Gasthaus: Unterschied zwischen den Versionen
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|Entstehungszeit | |Entstehungszeit | ||
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|Bauweise | |Bauweise | ||
| | |Stein- und Holzgebäde | ||
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|Erhaltungszustand | |Erhaltungszustand | ||
|abgebrochen | |1975 abgebrochen | ||
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|Genaue Lage | |Genaue Lage | ||
|[[Am Zingel]] | |[[Am Zingel]] 11-17 | ||
26506 Norden | 26506 Norden | ||
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Das '''Gasthaus''' (auch | Das '''Gasthaus''' (auch: ''Armenhaus'', ''Armen-Gasthaus'', ''Großes Gasthaus'' und ''Norder Armenanstalt''; später: ''Wohlfahrtsheim, Kreis-Altersheim'') war ein Nachfolgebau des [[Kloster Marienthal|Klosters Marienthal]], das seit 1557 vom [[Armenverband Norden]] unterhalten wurde. Es diente der Armenfürsorge im Zuständigkeitsbereich des Armenverbandes, der die [[Stadt Norden]] und die [[Norder Umlandgemeinden]] umfasste. Aus dem ehemaligen Armenhaus wurde später ein Seniorenheim (Wohlfahrtsheim bzw. Kreis-Altersheim). | ||
In unmittelbarer Nähe zum Gasthaus befand sich seit 1850 die [[Gasthausschule]]. Ein Nachfolgebau des historischen Gasthauses diente als ''Kreis-Altersheim''. | |||
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==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
Bis in das späte Mittelalter hinein war es üblich, dass die Kirchen und Klöster die Armenhilfe gewährleisteten. Erst nach und nach ging diese Aufgabe auf den Staat über. Im Zuge der sich in Ostfriesland stark verbreiteten Reformation wurde das Kloster Marienthal | Bis in das späte Mittelalter hinein war es üblich, dass die Kirchen und Klöster die Armenhilfe gewährleisteten. Erst nach und nach ging diese Aufgabe auf den Staat über. Im Zuge der sich in Ostfriesland stark verbreiteten Reformation wurde das [[Kloster Marienthal]] 1529 säkularisiert und aufgegeben. Das Gelände wurde dem [[Armenverband Norden]] übergeben, die seit 1555 im ''Torfhaus'' des Klosters ansässig waren und dann hier das sogenannte ''Gasthaus'' einrichteten.<ref name=":0">Schreiber, Gretje (1996): Das große Gasthaus in Norden, in: Heim und Herd, Beilage zum Ostfriesischen Kurier vom 3. Februar 1996, S. 1ff.</ref> Dieser Begriff war früher ein gängiger (wenn auch euphemistischer) Name für ein Armenhaus. [[Anna von Oldenburg|Gräfin Anna]], zu diesem Zeitpunkt vormundschaftliche Regentin über Ostfriesland, stattete das Gasthaus mit einem Teil der durch [[Enno II. Cirksena|ihren Mann]] beschlagnahmten Klostereinkünfte aus, um seine Finanzierung zu sichern.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 31</ref> Ausdrücklich vorbehalten war das Armenhaus jedoch nur Angehörigen christlicher Konfessionen.<ref name=":2">Canzler, Gerhard (1994): Norden. Museen im Alten Rathaus, Norden, S. 108</ref> | ||
In einem Gesuch an Gräfin Anna fordert der Vorstand des Armenverbandes (''Armenvorsteher'') die Erlaubnis, das alte, größtenteils verfallene Brauhaus zu einem Armenhaus umzubauen. Die Gräfin gab dem Ansinnen statt. Auch die alte Klosterschule konnte als [[Gasthausschule]] für den Schulbetrieb weitergenutzt werden. Ab 1579 hielten die [[Reformierte Gemeinde Lütetsburg-Norden|reformierten Christen]] hier mit Erlaubnis von [[Johann II. Cirksena|Graf Johann II.]] kurze Zeit ihren Gottesdienst ab, bis sie Ende des Jahres von dessen Bruder [[Edzard II. Cirksena|Edzard II.]] vertrieben wurden, da dieser die calvinistische (evangelisch-reformierte) Glaubensrichtung strikt ablehnte und zudem eine tiefe Feindschaft mit Johann teilte.<ref name=":0" /> | |||
1799 beherbergte das Gasthaus insgesamt 109 Bewohner, davon 59 Kinder und 50 ältere Menschen. Hinzu kamen 35 Kinder, die hier täglich ein Mittagessen einnahmen.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 97</ref> 1811 wurden 19 Männer und 43 Frauen verpflegt, die Zahl der Waisenkinder lag wohl ungleich höher.<ref>Cremer, Ufke (1934): Die Einwohner der Stadt Norden im Jahre 1811, Norden, S. 14</ref> Irgendwann im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde dann offenbar ein neues Armenhaus, das sogenannte ''Wohlfahrtsheim'' sowie im Jahr 1850 eine neue Schule, die [[Zingelschule]], erbaut.<ref name=":0" /> | |||
Schon vor dem Bau des [[Krankenhaus Norden|städtischen Krankenhauses]], spätestens seit 1850, versorgten Ärzte und Schwestern im Gasthaus zudem Patienten. Nach Akten des [[Magistrat|Magistrats]] von 1867 bildeten vier Säle mit insgesamt 33 Betten eine frühe Form eines Krankenhauses.<ref name=":2" /> Für 1899 sind ein Arzt namens ''Dr. Harms'' sowie eine Kapazität von 58 Betten belegt. Es sollen 15 männliche und 18 weibliche Kranke zwischen 32 bis 99 Tagen gepflegt worden sein. Ein Mann und neun Frauen sollen während ihres Aufenthaltes verstorben sein.<ref name=":03">Guttstadt, Albert (1900): Krankenhaus-Lexikon für das Deutsche Reich, Berlin, S. 380</ref> Die medizinische Versorgung wird als sehr spartanisch und unzureichend für bettlägerige Patienten beschrieben.<ref>Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 160</ref> | |||
Mit der Zusammenlegung der einzelnen, nach Konfessionen getrennten Armenverbände zu einem [[Gesamt-Armenverband Norden|Gesamt-Armenverband]] ab dem 1. Juli 1871 wohnten nicht mehr nur Christen im Gasthaus. 1872 wurden die ersten ''jüdischen Armen'' hier untergebracht.<ref>Gödeken, Lina (2000): Rund um die Synagoge in Norden. Die Geschichte der Synagogengemeinde seit 1866, Aurich, S. 168</ref> | |||
In der allgemeinen Not nach dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] kam dem Gasthaus die sogenannte ''Quäkerspeisung'' zu Gute, bei der den Kindern eine tägliche Milchsuppe und ein Brötchen gegeben wurde. Zwei Mal in der Woche soll es zudem einen Kakao gegeben haben.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 140</ref> Die Geldmittel hierfür flossen zu einem Großteil aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Spätestens seit 1920 ging die Trägerschaft des Gasthauses dann vom Armenverband auf den [[Landkreis Norden]] über.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 129</ref> | |||
1966 wurde hier ein [[Wohnanlage Marienthal|Altenwohnzentrum]] der [[AWO Norden|Arbeiterwohlfahrt]] eingeweiht. Das Wohlfahrtsheim, mittlerweile ''[[Kreis-Altersheim]]'' genannt, wurde im Dezember 1975 ebenso wie die [[Zingelschule]] abgebrochen.<ref name=":0" /><ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 80</ref> An die einstige Klostergeschichte erinnert heute noch eine Statue der Heiligen Maria auf dem Gelände sowie der Name [[Wohnanlage Marienthal]]. | |||
==Finanzierung== | |||
Neben dem unmittelbarem Klostergelände gelangte das Gasthaus in den umfangreichen Besitz zahlreicher Ländereien des Klosters, die bis dahin zu dessen Unterhalt und der Armenpflege dienten. Diese Ländereien wurden bis dahin ''[[Kirchenland]]'' und fortan ''[[Armenland]]'' genannt. Unter anderem gehörten die Höfe in [[Osterloog]] und [[Westerloog]] sowie der [[Hof Armenplatz|Armenplaats]] zum Besitz des Gasthauses. Neben landwirtschaftlichen Besitztümern war das Gasthaus auch lange Zeit Eigentümer des [[Jüdischer Friedhof|jüdischen Friedhofs]]. Als weitere Einnahmequellen dienten neben Spenden und Kollekten auch Einkünfte aus der Verpachtung der [[Stadtwaage]].<ref name=":1" /> Im Jahre 1690 wurden hieraus Einnahmen in Höhe von 650 Gulden bezogen.<ref name=":3">Canzler, Gerhard (1994): Norden. Museen im Alten Rathaus, Norden, S. 107</ref> Hinzu kamen vom [[Amtsgericht Norden|Amtsgericht]] verhängte Strafen und Bußgelder der [[Polizei Norden|Polizei]]. Auch war es üblich, dass bei Grundstücks- und Immobilienkäufen stets auch ein gewisser Betrag ''zum Besten der Armen'' bzw. ''an die Armen des Gasthauses'' geleistet werden musste. | |||
Den Einnahmen gegenüber standen jährliche Aufwendungen zwischen 4.000 und 5.000 Gulden.<ref name=":3" /> | |||
==Weberei== | |||
Eine im Gasthaus ansässige Weberei beschäftigte im Jahre 1846 an 14 Webstühlen und vier großen Spinnrädern insgesamt 25 Personen.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 54</ref> | |||
==Galerie== | |||
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Datei:Das Kreis Altersheim am Zingel.jpg|Das ''Kreis-Altersheim'' auf einer zwischen 1970 und 1975 zu datierenden Aufnahme. | |||
Datei:Am Zingel AWO Altersheim altes Kloster Zingelschule Luftbild 1970 (0469141) MZ.jpg|Luftaufnahme von 1970. | |||
Datei:Am Zingel AWO Altersheim altes Kloster Zingelschule Luftbild 1970 (0469142) MZ.jpg|Luftaufnahme von 1970. | |||
Datei:Am Zingel Altersheim Kreis-Altersheim Kreisaltersheim 1974 (0270057) MZ.jpg|Aufnahme von 1974. | |||
Datei:Am Zingel Altersheim Kreis-Altersheim Kreisaltersheim 1974 (0270059) MZ.jpg|Aufnahme von 1974. | |||
Datei:Am Zingel 18 - Wohnanlage Marienthal - 11112012.jpg|Das Gelände wird seit 1975 von der [[Wohnanlage Marienthal]] eingenommen. | |||
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== | ==Einzelnachweise== | ||
<references/> | |||
==Siehe auch== | ==Siehe auch== | ||
*[[Kloster Marienthal]] | *[[Kloster Marienthal]] | ||
*[[Gasthausschule]] | |||
[[Kategorie:Gebäude im Stadtgebiet]] | [[Kategorie:Gebäude im Stadtgebiet]] | ||
[[Kategorie:Gebäude in Norden (Stadtteil)]] | [[Kategorie:Gebäude in Norden (Stadtteil)]] | ||
[[Kategorie: | [[Kategorie:Ostlintel]] | ||