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{{Infobox Gebäude
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==Lutherische Klassenschule==
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|Entstehungszeit=1826 (1870)
| Title = Lutherische Klassenschule
|Erbauer=[[Ludgerigemeinde Norden|Kirchengemeinde]]
| Text = Ehemalige Schule in Norden
|Bauweise=Backsteinbau
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|Erhaltungszustand=abgebrochen
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|Genaue Lage=[[Am Markt]] 37 (A)
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26506 Norden
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}}
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Die '''Lutherische Klassenschule''' (auch: ''Deutsche Schule'') war eine mehrklassige Volksschule in zwei voneinander unabhängigen Anbauten der [[Ludgerikirche]]. Sie war womöglich die erste Volksschule in ganz Deutschland, gehört in jedem Fall jedoch zu den ältesten ihrer Art und beherbergte separate Klassenräume für Mädchen und Jungen.  
! colspan="2" |Basisdaten
 
|-
Unmittelbarer Nachfolger der Lutherischen Klassenschule wurde die [[Marktschule]], wobei der ursprüngliche Name amtlich beibehalten und der Begriff ''Marktschule'' ursprünglich umgangssprachlicher Natur war.
|Entstehungszeit
 
|vor 1564
__TOC__
|-
|Erbauer
|[[Ludgerigemeinde Norden]]
|-
|Bauweise
|Ziegelsteinbau
|-
|Entwidmung
|1826 (1870)
|-
|Erhaltungszustand
|1826 abgebrochen
|-
|Genaue Lage
|[[Am Markt]] 37
26506 Norden
|}
Die '''Lutherische Klassenschule''' war eine mehrklassige Volksschule in zwei voneinander unabhängigen Anbauten der [[Ludgerikirche]]. Sie war eine der ersten, wenn nicht sogar die erste Volksschule in ganz Deutschland.  
__NOTOC__
==Geschichte==
==Geschichte==
Bereis 1564 soll ein [[Bartholomäus von Münster]] als festbesoldeter Lehrer an der lutherischen Klassenschule, die in Abgrenzung zu der der privilegierten Oberschicht vorbehaltenen [[Lateinschule]] auch "Deutsche Schule" genannt wurde, gelehrt haben. Dieser Begriff findet sich erstmals in einer Jahresabrechnung der [[Ludgerigemeinde Norden|Ludgerigemeinde]] von 1567, damals noch in der alten Schreibweise "Teutsche Schule" bzw. "duetsche Schule".<ref name=":0">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 30</ref> Aufgrund des Alters könnte es sich sogar um eine der ersten Schulen in ganz Deutschland gehandelt haben. Die allgemeine Schulpflicht für Ostfriesland wurde von [[Anna von Oldenburg|Gräfin Anna]] bereits mit der [[Polizeiordnung#Polizeiordnung von 1545|Polizeiordnung von 1545]] festgelegt.
Bereits 1564 soll ein [[Bartholomäus von Münster]] als festbesoldeter Lehrer an der lutherischen Klassenschule, die in Abgrenzung zu der der privilegierten Oberschicht vorbehaltenen [[Lateinschule]] auch ''Deutsche Schule'' genannt wurde, gelehrt haben. Dieser Begriff findet sich erstmals in einer Jahresabrechnung der [[Ludgerigemeinde Norden|Ludgerigemeinde]] von 1567, damals noch in der alten Schreibweise ''Teutsche Schule'' bzw. ''duetsche Schule''.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 30</ref> Aufgrund des Alters könnte es sich sogar um eine der ersten Schulen in ganz Deutschland gehandelt haben. Die allgemeine Schulpflicht für Ostfriesland wurde von [[Anna von Oldenburg|Gräfin Anna]] bereits mit der [[Polizeiordnung#Polizeiordnung von 1545|Polizeiordnung von 1545]] festgelegt.


Spätestens ab 1577 wird ein "Undermeister der Duetschen Schule" als hauptamtlicher Lehrer urkundlich erwähnt. Der Unterricht erfolgte in zwei unabhängigen Anbauten an der [[Ludgerikirche]], die jedoch beide nicht mehr existent sind. In beiden Anbauten waren jeweils eine Jungen- und eine Mädchenklasse untergebracht. Die Jungenschule befand sich in einem später abgebrochenen, zweistöckigen anbau neben dem Haupteingang der Ludgerikirche. Geleitet wurde sie von einem Kantor, der zugleich das Amt des "Todtensingers", eine Art kirchlicher Sänger bei Begräbnissen, innehatte. Dieser nahm nicht selten seine männlichen Schüler mit zu Begräbnissen, damit auch diese dort als Totensinger fungierten. Die Mädchenschule, die wahrscheinlicher erst nach der Jungenschule gegründet wurde, befand sich in einem separaten Anbau im Küstergarten.<ref name=":0" />
Spätestens ab 1577 wird ein ''Undermeister der Duetschen Schule'' als hauptamtlicher Lehrer urkundlich erwähnt. Der Unterricht erfolgte in zwei unabhängigen Anbauten an der [[Ludgerikirche]], die jedoch beide nicht mehr existent sind. In beiden Anbauten waren jeweils eine Jungen- und eine Mädchenklasse untergebracht. Die Jungenschule befand sich in einem später abgebrochenen, zweistöckigen Anbau neben dem Haupteingang der Ludgerikirche. Geleitet wurde sie von einem Kantor, der zugleich das Amt des ''Todtensingers'', eine Art kirchlicher Sänger bei Begräbnissen, innehatte. Dieser nahm nicht selten seine männlichen Schüler mit zu Begräbnissen, damit auch diese dort als Totensänger fungierten. Die Mädchenschule, die wahrscheinlich erst nach der Jungenschule gegründet wurde, befand sich in einem separaten Anbau im Küstergarten.<ref name=":0" />


Am 12. Februar 1780 wird in einem Brief an die kirchliche Schulbehörde in Aurich über die zu engen Platzverhältnisse an der Mädchenschule geklagt, die dazu führten, dass viele Schülerinnen mit Kopfschmerzen nach Hause kämen. Der Verfasser weist darauf hin, dass es kein Wunder sei, dass das bereits 1775 erlassene Verbot privater Schule wenig fruchtete und die Eltern ihre Kinder weiterhin in diese (z.B. die [[Neuweger Schule]]) schickten.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 70</ref>
Am 12. Februar 1780 wird in einem Brief an die kirchliche Schulbehörde in Aurich über die zu engen Platzverhältnisse an der Mädchenschule geklagt, die dazu führten, dass viele Schülerinnen mit Kopfschmerzen nach Hause kämen. Der Verfasser weist darauf hin, dass es kein Wunder sei, dass das bereits 1775 erlassene Verbot privater Schule wenig fruchtete und die Eltern ihre Kinder weiterhin in diese (z.B. die [[Neuweger Schule]]) schickten.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 70</ref>


1826 werden beide Anbauten abgebrochen und der Unterricht im späteren Sitzungszimmer des Kirchenrates fortgeführt. Eigens für die Schule wurden hier zwei Räume am nördlichen Ende des Längsschiffs der Kirche eingerichtet.<ref name=":0" /> Warum die Anbauten abgebrochen wurden, ist unklar. Es kann davon ausgegangen werden, dass diese baufällig geworden sind und ein Neubau zu teuer gewesen wäre.
In einer Urkunde vom 20. November 1792 wurde die Deutsche Schule abermals erwähnt. Gut 34 Jahre später, 1826<ref name=":0" />, fand schließlich ein großer Umbau statt, bei dem der Westen des Kirchen-Langschiffs abgetrennt wurde, um hier einen Schulraum zu schaffen.<ref name=":1">Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 102</ref> Ebenso wurde die Küsterwohnung umgebaut und als Ersatz für die Beleuchtung durch das bisherige große Westgiebelfenster wurden kleine Fenster in der nördlichen Langschiffseite eingelassen, wofür unter der Empore ein Durchbruch geschaffen wurde.<ref name=":1" /><ref name=":2">Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 103</ref> Dies erklärt auch, weshalb die Jungenschule im Gegensatz zu der in einem (südlichen) Anbau am Langschiff befindlichen Mädchenschule nie eine eigene Hausnummer hatte, während die Mädchenschule die [[Liste der Häuser nach alter Adressierung (1850-1904)|ehemaligen Hausnummer]] 557 trug.<ref name=":2" />


Steigende Schülerzahlen ließen die Kapazitäten der Lutherischen Klassenschule in der Mitte des 19. Jahrhunderts zu knapp werden. Hierdurch kam es zur Gründung der nahegelegenen [[Marktschule]].<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 121</ref> Der Unterricht in der Kirchenschule lief noch bis etwa 1870 weiter.<ref name=":0" />
Steigende Schülerzahlen ließen die Kapazitäten der Lutherischen Klassenschule in der Mitte des 19. Jahrhunderts zu knapp werden. Hierdurch kam es zur Gründung der nahegelegenen [[Marktschule]].<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 121</ref> Der Unterricht in der Kirchenschule lief noch bis etwa 1870 weiter.<ref name=":0" /> Danach wurden der Schulraum zum Sitzungszimmer des Kirchenrates umgewidmet.<ref name=":0" />


== Lehrkräfte ==
== Lehrkräfte ==