Mennonitengemeinde Norden: Unterschied zwischen den Versionen
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Im Jahre 1719 wurden 45 Mennoniten im Einwohnerverzeichnis der Stadt geführt. Aus dem Verzeichnis geht auch hervor, dass 14 von ihnen ''wohlhabend'' und 25 ''mittelmäßig'' waren. 6 Mennoniten waren lediglich als Tagelöhner beschäftigt.<ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 113</ref> Am 12. April 1780, nach jahrzehntelangen Verhandlungen und mehrfachem Scheitern, vereinigten sich die beiden getrennten Gemeinden schließlich wieder zur ''Mennonitengemeinde Norden''.<ref name=":2">[https://www.mennlex.de/doku.php?id=loc:norden Geschichte der Mennonitengemeinde Norden], abgerufen am 14. August 2022</ref><ref>Adressbuch von 1950/1951, S. 10</ref> | Im Jahre 1719 wurden 45 Mennoniten im Einwohnerverzeichnis der Stadt geführt. Aus dem Verzeichnis geht auch hervor, dass 14 von ihnen ''wohlhabend'' und 25 ''mittelmäßig'' waren. 6 Mennoniten waren lediglich als Tagelöhner beschäftigt.<ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 113</ref> Am 12. April 1780, nach jahrzehntelangen Verhandlungen und mehrfachem Scheitern, vereinigten sich die beiden getrennten Gemeinden schließlich wieder zur ''Mennonitengemeinde Norden''.<ref name=":2">[https://www.mennlex.de/doku.php?id=loc:norden Geschichte der Mennonitengemeinde Norden], abgerufen am 14. August 2022</ref><ref>Adressbuch von 1950/1951, S. 10</ref> | ||
1795/1796 kam die nachfolgend so genannte [[Mennonitenkirche]], ursprünglich Wohnsitz der Familie Kettler, in den Besitz der Gemeinde, die es - in Ermangelung eigener Körperschaftsrechte - über den aus Neustadtgödens stammenden, gebürtigen Norder Kaufmann [[Doede Lübberts Cremer]] erwarb.<ref name=":1" /><ref>Clemens, Michael (2006): Eine Gemeinschaft mit Tradition, in: Ostfriesischer Kurier vom 17. Juni 2006, S. 33</ref> 1797 wurde die Kirche in Gebrauch genommen. Bis heute ist dieses (später erweiterte) Haus das Gemeindezentrum der Norder Mennoniten. Der Kauf des Hauses an diesem besonderen Platz wirft auch ein bezeichnendes Licht auf die Bestrebungen der Norder Mennoniten, die ihre Stellung in der Stadt und das Streben nach vollständiger Gleichberechtigung verdeutlichen. Alte Karten zeigen, dass die Mennoniten um den Markt herum zahlreiche Häuser besaßen und bewohnten. Dies bezeugt den Wohlstand vieler Gemeindeglieder. Die Gemeinde unterhielt auch am Markt ein Armen- oder Gasthaus, ebenso wird schon vor Mitte des 17. Jahrhunderts ein Gemeinde- oder Witwenhaus erwähnt.<ref name=":2" /> 1811 gehörten der Gemeinde schon 174 Mitglieder an.<ref>Cremer, Ufke (1934): Die Einwohner der Stadt Norden im Jahre 1811, Norden, S. 14</ref> | 1795/1796 kam die nachfolgend so genannte [[Mennonitenkirche]], ursprünglich Wohnsitz der Familie Kettler, in den Besitz der Gemeinde, die es - in Ermangelung eigener Körperschaftsrechte - über den aus Neustadtgödens stammenden, gebürtigen Norder Kaufmann [[Doede Lübberts Cremer]] erwarb.<ref name=":1" /><ref>Clemens, Michael (2006): Eine Gemeinschaft mit Tradition, in: Ostfriesischer Kurier vom 17. Juni 2006, S. 33</ref> 1797 wurde die Kirche in Gebrauch genommen. Bis heute ist dieses (später erweiterte) Haus das Gemeindezentrum der Norder Mennoniten. Der Kauf des Hauses an diesem besonderen Platz wirft auch ein bezeichnendes Licht auf die Bestrebungen der Norder Mennoniten, die ihre Stellung in der Stadt und das Streben nach vollständiger Gleichberechtigung verdeutlichen. Alte Karten zeigen, dass die Mennoniten um den Markt herum zahlreiche Häuser besaßen und bewohnten. Dies bezeugt den Wohlstand vieler Gemeindeglieder. Die Gemeinde unterhielt auch am Markt ein Armen- oder Gasthaus, ebenso wird schon vor Mitte des 17. Jahrhunderts ein Gemeinde- oder Witwenhaus erwähnt.<ref name=":2" /> Dieses Gemeindehaus befand sich im Bereich [[Am Markt 29]].<ref name=":6">[https://www.mennoniten.de/gemeinden/vereinigung/norden/ Vorstellung der Mennonitengemeinde], abgerufen am 23. März 2021</ref><ref>Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 85</ref> 1811 gehörten der Gemeinde schon 174 Mitglieder an.<ref>Cremer, Ufke (1934): Die Einwohner der Stadt Norden im Jahre 1811, Norden, S. 14</ref> | ||
Die Norder Pastoren kamen bis Ende des 19. Jahrhunderts fast alle aus den Niederlanden. Solange war Niederländisch die Kirchensprache in der Gemeinde. Einige wenige Daten aus der Geschichte weisen auf die theologischen Wurzeln der Mennoniten und ihre Geschichte hin. 1813 wird mit Emden und Leer über die Befreiung vom Militärdienst verhandelt. 1848 begann zusammen mit Emden und Leer der Versuch, die vollen politischen und bürgerlichen Rechte zu erlangen. 1859 wurde das Korporationsrecht angestrebt (Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts), die 1863 vom Kultusministerium Hannover gewährt wurde. Jahrzehnte später stellte sich allerdings heraus, dass das Ministerium nicht befugt war, diese Rechte zu vergeben.<ref name=":2" /> | Die Norder Pastoren kamen bis Ende des 19. Jahrhunderts fast alle aus den Niederlanden. Solange war Niederländisch die Kirchensprache in der Gemeinde. Einige wenige Daten aus der Geschichte weisen auf die theologischen Wurzeln der Mennoniten und ihre Geschichte hin. 1813 wird mit Emden und Leer über die Befreiung vom Militärdienst verhandelt. 1848 begann zusammen mit Emden und Leer der Versuch, die vollen politischen und bürgerlichen Rechte zu erlangen. 1859 wurde das Korporationsrecht angestrebt (Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts), die 1863 vom Kultusministerium Hannover gewährt wurde. Jahrzehnte später stellte sich allerdings heraus, dass das Ministerium nicht befugt war, diese Rechte zu vergeben.<ref name=":2" /> | ||