Marktplatz: Unterschied zwischen den Versionen
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
|||
| (5 dazwischenliegende Versionen von 3 Benutzern werden nicht angezeigt) | |||
| Zeile 39: | Zeile 39: | ||
Die Giebel und Fassaden der sich weitestgehend aneinanderreihenden Gebäude zeugen von der wohlhabenden Vergangenheit der Stadt. Zu erkennen ist ein faszinierendes Spektrum von der Renaissance bis zur Neugotik.<ref name=":8">Pühl, Eberhard (2007): Flurnamenforschung. Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland, Oldenburg, S. 162f.</ref> Vom Marktplatz war der nördliche und östliche Teil vom Friedhof noch bis in die Neuzeit Eigentum der anliegenden Hausbesitzer, sodass nur die südliche Hälfte für die eigentliche Marktzwecke zur Verfügung stand. Die nördliche Hälfte des Marktplatzes gehörte zum Haus [[Am Markt 59]], während die östliche Hälfte zum [[Gräfliches Haus|Gräflichen Haus]] gehörte.<ref name=":9">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 10</ref> Ein Großteil der Häuser bzw. Grundstücke gehörte damals und teilweise noch heute der [[Ludgerigemeinde Norden|Kirchen]], so etwa das [[Altes Rathaus|Alte Rathaus]] und das [[Weinhaus]].<ref name=":10">Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 277</ref> | Die Giebel und Fassaden der sich weitestgehend aneinanderreihenden Gebäude zeugen von der wohlhabenden Vergangenheit der Stadt. Zu erkennen ist ein faszinierendes Spektrum von der Renaissance bis zur Neugotik.<ref name=":8">Pühl, Eberhard (2007): Flurnamenforschung. Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland, Oldenburg, S. 162f.</ref> Vom Marktplatz war der nördliche und östliche Teil vom Friedhof noch bis in die Neuzeit Eigentum der anliegenden Hausbesitzer, sodass nur die südliche Hälfte für die eigentliche Marktzwecke zur Verfügung stand. Die nördliche Hälfte des Marktplatzes gehörte zum Haus [[Am Markt 59]], während die östliche Hälfte zum [[Gräfliches Haus|Gräflichen Haus]] gehörte.<ref name=":9">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 10</ref> Ein Großteil der Häuser bzw. Grundstücke gehörte damals und teilweise noch heute der [[Ludgerigemeinde Norden|Kirchen]], so etwa das [[Altes Rathaus|Alte Rathaus]] und das [[Weinhaus]].<ref name=":10">Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 277</ref> | ||
[[Datei:Am Markt Marktplatz Süd Drei Schwestern Haus Monsieur Rathaus um 1900.jpg|mini|Der südliche Marktplatz mit [[Haus Monsieur]], [[Drei Schwestern]] und dem Rathaus in der Zeit um die Jahrhundertwende.]] | [[Datei:Am Markt Marktplatz Süd Drei Schwestern Haus Monsieur Rathaus um 1900.jpg|mini|Der südliche Marktplatz mit [[Haus Monsieur]], [[Drei Schwestern]] und dem Rathaus in der Zeit um die Jahrhundertwende.]] | ||
1785 wurde auf Veranlassung des [[ | 1785 wurde auf Veranlassung des [[Magistrat|Magistrats]] eine umfangreiche Umgestaltung vorgenommen. Der größte Teil des Marktplatzes wurde nun planmäßig mit Bäumen bepflanzt und die schönen Promenaden (Alleen) angelegt. Im Zuge dessen wurde auch der abgängige [[Pranger]] (''Kaak'') abgebrochen im Jahre 1786 und auf dem sogenannten [[Eilandje]] neu errichtet.<ref name=":0">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 81</ref><ref>Canzler, Gerhard (1992): Pranger in Norden, in: Heim und Herd, Beilage Ostfriesischer Kurier 25. Juli 1992, S. 23f.</ref> Für die Anlage der Promenaden traten die bisherigen Eigentümer ihre Rechte an die Stadt ab, so im Falle Markt-Ost die Besitzer des Hauses [[Am Markt 6]], im Falle Markt-Nord [[Am Markt 59]].<ref>Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 33</ref> Nach einigen Jahren der Stagnierung wurden die Baumpflanzungen im Jahre 1819 mithilfe von Spenden wohlhabender Bürger fortgeführt und erweitert.<ref name=":0" /> | ||
Im 19. Jahrhundert bis 1921 war der Marktplatz regelmäßig Endpunkt von feierlichen Umzügen, in der Regel zu Ehren heimkehrender Soldaten oder zur Erinnerung an siegreiche Schlachten wie die Schlacht bei Sedan gegen Frankreich am 1. und 2. September 1870, deren Ausgang maßgeblich zum Sieg der Deutschen gegen die Franzosen beitrug. An den wichtigsten Hauptstraßen wurden prachtvolle Triumphbögen errichtet und die Straßenzüge mit Fahnen und Flaggen geschmückt. Auf dem Marktplatz fand dann abschließend ein großes Volksfest statt.<ref>Ostfriesischer Kurier vom 24. April 2021, S. 13-16</ref> | Im 19. Jahrhundert bis 1921 war der Marktplatz regelmäßig Endpunkt von feierlichen Umzügen, in der Regel zu Ehren heimkehrender Soldaten oder zur Erinnerung an siegreiche Schlachten wie die Schlacht bei Sedan gegen Frankreich am 1. und 2. September 1870, deren Ausgang maßgeblich zum Sieg der Deutschen gegen die Franzosen beitrug. An den wichtigsten Hauptstraßen wurden prachtvolle Triumphbögen errichtet und die Straßenzüge mit Fahnen und Flaggen geschmückt. Auf dem Marktplatz fand dann abschließend ein großes Volksfest statt.<ref>Ostfriesischer Kurier vom 24. April 2021, S. 13-16</ref> | ||
| Zeile 84: | Zeile 84: | ||
===Eckelwarf=== | ===Eckelwarf=== | ||
Diese wenig bekannte Bezeichnung trägt die Nordostecke des Marktes. Wie auch im Falle von [[Ekel]] leitet sich der Name von einem ehemaligen Eichenbaumbestand ab. Es handelt sich jedoch um keine [[Warft|Warf]], vielmehr ist hier von einer Alternativbezeichnung für einen Platz auszugehen. Der alte Baumbestand verschwand bis etwa 1970, um Platz für Parkmöglichkeiten zu schaffen. | Diese wenig bekannte Bezeichnung trägt die Nordostecke des Marktes. Wie auch im Falle von [[Ekel]] leitet sich der Name von einem ehemaligen Eichenbaumbestand ab.<ref name=":12">Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 155</ref> Es handelt sich jedoch um keine [[Warft|Warf]], vielmehr ist hier von einer Alternativbezeichnung für einen Platz auszugehen. Der alte Baumbestand verschwand bis etwa 1970, um Platz für Parkmöglichkeiten zu schaffen. | ||
Möglicherweise, aber dabei handelt es sich nur um Vermutungen, könnte der Bereich hier ein heiliger Eichenhain unserer heidnischen Vorfahren gewesen sein. | Möglicherweise, aber dabei handelt es sich nur um Vermutungen, könnte der Bereich hier ein heiliger Eichenhain unserer heidnischen Vorfahren gewesen sein. | ||
| Zeile 104: | Zeile 104: | ||
Eine öffentliche [[Wasserversorgung]] im heutigen Sinne gab es erst seit 1939, doch schon ab 1895 wurden die bis dahin von den Anliegern und Interessentengemeinschaften betriebenen Brunnen am Marktplatz von der Stadt übernommen.<ref>Stadtwerke Norden (2021): Zeitreise in Text und Bild. 125 Jahre Stadtwerke Norden, Norden, S. 5</ref> | Eine öffentliche [[Wasserversorgung]] im heutigen Sinne gab es erst seit 1939, doch schon ab 1895 wurden die bis dahin von den Anliegern und Interessentengemeinschaften betriebenen Brunnen am Marktplatz von der Stadt übernommen.<ref>Stadtwerke Norden (2021): Zeitreise in Text und Bild. 125 Jahre Stadtwerke Norden, Norden, S. 5</ref> | ||
Die am Marktplatz befindlichen Brunnen wurden aufgrund einer Bürgerinitiative wieder nach ihren historischen Vorbildern rund um den Marktplatz aufgebaut und im April 2008 eingeweiht.<ref>Informationsschild auf dem Brunnen am Arp-Schnitger-Platz, eingesehen am 15. September 2024</ref> | |||
==Märkte und Veranstaltungen== | ==Märkte und Veranstaltungen== | ||
| Zeile 125: | Zeile 127: | ||
Datei:Am Markt Marktplatz Fahrgeschäft Ferdinand Müller um 1920 01.jpg|Jahrmarkt in der Zeit um 1920. | Datei:Am Markt Marktplatz Fahrgeschäft Ferdinand Müller um 1920 01.jpg|Jahrmarkt in der Zeit um 1920. | ||
Datei:Am Markt Marktplatz Osterstraße Ludgerikirche 1935 01.jpg|Blick von der [[Osterstraße]] zum Marktplatz (1935). | Datei:Am Markt Marktplatz Osterstraße Ludgerikirche 1935 01.jpg|Blick von der [[Osterstraße]] zum Marktplatz (1935). | ||
Datei:Norden Marktplatz Luftaufnahme um 1950 01.jpg|Luftaufnahme um 1950. | |||
Datei:Am Markt Marktplatz Winter 1950 01.jpg|Winterliches Bild aus der Zeit um 1950. | Datei:Am Markt Marktplatz Winter 1950 01.jpg|Winterliches Bild aus der Zeit um 1950. | ||
Datei:Am Markt Marktplatz Busbahnhof um 1950 01.jpg|Der Busbahnhof am Marktplatz (um 1950). | Datei:Am Markt Marktplatz Busbahnhof um 1950 01.jpg|Der Busbahnhof am Marktplatz (um 1950). | ||