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'''Leegemoor''' gehört als (informelles) Stadtviertel zu [[Süderneuland I]].
'''Leegemoor''' (auch: ''Leegmoor'') ist ein informelles Stadtviertel von Norden und gehört administrativ zu [[Süderneuland I]]. Der Name ist niederdeutsch und bedeutett ''Niedermoor''. Ein wesentlicher Unterschied zum Hochmoor (''Hoogmoor'') ist der bedeutend höhere Anteil an Mineralien und Nährstoffen.
 
Der überwiegende Teil des Leegemoors wird heute als Gewerbegebiet genutzt, begonnen 1977 mit der Erschließung der [[Stellmacherstraße]]. Von den [[Stadt Norden#Handwerk und Gewerbe|vier ausgewiesenen Gewerbegebieten]] in Norden ist jenes in Leegemoor das mit Abstand größte.
 
__TOC__
__TOC__
== Geografie ==
== Geografie ==
Vierzig Diemat liegt südwestlich des historischen Stadtkerns und lässt sich geografisch in etwa wie folgt umgrenzen: Im Norden entlang der [[Fritz-Reuter-Straße]], aber noch unterhalb der [[Radbodstraße]], im Osten bis zur [[Schlachthausstraße]], im Süden bis zum [[Norder Tief]] und im Westen bis zur [[Bürgermeister-Dr.-Schöneberg-Straße]], welche direkt an der Grenze zu [[Westermarsch I]] liegt.
Leegemoor befindet sich südöstlich der Kernstadt im Stadtteil Süderneuland I. Grob begrenzt wird es im Norden durch die [[Wurzeldeicher Straße]], im Osten durch die [[Zinngießerstraße]], im Süden durch das [[Addinggaster Tief]] (nördlicher Arm) und im Westen durch die [[Sattlerstraße]].


== Geschichte ==
== Geschichte ==
Seine Entstehung hat das Leegemoor seiner im Vergleich zum Umland, insbesondere der [[Norder Geestinsel]] tiefen Lage zu verdanken. Das Wasser der [[Geest]] floss über Jahrtausende in Richtung des Leegemoors, sodass es zunächst zu Seenbildung kam. Diese Gewässer verlandeten im Laufe der Jahrtausende. Durch Sauerstoffmangel konnten Pflanzenreste nicht vollends abgebaut werden, sodass sich schließlich ein Niedermoor bildete.<ref>Sanders, Adolf (1988): Unsere Stadt hinterm Deich, Norden, S. 41</ref>


Historisch war Vierzig Diemat bis 1952 Teil der damals noch eigenständigen Gemeinde [[Westermarsch I]] und kam erst dann zur Kernstadt. In diesem Jahr wurde das Land zur Besiedlung freigegeben und baulich erschlossen. Es entstanden, wie auch in anderen Teilen von Norden, vor allem Sozialbauten um dem nach dem Zweiten Weltkrieg starken Bevölkerungswachstum Herr zu werden.
Nach Beendigung der Eindeichung des [[Süderneuland|Süderneulands]] im Jahr 1556 durch Gräfin Anna von Oldenburg, damals Herrscherin über Ostfriesland, standen umfangreiche, neue Landflächen zur Urbarmachung zur Verfügung. Die [[Udo-Focken-Deich|alte Deichlinie]] entlang der heutigen [[Bundesstraße]] wurde erheblich gen [[Leybucht]] erweitert. Südwestlich der [[Addinggaste]] entstanden Moorflächen, die durch Annas Sohn, [[Edzard II. Cirksena|Edzard II.]], an wohlhabende Norder Bürger als [[Gemeinweide]] in Erbpacht vergeben wurde. Den Bürgern stand es frei, die ihnen zur Verfügung gestellten Flächen zu bewirtschaften und daraus Früchte zu ziehen. Sie mussten dafür lediglich eine regelmäßige Pacht an den Grafen entrichten.<ref name=":0">Schreiber, Gretje (2006): Norder Gemeinweiden im ausgehenden Mittelalter bis zur Neuzeit, in: Emder Jahrbuch für historische Landeskunde Ostfrieslands, S. 46</ref> Noch bis 1578 hatte auch der Pastor der [[Osterpastorei]] ein unbeschränktes Verfügungsrecht über die Ländereien des Leegemoors sowie der [[Altenbürgerlande]] und erzielte hierdurch nicht unerhebliche Einkünfte.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 46</ref>
 
In 1583 wurde Vierzig Diemat durch [[Anna von Oldenburg]] eingedeicht. Das neugewonnene Land wurde auch [[Westermarscher Neuland]] genannt. Zuvor stand das Gebiet unter Wasser und war Teil des [[Norder Hafen | Norder Hafens]] bzw. des [[Norder Tief | Norder Tiefs]]. Auch heute noch lässt die Bodenbeschaffenheit eine "wässrige Vergangenheit" erkennen. Bis zur Eindeichung von 1583 befand sich seit 1551 die Deichlinie nördlich von Vierzig Diemat. Auch dieser Deich würde von Anna von Oldenburg gezogen. Zuvor befanden sich hier keine Deiche, sondern man vertraute bei Sturmfluten auf die erhöhte Lage der Norder Kernstadt.
 
Von 1551 bis 1583 gehörte Vierzig Diemat zum Umland der [[Cirksenaburg]], die sich etwas weiter nördlich befand. Es diente der Ernährung der gräflichen Familie und wurde daher auch als "Küchenland" bezeichnet.
 
Graf Ulrich II. aus dem Hause Cirksena verkaufte das Land 1631 an einen Amtmann namens Rautenstein aus Varel. Die nachfolgende Nutzung ist ungewiss, vermutlich wurde das Land verpachtet und für landwirtschaftliche Zwecke genutzt.
 
Erst mit der Fertigstellung des [[Leybuchtsiel | Leybuchtsiels]] wurde das Land um Vierzig Diemat tatsächlich sturmflutsicher. Dies erklärt zugleich, warum die östliche Straßenseite des [[Burggraben | Burggrabens]] bereits zuvor bebaut wurde, während der westliche Teil erst nach 1929 bebaut wurde.
 
== Gebäude ==
 
Vierzig Diemat bestand in seiner Anfangszeit vor allem aus Wohnblocks, die sich entlang der [[Berend-de-Vries-Straße]], [[Enno-Hektor-Straße]] und [[August-Hinrichs-Straße]] konzentrieren. Die weiteren Straßen östlich der [[Zuckerpolderstraße]] bestehen bis zur [[Herbert-Gentzsch-Straße]] vor allem aus Reihenhäusern. Freistehende Einfamilienhäuser sind im vorgenannten selten und wurden erst im Laufe der weiteren Jahre erbaut.
 
In den 1990er Jahren wurde Vierzig Diemat westlich der Zuckerpolderstraße um ein Neubaugebiet erweitert, das auch den Namen [[Bürgermeisterviertel]] trägt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Straßen dort zwischen Zuckerpolderstraße und [[Wigboldstraße]] nach ehemaligen Norder Bürgermeistern benannt wurden.
 
Ab den 2000er Jahren wurde das Viertel durch weitere Straßen erweitert. Entgegen ihrer anfänglichen Bebauung handelt es sich bei den Neubauten überwiegend um freistehende Einfamilienhäusern mit eigenem Grundstück und Garagen.


Mitte der 2010er Jahre folgten zwei Stadtvillenähnliche Mehrfamilienhäuser.
Zur gemeinsamen Nutzung und Verwaltung gründeten die Pächter die [[Leegemoorgesellschaft]]. Die Flächen wurden seit jeher überwiegend zur Viehhaltung verwendet. Dazu beschäftigte man einen eigenen Hirten, der in einem eigenen [[Hirtenhaus (Leegemoorgesellschaft)|Hirtenhaus]] wohnte. In einem Raum dieses Hauses hielt die Leegemoorgesellschaft früher auch ihre jährlichen Treffen statt. Das Gebäude ist bis heute erhalten und befindet sich am Ende der [[Zinngießerstraße]]. An dieses Hirtenhaus erinnert die Straße [[Zum Hirtenhaus]].<ref name=":0" /> Im Osten des Leegemoors entstand die Gemeinweide der [[Altenbürgerlande]]. Die Flächen wurden ähnlich genutzt und auch diese Gesellschaft erbaute ein [[Hirtenhaus (Altenbürgerlande)|Hirtenhaus]], welches sich an der [[Bundesstraße]] befand. Im Gegensatz zum Hirtenhaus der Leegemoorgesellschaft ist dieses jedoch nicht mehr erhalten.


Ab 2017 begonnene Pläne zum Bau eines neuen [[Polizeikommissariat | Polizeigebäudes]] hinter dem [[Schlachthof]] wurden 2020 verworfen und als neuer Standort eine Fläche auf dem ehemaligen [[Doornkaat | Doornkaatgelände]] ins Auge gefasst.
Das Gebiet von Leegemoor umfasste zu Beginn je nach Quelle eine Fläche von 95 [[Grasen]] bis zu 95 [[Diemat]]. Vier Grasen entsprechen etwa drei Diemat, ein Diemat wiederum sind ungefähr 5.700 Quadratmeter.<ref name=":0" /> Heute lässt sich das Gebiet kaum noch eingrenzen, im täglichen Sprachgebrauch wird das gesamte Gewerbegebiet als ''Leegemoor'' bezeichnet, wobei dieses größer ist als das ursprünglich von der Leegemoorgesellschaft ge- und verpachtete Land. Das ''heutige Leegemoor'' umfasst bereits jetzt eine Fläche von gut 160 Hektar und soll aufgrund einer ungebrochenen Nachfrage nach weiteren Gewerbeansiedlungen auch in Zukunft erweitert werden.


2020 eröffnete die Post ein innerhalb kürzester Zeit erbautes Logistikzentrum auf ehemals unbebauten Gebiet. Das [[Postamt | Postgebäude]] am östlichen [[Am Markt | Marktplatz]] wurde daraufhin geschlossen.
Die Nutzung als Gewerbegebiet wurde 1974 beschlossen.<ref name=":2">Rack, Eberhard (1982): Up Leegemoors Wohlfahrt, Norden, S. 2</ref> Der erste Abschnitt umfasste 19,32 Hektar und wurde 1977, beginnend mit der [[Stellmacherstraße]], erschlossen.<ref name=":2" /><ref name=":1">Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 86</ref> Die Stadt schloss hierfür einen Pachtvertrag mit der Leegemoorgesellschaft, der am 1. Oktober 1974 begann und zunächst eine Pachtfläche von 19,3 Hektar umfasste.<ref name=":1" /><ref name=":3">Rack, Eberhard (1982): Up Leegemoors Wohlfahrt, Norden, S. 33</ref> Zum 1. Oktober 1979 kamen weitere 8,8 Hektar hinzu.<ref name=":3" /> 1981 folgte ein zweiter Abschnitt von 8,7115 Hektar, der ab 1982 bebaut wurde.<ref name=":2" /> Die Stadt hatte lange ein eigenes Gewerbegebiet ersehnt. Früher war es üblich, dass Wohn- und Gewerbegebiete nicht voneinander getrennt waren, sondern sich die Industrie direkt in der Stadt befand. Dieses Denken wandelte sich jedoch im Laufe der Zeit, insbesondere im Zuge der Industrialisierung, als die rauchenden Schornsteine die Atemluft der Stadtbewohner verdreckten. Doch hatte die Stadt schlichtweg keinen Platz. Erst die niedersächsische Gemeindereform, bei der die [[Norder Umlandgemeinden]] zum 1. Juli 1972 eingemeindet wurden, standen große Freiflächen zur Verfügung. Das Leegemoor eignete sich aufgrund seiner Größe und seiner verkehrsgünstigen Anbindung an die [[Bundesstraße]] und die [[Bahnstrecke Rheine-Norddeich Mole]] geradezu vorzüglich dafür. Zudem befand es sich südlich der Stadt in Randlage, sodass der Gewerbeverkehr nicht durch die Stadt hindurch musste.


Ab 2021 soll westlich von Vierzig Diemat, hinter dem Bürgermeisterviertel, ein weiteres Neubaugebiet entstehen. Diese Fläche liegt jedoch auf dem Gelände von Westermarsch I und gehört damit nicht mehr zu Vierzig Diemat.
In den Folgejahren, insbesondere seit den 1990er Jahren wuchs das Gewerbegebiet immens und ist bis heute von zentraler Bedeutung für die städtische Wirtschaft. Um die Jahrtausendwende hatten sich bereits 60 Firmen mit rund 1.800 Beschäftigten hier niedergelassen.<ref name=":1" />


Das Gewerbe siedelt sich hier fast ausschließlich auf der südlichen Straßenseite von [[Am Norder Tief]] an. Am westlichen Ende liegen das [[Klärwerk]] sowie der [[Bauhof]] der Stadt Norden. Bis zum Ersten Weltkrieg befand sich hier eine [[Ziegelei (Vierzig Diemat) | Ziegelei]]. Westlich vom [[Burggraben]] befindet sich der [[Schlachthof]], welcher noch heute in geringem Umfang in Betrieb ist.
== Galerie ==
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Datei:Leegemoor 30012021 01.jpg|Bild 1
Datei:Leegemoor 30012021 02.jpg|Bild 2
Datei:Leegemoor 30012021 03.jpg|Bild 3
Datei:Leegemoor 30012021 04.jpg|Bild 4
</gallery>'''Erläuterungen zu Bild 1 bis 4:'''


Unbebautes Land befindet sich (Stand: Dezember 2020) noch zwischen dem Schlachthof und der [[Herbert-Dunkel-Straße]] sowie südlich der [[Bürgermeister-Dr.-Schöneberg-Straße]] bzw. westlich der [[Bürgermeister-Peters-Straße]]. Aufgrund der Geruchsbelästigung durch das Klärwerk ist eine Bebauung für Wohnzwecke der letztgenannten Fläche jedoch eher unwahrscheinlich.
Die Bilder entstanden am 30. Januar 2021 und zeigen das Gewerbegebiet Leegemoor aus verschiedenen Luftperspektiven.


==Quellenverzeichnis==
==Einzelnachweise==
* Scheuermann, Ulrich (1995): Flurnamenforschung. Bausteine zur Heimat- und Regionalgeschichte
<references />
* Schreiber, Gretje (2011): Das Norder Hafengebiet und seine beiden Häfen im 16. Jahrhundert


== Siehe auch ==
== Siehe auch ==
*[[Westermarscher Neuland]]
*[[Leegemoorgesellschaft]]
*[[Westermarscher Altes Neuland]]
*[[Hirtenhaus (Altenbürgerlande)]]
*[[Hirtenhaus (Leegemoorgesellschaft)]]


[[Kategorie:Stadtviertel von Norden]]
[[Kategorie:Stadtviertel von Norden]]
[[Kategorie:Vierzig Diemat]]
[[Kategorie:Leegemoor]]