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'''Norddeich''' ist ein Stadtteil von Norden und hat 1.288 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2021), die sich auf einer Fläche von rund 10,52 km² verteilen. Bedingt durch seinen prosperierenden Tourismus gelangte der Ort zu bundesweit Bekanntheit, bisweilen sogar bekannter als die [[Stadt Norden]] selbst, zu der der Ort seit 1972 gehört.
'''Norddeich''' ist ein Stadtteil von Norden und hat 1.256 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2022), die sich auf einer Fläche von rund 10,52 km² verteilen. Bedingt durch seinen prosperierenden Tourismus gelangte der Ort zu bundesweit Bekanntheit, bisweilen sogar bekannter als die [[Stadt Norden]] selbst, zu der der Ort seit 1972 gehört.
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==Namensherkunft==
==Namensherkunft==
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Der Großteil des Gebiets des heutigen Ortes lag seinerzeit weiter im Landesinneren als heute. Nordwestlich von Norddeich gab es am damaligen Deichfuß in der Ortschaft [[Itzendorf]] einen ersten Schiffsanleger, der vor allem von Fischerbooten genutzt wurde. Die [[Weihnachtsflut|Weihnachtsflut von 1717]] durchbrach die Deichlinie und überflutete Itzendorf. Die Ortschaft musste 1721 aufgegeben und ausgedeicht werden, nachdem mehrere Versuche, es wiederaufzubauen, aufgrund der zu massiven Schäden, scheiterten. Die Deichlinie wurde weiter südlich an die heutige Stelle verlegt, etwa mittig des heutigen Ortskerns. Hier können die Straßen [[Hattermannsweg]], [[Am Warft]] und [[Pelikanstraße]] als ungefähre Anhaltspunkte für diese Deichlinie angenommen werden. An den alten Ort erinnert heute noch eine Untiefe in der Nordsee sowie eine Straße in [[Westermarsch II]], die beide ''[[Itzendorfplate]]'' genannt werden. Zur Zeit der Bedeichung war die alte bäuerliche Sozialordnung noch in Kraft, sodass die Landnahme in [[Rott|Rotten]] erfolgte. So kolonisierten die aus dem Raume Norden angesetzten Siedler in der [[Ostermarsch]] in acht Rotten, in der Lintelermarsch in drei Rotten und in der [[Westermarsch]] in neun Rotten.<ref>Rack, Eberhard (1967): Besiedlung und Siedlung des Altkreises Norden, Münster, S. 60</ref>
Der Großteil des Gebiets des heutigen Ortes lag seinerzeit weiter im Landesinneren als heute. Nordwestlich von Norddeich gab es am damaligen Deichfuß in der Ortschaft [[Itzendorf]] einen ersten Schiffsanleger, der vor allem von Fischerbooten genutzt wurde. Die [[Weihnachtsflut|Weihnachtsflut von 1717]] durchbrach die Deichlinie und überflutete Itzendorf. Die Ortschaft musste 1721 aufgegeben und ausgedeicht werden, nachdem mehrere Versuche, es wiederaufzubauen, aufgrund der zu massiven Schäden, scheiterten. Die Deichlinie wurde weiter südlich an die heutige Stelle verlegt, etwa mittig des heutigen Ortskerns. Hier können die Straßen [[Hattermannsweg]], [[Am Warft]] und [[Pelikanstraße]] als ungefähre Anhaltspunkte für diese Deichlinie angenommen werden. An den alten Ort erinnert heute noch eine Untiefe in der Nordsee sowie eine Straße in [[Westermarsch II]], die beide ''[[Itzendorfplate]]'' genannt werden. Zur Zeit der Bedeichung war die alte bäuerliche Sozialordnung noch in Kraft, sodass die Landnahme in [[Rott|Rotten]] erfolgte. So kolonisierten die aus dem Raume Norden angesetzten Siedler in der [[Ostermarsch]] in acht Rotten, in der Lintelermarsch in drei Rotten und in der [[Westermarsch]] in neun Rotten.<ref>Rack, Eberhard (1967): Besiedlung und Siedlung des Altkreises Norden, Münster, S. 60</ref>
 
[[Datei:Norddeich Strandleben 1927.jpg|mini|Strandleben im Jahre 1927.]]
In unmittelbarer Nähe von der ehemaligen Ortschaft Itzendorf entstand spätestens ab 1780 ein rund 20 Metern langer Nachfolgebau für den Hafen, der bis 1840 in Betrieb war. Östlich davon entwickelte sich seit dem Ende des 18. Jahrhunderts ein weiterer Hafen, den man zunächst als ''[[Fischerhausen]] am sogenannten Norddeich'' bezeichnete. Nahe dieses Hafens befanden sich zwei Bauernhöfe und ein Wirtshaus (den sogenannten [[Seebergskrug]]), welche mit weiteren kleinen Gebäuden zu einer Kleinstsiedlung verwuchsen und eine Art ersten Ortskern bildeten, von dem aus sich der Ort weiter entwickelte.
In unmittelbarer Nähe von der ehemaligen Ortschaft Itzendorf entstand spätestens ab 1780 ein rund 20 Metern langer Nachfolgebau für den Hafen, der bis 1840 in Betrieb war. Östlich davon entwickelte sich seit dem Ende des 18. Jahrhunderts ein weiterer Hafen, den man zunächst als ''[[Fischerhausen]] am sogenannten Norddeich'' bezeichnete. Nahe dieses Hafens befanden sich zwei Bauernhöfe und ein Wirtshaus (den sogenannten [[Seebergskrug]]), welche mit weiteren kleinen Gebäuden zu einer Kleinstsiedlung verwuchsen und eine Art ersten Ortskern bildeten, von dem aus sich der Ort weiter entwickelte.
[[Datei:Norddeich Kinder Ausflug um 1930 01.jpg|links|mini|Schulausflug um 1930.]]
[[Datei:Norddeich Kinder Ausflug um 1930 01.jpg|mini|Schulausflug um 1930.]]
 


Im 18. Jahrhundert gewann der Tourismus allmählich an immer größer werdender Bedeutung, jedoch blieben die bis dahin vorherrschenden Wirtschaftszweige - die Fischerei und die Landwirtschaft - bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts weiterhin von zentraler Bedeutung. Mit dem Tode des letzten Grafen von Ostfriesland, [[Carl Edzard Cirksena]], fiel Ostfriesland - und damit auch Norddeich - im Jahre 1744 an das Königreich Preußen. Nach dem Sieg Napoleons über Preußen im Jahr 1806 wurde Ostfriesland ab 1807 Teil des Königreichs Holland, einem Vasallenstaat Frankreichs. Dies blieb bis 1813 so, als Ostfriesland nach der Vertreibung Napoleons wieder an Preußen fiel. In diesem Jahr wurde Norddeich erstmals als ''Küstenbadeort'' bezeichnet.[[Datei:Norddeich Badeanstalt 05 08 1938 01.jpg|mini|Badegäste vergnügen sich im Wasser (5. August 1938).]]
Im 18. Jahrhundert gewann der Tourismus allmählich an immer größer werdender Bedeutung, jedoch blieben die bis dahin vorherrschenden Wirtschaftszweige - die Fischerei und die Landwirtschaft - bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts weiterhin von zentraler Bedeutung. Mit dem Tode des letzten Grafen von Ostfriesland, [[Carl Edzard Cirksena]], fiel Ostfriesland - und damit auch Norddeich - im Jahre 1744 an das Königreich Preußen. Nach dem Sieg Napoleons über Preußen im Jahr 1806 wurde Ostfriesland ab 1807 Teil des Königreichs Holland, einem Vasallenstaat Frankreichs. Dies blieb bis 1813 so, als Ostfriesland nach der Vertreibung Napoleons wieder an Preußen fiel. In diesem Jahr wurde Norddeich erstmals als ''Küstenbadeort'' bezeichnet.[[Datei:Norddeich Badeanstalt 05 08 1938 01.jpg|mini|Badegäste vergnügen sich im Wasser (5. August 1938).]]
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Für 1960 wurden bereits 50.000 Übernachtungen verzeichnet. Im Jahr 1962 übernahm ein [[Zweckverband zur Förderung des Bade- und Fremdenverkehrs in Norden-Norddeich|kommunaler Zweckverband]] die Aufgaben des Bade- und Verkehrsverein für Norden und Norddeich. Durch die [[Sturmflut 1962|Sturmflut vom 16. auf den 17. Februar 1962]] wurde auch Norddeich stark betroffen. Die 1965 aus fünf kleineren Verbänden gegründete [[Deichacht Norden]] ließ die gesamte Deichlinie zur Nordsee wesentlich erhöhen und verstärken. Diese Maßnahmen dauerten bis 1988 an. Parallel dazu wurde im Jahre 1969 ein 80.000 Quadratmeter großer [[Norddeicher Strand|Sandstrand]] aufgespült. Im gleichen Jahr nahm die [[Jugendherberge]] ihren Betrieb auf. 1975 wurde das [[Freibad Norddeich|Freibad]] errichtet.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 83</ref> Die Übernachtungszahlen stiegen unaufhörlich weiter. Bis 1970 stiegen sie um gut 500 % auf 251.200, weitere zehn Jahre später waren es gar 675.132 Übernachtungen.<ref>Sanders, Adolf (1988): Unsere Stadt hinterm Deich, Norden, S. 56</ref>
Für 1960 wurden bereits 50.000 Übernachtungen verzeichnet. Im Jahr 1962 übernahm ein [[Zweckverband zur Förderung des Bade- und Fremdenverkehrs in Norden-Norddeich|kommunaler Zweckverband]] die Aufgaben des Bade- und Verkehrsverein für Norden und Norddeich. Durch die [[Sturmflut 1962|Sturmflut vom 16. auf den 17. Februar 1962]] wurde auch Norddeich stark betroffen. Die 1965 aus fünf kleineren Verbänden gegründete [[Deichacht Norden]] ließ die gesamte Deichlinie zur Nordsee wesentlich erhöhen und verstärken. Diese Maßnahmen dauerten bis 1988 an. Parallel dazu wurde im Jahre 1969 ein 80.000 Quadratmeter großer [[Norddeicher Strand|Sandstrand]] aufgespült. Im gleichen Jahr nahm die [[Jugendherberge]] ihren Betrieb auf. 1975 wurde das [[Freibad Norddeich|Freibad]] errichtet.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 83</ref> Die Übernachtungszahlen stiegen unaufhörlich weiter. Bis 1970 stiegen sie um gut 500 % auf 251.200, weitere zehn Jahre später waren es gar 675.132 Übernachtungen.<ref>Sanders, Adolf (1988): Unsere Stadt hinterm Deich, Norden, S. 56</ref>


Im Rahmen der niedersächsischen Kommunalreform wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Lintelermarsch aufgelöst und unter dem Namen ''Norddeich'' zum 1. Juli 1972 ein Stadtteil von Norden. Der Name wurde gewählt, da dieser sich besser touristisch vermarkten ließ und sich im Laufe der Zeit ohnehin als Bezeichnung für die Lintelermarsch durchsetzte. Die Eingemeindung förderte nicht zuletzt die Gründung der [[Kurbetriebs GmbH]]. Vor einem inzwischen neugebauten Hauptdeich in Norddeich entstanden in den siebziger Jahren Freizeitanlagen, unter anderem ein [[Meerwasserbadebecken]] (1973) und das [[Haus des Gastes]] (1975 bis 1976). Hinter dem Deich folgten landeinwärts ein [[Ocean Wave|Hallenbad]], der [[Wellenpark]] sowie die [[Seehundstation Norddeich|Seehundstation]]. 1979 erhielt Norddeich das Prädikat ''Staatlich anerkanntes Nordseebad''. 1980 wurde das [[Kinderspielhaus]] errichtet.
Im Rahmen der niedersächsischen Kommunalreform wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Lintelermarsch aufgelöst und unter dem Namen ''Norddeich'' zum 1. Juli 1972 ein Stadtteil von Norden. Der Name wurde gewählt, da dieser sich besser touristisch vermarkten ließ und sich im Laufe der Zeit ohnehin als Bezeichnung für die Lintelermarsch durchsetzte. Die Eingemeindung förderte nicht zuletzt die Gründung der [[Kurbetriebs GmbH]]. Vor einem inzwischen neugebauten Hauptdeich in Norddeich entstanden in den siebziger Jahren Freizeitanlagen, unter anderem ein [[Meerwasserbadebecken]] (1973) und das [[Haus des Gastes]] (1975 bis 1976). Hinter dem Deich folgten landeinwärts ein [[Ocean Wave|Hallenbad]], der [[Wellenpark]] sowie die [[Seehundstation Norddeich|Seehundstation]]. 1979 erhielt Norddeich das Prädikat ''Staatlich anerkanntes Nordseebad''. 1980 wurde das [[Kinderspielhaus]] errichtet.
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* siehe auch: [[Liste der Gemeindevorsteher von Lintelermarsch]]
* siehe auch: [[Liste der Gemeindevorsteher von Lintelermarsch]]


Der oberste Beamte in der Grafen- bzw. Fürstenzeit (1464 - 1744) im Amt Norden war der Drost, später [[Amtsverwalter]] genannt, der die Oberaufsicht und Polizeigewalt im ganzen [[Amt Norden]] hatte. Der [[Vogt]], ein Exekutivbeamte des Drosten, wurde vom Fürsten persönlich ernannt. Sein Arbeitsbereich umfasste die gesamte Lintelermarsch sowie die frühere Norder Umlandgemeinde [[Sandbauerschaft]]. Dem Vogt wurde ein sogenannter ''Auskündiger'' beigesetzt, der vom Amtsverwalter eingesetzt wurde. Zusätzlich gab es die [[Rottmeister]], benannt nach den [[Rott|Rotten]] (vergleichbar mit heutigen Stadtvierteln) die die Aufgabe hatten, den Leuten, die im Rott wohnten, Steuerangelegenheiten und andere die Allgemeinheit betreffenden Pflichten oder Bestellungen kundzutun. Der Rottmeister amtierte zwei Jahre, das Amt wurde im Rott vergeben.
Der oberste Beamte in der Grafen- bzw. Fürstenzeit (1464-1744) im Amt Norden war der Drost, später [[Amtsverwalter]] genannt, der die Oberaufsicht und Polizeigewalt im ganzen [[Amt Norden]] hatte. Der [[Vogt]], ein Exekutivbeamte des Drosten, wurde vom Fürsten persönlich ernannt. Sein Arbeitsbereich umfasste die gesamte Lintelermarsch sowie die frühere Norder Umlandgemeinde [[Sandbauerschaft]]. Dem Vogt wurde ein sogenannter ''Auskündiger'' beigesetzt, der vom Amtsverwalter eingesetzt wurde. Zusätzlich gab es die [[Rottmeister]], benannt nach den [[Rott|Rotten]] (vergleichbar mit heutigen Stadtvierteln) die die Aufgabe hatten, den Leuten, die im Rott wohnten, Steuerangelegenheiten und andere die Allgemeinheit betreffenden Pflichten oder Bestellungen kundzutun. Der Rottmeister amtierte zwei Jahre, das Amt wurde im Rott vergeben.


Im 19. Jahrhundert stand ein Bürgermeister an oberster Spitze in der Gemeinde Lintelermarsch und nach der Gemeindereform 1972 ein [[Ortsvorsteher]], der Norddeich vor dem Rat und der Verwaltung der Stadt Norden vertritt. Der bekannteste Lintelermarscher Bürgermeister war [[Heinrich Balssen]], dem zu Ehren man auch die [[Bürgermeister-Balssen-Straße]] benannte.
Im 19. Jahrhundert stand ein Bürgermeister an oberster Spitze in der Gemeinde Lintelermarsch und nach der Gemeindereform 1972 ein [[Ortsvorsteher]], der Norddeich vor dem Rat und der Verwaltung der Stadt Norden vertritt. Der bekannteste Lintelermarscher Bürgermeister war [[Heinrich Balssen]], dem zu Ehren man auch die [[Bürgermeister-Balssen-Straße]] benannte. Sitz der Gemeindeverwaltung war zuletzt das [[Altes Rathaus (Lintelermarsch)|Alte Rathaus]] am [[Hattermannsweg]].


==Bildung==
==Bildung==
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===Fischerei und Landwirtschaft===
===Fischerei und Landwirtschaft===
[[Datei:Westermarsch Wattfischer mit Kreier 1955 01.jpg|mini|314x314px|Ein Wattfischer mit einem sogenannten ''Kreier'' (1955).]]
[[Datei:Westermarsch Wattfischer mit Kreier 1955 01.jpg|mini|314x314px|Ein Wattfischer mit einem sogenannten ''Kreier'' (1955).]]
Lange Zeit spielten vor allem die Fischerei und die Landwirtschaft eine Rolle und tun dies zum Teil bis heute. Bekannt ist, dass von Norddeich aus um 1888 sieben Schaluppen auf Schellfischfang gingen und auch ''Argenfischerei'' betrieben wurde.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 167</ref> Hierzu wurden auf einer Sandbank bis zu 800 Meter lange Buschzäune errichtet, die zu einem spitzen Winkel zusammenliefen und an dessen Ende Fangnetze (sogenannte ''Argen'') aufgestellt waren. Bei Ebbstrom verfingen sich dadurch Schollen, Butte und andere Fische in den Netzen.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 302</ref> 1920 wurde Norddeich bereits mit 14 Schiffen befischt. Darunter befanden sich zwei 160 PS starke Dampfer, drei Kutter und vier hölzerne Schaluppen mit einem nur 12 bis 20 starken Hilfsmotor.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 169</ref>
Lange Zeit spielten vor allem die Fischerei und die Landwirtschaft eine Rolle und tun dies zum Teil bis heute. Bekannt ist, dass von Norddeich aus um 1888 sieben Schaluppen auf Schellfischfang gingen und auch ''Argenfischerei'' betrieben wurde.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 167</ref> Hierzu wurden auf einer Sandbank bis zu 800 Meter lange Buschzäune errichtet, die zu einem spitzen Winkel zusammenliefen und an dessen Ende Fangnetze (sogenannte ''Argen'') aufgestellt waren. Bei Ebbstrom verfingen sich dadurch Schollen, Butte und andere Fische in den Netzen.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 302</ref> Um 1900 war diese Praxis wegen verbesserter Fangmethoden kaum noch gebräuchlich.<ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 258</ref> So wurde Norddeich im Jahre 1920 bereits mit 14 Schiffen befischt und auch der Granatfang begann seinen Siegeszug. Unter den genannten Schiffen befanden sich zwei 160 PS starke Dampfer, drei Kutter und vier hölzerne Schaluppen mit einem nur 12 bis 20 starken Hilfsmotor.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 169</ref>


In der frühen Nachkriegszeit wurden die Norddeicher Fischer nach Norderney beordert, um dort umfangreichen Fischfang zu betreiben. Die Nahrungsmittelknappheit war groß, auch die ''Frisia V'' der [[Reederei Frisia]] wurde für den Fischfang eingesetzt.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 168</ref><ref name=":0">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 169</ref> Die gefangenen Fische wurden von der Britischen Militärregierung in den Regionen entlang des westlichen Niedersachsens bis nach Osnabrück verteilt. Da die Fischgründe sich in der Kriegszeit erheblich erholen konnte, da viele Kutter als Hilfskreuzer von der Wehrmacht beschlagnahmt wurden, war die Ausbeute konnte und man konnte Fische sogar eine Zeit mit den Händen in den Prielen fangen.<ref name=":0" />
In der frühen Nachkriegszeit wurden die Norddeicher Fischer nach Norderney beordert, um dort umfangreichen Fischfang zu betreiben. Die Nahrungsmittelknappheit war groß, auch die ''Frisia V'' der [[Reederei Frisia]] wurde für den Fischfang eingesetzt.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 168</ref><ref name=":0">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 169</ref> Die gefangenen Fische wurden von der Britischen Militärregierung in den Regionen entlang des westlichen Niedersachsens bis nach Osnabrück verteilt. Da die Fischgründe sich in der Kriegszeit erheblich erholen konnte, da viele Kutter als Hilfskreuzer von der Wehrmacht beschlagnahmt wurden, war die Ausbeute konnte und man konnte Fische sogar eine Zeit mit den Händen in den Prielen fangen.<ref name=":0" />
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===Tourismus===
===Tourismus===
Haupterwerbszeig ist spätestens seit den 1950er Jahren der Tourismus, der sich immer weiter zum Massentourismus entwickelt. Der [[Norddeicher Hafen]] ist nach dem in Rostock und Puttgarden der größte Personenhafen Deutschlands mit jährlich über zwei Millionen Passagieren. Der Ort selbst verzeichnet jährlich bis zu zwei Millionen Übernachtungen. Bei einer Einwohnerzahl von knapp über 1.200 werden die Dimension und das Ausmaß des Fremdenverkehrs besonders deutlich. Ein Großteil aller Häuser und Wohnungen wird entweder vollständig oder zumindest teilweise zu Zwecken des Tourismus vermietet. Dazu kommen eine Vielzahl an Pensionen und Hotels der unterschiedlichsten Kategorien sowie eine herausragende Anzahl an Restaurants und weiteren, dem Tourismus dienende Einrichtungen.
Haupterwerbszeig ist spätestens seit den 1950er Jahren der Tourismus, der sich immer weiter zum Massentourismus entwickelt. Der [[Norddeicher Hafen]] ist nach dem in Rostock und Puttgarden der größte Personenhafen Deutschlands mit jährlich über zwei Millionen Passagieren. Der Ort selbst verzeichnet jährlich bis zu zwei Millionen Übernachtungen. Bei einer Einwohnerzahl von knapp über 1.200 werden die Dimension und das Ausmaß des Fremdenverkehrs besonders deutlich. Ein Großteil aller Häuser und Wohnungen wird entweder vollständig oder zumindest teilweise zu Zwecken des Tourismus vermietet. Dazu kommen eine Vielzahl an Pensionen und Hotels der unterschiedlichsten Kategorien sowie eine herausragende Anzahl an Restaurants und weiteren, dem Tourismus dienende Einrichtungen.
[[Datei:Postkarte Norddeich um 1935 01.jpg|links|mini|Postkarte mit Werbung für Norddeich (um 1935).]]
[[Datei:Postkarte Norddeich um 1935 01.jpg|mini|Postkarte mit Werbung für Norddeich (um 1935).]]
Der wohl älteste schriftliche Beleg für touristische Aktivitäten in Norddeich ist ein am 21. Juli 1813 veröffentlicht Prospekt eines [[Roolf Seeberg|Roolf W. Seeberg]], Inhaber des [[Seebergskrug|''Seebergskrugs am Norddeiche'']]: ''"Die kleine Seebadeanstalt am Norddeiche ohnweit Norden betrf. mache ich Unterzeichneter […] näher bekannt.''" Es folgen Informationen und Preisangaben für warme und kalte Bäder in seinem Hause diesseits des Deiches sowie für die Nutzung einer Badekutsche jenseits des Deiches. Seeberg bot zur mehreren Bequemlichkeit der ''Herren Badegäste'' auch ein Fahrdienst im verdeckten viersitzigem Wagen, und zwar zweimal täglich - vormittags um 10:00 Uhr und nachmittags um 14:00 Uhr - von Norden aus an. Gegen diesen Prospekt, der auf der Vorderseite in deutscher und - mit Blick auf damals in Ostfriesland und auch in Norden und Umgebung stationierten französischen Besatzungstruppen - auf der Rückseite in französischer Sprache abgefasst war, intervenierte der Präfekt des Départements Ems-Oriental, da für die Veröffentlichung keine Genehmigung eingeholt worden sei. Diese aber wäre schon deshalb notwendig gewesen, weil der Prospekt ''ein Zulauf von fremden Reisenden auf die äußersten Gränzen des Reiches bewirken'' könnte. Seeberg wandte sich deshalb - den Dienstweg einhaltend - am 6. August 1813 an den Bürgermeister (''Maire'') von Lintelermarsch und suchte dort offiziell um eine Genehmigung für seinen Badebetrieb nach. Seinen Antrag begründete er unter anderem auf folgende Weise: ''"So habe ich mich entschloßen, weill ich am Deiche wohne, vor [= für] unseres Landes Leute zu mehr bequemlichkeit es einzurichten, das Herren und Dames die sich Schienären [= genieren] öffentlich zu baden, sich durch eine Maschine sich können herein farren [= fahren] laßen, und unter ein Fallschirm zu Baden."'' Außerdem verwies Seeberg auf die wissenschaftliche Abhandlung eines Professor Vogels über den Nutzen der Seebäder und einen anderen französischen Aufsatz, in dem Vogel die These vertrat, dass das Seebad in mehreren Krankheiten fast durch nichts zu ersetzen ist. Ob der Bürgermeister dem Antrag stattgab, ist nicht bekannt. Im gleichen Jahr fiel Ostfriesland jedoch auch wieder an Preußen zurück und die ''französischen Bedenken'' wurden damit bedeutungslos.
Der wohl älteste schriftliche Beleg für touristische Aktivitäten in Norddeich ist ein am 21. Juli 1813 veröffentlicht Prospekt eines [[Roolf Seeberg|Roolf W. Seeberg]], Inhaber des [[Seebergskrug|''Seebergskrugs am Norddeiche'']]: ''"Die kleine Seebadeanstalt am Norddeiche ohnweit Norden betrf. mache ich Unterzeichneter […] näher bekannt.''" Es folgen Informationen und Preisangaben für warme und kalte Bäder in seinem Hause diesseits des Deiches sowie für die Nutzung einer Badekutsche jenseits des Deiches. Seeberg bot zur mehreren Bequemlichkeit der ''Herren Badegäste'' auch ein Fahrdienst im verdeckten viersitzigem Wagen, und zwar zweimal täglich - vormittags um 10:00 Uhr und nachmittags um 14:00 Uhr - von Norden aus an. Gegen diesen Prospekt, der auf der Vorderseite in deutscher und - mit Blick auf damals in Ostfriesland und auch in Norden und Umgebung stationierten französischen Besatzungstruppen - auf der Rückseite in französischer Sprache abgefasst war, intervenierte der Präfekt des Départements Ems-Oriental, da für die Veröffentlichung keine Genehmigung eingeholt worden sei. Diese aber wäre schon deshalb notwendig gewesen, weil der Prospekt ''ein Zulauf von fremden Reisenden auf die äußersten Gränzen des Reiches bewirken'' könnte. Seeberg wandte sich deshalb - den Dienstweg einhaltend - am 6. August 1813 an den Bürgermeister (''Maire'') von Lintelermarsch und suchte dort offiziell um eine Genehmigung für seinen Badebetrieb nach. Seinen Antrag begründete er unter anderem auf folgende Weise: ''"So habe ich mich entschloßen, weill ich am Deiche wohne, vor [= für] unseres Landes Leute zu mehr bequemlichkeit es einzurichten, das Herren und Dames die sich Schienären [= genieren] öffentlich zu baden, sich durch eine Maschine sich können herein farren [= fahren] laßen, und unter ein Fallschirm zu Baden."'' Außerdem verwies Seeberg auf die wissenschaftliche Abhandlung eines Professor Vogels über den Nutzen der Seebäder und einen anderen französischen Aufsatz, in dem Vogel die These vertrat, dass das Seebad in mehreren Krankheiten fast durch nichts zu ersetzen ist. Ob der Bürgermeister dem Antrag stattgab, ist nicht bekannt. Im gleichen Jahr fiel Ostfriesland jedoch auch wieder an Preußen zurück und die ''französischen Bedenken'' wurden damit bedeutungslos.
== Erwähnenswerte Gebäude ==
* siehe auch: [[:Kategorie:Gebäude in Norddeich|Kategorie:Gebäude in Norddeich]]
=== Erhaltene Gebäude ===
* [[Alte Norddeicher Schule]]
* [[Armenplatz]]
* [[Dr. Becker Klinik]]
* [[Flugplatz]]
* [[Grundschule Norddeich]]
* [[Haus des Gastes]]
* [[Osterlooger Grashaus]]
* [[Sender Osterloog]] (''Waloseum'')
* [[Westerlooger Grashaus]]
=== Abgebrochene Gebäude ===
* [[Alte Osterlooger Schule]]
* [[Osterlooger Schule]]
* [[Seebergskrug]]


==Galerie==
==Galerie==