Haus Vienna: Unterschied zwischen den Versionen
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|Entstehungszeit=um 1550 | |||
|Erbauer=unbekannt | |||
|Bauweise=Steinhaus | |||
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| zoom = 18 | 26506 Norden | ||
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Das '''Haus Vienna''' (früher: ''Schwingehaus'') ist ein denkmalgeschütztes Gebäude am nordwestlichen [[Marktplatz]]. Heute wird es auch im Allgemeinen als ''Bürgerhaus'' bezeichnet. Im Laufe seiner Geschichte hatte es 26 nachweisbare Besitzer. Benannt ist es nach der hier ab 1924 wohnhaften Familie Vienna, begonnen mit [[Sieben Vienna]]. | Das '''Haus Vienna''' (früher: ''Schwingehaus'') ist ein denkmalgeschütztes Gebäude am nordwestlichen [[Marktplatz]]. Heute wird es auch im Allgemeinen als ''Bürgerhaus'' bezeichnet. Im Laufe seiner Geschichte hatte es 26 nachweisbare Besitzer. Benannt ist es nach der hier ab 1924 wohnhaften Familie Vienna, begonnen mit [[Sieben Vienna]]. | ||
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Wie ausführliche Untersuchungen der Bausubstanz nahelegen, wurde das altehrwürdige Gebäude um 1550, spätestens um 1600 errichtet.<ref name=":0">Pühl, Eberhard (2007): Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland. Backsteinbauten des 15. bis 19. Jahrhunderts, Oldenburg, S. 181f.</ref><ref name=":4">Schreiber, Gretje (2020): Die Bewohner des Bürgerhauses in Norden. Haus der Bürgerstiftung Norden, Norden, S. 42</ref> Der Name des Bauherrn ist dabei jedoch ebenso wenig überliefert, wie ein konkretes Baujahr. Möglicherweise war dies die Familie von Rhaude, von der das Haus an den ersten namentlich bekannten Eigentümer, [[Albrecht Schwinge]], ging.<ref name=":4" /><ref name=":2">Bericht der Ostfriesen Zeitung vom 18. Januar 2020</ref> | Wie ausführliche Untersuchungen der Bausubstanz nahelegen, wurde das altehrwürdige Gebäude um 1550, spätestens um 1600 errichtet.<ref name=":0">Pühl, Eberhard (2007): Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland. Backsteinbauten des 15. bis 19. Jahrhunderts, Oldenburg, S. 181f.</ref><ref name=":4">Schreiber, Gretje (2020): Die Bewohner des Bürgerhauses in Norden. Haus der Bürgerstiftung Norden, Norden, S. 42</ref> Der Name des Bauherrn ist dabei jedoch ebenso wenig überliefert, wie ein konkretes Baujahr. Möglicherweise war dies die Familie von Rhaude, von der das Haus an den ersten namentlich bekannten Eigentümer, [[Albrecht Schwinge]], ging.<ref name=":4" /><ref name=":2">Bericht der Ostfriesen Zeitung vom 18. Januar 2020</ref> | ||
Albrecht Schwinge war ein Sohn des Hieronymus Schwinge aus Oldenburg und Tjade von Rhaude. Er wurde als unangenehmer Zeitgenosse beschrieben, der mehrfach eine Gefängnisstrafe verbüßte und mit der Familie zu Innhausen und Knyphausen im Streit lag. Aus Prozessakten geht hervor, dass Wilhelm zu Inn- und Knyphausen seit 1612 Besitzer des Hauses war.<ref name=":2" /> Er vermachte es dreien seiner vier Söhne, nachdem diese ihm während finanzieller Schwierigkeiten mehrfach zur Seite gestanden hatten.<ref name=":2" /><ref name=":1">[https://web.archive.org/web/20150817114335/http://www.buergerstiftung-norden.de/buergerhaus.geschichte.php Geschichte des Norder Bürgerhauses], abgerufen am 10. Mai 2021</ref><ref>Schreiber, Gretje (2020): Die Bewohner des Bürgerhauses in Norden. Haus der Bürgerstiftung Norden, Norden, S. 10f.</ref> | Albrecht Schwinge war ein Sohn des Hieronymus Schwinge aus Oldenburg und Tjade von Rhaude. Er wurde als unangenehmer Zeitgenosse beschrieben, der mehrfach eine Gefängnisstrafe verbüßte und mit der Familie zu Innhausen und Knyphausen im Streit lag. Aus Prozessakten geht hervor, dass Wilhelm zu Inn- und Knyphausen seit 1612 Besitzer des Hauses war.<ref name=":2" /> Er vermachte es dreien seiner vier Söhne, nachdem diese ihm während finanzieller Schwierigkeiten mehrfach zur Seite gestanden hatten.<ref name=":2" /><ref name=":1">[https://web.archive.org/web/20150817114335/http://www.buergerstiftung-norden.de/buergerhaus.geschichte.php Geschichte des Norder Bürgerhauses], abgerufen am 10. Mai 2021</ref><ref>Schreiber, Gretje (2020): Die Bewohner des Bürgerhauses in Norden. Haus der Bürgerstiftung Norden, Norden, S. 10f.</ref> Diese Eigentumsübertragung ließen er und seine Ehefrau Hima Manninga am 19. Oktober 1622 öffentlich verkünden.<ref name=":6">Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 131</ref> | ||
Während des [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieges]] wurde auch das - natürlich erst später so genannte - Haus Vienna von den gefürchteten Söldnern des Peter Ernst II. von Mansfeld heimgesucht und schwer beschädigt. Die Mansfelder hielten sich seinerzeit schadlos an der Bevölkerung und ihrer Habe. Flohen die Bewohner eines Hauses, wurde dieses meist in Brand gesetzt.<ref>Schreiber, Gretje (2020): Die Bewohner des Bürgerhauses in Norden. Haus der Bürgerstiftung Norden, Norden, S. 13</ref> Bedingt durch die schweren Gebäudeschäden sollte das Haus am 20. April 1627 in einer Versteigerung im [[Weinhaus]] meistbietend versteigert werden. Aus unbekannten Gründen kam es hierzu nicht mehr.<ref>Schreiber, Gretje (2020): Die Bewohner des Bürgerhauses in Norden. Haus der Bürgerstiftung Norden, Norden, S. 15</ref> Die Lütetsburger Grafen blieben sodann Eigentümer des Gebäudes.<ref name=":6" /> | |||
Ab 1722 wechselte das Haus mehrfach den Besitzer. So wohnte hier beispielsweise um 1748 der [[Amtsverwalter]] des [[Amt Norden|Amtes Norden]], [[Hajo Laurenz Damm|Dr. Hajo Laurenz Damm]]. Später stand das Haus im Eigentum von Kaufleuten und anderen Personen.<ref name=":1" /> So erwarb am 11. November 1793 ein Abkömmling der niederländisch-ostfriesischen Familie ''Thoden van Velsen'' ([[Ausmiener]] zu Norden) das Haus, denen zuvor auch das [[Gräfliches Haus|Gräfliche Haus]] gehörte, von Damms Witwe. Ab 1838 wohnte hier ein [[Carl Friedrich Arndt]]. Ihm folgt nach 1872 ein Kaufmann namens Gerdes bzw. dessen Witwe.<ref name=":3">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 38</ref> | |||
Aus Verkaufsunterlagen aus dem Jahr 1864 geht hervor, dass zum Haus eine Scheune gehörte, die im Zusammenhang mit dem Verkauf an den [[Johann Rösingh|Nachbarn Rösingh]] ([[Am Markt 56]]) erwähnt wird.<ref name=":1" /><ref name=":7">Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 132</ref> Das Haus an sich verblieb im Eigentum Arndts, bis um 1872 dann im Brandkataster ein [[Johannes Gerdes|Johannes P. Gerdes]] aufgeführt wurde. Nach dessen Tode erbte seine Witwe das Haus.<ref name=":7" /> | |||
In den Jahren 1914 bis 1919 versuchte ein Herr Rosenboom ein Lichtspieltheater (Kino) in Betrieb zu nehmen und Regierungsbausekretär Albers bemühte sich 1921 vehement, in einem umfangreichen Schriftwechsel mit der [[Stadt Norden]], um den Einbau von Zwischenwänden, um so die Zahl der Räume für seine Kinder zu vergrößern.<ref name=":1" /> Beide Vorhaben wurden schließlich genehmigt und nach der Entkernung des Erdgeschosses entstand ein Kinosaal für bis zu 150 Personen. Der Eingangsbereich befand sich auf der südlichen Seite des Gebäudes. Nach der Eröffnung am 20. Mai 1919 dauerte es jedoch nur wenige Monate, bis das Vorhaben endete, denn der Besucherzulauf war sehr gering und die Behörde stellte weitere Mängel fest. 1920 wurde das Gebäude daher an den Regierungsbausekretär [[Peter Albers]] zu [[Süderneuland II]] verkauft.<ref name=":5">Schreiber, Gretje (2020): Die Bewohner des Bürgerhauses in Norden. Haus der Bürgerstiftung Norden, Norden, S. 22</ref> | |||
Doch auch Peters war wenig Glück beschieden. Obwohl selbst städtischer Bediensteter begann er ohne Genehmigung mit der Sanierung des Gebäudes. Seiner Meinung nach sei der Zustand des Gebäudes in einem untragbaren und gesundheitsgefährdenden Zustand gewesen, was ihn zu dieser Notmaßnahmen veranlasst habe. Die Stadt führte daraufhin einen Prozess gegen Peters, welcher unterlag.<ref name=":5" /> | Doch auch Peters war wenig Glück beschieden. Obwohl selbst städtischer Bediensteter begann er ohne Genehmigung mit der Sanierung des Gebäudes. Seiner Meinung nach sei der Zustand des Gebäudes in einem untragbaren und gesundheitsgefährdenden Zustand gewesen, was ihn zu dieser Notmaßnahmen veranlasst habe. Die Stadt führte daraufhin einen Prozess gegen Peters, welcher unterlag.<ref name=":5" /> | ||
So verkaufte Peters das Haus bald wieder, wodurch es mit Kaufvertrag vom 30. April 1924 schließlich in den Besitz der namensgebenden Familie Vienna kam, als es von [[Sieben Vienna]] erworben wurde.<ref name=":3" /><ref name=":5" /> Nach dem | So verkaufte Peters das Haus bald wieder, wodurch es mit Kaufvertrag vom 30. April 1924 schließlich in den Besitz der namensgebenden Familie Vienna kam, als es von [[Sieben Vienna]] erworben wurde.<ref name=":3" /><ref name=":5" /> Nach Siebens Tod wurde [[Popke Vienna]] Hauseigentümerin und nach ihm seine Tochter.<ref name=":7" /> | ||
Nach dem Tode der Tochter kaufte der Landkreis Aurich 1994 das Haus, um es vor einem weiteren Verfall oder gar Abriss zu bewahren und stattdessen grundlegend in den darauffolgenden Jahren unter eigener Regie und mit schwieriger Finanzierung durch eigene Haushaltsmittel zu restaurieren. Das Gebäude war umlaufend mit einem Zementputz versehen worden, hatte moderne große Fenster erhalten und in seinen Innenräumen höher gelegte Böden, eingezogene Decken, zusätzliche Schornsteine und absperrende Teerpappen gegen Feuchtigkeit erhalten.<ref name=":1" /> | |||
Während des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] wurde der Keller mit Stahlbeton verstärkt bzw. verbunkert und diente als Luftschutzbunker.<ref>[http://www.luftschutzbunker-wilhelmshaven.de/umkreis/Listefrie.html Auflistung von Bunkern] auf ''Luftschutzbunker Wilhelmshaven'', abgerufen am 19. Juni 2022</ref> Von dieser einstigen Verbunkerung ist heute nichts mehr zu erkennen. | Während des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] wurde der Keller mit Stahlbeton verstärkt bzw. verbunkert und diente als Luftschutzbunker.<ref>[http://www.luftschutzbunker-wilhelmshaven.de/umkreis/Listefrie.html Auflistung von Bunkern] auf ''Luftschutzbunker Wilhelmshaven'', abgerufen am 19. Juni 2022</ref> Von dieser einstigen Verbunkerung ist heute nichts mehr zu erkennen. | ||