Silbermühle: Unterschied zwischen den Versionen
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1909 wurde im benachbarten Bauernhaus eine Backstube eingerichtet. Die Familie betrieb neben dem Müllerbetrieb auch Landwirtschaft, ihre Felder erstreckten sich über den [[Escher]] bis hin zur heutigen [[Ostermarscher Straße]].<ref name=":1" /> | 1909 wurde im benachbarten Bauernhaus eine Backstube eingerichtet. Die Familie betrieb neben dem Müllerbetrieb auch Landwirtschaft, ihre Felder erstreckten sich über den [[Escher]] bis hin zur heutigen [[Ostermarscher Straße]].<ref name=":1" /> | ||
Da Scheepker einige Zeit später am sogenannten ''Bäckerasthma'' (durch Mehlstaub hervorgerufene Staubkrankheit) erkrankte, übergab er die Mühle 1920 an seinen Sohn [[Ubbo Scheepker|Ubbo J. Scheepker]], der sie 1930 um eine Kohlen- bzw. Brennstoffhandlung erweiterte und sich mit seinem Namen im Mauerwerk verewigte (''U. J. Scheepker - 1894''). Während des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] wurde auf dem östlichen Gelände ein [[Bunker (Mühlenpark)|Schutzbunker]] errichtet, der erst in den 1970er Jahren wegen des Ausbaus des [[Fischerspfad|Fischerspfades]] abgerissen wurde.<ref name=":1" /> | Da Scheepker einige Zeit später am sogenannten ''Bäckerasthma'' (durch Mehlstaub hervorgerufene Staubkrankheit) erkrankte, übergab er die Mühle 1920 an seinen Sohn [[Ubbo Scheepker|Ubbo J. Scheepker]], der sie 1930 um eine Kohlen- bzw. Brennstoffhandlung erweiterte und sich mit seinem Namen im Mauerwerk verewigte (''U. J. Scheepker - 1894''). Die Jahresangabe bezieht sich dabei ausschließlich auf das Baujahr, da U. J. Scheepker zu dieser Zeit noch gar nicht geboren war. | ||
Während des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] wurde auf dem östlichen Gelände ein [[Bunker (Mühlenpark)|Schutzbunker]] errichtet, der erst in den 1970er Jahren wegen des Ausbaus des [[Fischerspfad|Fischerspfades]] abgerissen wurde.<ref name=":1" /> | |||
Nach dem Krieg wurden bis in die 1960er Jahre Schuppen für Kohle und Automobile gebaut. Der eigentliche Mühlenbetrieb wurde seit den 1950er Jahren von dem angestellten Müllermeister [[Wilhelm Schüler]] weitergeführt. Seit 1956 bot man schließlich auch einen Parkservice für Inseltouristen an. Hierbei wurden die Fahrzeuge in [[Norddeich]] angenommen und auf dem Betriebsgelände untergestellt. Im September 1956 kam [[Hinrich Rühaak]] als ausgebildeter Kaufmann in den Betrieb und übernahm 1961 dessen Geschäftsführung. 1967 wurde ein Antrag für eine freie Tankstelle an der Norddeicher Straße bei der Stadt gestellt, jedoch abgelehnt. Ebenfalls 1967 wurde die Windrose, die die Mühlenkappe in den Wind dreht, durch eine fehlende Sicherung vom Winde abgerissen.<ref name=":1" /> | Nach dem Krieg wurden bis in die 1960er Jahre Schuppen für Kohle und Automobile gebaut. Der eigentliche Mühlenbetrieb wurde seit den 1950er Jahren von dem angestellten Müllermeister [[Wilhelm Schüler]] weitergeführt. Seit 1956 bot man schließlich auch einen Parkservice für Inseltouristen an. Hierbei wurden die Fahrzeuge in [[Norddeich]] angenommen und auf dem Betriebsgelände untergestellt. Im September 1956 kam [[Hinrich Rühaak]] als ausgebildeter Kaufmann in den Betrieb und übernahm 1961 dessen Geschäftsführung. 1967 wurde ein Antrag für eine freie Tankstelle an der Norddeicher Straße bei der Stadt gestellt, jedoch abgelehnt. Ebenfalls 1967 wurde die Windrose, die die Mühlenkappe in den Wind dreht, durch eine fehlende Sicherung vom Winde abgerissen.<ref name=":1" /> | ||
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Im Dezember 1987 stellte die Familie Rühaak den Geschäftsbetrieb aus gesundheitlichen Gründen ein. Zudem war der Pachtvertrag mit den Scheepker'schen Erben zwischenzeitlich abgelaufen. Nachfolgend versuchte ein Herr E. Gassan, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Zum 1. Dezember 1993 wurde die Mühle mit dem gesamten Grundstück an die Firma ''Stahl- und Metallbau Eilers'' in Emden verkauft. Bereits im Folgejahr wurden die alten Gebäude, so etwa das ehemalige Müllerhaus, abgerissen und der ''[[Mühlenpark]]'' errichtet.<ref name=":1" /> | Im Dezember 1987 stellte die Familie Rühaak den Geschäftsbetrieb aus gesundheitlichen Gründen ein. Zudem war der Pachtvertrag mit den Scheepker'schen Erben zwischenzeitlich abgelaufen. Nachfolgend versuchte ein Herr E. Gassan, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Zum 1. Dezember 1993 wurde die Mühle mit dem gesamten Grundstück an die Firma ''Stahl- und Metallbau Eilers'' in Emden verkauft. Bereits im Folgejahr wurden die alten Gebäude, so etwa das ehemalige Müllerhaus, abgerissen und der ''[[Mühlenpark]]'' errichtet.<ref name=":1" /> | ||
Um 1999 wurde das gesamte Gelände an eine Berliner Investorenfirma verkauft.<ref name=":1" /> Wohl auch wegen dieser späteren Nutzung erfuhr die Silbermühle nie eine aufwendige Sanierung, wie die anderen Norder Mühlen und | Um 1999 wurde das gesamte Gelände an eine Berliner Investorenfirma verkauft.<ref name=":1" /> Wohl auch wegen dieser späteren Nutzung erfuhr die Silbermühle nie eine aufwendige Sanierung, wie die anderen Norder Mühlen und stand seither leer. Die Einrichtung der Gaststätte im Obergeschoss blieb originalgetreu mit ihrem alten Charme erhalten. Gebäudeteile im Erdgeschoss wurden jedoch zu Lagerzwecken vom ''Dänischen Bettenlager'' (seit September 2021: ''JYSK'') genutzt.[[Datei:Bunker Norddeicher Straße 80 Mühlenpark Planungsunterlagen 02 1944.JPG|mini|226x226px|Bebauungsplan vom Februar 1944.]]Am 25. Juli 2018 kam es zu einem Brand in der Mühle, der glücklicherweise frühzeitig durch einen beim Bettenlager arbeitenden Feuerwehrangehörigen entdeckt und gemeldet wurde. Durch rasches, beherztes Eingreifen der [[Feuerwehr Norden|Norder Feuerwehr]] konnte das Feuer gelöscht werden, ehe es größeren Schaden anrichten konnte.<ref>[https://www.feuerwehr-norden.de/2018/07/25/feuer-in-ehemaliger-musikkneipe/ Einsatzbericht der Feuerwehr Norden vom 25. Juli 2018], abgerufen am 25. August 2021</ref> | ||
Anfang April 2022 wurde bekannt, dass die Mühle | Anfang April 2022 wurde bekannt, dass die Mühle der Schaffung weiterer Parkflächen weichen soll. Die bisherigen Eigentümer hatten seit der Schließung leider keine erkennbaren Anstrengungen unternommen, das schützenswerte Bauwerk zu erhalten, sodass die Bausubstanz durch Verwitterung, Vandalismus und den Brand zusehends litt. | ||
Mitte Mai konnte durch das Engagement einiger Norder Bürger erreicht werden, dass das schützenswerte, ortsbildprägende Bauwerk vorläufig nicht abgerissen wird, da brütende Vögel gefunden wurden. Die Abbrucharbeiten | Mitte Mai konnte durch das Engagement einiger Norder Bürger erreicht werden, dass das schützenswerte, ortsbildprägende Bauwerk vorläufig nicht abgerissen wird, da brütende Vögel gefunden wurden. Die Abbrucharbeiten waren zu dem Zeitpunkt bereits in vollem Gange. Ende Januar/Anfang Februar 2023 wurden die Arbeiten jedoch fortgesetzt und so ein weiteres Stück Norder Stadtgeschichte unwiederbringlich zerstört. | ||
==Trivia== | ==Trivia== | ||
[[Datei:Silbermühle Werbung 1989.jpg|mini|Werbung von 1989.]] | [[Datei:Silbermühle Werbung 1989.jpg|mini|Werbung von 1989.]] | ||
In früheren Jahren trug die Mühle die Anschrift ''Hohenzollernstraße 32''.<ref name=":2">Lottmann, Elfriede (1998): ''Fast vergessen: Die Sandbauerschaft.'' In: ''Heim und Herd'' im Ostfriesischen Kurier (April 1998)</ref> | |||
Zeitzeugen berichten, dass minderjährige Besucher bei behördlichen bzw. polizeilichen Jugendschutzkontrollen in den obersten Mühlenbereich flüchteten, um sich einer Kontrolle zu entziehen. Dies war in der Regel auch erfolgreich, da die Kontrolleure offenbar nicht den beschwerlichen Weg auf sich nehmen wollten. | Zeitzeugen berichten, dass minderjährige Besucher bei behördlichen bzw. polizeilichen Jugendschutzkontrollen in den obersten Mühlenbereich flüchteten, um sich einer Kontrolle zu entziehen. Dies war in der Regel auch erfolgreich, da die Kontrolleure offenbar nicht den beschwerlichen Weg auf sich nehmen wollten. | ||