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Die '''Alte Altendeichsschule''', so genannt in Abgrenzung zur [[Altendeichsschule]], befindet sich am [[Altendeichsweg (Westermarsch)|Altendeichsweg]] 20 in [[Westermarsch I]]. Das bis heute bestehende Gebäude wurde 1868 errichtet, seine Geschichte reicht jedoch bis in das Jahr 1622. Unzählige Schüler durchliefen hier ihre Volksschulbildung, einer ihrer Lehrer war der durch seine Zeichnungen bekanntgewordene [[Jacob Menßen]], der hier bis zu seinem Tode im Jahre 1749 unterrichtet haben soll.
Die '''Alte Altendeichsschule''', so genannt in Abgrenzung zur [[Altendeichsschule]], befindet sich am [[Altendeichsweg (Westermarsch)|Altendeichsweg]] 20 in [[Westermarsch I]]. Das bis heute bestehende Gebäude wurde 1868 errichtet, seine Geschichte reicht jedoch bis in das Jahr 1622. Unzählige Schüler durchliefen hier ihre Volksschulbildung, einer ihrer Lehrer war der durch seine Zeichnungen bekanntgewordene [[Jacob Menßen]], der hier bis zu seinem Tode im Jahre 1749 unterrichtet haben soll.


Seit 1961 wurde das Gebäude nicht mehr als Schule genutzt. Nachfolgend befand sich hier die überregional bekannte ''ABC-Bar'' ein, eine Nachtbar bzw. ein ''Etablissement''. Später wurde die alte Schule zu einem reinen Wohngebäude, in dessen Garten sich eine Sammlung der unterschiedlichsten Gegenstände befand.
Seit 1961 wurde das Gebäude nicht mehr als Schule genutzt. Nachfolgend befand sich hier die Gaststätte ''ABC-Schützen'', aus der später die überregional bekannte ''ABC-Bar'' wurde, eine Nachtbar bzw. ein ''Etablissement''. Später wurde die alte Schule zu einem reinen Wohngebäude, in dessen Garten sich eine Sammlung der unterschiedlichsten Gegenstände befand.
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==Geschichte==
==Geschichte==
Auf den 8. Februar 1622 datierte Unterlagen weisen die Einstellung eines ''Schulmeisters'' (frühere Bezeichnung für nicht-akademische Lehrkräfte) nach. Das erste (bekannte) Westermarscher Schulgebäude befand sich demnach auf der Nordseite des [[Altendeichsweg (Westermarsch)|Altendeichswegs]] in der Nähe der heutigen ''alten Altendeichsschule'' am [[Altendeichsweg (Westermarsch)|Altendeichsweg]] 20.
Auf den 8. Februar 1622 datierte Unterlagen weisen die Einstellung eines ''Schulmeisters'' (frühere Bezeichnung für nicht-akademische Lehrkräfte) nach. Das erste (bekannte) Westermarscher Schulgebäude befand sich demnach auf der Nordseite des [[Altendeichsweg (Westermarsch)|Altendeichswegs]] in der Nähe der heutigen ''alten Altendeichsschule'' am [[Altendeichsweg (Westermarsch)|Altendeichsweg]] 20.


Das Schulgebäude am heutigen [[Altendeichsweg (Westermarsch)|Altendeichsweg]] 20 wurde hingegen erst 1772 errichtet. Es umfasste eine Lehrerwohnung, einen Garten und etwas Land. Ein Neubau erfolgte bereits 1823. Dieser war ungefähr 23 Fuß (ca. 7 Meter) lang und 16 Fuß (ca. 5 Meter) breit. Die unmittelbar angrenzende Lehrerwohnung umfasste eine Länge von 64 Fuß (ca. 19 Meter) und war 38 Fuß (ca. 11 Meter) breit. Sie umfasste eine Küche, ein Wohnzimmer, einen Keller und eine Sommerküche (Außenküche). Neben der Küche befand sich das sogenannte ''Karnhuus'', ein Raum, in dem sich sündig gefallene Gläubige während des Gottesdienstes zur Buße aufhalten mussten, was als große Strafe betrachtet wurde. Die tugendhaften Gläubigen machten sich währenddessen sonntäglich auf den Weg zur [[Ludgerikirche]] und hielten dort ihren Gottesdienst ab, während die Sündigen im ''Karnhuus'' verweilen mussten. Weiterhin gab es hier noch eine Regenbacke, ein Behältnis für Regenwasser.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 46</ref> Eine staatliche Wasserversorgung gab es zu diesem Zeitpunkt noch längst nicht.
Das Schulgebäude am heutigen [[Altendeichsweg (Westermarsch)|Altendeichsweg]] 20 wurde hingegen erst 1772 errichtet. Es umfasste eine Lehrerwohnung, einen Garten und etwas Land. Ein Neubau erfolgte bereits 1823. Dieser war ungefähr 23 Fuß (ca. 7 Meter) lang und 16 Fuß (ca. 5 Meter) breit. Die unmittelbar angrenzende Lehrerwohnung umfasste eine Länge von 64 Fuß (ca. 19 Meter) und war 38 Fuß (ca. 11 Meter) breit. Sie umfasste eine Küche, ein Wohnzimmer, einen Keller und eine Sommerküche (Außenküche). Neben der Küche befand sich das sogenannte ''Karnhuus''. Dieser Raum wurde neben seinem eigentlichen Zweck, der Verarbeitung von Milch, offenbar auch zu einem anderen Zweck genutzt. So mussten in diesem Raum sündig gefallene Gläubige während des Gottesdienstes zur Buße aufhalten. Die tugendhaften Gläubigen machten sich währenddessen sonntäglich auf den Weg zur [[Ludgerikirche]] und hielten dort ihren Gottesdienst ab, während die Sündigen im ''Karnhuus'' verweilen mussten. Weiterhin gab es hier noch eine Regenbacke, ein Behältnis für Regenwasser.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 46</ref> Eine staatliche Wasserversorgung gab es zu diesem Zeitpunkt noch längst nicht.


Das Hinterhaus enthielt drei Kuhställe und einen Schweine- sowie einen Schafstall sowie Platz für Getreide, Heu und Torf. Torf war das damals gängigste, weil billigste Heizmaterial und wurde zu dieser Zeit vor allem von der [[Norder Fehngesellschaft]] abgebaut und verkauft. Der Garten, dessen Größe sich wohl seit dem Ursprungsbau nicht verändert hat, wird auf 55 Quadratruthen, also etwa 1,2 Hektar bemessen. Zusätzlich stand dem Lehrer, der in der Wohnung kostenlos wohnen durfte, die Nutzung einer Grünlandfläche von 12 Morgen und 30 Ruthen (etwa 4 Hektar) zur Verfügung. Von dieser Fläche waren 1/3 Ackerland und 2/3 Weideland. Auch durfte er seine Schafe, so er denn welche hatte, entlang des [[Enneweg|Ennewegs]] und der Hälfte des [[Langer Weg|Langen Wegs]] weiden lassen.<ref name=":0" />
Das Hinterhaus enthielt drei Kuhställe und einen Schweine- sowie einen Schafstall sowie Platz für Getreide, Heu und Torf. Torf war das damals gängigste, weil billigste Heizmaterial und wurde zu dieser Zeit vor allem von der [[Norder Fehngesellschaft]] abgebaut und verkauft. Der Garten, dessen Größe sich wohl seit dem Ursprungsbau nicht verändert hat, wird auf 55 Quadratruthen, also etwa 1,2 Hektar bemessen. Zusätzlich stand dem Lehrer, der in der Wohnung kostenlos wohnen durfte, die Nutzung einer Grünlandfläche von 12 Morgen und 30 Ruthen (etwa 4 Hektar) zur Verfügung. Von dieser Fläche waren 1/3 Ackerland und 2/3 Weideland. Auch durfte er seine Schafe, so er denn welche hatte, entlang des [[Enneweg|Ennewegs]] und der Hälfte des [[Langer Weg|Langen Wegs]] weiden lassen.<ref name=":0" />
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Der neue Klassenraum besaß eine Fläche von 42,21 qm.<ref name=":2" /> Hier wurden insgesamt 60 Kinder unterrichtet. Bis 1887 stieg die Zahl auf 100 an.<ref name=":1" /> Bereits 1883 wurde das Schulgebäude um 4,40 m verlängert und der bereits vorhandene Abort um Pissoirs für die männlichen Schulkinder erweitert.<ref name=":2" /> Aufgrund der gestiegenen Schülerzahlen wurde 1888 eine zweite Lehrerstelle geschaffen, jedoch erst nach einer weiteren Erweiterung in 1889 besetzt.<ref name=":2" /> Auf die ausgeschriebene Stelle hatten sich sogar drei Bewerberinnen gemeldet, die aus Stettin, Langendorf und Westfalen kamen. Die Bewerbungen wurden jedoch abgelehnt, da die Schulbehörde keine Frau an der Schule einsetzen wollte.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 48</ref> 1949 wurde vom Schulrat schließlich eine dritte Lehrerstelle gefordert, da die Schülerzahlen nach dem Zweiten Weltkrieg erneut stiegen.<ref name=":2" /> In diesem Jahr besuchten 110 evangelische und 8 katholische Schüler die Schule. Bei 47 Kindern handelt es sich um Flüchtlingskinder.<ref name=":2" />
Der neue Klassenraum besaß eine Fläche von 42,21 qm.<ref name=":2" /> Hier wurden insgesamt 60 Kinder unterrichtet. Bis 1887 stieg die Zahl auf 100 an.<ref name=":1" /> Bereits 1883 wurde das Schulgebäude um 4,40 m verlängert und der bereits vorhandene Abort um Pissoirs für die männlichen Schulkinder erweitert.<ref name=":2" /> Aufgrund der gestiegenen Schülerzahlen wurde 1888 eine zweite Lehrerstelle geschaffen, jedoch erst nach einer weiteren Erweiterung in 1889 besetzt.<ref name=":2" /> Auf die ausgeschriebene Stelle hatten sich sogar drei Bewerberinnen gemeldet, die aus Stettin, Langendorf und Westfalen kamen. Die Bewerbungen wurden jedoch abgelehnt, da die Schulbehörde keine Frau an der Schule einsetzen wollte.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 48</ref> 1949 wurde vom Schulrat schließlich eine dritte Lehrerstelle gefordert, da die Schülerzahlen nach dem Zweiten Weltkrieg erneut stiegen.<ref name=":2" /> In diesem Jahr besuchten 110 evangelische und 8 katholische Schüler die Schule. Bei 47 Kindern handelt es sich um Flüchtlingskinder.<ref name=":2" />


1961 wurde die [[Altendeichsschule|Neue Altendeichsschule]] eröffnet und das alte Schulgebäude gelangte in Privatbesitz. Die bisherigen Schüler wurden teils an die [[Westerhörner Schule]], teils an die Neue Altendeichsschule umgeschult.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 48</ref> Im alten Schulgebäude entstand in den nächsten Jahren bis ungefähr um die Jahrtausendwende die sogenannte ''ABC-Bar'', eine Nachtbar mit überregionaler Bekanntheit.<ref name=":2" /> Der Name ist eine Anspielung auf die schulische Vergangenheit kombiniert mit seiner Neunutzung.
1961 wurde die [[Altendeichsschule|Neue Altendeichsschule]] eröffnet, sodass die alte Schule nicht mehr als solche benötigt wurde. Die bisherigen Schüler wurden teils an die [[Westerhörner Schule]], teils an die Neue Altendeichsschule umgeschult.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 48</ref> Die alte Altendeichsschule gelangte in Privatbesitz. Bernhard Bruns eröffnete hier - etwa 1963 - eine Gastwirtschaft, die den Namen ''Zum ABC-Schützen'' bekam. Nachdem diese einige Jahre lang nicht den erhofften wirtschaftlichen Erfolg brachte, wurde die Gastwirtschaft in eine Nachtbar umgewidmet.<ref>Kommentar von Hans-Hermann Neupert unter dem facebook-Beitrag vom 12. Oktober 2024</ref> Diese bis ungefähr um die Jahrtausendwende bestehende, sogenannte ''ABC-Bar'', entwickelte sich zu einem gut besuchten ''Etablissement'' mit überregionaler Bekanntheit.<ref name=":2" /> Der Name war ebenso wie ''Zum ABC-Schützen'' eine Anspielung auf die schulische Vergangenheit kombiniert mit seiner Neunutzung als ''Nachtbar''. Die Nutzung als Etablissement war weithin durch ein rotes Viereck, das am Schornstein leuchtete, erkennbar.<ref>Kommentar von Anke Waecken unter dem facebook-Beitrag vom 12. Oktober 2024</ref>


Nach der Schließung der Bau wurde das Gebäude nur noch als Wohnhaus genutzt. Der Anfang 2021 verstorbene Eigentümer [[Hans Fritsche]] hatte auf dem Grundstück eine Art ''Skulpturenpark'' errichtet, nachdem das Ordnungsamt der Stadt Norden ihm aufgetragen hatte, das von ihm zugestellte Gelände aufzuräumen. Im März 2021 wurde der Haushalt - und damit auch der ''Skulpturenpark'' - von den Erben aufgelöst. Seit Mai 2021 stand das Gebäude dann samt einer Grundstücksfläche von 2.676 qm gegen Höchstgebot zum Verkauf, das Startgebot lag bei 80.000 Euro.<ref>[https://www.immobilienscout24.de/expose/127704371?referrer=RESULT_LIST_LISTING&navigationServiceUrl=%2FSuche%2Fcontroller%2FexposeNavigation%2Fnavigate.go%3FsearchUrl%3D%2FSuche%2Fde%2Fniedersachsen%2Faurich-kreis%2Fnorden%2Fhaus-kaufen%26exposeId%3D127704371&navigationHasPrev=true&navigationHasNext=true&navigationBarType=RESULT_LIST&searchId=0327c2f0-3f9e-353f-82d3-f37538f7a184&searchType=district#/ Verkaufsinserat bei Immobilienscout24.de], abgerufen am 14. Mai 2021</ref> Nach einigen Monaten des Leerstands wurde das Gebäude schließlich verkauft und wird nun einer neuen Nutzung zugeführt.
Nach der Schließung der Bau wurde das Gebäude nur noch als Wohnhaus genutzt. Der Anfang 2021 verstorbene Eigentümer [[Hans Fritsche|Hans "Hansi" Fritsche]] hatte auf dem Grundstück eine Art ''Skulpturenpark'' errichtet, nachdem das Ordnungsamt der Stadt Norden ihm aufgetragen hatte, das von ihm zugestellte Gelände aufzuräumen. Im März 2021 wurde der Haushalt - und damit auch der ''Skulpturenpark'' - von den Erben aufgelöst. Seit Mai 2021 stand das Gebäude dann samt einer Grundstücksfläche von 2.676 qm gegen Höchstgebot zum Verkauf, das Startgebot lag bei 80.000 Euro.<ref>[https://www.immobilienscout24.de/expose/127704371?referrer=RESULT_LIST_LISTING&navigationServiceUrl=%2FSuche%2Fcontroller%2FexposeNavigation%2Fnavigate.go%3FsearchUrl%3D%2FSuche%2Fde%2Fniedersachsen%2Faurich-kreis%2Fnorden%2Fhaus-kaufen%26exposeId%3D127704371&navigationHasPrev=true&navigationHasNext=true&navigationBarType=RESULT_LIST&searchId=0327c2f0-3f9e-353f-82d3-f37538f7a184&searchType=district#/ Verkaufsinserat bei Immobilienscout24.de], abgerufen am 14. Mai 2021</ref> Nach einigen Monaten des Leerstands wurde das Gebäude schließlich verkauft und wird nun einer neuen Nutzung zugeführt.


==Lehrkräfte==
==Lehrkräfte==
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Datei:Altendeichsweg Alte Schule Westermarsch ABC-Bar 13052021 04.jpg|Neben dem undichten Dach ist eine umfassende Sanierung des Gebäudes notwendig - Aufnahme vom 13. Mai 2021.
Datei:Altendeichsweg Alte Schule Westermarsch ABC-Bar 13052021 04.jpg|Neben dem undichten Dach ist eine umfassende Sanierung des Gebäudes notwendig - Aufnahme vom 13. Mai 2021.
Datei:Altendeichsweg Alte Schule Westermarsch ABC-Bar 13052021 05.jpg|Der ''Skulpturenpark'' im Garten - Aufnahme vom 13. Mai 2021.
Datei:Altendeichsweg Alte Schule Westermarsch ABC-Bar 13052021 05.jpg|Der ''Skulpturenpark'' im Garten - Aufnahme vom 13. Mai 2021.
Datei:Altendeichsweg Alte Schule Westermarsch ABC-Bar 13052021 06.jpg|Steine im ''Skulpturenpark'' - Aufnahme vom 13. Mai 2021.  
Datei:Altendeichsweg Alte Schule Westermarsch ABC-Bar 13052021 06.jpg|Steine im ''Skulpturenpark'' - Aufnahme vom 13. Mai 2021.
Datei:Altendeichsweg Alte Schule 26 06 2022 01.jpg|Aufnahme vom 26. Juni 2022.
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