zu beziehen.<ref name=":6" /> Auch der Sparzwang der letzten Jahrzehnte durch die Wirtschaftskrise und den [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] standen Sanierungsmaßnahmen entgegen, sodass das Gebäude seit den 1920er Jahren praktisch nicht mehr saniert wurde.<ref name=":7" />


1951 übernahm die Landesfinanzverwaltung das Gebäude, hintere Räumlichkeiten wurden von der [[Ludgerigemeinde Norden|Kirchengemeinde]] genutzt. Bei Erkundungen im Jahre 2018 wurde noch ein - offenbar übersehener - Stapel von Standardformularen des Finanzamtes in einem der Kellerräume gefunden.<ref name=":1" /> Nach dem Finanzamt, das 1981 in den [[Mühlenweg]] zog, richtete das Land Niedersachsen hier eine Dienststelle (''Kriminalkommissariat Norden'') der Kriminalpolizei ein.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 91</ref> Bis heute ist die [[Polizei Norden]] der Hauptnutzer des Gebäudes, die anderen Räumlichkeiten werden von der [[Ludgerigemeinde Norden|Ludgerigemeinde]] genutzt.<ref name=":4" /> Zur Erinnerung an die frühere Nutzung des Gebäudes wurde 1984 eine Tafel an der südlichen Außenmauer angebracht.<ref>Canzler, Gerhard (1994): Norden. Museen im Alten Rathaus, Norden, S. 53</ref>
Nachdem das Finanzamt schließlich 1981 in einen Neubau am [[Mühlenweg]] zog, richtete das Land Niedersachsen hier eine Dienststelle (''Kriminalkommissariat Norden'') der Kriminalpolizei ein.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 91</ref> Ein Abriss zugunsten des Schaffens von Parkplätzen im Zuge des Ausbaus der [[Bundesstraße]] wurde trotz des Ansinnens einiger Norder Bürger nicht stattgegeben.<ref name=":6" /> Bis heute ist die [[Polizei Norden]] der Hauptnutzer des Gebäudes, die anderen Räumlichkeiten werden von der [[Ludgerigemeinde Norden|Ludgerigemeinde]] genutzt.<ref name=":4" /> Zur Erinnerung an die frühere Nutzung des Gebäudes wurde 1984 eine Tafel an der südlichen Außenmauer angebracht.<ref>Canzler, Gerhard (1994): Norden. Museen im Alten Rathaus, Norden, S. 53</ref>


==Galerie==
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