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'''Levy (Levi) Moses Altgenug''' (* 4 November 1890 in Norden; † nach November 1941 im Ghetto Minsk)<ref>[https://www.geni.com/people/Levi-Altgenug/6000000036986782508 Genealogische Aufzeichnung zu Levy Moses Altgenug], abgerufen am 20. Juli 2022</ref> war ein Norder Kaufmann, der in den 1930er Jahre einige Zeit das bekannte Geschäft [[Zur Goldenen 72]] am nördlichen [[Neuer Weg|Neuen Weg]] betrieb, bis er 1937 von den Nationalsozialisten enteignet wurde.<ref>Gödeken, Lina (2000): Rund um die Synagoge in Norden. Die Geschichte der Synagogengemeinde seit 1866, Aurich, S. 339</ref>
'''Levy (Levi) Moses Altgenug''' (* 4 November 1890 in Norden; † nach November 1941 im Ghetto Minsk)<ref>[https://www.geni.com/people/Levi-Altgenug/6000000036986782508 Genealogische Aufzeichnung zu Levy Moses Altgenug], abgerufen am 20. Juli 2022</ref> war ein Norder Kaufmann, der in den 1930er Jahre einige Zeit das bekannte Geschäft ''[[Zur goldenen 72]]'' am nördlichen [[Neuer Weg|Neuen Weg]] betrieb, bis er 1937 von den Nationalsozialisten enteignet wurde.<ref>Gödeken, Lina (2000): Rund um die Synagoge in Norden. Die Geschichte der Synagogengemeinde seit 1866, Aurich, S. 339</ref> Er wohnte an der [[Sielstraße 21]].<ref>[https://www.norden.de/Stadtleben/Die-Stadt/Stolpersteine/ Übersicht der Stolpersteine] auf norden.de, abgerufen am 2. Februar 2024</ref>


==Leben==
==Leben==
===Biographie===
===Biographie<ref name=":0">[https://www.berlin-minsk.de/print.php?newgb_id=33 Biographische Daten zu Levy Moses Altgenug und seiner Familie], abgerufen am 20. Juli 2022</ref>===
Levy Altgenug war Kaufmann in Norden und heiratete die aus Ilmenau in Thüringen stammende Erna Kirstein. Wann und wo sich die beiden kennengelernt hatten, ist unbekannt, ebenso das Datum der Hochzeit. Erna Altgenug zog im Oktober 1921 zu ihrem Ehemann nach Norden. Ihr Vater, Joseph Kirstein, stammte aus Russland und hatte 1893 in Ilmenau die Aufnahme als Bürger für sich und seine Familie beantragt. Vermutlich siedelten die Kirsteins zu dieser Zeit über, da im zaristischen Russland zunehmend Pogrome gegen Juden stattfanden.
Levy Altgenug war Kaufmann in Norden und heiratete die aus Ilmenau in Thüringen stammende Erna Kirstein. Wann und wo sich die beiden kennengelernt hatten, ist unbekannt, ebenso das Datum der Hochzeit. Erna Altgenug zog im Oktober 1921 zu ihrem Ehemann nach Norden. Ihr Vater, Joseph Kirstein, stammte aus Russland und hatte 1893 in Ilmenau die Aufnahme als Bürger für sich und seine Familie beantragt. Vermutlich siedelten die Kirsteins zu dieser Zeit über, da im zaristischen Russland zunehmend Pogrome gegen Juden stattfanden.


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Drei Tage vor der Deportation, am 11. November 1941, erlitt Levy Altgenug einen schweren Nervenzusammenbruch. Sein Arzt Dr. Julius Herzog bescheinigte ihm: ''"Herr Levi Altgenug, Berlin-Charlottenburg Sybelstraße 27, hat gestern einen schweren Nervenzusammenbruch erlitten; er ist dadurch völlig außerstande seine Angelegenheiten zu ordnen und muß dauernd unter der Pflege und Wartung seiner Frau im Bett bleiben."'' Sein schlechter gesundheitlicher Zustand wurde von den Nationalsozialisten nicht berücksichtigt. Erna und Levy Altgenug waren 49 und 51 Jahre alt, als sie am 14. November 1941 nach Minsk deportiert wurden. Das Ghetto überlebten beide nicht. Im Februar 2011 verlegte die [[Ökumenischer Arbeitskreis Synagogenweg Norden|Ökumenische Arbeitskreis Synagogenweg Norden]] für Erna und Levy Altgenug Stolpersteine an ihrer früheren Adresse in Norden.
Drei Tage vor der Deportation, am 11. November 1941, erlitt Levy Altgenug einen schweren Nervenzusammenbruch. Sein Arzt Dr. Julius Herzog bescheinigte ihm: ''"Herr Levi Altgenug, Berlin-Charlottenburg Sybelstraße 27, hat gestern einen schweren Nervenzusammenbruch erlitten; er ist dadurch völlig außerstande seine Angelegenheiten zu ordnen und muß dauernd unter der Pflege und Wartung seiner Frau im Bett bleiben."'' Sein schlechter gesundheitlicher Zustand wurde von den Nationalsozialisten nicht berücksichtigt. Erna und Levy Altgenug waren 49 und 51 Jahre alt, als sie am 14. November 1941 nach Minsk deportiert wurden. Das Ghetto überlebten beide nicht. Im Februar 2011 verlegte die [[Ökumenischer Arbeitskreis Synagogenweg Norden|Ökumenische Arbeitskreis Synagogenweg Norden]] für Erna und Levy Altgenug Stolpersteine an ihrer früheren Adresse in Norden.


===Zur Familie===
===Zur Familie<ref name=":0" />===
Levy Altgenugs Vater Moses war bereits zwei Jahre zuvor verstorben; dessen Geschwister Lazarus und Lina Altgenug gehörten im April 1940 zu den letzten in Norden verbliebenen Jüdinnen und Juden. Sie wurden am 24. Oktober 1941 von Berlin nach Litzmannstadt deportiert. Im dortigen Ghetto starb Lazarus Altgenug am 6. Februar, seine Schwester Lina kurz darauf am 19. Februar 1942. Vermutlich erlagen sie wie Tausende andere den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto. Levys Onkel Joseph Altgenug, der nach dem Novemberpogrom 1938 im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert, dann aber wieder freigelassen worden war, wurde am 18. November 1941 von Hamburg in das Ghetto von Minsk verschleppt. Am 28. Juli 1942 fiel er zusammen mit 3500 anderen Jüdinnen und Juden aus dem ''Altreich'' einer Tötungsaktion durch Sicherheitspolizei und dem NS-Sicherheitsdienst zum Opfer.
Levy Altgenugs Vater Moses war bereits zwei Jahre zuvor verstorben; dessen Geschwister Lazarus und Lina Altgenug gehörten im April 1940 zu den letzten in Norden verbliebenen Jüdinnen und Juden. Sie wurden am 24. Oktober 1941 von Berlin nach Litzmannstadt deportiert. Im dortigen Ghetto starb Lazarus Altgenug am 6. Februar, seine Schwester Lina kurz darauf am 19. Februar 1942. Vermutlich erlagen sie wie Tausende andere den unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto. Levys Onkel Joseph Altgenug, der nach dem Novemberpogrom 1938 im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert, dann aber wieder freigelassen worden war, wurde am 18. November 1941 von Hamburg in das Ghetto von Minsk verschleppt. Am 28. Juli 1942 fiel er zusammen mit 3500 anderen Jüdinnen und Juden aus dem ''Altreich'' einer Tötungsaktion durch Sicherheitspolizei und dem NS-Sicherheitsdienst zum Opfer.