Feuerwehr Norden: Unterschied zwischen den Versionen
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Als Ergänzung zu den bereits bestehenden [[Spritzenhäuser]] wurden drei weitere errichtet: [[Am Hafen]], [[Am Markt]] und in der [[Kleine Mühlenstraße|Kleinen Mühlenstraße]]. Ein Jahr nach Gründung der Feuerwehr wurde auch eine Feuerwehrkapelle gegründet. Zur Unterstützung beim Aufbau einer schlagkräftigen Feuerwehr wurde Oberfeuerwehrmann Bolts (oder Bolz) von der Berliner Feuerwehr für ein Vierteljahr nach Norden beordert. Neber der Beantwortung fachlicher Fragen hatte er maßgeblichen Anteil an der Ausbildung der in einem geordneten Feuerlöschwesen noch völlig unerfahrenen Norder Kameraden. Förderlich war hingegen der persönliche Werdegang der meisten Mitglieder, die sich, wie bereits beschrieben, größtenteils aus Veteranen und Turnern zusammensetzte, die sowohl die erforderliche Fitness als auch Disziplin und Willensstärke mitbrachten. Der Fuhrpark bestand anfangs aus mehreren von Hand oder Pferden gezogenen Kutschen, die entweder als Gerätewagen, als Löschpumpe oder zum Mannschaftstransport dienten. Untergebracht waren diese Pferde beim [[Spedition Peter Janssen|Fuhrunternehmen Peter Janssen]] an der [[Sielstraße]], nahe der heutigen [[Peter-Janssen-Lohne]]. Von dort mussten sie geholt und zu den einzelnen Kutschen gebracht werden. | Als Ergänzung zu den bereits bestehenden [[Spritzenhäuser]] wurden drei weitere errichtet: [[Am Hafen]], [[Am Markt]] und in der [[Kleine Mühlenstraße|Kleinen Mühlenstraße]]. Ein Jahr nach Gründung der Feuerwehr wurde auch eine Feuerwehrkapelle gegründet. Zur Unterstützung beim Aufbau einer schlagkräftigen Feuerwehr wurde Oberfeuerwehrmann Bolts (oder Bolz) von der Berliner Feuerwehr für ein Vierteljahr nach Norden beordert. Neber der Beantwortung fachlicher Fragen hatte er maßgeblichen Anteil an der Ausbildung der in einem geordneten Feuerlöschwesen noch völlig unerfahrenen Norder Kameraden. Förderlich war hingegen der persönliche Werdegang der meisten Mitglieder, die sich, wie bereits beschrieben, größtenteils aus Veteranen und Turnern zusammensetzte, die sowohl die erforderliche Fitness als auch Disziplin und Willensstärke mitbrachten. Der Fuhrpark bestand anfangs aus mehreren von Hand oder Pferden gezogenen Kutschen, die entweder als Gerätewagen, als Löschpumpe oder zum Mannschaftstransport dienten. Untergebracht waren diese Pferde beim [[Spedition Peter Janssen|Fuhrunternehmen Peter Janssen]] an der [[Sielstraße]], nahe der heutigen [[Peter-Janssen-Lohne]]. Von dort mussten sie geholt und zu den einzelnen Kutschen gebracht werden. | ||
Ihren ersten überörtlichen Großbrand erlebte die Wehr am 28. Dezember 1893. Auf Schloss Lütetsburg stürzte ein Weihnachtsbaum mit brennenden Kerzen um und entzündete die leicht entflammbaren Leinwandtapeten. Da das [[Fernsprechnetz]] erst ab 1898 Einzug in der Region hielt, erfolgte die Alarmierung per Telegramm (Inhalt: ''Sofort Hilfe, Schloß Lütetsburg brennt'') und dauerte entsprechend sehr lange. Ein nahezu vollständiges Niederbrennen der innerhalb einer breiten Graft gelegenen Hauptburg konnte daher nicht mehr verhindert werden. | Ihren ersten überörtlichen Großbrand erlebte die Wehr am 28. Dezember 1893. Auf Schloss Lütetsburg stürzte ein Weihnachtsbaum mit brennenden Kerzen um und entzündete die leicht entflammbaren Leinwandtapeten. Da das [[Fernsprechnetz]] erst ab 1898 Einzug in der Region hielt, erfolgte die Alarmierung per Telegramm (Inhalt: ''Sofort Hilfe, Schloß Lütetsburg brennt'') und dauerte entsprechend sehr lange. Ein nahezu vollständiges Niederbrennen der innerhalb einer breiten Graft gelegenen Hauptburg konnte daher nicht mehr verhindert werden. | ||
Ab 1909 verfügte die Wehr, die zu dieser Zeit bereits aus annähernd 300 Mann bestand, erstmals über eine Dampfdruckbetriebene Spritze, die 450 Liter in der Minute fördern konnte. Der erste (von Pferden gezogene) Leiterwagen wurde von der Firma [[Stilkenboom]] aus der [[Brückstraße]] gefertigt.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 177</ref> Den [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] überstand die Wehr unbeschadet, lag die Stadt doch fernab jeglicher Kriegsschauplätze. Allerdings mussten einige Mitglieder ihr Leben auf den Schlachtfeldern Europas lassen. Ab 1932 folgte dann eine schrittweise Motorisierung der Wehr, beginnend mit einem in Eigenbau erstellten Fahrzeug, das über eine Tragkraftspritze (tragbare Pumpe zur Wasserförderung) verfügte. | |||
===Nationalsozialismus und Nachkriegszeit=== | ===Nationalsozialismus und Nachkriegszeit=== | ||
1935 wurde eine zweite Tragkraftspritze angeschafft und ein gebrauchter Omnibus zum Mannschaftstransport erworben. Kurze Zeit später folgten ein Gerätewagen mit einem Stromaggregat (1.200 Watt) sowie ein Schnellangriffswagen, der über Kleinlöschgeräte verfügte und einen schnellen Löschangriff bis zum zeitintensiven Aufbau einer Wasserversorgung ermöglichen sollte. Feuerwehrfahrzeuge mit eingebautem Wassertank waren seinerzeit in Norden noch nicht vorhanden und auch das Löschwassernetz war schlecht ausgebaut. Eine öffentliche [[Wasserversorgung]] existierte nämlich erst ab 1938. | 1935 wurde eine zweite Tragkraftspritze angeschafft und ein gebrauchter Omnibus zum Mannschaftstransport erworben. Kurze Zeit später folgten ein Gerätewagen mit einem Stromaggregat (1.200 Watt) sowie ein Schnellangriffswagen, der über Kleinlöschgeräte verfügte und einen schnellen Löschangriff bis zum zeitintensiven Aufbau einer Wasserversorgung ermöglichen sollte. Feuerwehrfahrzeuge mit eingebautem Wassertank waren seinerzeit in Norden noch nicht vorhanden und auch das Löschwassernetz war schlecht ausgebaut. Eine öffentliche [[Wasserversorgung]] existierte nämlich erst ab 1938. | ||
[[Datei:Feuerwehr Norden 1935 01.jpg|mini|Aufnahme von Wehrangehörigen im Jahre 1935.]] | |||
1937, die Wehr hatte zu diesem Zeitpunkt bereits vier Kraftfahrzeuge, erfolgte der Bau des [[Altes Feuerwehrhaus|Feuerwehrhauses]] in der [[Klosterstraße]], der vom [[Landkreis Norden]] und der Stadt kofinanziert und ein Jahr später fertiggestellt wurde. Die alten Spritzenhäuser wurden nach und nach abgerissen. Auf dem Gelände des neuen Feuerwehrhauses befand sich ursprünglich die ''Zichorienfabrik Otten'', die der Familie des einstigen stellvertretenden Hauptmanns [[Ubbo Otten]] gehörte. Die Fabrik ging in den 1920er Jahren ein, das Hauptgebäude wurde daraufhin 1930 von der ''Arbeitersportbewegung'' erworben und in weitestgehend ehrenamtlicher Basis restauriert. Es war fortan als [[Jugendheim (Klosterstraße)|''Jugendheim'']] bekannt. Schon kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 wurde die sozialistische Arbeitersportbewegung von den neuen Machthabern zur Auflösung gezwungen. Das Jugendheim blieb zunächst bestehen, wurde jedoch kurz nach Beginn des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] zu einer Konservenfabrik umgebaut. Diese war unter den Namen ''Ulrich Sabarth'' über die Stadtgrenzen bekannt und zog nach dem Krieg auf das ehemalige Wehrmachtsgelände in Hage, wo sich heute die FIrma ''cwTec GmbH'' befindet. Ein Nebengebäude der Zichorienfabrik wurde nach dem Erwerb durch die [[Stadt Norden]] bereits seit 1930 als Unterstellmöglichkeit für den wachsenden Fuhrpark genutzt. Das Feuerwehrhaus selbst wurde schließlich auf dem Grund ehemaliger Arbeiterwohnungen der Fabrik errichtet, die im Aussehen denen der Häuser am östlichen [[Burggraben]] ähnelten. | [[Datei:Feuerwehr Norden Sanitätskraftwagen 1936 01.jpg|mini|Sanitätskraftwagen (Aufnahme von 1936).]]1937, die Wehr hatte zu diesem Zeitpunkt bereits vier Kraftfahrzeuge, erfolgte der Bau des [[Altes Feuerwehrhaus|Feuerwehrhauses]] in der [[Klosterstraße]], der vom [[Landkreis Norden]] und der Stadt kofinanziert und ein Jahr später fertiggestellt wurde. Die alten Spritzenhäuser wurden nach und nach abgerissen. Auf dem Gelände des neuen Feuerwehrhauses befand sich ursprünglich die ''Zichorienfabrik Otten'', die der Familie des einstigen stellvertretenden Hauptmanns [[Ubbo Otten]] gehörte. Die Fabrik ging in den 1920er Jahren ein, das Hauptgebäude wurde daraufhin 1930 von der ''Arbeitersportbewegung'' erworben und in weitestgehend ehrenamtlicher Basis restauriert. Es war fortan als [[Jugendheim (Klosterstraße)|''Jugendheim'']] bekannt. Schon kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 wurde die sozialistische Arbeitersportbewegung von den neuen Machthabern zur Auflösung gezwungen. Das Jugendheim blieb zunächst bestehen, wurde jedoch kurz nach Beginn des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] zu einer Konservenfabrik umgebaut. Diese war unter den Namen ''Ulrich Sabarth'' über die Stadtgrenzen bekannt und zog nach dem Krieg auf das ehemalige Wehrmachtsgelände in Hage, wo sich heute die FIrma ''cwTec GmbH'' befindet. Ein Nebengebäude der Zichorienfabrik wurde nach dem Erwerb durch die [[Stadt Norden]] bereits seit 1930 als Unterstellmöglichkeit für den wachsenden Fuhrpark genutzt. Das Feuerwehrhaus selbst wurde schließlich auf dem Grund ehemaliger Arbeiterwohnungen der Fabrik errichtet, die im Aussehen denen der Häuser am östlichen [[Burggraben]] ähnelten. | ||
Trug der Feuerwehrkommandant anfänglich den an den gleichnamigen, militärischen Dienstgrad angelehnten Titel ''Hauptmann'', änderte sich die Bezeichnung infolge des Reichsfeuerwehrgesetzes 1938 in ''Wehrführer'' (1938 - 1940), ''Kreisführer'' (1940 - 1943), ''Abteilungsführer der Feuerweh''r (1943 - 1945) und schließlich ''Stadtbrandmeister'' (ab 1945). Auch hieß die Feuerwehr einige Zeit nicht mehr ''Feuerwehr'', sondern ab 1933 ''Feuerlöschpolizei'' und ab 1938 ''Feuerschutzpolizei'' und war organisatorisch der Polizei angegliedert. Zur gleichen Zeit änderte sich die Uniform, unter anderem wurde die bisherige Pickelhaube abgeschafft und durch M35-Schutzhelme ersetzt, wie er auch von der Wehrmacht und der SS genutzt wurde. Noch heute ähneln die deutschen Feuerwehrhelme dem bewährten Aussehen und Konzept des M35. | Trug der Feuerwehrkommandant anfänglich den an den gleichnamigen, militärischen Dienstgrad angelehnten Titel ''Hauptmann'', änderte sich die Bezeichnung infolge des Reichsfeuerwehrgesetzes 1938 in ''Wehrführer'' (1938 - 1940), ''Kreisführer'' (1940 - 1943), ''Abteilungsführer der Feuerweh''r (1943 - 1945) und schließlich ''Stadtbrandmeister'' (ab 1945). Auch hieß die Feuerwehr einige Zeit nicht mehr ''Feuerwehr'', sondern ab 1933 ''Feuerlöschpolizei'' und ab 1938 ''Feuerschutzpolizei'' und war organisatorisch der Polizei angegliedert. Zur gleichen Zeit änderte sich die Uniform, unter anderem wurde die bisherige Pickelhaube abgeschafft und durch M35-Schutzhelme ersetzt, wie er auch von der Wehrmacht und der SS genutzt wurde. Noch heute ähneln die deutschen Feuerwehrhelme dem bewährten Aussehen und Konzept des M35. | ||