Keine Bearbeitungszusammenfassung
 
(2 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt)
Zeile 21: Zeile 21:
==Geschichte==
==Geschichte==
[[Datei:Am Markt Hotel Zur Post Trunkenbolde Liste Polizei 1893.jpg|links|mini|223x223px|Eine von der [[Polizei Norden|Polizei]] ausgehängte Übersichtsliste mit ''Trunkenbolden'', denen die Wirte den Zutritt und Konsum verwehren mussten.]]
[[Datei:Am Markt Hotel Zur Post Trunkenbolde Liste Polizei 1893.jpg|links|mini|223x223px|Eine von der [[Polizei Norden|Polizei]] ausgehängte Übersichtsliste mit ''Trunkenbolden'', denen die Wirte den Zutritt und Konsum verwehren mussten.]]
Das heutige Gebäude bzw. Grundstück [[Am Markt]] 3 ursprünglich aus drei Grundstücken mit den [[Hausnummerierung|früheren Hausnummern]] 3, 4 und 5. Um 1900 wurden alle Grundstücke unter der Hausnummer 3 vereinigt.
Das heutige Gebäude bzw. Grundstück [[Am Markt]] 3 (ähnlich wie bei [[Am Markt 2]]) umfasste ursprünglich zwei Grundstücke mit den [[Hausnummerierung|früheren Hausnummern]] 4 und 5. Um 1900 wurden beide Grundstücke unter der Hausnummer 3 vereinigt.


Das im Kern aus dem Jahre 1739 stammende Hotel diente zunächst als Wohnhaus.<ref name=":0">Verkaufsinserat auf Immobilienscout24.de, abgerufen am 13. April 2021</ref> Ein Herbergsbetrieb ist seit dem 19. Jahrhundert, beginnend mit der Familie Sassens (ab 1837) nachweisbar. Damals nicht unüblich, entstand die Herberge bzw. der ''Gasthof Sassen'' aus einer Schankwirtschaft mit eigener Brauerei.<ref name=":2">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 190</ref><ref>Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 28</ref>
Das im Kern aus dem Jahre 1739 stammende Hotel diente zunächst als Wohnhaus.<ref name=":0">Verkaufsinserat auf Immobilienscout24.de, abgerufen am 13. April 2021</ref> Ein Herbergsbetrieb ist seit dem 19. Jahrhundert, beginnend mit der Familie Sassen (ab 1837) nachweisbar. Damals nicht unüblich, entstand die Herberge bzw. der ''Gasthof Sassen'' aus einer Schankwirtschaft mit eigener Brauerei.<ref name=":2">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 190</ref><ref>Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 28</ref>


Die heutige Fassade wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet. Der von Norderney stammende Gastwirt [[Wilhelm Tanke]], seit ca. 1898<ref>Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 26</ref> neuer Inhaber des Hotels, stellte dazu 1904 den Bauantrag. Unter Einbeziehung des von 1739 stammenden Bestandsbaus erweiterte er das Gebäude auf zwei Stockwerke, wodurch er sieben Fremdenzimmer sowie eine neue Küche mit Nebenräumen gewann.<ref name=":2" /> Hinter der Fassade verbirgt sich auch heute noch die historische Fassade aus der Anfangszeit des Gebäudes.<ref name=":1" /> Tanke nannte seine Gastwirtschaft nun ''Hotel (zum) Kyffhäuser.''<ref name=":2" /> Der ''Kyffhäuser'' ist ein kleines Mittelgebirge südlich des Harzes. Noch heute tragen viele Hotels in Deutschland einen solchen oder ähnlichen Namen. Sie entstanden im Zuge der deutschen Nationalstaatsbewegung und nehmen Bezug auf das von 1890-1896 zu Ehren von Kaiser Wilhelm I. errichtete Kyffhäuserdenkmal.
Die heutige Fassade wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet. Der von Norderney stammende Gastwirt [[Wilhelm Tanke]], seit ca. 1898<ref>Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 26</ref> neuer Inhaber des Hotels, stellte dazu 1904 den Bauantrag. Unter Einbeziehung des von 1739 stammenden Bestandsbaus erweiterte er das Gebäude auf zwei Stockwerke, wodurch er sieben Fremdenzimmer sowie eine neue Küche mit Nebenräumen gewann.<ref name=":2" /> Hinter der Fassade verbirgt sich auch heute noch die historische Fassade aus der Anfangszeit des Gebäudes.<ref name=":1" /> Tanke nannte seine Gastwirtschaft nun ''Hotel (zum) Kyffhäuser.''<ref name=":2" /> Der ''Kyffhäuser'' ist ein kleines Mittelgebirge südlich des Harzes. Noch heute tragen viele Hotels in Deutschland einen solchen oder ähnlichen Namen. Sie entstanden im Zuge der deutschen Nationalstaatsbewegung und nehmen Bezug auf das von 1890-1896 zu Ehren von Kaiser Wilhelm I. errichtete Kyffhäuserdenkmal.
Zeile 36: Zeile 36:


Letztmalig wurde das Hotel im Jahre 2018 renoviert. Ab 2020 stand es zum Verkauf, der Kaufpreis wurde vom Inhaber Bernd Fuhrmann und dessen Ehefrau aus Lütetsburg anfänglich auf etwa eine Million Euro festgesetzt, das Gebäude letztlich für etwa 800.000 Euro verkauft.<ref name=":0" /> Bis 2022 wurde es aufwendig renoviert sowie saniert und nachfolgend unter neuem Namen (''AGLi Hotel'') als ''Low-Service-Hotel'' wiedereröffnet.
Letztmalig wurde das Hotel im Jahre 2018 renoviert. Ab 2020 stand es zum Verkauf, der Kaufpreis wurde vom Inhaber Bernd Fuhrmann und dessen Ehefrau aus Lütetsburg anfänglich auf etwa eine Million Euro festgesetzt, das Gebäude letztlich für etwa 800.000 Euro verkauft.<ref name=":0" /> Bis 2022 wurde es aufwendig renoviert sowie saniert und nachfolgend unter neuem Namen (''AGLi Hotel'') als ''Low-Service-Hotel'' wiedereröffnet.
===ehem. Nr. 4===
Als erster Besitzer - ohne Angabe eines Datums - wurde [[Peter Willms Brauer]], der auch schon im Zusammenhang mit [[Am Markt 1]] und [[Am Markt 2]] genannt wird - erwähnt. Brauer hatte das Haus Nr. 4 geerbt. Nach seinem Tode wurde sein ältester Sohn, [[Willm Peter Brauer]], Erbe des Hauses. Dafür zahlte er seinen Geschwistern am 19. Oktober 1772 insgesamt 3.500 Gulden. Aus den Unterlagen jener Zeit über die Hausbeschreibung wird ersichtlich, dass die Gebäude 4 und 5 schon damals eine Verbindung zueinander hatten.<ref name=":3">Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 27</ref>
Bereits im 18. Jahrhundert befand sich in dem Haus eine Brauerei. Aus dieser wiederum entstand eine Schankwirtschaft.<ref name=":3" /> Dies war üblich, gab es damals doch eine außerordentlich hohe Anzahl an Brauereien (allein 4 rund um den [[Marktplatz]]), doch produzierten die Norder Brauereien überwiegend für den Eigenbedarf und nicht den Handel bzw. externen Verkauf. Bedeutende Ausnahmen stellten die [[Brauerei Doornkaat]] und die [[Brauerei Beck]] dar.
1837 wurde [[Hillert Sassen]] Besitzer des Hauses und übte das gesetzliche Eigentumsrecht für seine Ehefrau [[Siebentje Catharina Richter|Siebentje Catharina Sassen, geb. Richter]] aus. Der Gasthof Sassen machte sich rasch einen guten Namen. Die Familie war noch bis Ende des 19. Jahrhunderts (seit 1887 mit [[Gretje Sassen]]) Eigentümerin des Hauses, ehe sie das Gebäude gegen Ende des 19. Jahrhunderts an [[Wilhelm Tanke]] verkauften.<ref name=":4">Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 29</ref>
===ehem. Nr. 5===
In dem Haus Nr. 5, welches in den alten Unterlagen auch als ''Mittleres Haus'' bezeichnet wurde<ref name=":3" />, wohnte vor 1627 [[Dietrichen Ludolffs]]. Erst reichlich 100 Jahre später, 1722, findet sich der Name des nächsten bekannten Eigentümers: [[Jacob Jansen Risdecks]]. In einer Erbauseinandersetzung erhielt [[Anthony Willems Brauer]] Haus und Grund für 900 Gulden. Gemäß seines Testament wurden seine Schwägerin [[Trientje Brauer]] und deren fünf Kinder am 23. April 1772 neue Eigentümer. Aus dem Erblass erhielt ebenfalls die [[Mennonitengemeinde Norden|Norder Mennonitengemeinde]] einen Betrag von 200 Gulden zu Händen des Predigers.<ref name=":4" />
Am 19. Oktober 1772 werden [[Johan Diedrich Böse]] und [[Antje Peters Brauer]] Erben des Hauses. Die vorgenannte Trientje Brauer vermachte diesen ihren Teil, sodass sie Alleineigentümer wurden. Nach dem Tode des Ehepaars geht das Eigentümer auf die gemeinsamen Kinder [[Catharina Böse]] und [[Catharina Elisabeth Böse]] über. In der Erbteilung vom 16. August 1800 erhielt [[Sophia Catharina Böse]] den Besitz dann als alleiniges Eigentum.<ref name=":4" />
1837 wurde, wie auch in dem anderen Haus, das Ehepaar Sassen neue Hauseigentümerin.<ref name=":4" />


==Beschreibung==
==Beschreibung==
Zeile 45: Zeile 59:


==Trivia==
==Trivia==
Das Hotel war über die Jahre hinweg ein beliebtes Versammlungsziel für örtliche Vereine. So kehrten hier regelmäßig die Funker von [[Norddeich Radio]] ein. Die einliegende Kneipe ist zudem Gründungsort des [[PSV Norden]].<ref>[http://www.psv-norden.de/ Internetseite des Postsportvereins Norden], abgerufen am 18. März 2021</ref>
Das Hotel war über die Jahre hinweg ein beliebtes Versammlungsziel für örtliche Vereine. So kehrten hier regelmäßig die Funker von [[Norddeich Radio]] ein. Die einliegende (Raucher-)Kneipe war zudem Gründungslokal des [[PSV Norden]].<ref>[http://www.psv-norden.de/ Internetseite des Postsportvereins Norden], abgerufen am 18. März 2021</ref>


==Galerie==
==Galerie ==
<gallery>
<gallery>
Datei:Am Markt Postamt Hotel Zur Post 1915 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1915.
Datei:Am Markt Postamt Hotel Zur Post 1915 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1915.
Zeile 58: Zeile 72:
</gallery>
</gallery>


==Einzelnachweise==
== Einzelnachweise==
<references/>
<references />


==Siehe auch==
==Siehe auch==