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==Geschichte==
==Geschichte==
[[Datei:Am Markt Marktplatz Weinhaus Ludgerikirche Bürgerwehr Parade 1848 01.jpg|links|mini|283x283px|Ein Gemälde des [[Johann Rudolf Siltmann (1789)|Johann Rudolf Siltmann]], das die Bürgerwehr 1848 bei einer Parade in Höhe des [[Weinhaus|Alten Weinhauses]] zeigt. Ausgestellt im [[Heimat- und Teemuseum]].]]
Die erste Bürgerwehr entstand in den Wirren des Revolutionsjahres 1848 (Märzrevolution), obgleich ihre Anfänge bereits am 15. Mai 1847 zu suchen sind.<ref name=":0" /><ref name=":4">Canzler, Gerhard (1994): Norden. Museen im Alten Rathaus, Norden, S. 115</ref> Sie bestand aus vier Kompanien zunächst freiwilliger, später dienstverpflichteter Bürger und erreichte daher schon früh mit 450 Mann die Stärke eines Bataillons.<ref name=":0">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 85</ref><ref name=":2">Behrends, Berend-Heiko (1969): Zwei Jahrhunderte Steinbömer Tabak, Norden, S. 34</ref> Als Kommandant fungierte der hochangesehene Norder Tabakfabrikant [[Arend Wilhelm Steinbömer (1811)|Arend Wilhelm Steinbömer]].<ref>Stöver, Christof (1998): Über die Gründung der Norder Bürgerwehr am 16. Mai 1848, In: Ostfriesland Magazin, 5, S. 82f.</ref> Ihm standen ein Premierlieutnant und drei Seconde-Lieutenant zur Seite. Nach dem Reglement der Wehr bestand sie aus vier Kompanien, die von je einem Hauptmann befehligt wurden, dem ein Feldwebel nachgeordnet war. Die einzelnen Züge innerhalb der Kompanien wurden von Unteroffizieren (Fähnrichen) geführt. Jeder Zug hatte zudem einen eigenen Fahnenträger.<ref name=":4" />
Die erste Bürgerwehr entstand in den Wirren des Revolutionsjahres 1848 (Märzrevolution), obgleich ihre Anfänge bereits am 15. Mai 1847 zu suchen sind.<ref name=":0" /><ref name=":4">Canzler, Gerhard (1994): Norden. Museen im Alten Rathaus, Norden, S. 115</ref> Sie bestand aus vier Kompanien zunächst freiwilliger, später dienstverpflichteter Bürger und erreichte daher schon früh mit 450 Mann die Stärke eines Bataillons.<ref name=":0">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 85</ref><ref name=":2">Behrends, Berend-Heiko (1969): Zwei Jahrhunderte Steinbömer Tabak, Norden, S. 34</ref> Als Kommandant fungierte der hochangesehene Norder Tabakfabrikant [[Arend Wilhelm Steinbömer (1811)|Arend Wilhelm Steinbömer]].<ref>Stöver, Christof (1998): Über die Gründung der Norder Bürgerwehr am 16. Mai 1848, In: Ostfriesland Magazin, 5, S. 82f.</ref> Ihm standen ein Premierlieutnant und drei Seconde-Lieutenant zur Seite. Nach dem Reglement der Wehr bestand sie aus vier Kompanien, die von je einem Hauptmann befehligt wurden, dem ein Feldwebel nachgeordnet war. Die einzelnen Züge innerhalb der Kompanien wurden von Unteroffizieren (Fähnrichen) geführt. Jeder Zug hatte zudem einen eigenen Fahnenträger.<ref name=":4" />


Die Bewaffnung wurde vorwiegend aus eigenen Mitteln der Mitglieder gestellt, denn schon seit dem 17. Jahrhundert waren die Norder Bürger aufgerufen, Waffen für den Verteidigungsfall vorzuhalten.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 55</ref> Hinzu kamen (gebrauchte) Gewehre und Piken, die Steinbömer günstig auftreiben konnte.<ref name=":2" /> So bestellte er beispielsweise 300 Gewehre mit Pulver und Bajonetten bei [[Cremer Haustechnik|Cremer]], die aus Amsterdam importiert wurden.<ref name=":4" /> Später lieferte Cremer noch Koppelriemen und Feuersteine für die Gewehre.<ref name=":5">Canzler, Gerhard (1994): Norden. Museen im Alten Rathaus, Norden, S. 117</ref> Die Munition wurde sodann im sogenannten [[Pulverturm]] nahe der [[Kolkbrücke]] aufbewahrt.<ref name=":1" />
Die Bewaffnung wurde vorwiegend aus eigenen Mitteln der Mitglieder gestellt, denn schon seit dem 17. Jahrhundert waren die Norder Bürger aufgerufen, Waffen für den Verteidigungsfall vorzuhalten.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 55</ref> Hinzu kamen (gebrauchte) Gewehre und Piken, die Steinbömer günstig auftreiben konnte.<ref name=":2" /> So bestellte er beispielsweise 300 Gewehre mit Pulver und Bajonetten bei [[Cremer Haustechnik|Cremer]], die aus Amsterdam importiert wurden.<ref name=":4" /> Später lieferte Cremer noch Koppelriemen und Feuersteine für die Gewehre.<ref name=":5">Canzler, Gerhard (1994): Norden. Museen im Alten Rathaus, Norden, S. 117</ref> Die Munition wurde sodann im sogenannten [[Pulverturm]] nahe der [[Kolkbrücke]] aufbewahrt.<ref name=":1" />[[Datei:Am Markt Marktplatz Weinhaus Ludgerikirche Bürgerwehr Parade 1848 01.jpg|mini|283x283px|Ein Gemälde des [[Johann Rudolf Siltmann (1789)|Johann Rudolf Siltmann]], das die Bürgerwehr 1848 bei einer Parade in Höhe des [[Weinhaus|Alten Weinhauses]] zeigt. Ausgestellt im [[Heimat- und Teemuseum]].]]


Ursächlich für die Gründung war einerseits der Wille der Bürger, ihre Stadt vor dem aufkommenden Chaos zu schützen, andererseits vor allem die Tatsache, dass die gesamte Gemeinde für durch Tumulte verursachte Schäden aufkommen musste, das den Nordern Bürgern natürlich zutiefst widerstrebte.<ref name=":0" /> Angeblich sei die Aufstellung zudem auf ausdrücklichen Willen der hannoverschen Regierung beschlossen worden, um sich gegen den aufkommenden Konflikt mit Dänemark wappnen.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 54</ref> So kam es, dass die königliche Regierung die Bürgerwehr auch finanziell unterstützte.<ref name=":2" /> Die Uniformierung, Bewaffnung und Ausbildung wurde hierbei durch ein eigenes Reglement festgelegt. Die Mitglieder trugen grüne Röcke und Wachstuchkappen mit schwarz-rot-goldenen Kokarden.<ref name=":3">Behrends, Berend-Heiko (1969): Zwei Jahrhunderte Steinbömer Tabak, Norden, S. 35</ref> Exzerzierübungen wurden zunächst auf dem späteren Gelände der [[Sägemühle Betriebsamkeit]] (heute [[Onno Behrends Tee]]) durchgeführt.<ref>Schreiber, Gretje (2011): Mühlen in Norden und Umgebung, Nr. 15</ref>
Ursächlich für die Gründung war einerseits der Wille der Bürger, ihre Stadt vor dem aufkommenden Chaos zu schützen, andererseits vor allem die Tatsache, dass die gesamte Gemeinde für durch Tumulte verursachte Schäden aufkommen musste, das den Nordern Bürgern natürlich zutiefst widerstrebte.<ref name=":0" /> Angeblich sei die Aufstellung zudem auf ausdrücklichen Willen der hannoverschen Regierung beschlossen worden, um sich gegen den aufkommenden Konflikt mit Dänemark wappnen.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 54</ref> So kam es, dass die königliche Regierung die Bürgerwehr auch finanziell unterstützte.<ref name=":2" /> Die Uniformierung, Bewaffnung und Ausbildung wurde hierbei durch ein eigenes Reglement festgelegt. Die Mitglieder trugen grüne Röcke und Wachstuchkappen mit schwarz-rot-goldenen Kokarden.<ref name=":3">Behrends, Berend-Heiko (1969): Zwei Jahrhunderte Steinbömer Tabak, Norden, S. 35</ref> Exzerzierübungen wurden zunächst auf dem späteren Gelände der [[Sägemühle Betriebsamkeit]] (heute [[Onno Behrends Tee]]) durchgeführt.<ref>Schreiber, Gretje (2011): Mühlen in Norden und Umgebung, Nr. 15</ref>
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Norder Frauen stifteten der Bürgerwehr zum 11. Oktober 1848 eine selbst gestickte Bataillonsfahne, die an diesem Tage nach einer feierlichen Fahnenweihe auf dem [[Marktplatz]] überreicht wurde.<ref name=":0" /> Auch lange nach der Revolution bestand die Wehr fort, 1849 wurde ihr eine Musikapelle, das ''Janitscharen-Corps Silistria'' angegliedert. Der Exerzierplatz wurde nun am [[Hof Selden Rüst]], damals noch eine Gastwirtschaft, eingerichtet. Dort fand seit 1850 auch das ''Bürgerwehr-Scheibenschießen'' statt.<ref name=":0" /> Für reguläre Zusammenkünfte nutzte man den Saal im [[Weinhaus]].<ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 13</ref>
Norder Frauen stifteten der Bürgerwehr zum 11. Oktober 1848 eine selbst gestickte Bataillonsfahne, die an diesem Tage nach einer feierlichen Fahnenweihe auf dem [[Marktplatz]] überreicht wurde.<ref name=":0" /> Auch lange nach der Revolution bestand die Wehr fort, 1849 wurde ihr eine Musikapelle, das ''Janitscharen-Corps Silistria'' angegliedert. Der Exerzierplatz wurde nun am [[Hof Selden Rüst]], damals noch eine Gastwirtschaft, eingerichtet. Dort fand seit 1850 auch das ''Bürgerwehr-Scheibenschießen'' statt.<ref name=":0" /> Für reguläre Zusammenkünfte nutzte man den Saal im [[Weinhaus]].<ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 13</ref>


Die Kapelle bestand bis zum 11. Juli 1855, zum 8. April 1857 wurden dann alle Bürgerwehren im Königreich Hannover per Dekret von König Georg IV. aufgelöst.<ref name=":0" /><ref name=":5" /> Die 406 Gewehre der Bürgerwehr wurden von der [[Stadt Norden]] 1861 nach Bonn verkauft.<ref name=":5" />
Die Kapelle bestand bis zum 11. Juli 1855, zum 8. April 1857 wurden dann alle Bürgerwehren im Königreich Hannover per Dekret von König Georg IV. aufgelöst.<ref name=":0" /><ref name=":5" /> Die 406 Gewehre der Bürgerwehr wurden von der [[Stadt Norden]] 1861 nach Bonn verkauft.<ref name=":5" /> Als Nachfolger der Bürgerwehr im weiteren Sinne (der Traditionspflege; Kameradschaftsschießen etc.) kann der [[Schützenbund Norden]] betrachtet werden. Die Fahne der Bürgerwehr ging jedoch nach einigen Jahren der städtischen Verwahrung an den ''[[Männer-Turn-Verein zu Norden]]'', welcher darum bei [[Johann Taaks|Bürgermeister Taaks]] gebeten hatte. Nachdem man versicherte, man werde die Fahne ehren sowie allabendlich zum Rathause zurückbringen, wurde sie dem Verein überlassen, damit dieser damit am jährlichen [[Schützenfest]] teilnehmen könne.<ref>Norder Turnverein (1986): 125 Jahre Norder Turnverein (Festschrift), Norden, S. 19</ref>
 
Als Nachfolger der Bürgerwehr im weiteren Sinne (der Traditionspflege; Kameradschaftsschießen etc.) kann der [[Schützenbund Norden]] betrachtet werden.


==Abgrenzung zur Bürgerkompanie==
==Abgrenzung zur Bürgerkompanie==