Schöninghsches Haus: Unterschied zwischen den Versionen
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| (6 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt) | |||
| Zeile 3: | Zeile 3: | ||
==Schöninghsches Haus== | ==Schöninghsches Haus== | ||
|- | |- | ||
| colspan="2" |{{# | | colspan="2" |{{#display_map: | ||
| Title = Schöninghsches Haus | | Title = Schöninghsches Haus | ||
| Text = Gebäude in Norden | | Text = Gebäude in Norden | ||
| center = 53.59612712995436, 7.206373021135138 | | center = 53.59612712995436, 7.206373021135138 | ||
| | | circles = 53.59612712995436, 7.206373021135138 :10 | ||
| zoom = 18 | | zoom = 18 | ||
| width = 300px | | width = 300px | ||
| Zeile 34: | Zeile 34: | ||
Insbesondere auch vor dem Hintergrund der nahezu vollständigen Zerstörung der Stadt Emden während des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] gilt das Schöninghsche Haus bis heute als der bedeutendste Vertreter unter den an niederländischen Vorbildern orientierten Patrizierhäusern der Renaissance in Ostfriesland.<ref name=":1">Kiesow, Gottfried (2010): Architekturführer Ostfriesland, Bonn, S. 275</ref> Nicht zuletzt deshalb ist es ein beliebtes Fotomotiv und wird im Allgemeinen als das schönste Haus der [[Stadt Norden]] angesehen. | Insbesondere auch vor dem Hintergrund der nahezu vollständigen Zerstörung der Stadt Emden während des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] gilt das Schöninghsche Haus bis heute als der bedeutendste Vertreter unter den an niederländischen Vorbildern orientierten Patrizierhäusern der Renaissance in Ostfriesland.<ref name=":1">Kiesow, Gottfried (2010): Architekturführer Ostfriesland, Bonn, S. 275</ref> Nicht zuletzt deshalb ist es ein beliebtes Fotomotiv und wird im Allgemeinen als das schönste Haus der [[Stadt Norden]] angesehen. | ||
__TOC__ | __TOC__ | ||
==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
[[Datei:Antwerpen Bürgerhäuser 22 06 2022.jpg|mini|Bürgerhäuser der niederländischen Renaissance in Antwerpen (Belgien).]] | |||
Das Gebäude wurde 1576 von [[Egbert Crayers]], einem wohlhabenden Norder Kaufmann, im Stil der Renaissance errichtet. Dieser hatte den Vorgängerbau im Jahre 1554 erworben und im genannten Jahr neu im Stile der Renaissance errichten lassen. Zu dieser Zeit trug das Grundstück die Anschrift ''[[Osterkluft]], 1. [[Rott]], Nr. 13.'' Von Crayers ging das Gebäude um 1600 an den Geldverleiher [[Johan Bitter]] und 1677 an [[Heino Sassen]], dessen Familie noch bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts im Besitz des Gebäudes war.<ref name=":6">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 78</ref> Anfang des 18. Jahrhunderts wohnte hier [[Meinhardus Johann Sassen|Bürgermeister Sassen]], später dessen Schwester, die das Haus um 1750 an einen Bäcker namens ''R. C. Janssen'' verkaufte. Über seine Tochter kommt das Haus an den [[Ratsherr|Ratsherrn]] ''A. J. Speer''. Im Besitz dieser Familie blieb es schließlich bis 1863.<ref name=":4">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 79</ref> Der nächste Eigentümer ist bislang unbekannt. | Das Gebäude wurde 1576 von [[Egbert Crayers]], einem wohlhabenden Norder Kaufmann, im Stil der Renaissance errichtet. Dieser hatte den Vorgängerbau im Jahre 1554 erworben und im genannten Jahr neu im Stile der Renaissance errichten lassen. Zu dieser Zeit trug das Grundstück die Anschrift ''[[Osterkluft]], 1. [[Rott]], Nr. 13.'' Von Crayers ging das Gebäude um 1600 an den Geldverleiher [[Johan Bitter]] und 1677 an [[Heino Sassen]], dessen Familie noch bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts im Besitz des Gebäudes war.<ref name=":6">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 78</ref> Anfang des 18. Jahrhunderts wohnte hier [[Meinhardus Johann Sassen|Bürgermeister Sassen]], später dessen Schwester, die das Haus um 1750 an einen Bäcker namens ''R. C. Janssen'' verkaufte. Über seine Tochter kommt das Haus an den [[Ratsherr|Ratsherrn]] ''A. J. Speer''. Im Besitz dieser Familie blieb es schließlich bis 1863.<ref name=":4">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 79</ref> Der nächste Eigentümer ist bislang unbekannt. | ||
| Zeile 46: | Zeile 46: | ||
==Beschreibung== | ==Beschreibung== | ||
Das Schöninghsche Haus ist ein reich dekorierter Renaissancebau mit Stufengiebel. Der dreigeschossige Ziegelbau weist an seiner ganz in Fenstern aufgelösten Giebelwand die typisch niederländischen Specklagen auf.<ref name=":2">Dehio, Georg (1992): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, München, S. 993</ref> Die Fassade setzt sich abwechselnd aus Backstein- und hell gestrichenen Schichten aus Kalkstein zusammen.<ref name=":1" /> Die Fenster sind sogenannte Kreuzstockfenster mit sandsteinerner Muschelbekrönung. Oben an den Seiten des Giebels befinden sich ornamental wirkende, stark bewegte figürliche Darstellungen aus Sandstein, welche drei der zwölf Taten des Herkules symbolisieren.<ref name=":0" /><ref name=":2" /><ref>Haddinga, Johann / Stromann, Martin (2001): Norden/Norddeich - Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor, Norden, S. 80</ref> | Das Schöninghsche Haus ist ein reich dekorierter Renaissancebau mit Stufengiebel. Der dreigeschossige Ziegelbau weist an seiner ganz in Fenstern aufgelösten Giebelwand die typisch niederländischen Specklagen auf.<ref name=":2">Dehio, Georg (1992): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, München, S. 993</ref> Die Fassade setzt sich abwechselnd aus Backstein- und hell gestrichenen Schichten aus Kalkstein zusammen.<ref name=":1" /> Die Fenster sind sogenannte Kreuzstockfenster mit sandsteinerner Muschelbekrönung. Oben an den Seiten des Giebels befinden sich ornamental wirkende, stark bewegte figürliche Darstellungen aus Sandstein, welche drei der zwölf Taten des Herkules symbolisieren.<ref name=":0" /><ref name=":2" /><ref>Haddinga, Johann / Stromann, Martin (2001): Norden/Norddeich - Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor, Norden, S. 80</ref> Diese wurden als Strandgut auf Juist gefunden und nach Norden verkauft.<ref>Brückner, Annemarie / Gerdes, Edo (1984): So war es damals. Bilder aus dem alten Norden, Leer, S. 72</ref> | ||
Ursprünglich wies das Gebäude im oberen Stock 14 Wappenfenster auf, von denen beim Erwerb des Gebäudes durch die Familie Schöningh nur noch eines vorhanden war, das ein Rosenwappen zeigte. Dieses Fenster wurde bei der großen Explosion im [[Vertriebenenlager Tidofeld]] im Sommer 1945 zerstört.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 97</ref> Möglicherweise wurde es dort verwahrt, um es vor Plünderungen in der Nachkriegszeit zu bewahren oder ist aus anderen, nicht näher nachvollziehbaren Gründen dorthin verbracht worden. | Ursprünglich wies das Gebäude im oberen Stock 14 Wappenfenster auf, von denen beim Erwerb des Gebäudes durch die Familie Schöningh nur noch eines vorhanden war, das ein Rosenwappen zeigte. Dieses Fenster wurde bei der großen Explosion im [[Vertriebenenlager Tidofeld]] im Sommer 1945 zerstört.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 97</ref> Möglicherweise wurde es dort verwahrt, um es vor Plünderungen in der Nachkriegszeit zu bewahren oder ist aus anderen, nicht näher nachvollziehbaren Gründen dorthin verbracht worden. | ||
| Zeile 61: | Zeile 61: | ||
Datei:Osterstraße Schöninghsches Haus um 1930 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1930. | Datei:Osterstraße Schöninghsches Haus um 1930 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1930. | ||
Datei:Osterstraße um 1950 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1950. | Datei:Osterstraße um 1950 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1950. | ||
Datei:Osterstraße Schöninghsches Haus 1959 01.JPG|Aufnahme von 1959. | |||
Datei:Osterstraße Schöninghsches Haus Kran stützend 27 06 1962 01.JPG|Das Bauunternehmen [[Gebrüder Neumann|''Gebrüder Neumann'']] stützt die brüchige Fassade ab (27. Juni 1962). | |||
Datei:Osterstraße Schöninghsches Haus Kran stützend 27 06 1962 02.JPG|Das baufällige Schöninghsche Haus am 27. Juni 1962. | |||
Datei:Osterstraße Schöninghsches Haus Gerüst Rettung 24 07 1962 01.JPG|Aufnahme vom 24. Juli 1962. | |||
Datei:Osterstraße Schöninghsches Haus Gerüst Rettung 24 07 1962 02.JPG|Aufnahme vom 24. Juli 1962. | |||
Datei:Osterstraße Schöninghsches Haus Gerüst Rettung 24 07 1962 03.JPG|Aufnahme vom 24. Juli 1962. | |||
Datei:Schöninghsches Haus Nebengebäude fehlt 13 03 1965.jpg|Nach der Rettung und dem Wiederaufbau, hier auf einer Aufnahme vom 13. März 1965. | |||
Datei:Osterstraße Schöninghsches Haus 1976 01.jpg|Aufnahme aus dem Jahr 1976. | Datei:Osterstraße Schöninghsches Haus 1976 01.jpg|Aufnahme aus dem Jahr 1976. | ||
Datei:Osterstraße 5 20062010.jpg|Aufnahme vom 20. Juni 2010. | Datei:Osterstraße 5 20062010.jpg|Aufnahme vom 20. Juni 2010. | ||