Ziegelei (Westermarsch I): Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
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==Ziegelei==
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|1770
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|Stadtteil/-viertel
|Erbauer
|[[Westermarsch I]]
|[[Folkmar Lantzius]]
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|Bauweise
|Ziegelei
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|Erhaltungszustand
|1912 / 1913 abgebrochen
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26506 Norden
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|} __NOTOC__
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Die '''Ziegelei in Westermarsch I''' (auch: ''Kaufmann'sche Ziegelei, Lantzius'sche Ziegelei'') war der (wesentlich unbekanntere) Vorgängerbau der [[Ziegelei (Westermarsch II)|Ziegelei in Westermarsch II]]. Sie hat ihren Ursprung im 16. Jahrhundert und befand sich in unmittelbarer Nähe einer im 18. Jahrhundert wüst gefallenen Kalkbrennerei.
Der wesentlich bekanntere Vorläufer der [[Ziegelei (Westermarsch II)|Ziegelei in Westermarsch II]] war die '''Ziegelei in Westermarsch I'''. Das alte Ziegelwerk wurde schon am 11. März 1585 in einem Kaufbrief zwischen der Familie [[Manninga]] und Roelf Schmidt als "Tichelbude" am "Gaster Tief" genannt. 1770 wird eine "Stein- und Dachziegelbrennerei nebst dazu gehörigen 3 Stein Hütten an der Knollenbrücke" erwähnt. Diese wurde [[Folkmar Lantzius|Folkmar Friedrich Wilhelm Lantzius]], dem Gründer der [[Fehngesellschaft]] erbaut. Die Brennöfen der [[Liste der Ziegeleien|Ziegeleien der Umgebung]] wurden mit Torf aus [[Norderfehn]] (heute Berumerfehn]] geheizt.
 
== Geschichte ==
Das alte Ziegelwerk wurde erstmalig am 11. März 1585 in einem Kaufbrief zwischen der Familie [[Manninga]] und [[Roelf Schmidt]] als ''Tichelbude am [[Gaster Tief]]'' genannt.<ref>NLA Au, Dep. 4 II a, Nr. 98</ref> 1770 wird eine ''Stein- und Dachziegelbrennerei nebst dazu gehörigen 3 Stein Hütten an der [[Knullenbrücke]]'' erwähnt, erbaut von [[Folkmar Lantzius|Folkmar Friedrich Wilhelm Lantzius]], dem Mitbegründer der [[Norder Fehngesellschaft]].<ref>StAA, Rep. 237, Bd. 1327, Nr. 27 A</ref> Dieser hatte ein Jahr zuvor um eine Baugenehmigung ersucht, weil er die Lage am [[Gastmarscher Siel]], das auch über einen Anlegestellte verfügte, als förderlich erachtete.<ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 188</ref> 1777 erwarb er die verfallenen Gebäude sowie das Grundstück einer alten, benachbarten Kalkbrennerei gemeinsam mit Amtsgerichtsassessor Roth für 1.200 Gulden, nahm diese zunächst wieder in Betrieb, doch schon 1790 wurde der Betrieb wieder eingestellt und die Gebäude bis zum 23. Februar 1793 abgebrochen, der dazugehörige halbe [[Diemat]] Land ging an den nahegelegenen [[Hof Rysdyk]]. Der Besitzer hatte dafür ein anderes Stück Land eingetauscht.<ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 194f.</ref>
 
Die Brennöfen der Ziegeleien der Umgebung wurden vor allem mit Torf aus [[Norderfehn]] (heute Berumerfehn) geheizt, wobei Lantzius natürlich zugute kam, dass er zugleich Gründungsdirektor der den Torf importierenden [[Norder Fehngesellschaft]] war. Ostfriesland war bis in die 1960er Jahre ein ''Ziegeleiland'' mit unzähligen kleinen und großen Ziegeleien. Der [[Marsch|marschtypische]] Kleiboden war vermischt mit Rohsand Ausgangsmaterial für die Herstellung von Ziegelsteinen, weshalb sich das Gebiet hervorragend dafür eignete. So ist es nicht verwunderlich, dass für das Jahr 1785 immerhin 43.550 Steine und ein Jahr später sogar 66.800 Steine und Pfannen gebrannt und exportiert wurden.<ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 190</ref>
 
Nach dem Tode von Lantzius ging die Ziegelei an seine Nachkommen und von diesen 1862 an [[Hinderk Jacobs Rosenboom]], der sie für 11.370 Reichstaler in Gold erwarb. Anschließend wurde [[Johannes Bos]] neuer Eigentümer und 1897 schließlich [[Rolf Kaufmann]]. Unter dessen Inhaberschaft blieb die Ziegelei noch bis 1909 in Betrieb und wurde danach an die [[Ziegeleistraße]] verlegt (siehe auch: [[Ziegelei (Westermarsch II)|Ziegelei zu Westermarsch II]]).<ref name=":0">Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 246</ref><ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 289</ref>


Aus der Zeit vor dem Abbruch der Ziegelei im Jahre 1912/13 existiert ein Foto der Ziegelei, die damals "Götzentempel" genannt wurde. Um 1897 hatte Rolf Kaufmann die Ziegelei, die hier bis 1909 in Betrieb blieb, übernommen. Dann wurde der Betrieb in die [[Ziegeleistraße]] verlegt.
Aus der Zeit vor dem Abbruch der Ziegelei im Jahre 1912/13 existiert ein Foto der Ziegelei, die damals ''Götzentempel'' genannt wurde.<ref>Imhoff, Mathilde (1988): Heim und Herd (Beilage zum Ostfriesischen Kurier) vom 30. April 1988, Nr. 1f.</ref><ref name=":1" /> In dieser Zeit wurde die alte Ziegelei schließlich auch abgebrochen.<ref name=":0" />


Ostfriesland war bis in die 1960er Jahre ein "Ziegeleiland" mit unzähligen kleinen und großen Ziegeleien. Der marschtypische Kleiboden war vermischt mit Rohsand Ausgangsmaterial für die Herstellung von Ziegelsteinen, weshalb sich das Gebiet hervorragend dafür eignete.
== Sonstiges ==
Zwischen der [[Ziegelei (Vierzig Diemat)|Ziegelei in Vierzig Diemat]] und dieser scheint es eine Verbindung gegeben zu haben. Auf der preußischen Grundkarte von ca. 1895 steht über der Ziegelei "Zuckerpolder", obwohl dieser wesentlich weiter südlich liegt. Wahrscheinlich handelte es sich um zwei zusammengehörige Werke, die diesen Namen als Alternativbezeichnung trugen.<ref>Preußische Grundkarte von ca. 1895 (Erste Landesaufnahme)</ref>


==Quellenverzeichnis==
==Einzelnachweise==
* Imhoff, Mathilde (1988): Flurnamen zur Deutschen Grundkarte (DGK 5) 2409/6 Addinggaster Polder, in: Heim und Herd (Beilage zum Ostfriesischen Kurier) vom 30. April 1988, Nr. 1f.
<references />
* NLA Au, Dep. 4 II a, Nr. 98
* StAA, Rep. 237, Bd. 1327, Nr. 27 A
* Uphoff, Rolf (1992): Das "Zuckerpolder-Projekt", in: Heim und Herd 24. Dezember 1992, Beilage "Ostfriesischer Kurier" Nr. 12, S. 46ff.


==Siehe auch==
==Siehe auch==
*[[Ziegelei (Vierzig Diemat)]]
*[[Knullenbrücke]]
*[[Ziegelei (Westermarsch II)]]


[[Kategorie:Gewerbe im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Gebäude im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Gebäude im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Gebäude in Westermarsch I]]
[[Kategorie:Gebäude in Westermarsch I]]
[[Kategorie:Westermarsch I]]
[[Kategorie:Westermarsch I]]

Aktuelle Version vom 23. Mai 2022, 17:18 Uhr

Ziegelei am Altendeichsweg

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Basisdaten
Entstehungszeit 1770
Erbauer Folkmar Lantzius
Bauweise Ziegelei
Erhaltungszustand 1912 / 1913 abgebrochen
Genaue Lage Altendeichsweg, Ecke Hansweg

26506 Norden

Die Ziegelei in Westermarsch I (auch: Kaufmann'sche Ziegelei, Lantzius'sche Ziegelei) war der (wesentlich unbekanntere) Vorgängerbau der Ziegelei in Westermarsch II. Sie hat ihren Ursprung im 16. Jahrhundert und befand sich in unmittelbarer Nähe einer im 18. Jahrhundert wüst gefallenen Kalkbrennerei.

Geschichte

Das alte Ziegelwerk wurde erstmalig am 11. März 1585 in einem Kaufbrief zwischen der Familie Manninga und Roelf Schmidt als Tichelbude am Gaster Tief genannt.[1] 1770 wird eine Stein- und Dachziegelbrennerei nebst dazu gehörigen 3 Stein Hütten an der Knullenbrücke erwähnt, erbaut von Folkmar Friedrich Wilhelm Lantzius, dem Mitbegründer der Norder Fehngesellschaft.[2] Dieser hatte ein Jahr zuvor um eine Baugenehmigung ersucht, weil er die Lage am Gastmarscher Siel, das auch über einen Anlegestellte verfügte, als förderlich erachtete.[3] 1777 erwarb er die verfallenen Gebäude sowie das Grundstück einer alten, benachbarten Kalkbrennerei gemeinsam mit Amtsgerichtsassessor Roth für 1.200 Gulden, nahm diese zunächst wieder in Betrieb, doch schon 1790 wurde der Betrieb wieder eingestellt und die Gebäude bis zum 23. Februar 1793 abgebrochen, der dazugehörige halbe Diemat Land ging an den nahegelegenen Hof Rysdyk. Der Besitzer hatte dafür ein anderes Stück Land eingetauscht.[4]

Die Brennöfen der Ziegeleien der Umgebung wurden vor allem mit Torf aus Norderfehn (heute Berumerfehn) geheizt, wobei Lantzius natürlich zugute kam, dass er zugleich Gründungsdirektor der den Torf importierenden Norder Fehngesellschaft war. Ostfriesland war bis in die 1960er Jahre ein Ziegeleiland mit unzähligen kleinen und großen Ziegeleien. Der marschtypische Kleiboden war vermischt mit Rohsand Ausgangsmaterial für die Herstellung von Ziegelsteinen, weshalb sich das Gebiet hervorragend dafür eignete. So ist es nicht verwunderlich, dass für das Jahr 1785 immerhin 43.550 Steine und ein Jahr später sogar 66.800 Steine und Pfannen gebrannt und exportiert wurden.[5]

Nach dem Tode von Lantzius ging die Ziegelei an seine Nachkommen und von diesen 1862 an Hinderk Jacobs Rosenboom, der sie für 11.370 Reichstaler in Gold erwarb. Anschließend wurde Johannes Bos neuer Eigentümer und 1897 schließlich Rolf Kaufmann. Unter dessen Inhaberschaft blieb die Ziegelei noch bis 1909 in Betrieb und wurde danach an die Ziegeleistraße verlegt (siehe auch: Ziegelei zu Westermarsch II).[6][7]

Aus der Zeit vor dem Abbruch der Ziegelei im Jahre 1912/13 existiert ein Foto der Ziegelei, die damals Götzentempel genannt wurde.[8][7] In dieser Zeit wurde die alte Ziegelei schließlich auch abgebrochen.[6]

Sonstiges

Zwischen der Ziegelei in Vierzig Diemat und dieser scheint es eine Verbindung gegeben zu haben. Auf der preußischen Grundkarte von ca. 1895 steht über der Ziegelei "Zuckerpolder", obwohl dieser wesentlich weiter südlich liegt. Wahrscheinlich handelte es sich um zwei zusammengehörige Werke, die diesen Namen als Alternativbezeichnung trugen.[9]

Einzelnachweise

  1. NLA Au, Dep. 4 II a, Nr. 98
  2. StAA, Rep. 237, Bd. 1327, Nr. 27 A
  3. Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 188
  4. Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 194f.
  5. Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 190
  6. 6,0 6,1 Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 246
  7. 7,0 7,1 Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 289
  8. Imhoff, Mathilde (1988): Heim und Herd (Beilage zum Ostfriesischen Kurier) vom 30. April 1988, Nr. 1f.
  9. Preußische Grundkarte von ca. 1895 (Erste Landesaufnahme)

Siehe auch