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'''Leybuchtpolder''' ist ein Stadtteil von Norden und hat 436 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2020), die sich auf einer Fläche von rund 10,52 km² verteilen. Es ist der jüngste Ort Deutschlands und war in seiner Anfangszeit eine eigenständige Gemeinde, später eine Samtgemeinde mit den bis dahin ebenfalls eigenständigen Gemeinden [[Westermarsch I]], [[Westermarsch II]] sowie [[Neuwesteel]] und wurde im Zuge der niedersächsischen Gebietsreform zum 1. Juli 1972 ein Stadtteil der [[Stadt Norden]].
'''Leybuchtpolder''' ist ein Stadtteil von Norden und hat 424 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2022), die sich auf einer Fläche von rund 10,52 km² verteilen. Es ist der jüngste Ort Deutschlands und war in seiner Anfangszeit eine eigenständige Gemeinde, später eine Samtgemeinde mit den bis dahin ebenfalls eigenständigen Gemeinden [[Westermarsch I]], [[Westermarsch II]] sowie [[Neuwesteel]] und wurde im Zuge der niedersächsischen Gebietsreform zum 1. Juli 1972 ein Stadtteil der [[Stadt Norden]].


Nordöstlich grenzt Leybuchtpolder an [[Neuwesteel]], südöstlich an Osteel, südwestlich an Greetsiel und nordwestlich an die Nordsee, von der sie durch den [[Störtebekerdeich]] getrennt bzw. geschützt ist.
Nordöstlich grenzt Leybuchtpolder an [[Neuwesteel]], südöstlich an Osteel, südwestlich an Greetsiel und nordwestlich an die Nordsee, von der sie durch den [[Störtebekerdeich]] getrennt bzw. geschützt ist.
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===Neuzeit===
===Neuzeit===
In den nächsten Jahrhunderten wurden sukzessive Landgewinnungsmaßnahmen aus der [[Leybucht]] vorgenommen, deren Abschluss die Eindeichung des [[Leybuchtpolder (Polder)|Leybuchtpolders]] bildete. Durch den Bau des [[Störtebekerdeich|Störtebekerdeichs]], wurde die Küstenlinie in ihrem heutigen Verlauf begradigt und das neue Land vor dem Meer geschützt. Bereits 1947 begann ein ganzes Heer von Deicharbeitern unter der Leitung des [[Karl Wenholt]], damals Leiter des [[Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz|Bauamtes für Küstenschutz und Landgewinnung]] in Norden, mit dem Bau des Deichs. Es galt, eine Fläche von gut 1.000 Hektar dem Meer abzuringen, auf Dauer zu sichern und den fruchtbaren Boden als Weide- und Ackerland urbar zu machen.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 149</ref>
In den nächsten Jahrhunderten wurden sukzessive Landgewinnungsmaßnahmen aus der [[Leybucht]] vorgenommen, deren Abschluss die Eindeichung des [[Leybuchtpolder (Polder)|Leybuchtpolders]] bildete. Durch den Bau des [[Störtebekerdeich|Störtebekerdeichs]], wurde die Küstenlinie in ihrem heutigen Verlauf begradigt und das neue Land vor dem Meer geschützt. Bereits 1947 begann ein ganzes Heer von Deicharbeitern unter der Leitung des [[Karl Wenholt]], damals Leiter des [[Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz|Bauamtes für Küstenschutz und Landgewinnung]] in Norden, mit dem Bau des Deichs. Es galt, eine Fläche von gut 1.000 Hektar dem Meer abzuringen, auf Dauer zu sichern und den fruchtbaren Boden als Weide- und Ackerland urbar zu machen.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 149</ref>
 
[[Datei:Leybuchtpolder Hof um 1950 01.jpg|mini|Typischer Hof aus der Anfangszeit des Ortes.]]
Nach Abschluss der Eindeichung im Jahr 1950 wurde 1952 mit der Besiedlung des neu gewonnenen Landes begonnen. Hierbei wurden zu gleichen Anteilen Einheimische und Vertriebene aus dem ehemaligen deutschen Ostgebieten bei der Verteilung berücksichtigt. Bevorzugt wurden dabei die Deicharbeiter, unabhängig ihrer Herkunft, die mit ihrer Arbeit die Besiedlung des Ortes überhaupt erst möglich gemacht haben. Vergeben wurden 53 landwirtschaftliche Betriebe im Umfang von 10 bis 16 Hektar, 21 Betriebe in der Größenordnung von 7 bis 10 Hektar sowie 28 Arbeiter- und Handwerkerstellen, deren Grundstücke einen Hektar umfassten. Als Zuwegung und Verbindungen wurden etwa zwölf Kilometer Straßen angelegt, von denen viele noch in ihrer ursprünglichen, plattenartigen Bauweise existieren. Insgesamt wurden 103 Siedlerstellen geschaffen.<ref name=":0" /> Die Gebäude der Anfangsphase waren meist kleine Replikate der großen Gulfhöfe im Stile der bekannten ''Friesenhäuser'' und sahen den landwirtschaftlichen Betrieb als Nebenerwerb oder zur Selbstversorgung vor. Erst ab den späten 1950er und frühen 1960er Jahren begann man mit dem Bau regulärer Wohnhäuser.
Nach Abschluss der Eindeichung im Jahr 1950 wurde 1952 mit der Besiedlung des neu gewonnenen Landes begonnen. Hierbei wurden zu gleichen Anteilen Einheimische und Vertriebene aus dem ehemaligen deutschen Ostgebieten bei der Verteilung berücksichtigt. Bevorzugt wurden dabei die Deicharbeiter, unabhängig ihrer Herkunft, die mit ihrer Arbeit die Besiedlung des Ortes überhaupt erst möglich gemacht haben. Vergeben wurden 53 landwirtschaftliche Betriebe im Umfang von 10 bis 16 Hektar, 21 Betriebe in der Größenordnung von 7 bis 10 Hektar sowie 28 Arbeiter- und Handwerkerstellen, deren Grundstücke einen Hektar umfassten. Als Zuwegung und Verbindungen wurden etwa zwölf Kilometer Straßen angelegt, von denen viele noch in ihrer ursprünglichen, plattenartigen Bauweise existieren. Insgesamt wurden 103 Siedlerstellen geschaffen.<ref name=":0" /> Die Gebäude der Anfangsphase waren meist kleine Replikate der großen Gulfhöfe im Stile der bekannten ''Friesenhäuser'' und sahen den landwirtschaftlichen Betrieb als Nebenerwerb oder zur Selbstversorgung vor. Erst ab den späten 1950er und frühen 1960er Jahren begann man mit dem Bau regulärer Wohnhäuser.


Offiziell gegründet wurde die zunächst eigenstände Gemeinde schließlich am 1. Juli 1954. Wesentliche Teile des Ortes bestanden aus neu eingedeichtem Land, jedoch wurden auch Teile benachbarter Gemeinde in das Gebiet integriert. Hierbei wurden die Grenzen neu gezogen und vorwiegend alte Deichlinien und Flüsse bzw. Entwässerungsgräben als solche herangezogen. Zu diesem Zeitpunkt gab es Pläne, weitere Eindeichungen vorzunehmen. Die Überlegungen gingen so weit, die gesamte Leybucht dem Meer abzuringen. Aus Naturschutzgründen wurde davon nichts mehr umgesetzt. Die Leybucht und ihre Peripherie ist seit jeher ein Vogelrastgebiet von internationaler Bedeutung. Lediglich kleinere Arbeiten, wie der Bau des [[Leysiel|Leysiels]] im Jahre 1991 oder Maßnahmen zur Deichverstärkung wurden vorgenommen.
Offiziell gegründet wurde die zunächst eigenstände Gemeinde schließlich am 1. Juli 1954. Wesentliche Teile des Ortes bestanden aus neu eingedeichtem Land, jedoch wurden auch Teile benachbarter Gemeinde in das Gebiet integriert. Hierbei wurden die Grenzen neu gezogen und vorwiegend alte Deichlinien und Flüsse bzw. Entwässerungsgräben als solche herangezogen. Zu diesem Zeitpunkt gab es Pläne, weitere Eindeichungen vorzunehmen. Die Überlegungen gingen so weit, die gesamte Leybucht dem Meer abzuringen. Aus Naturschutzgründen wurde davon nichts mehr umgesetzt. Die Leybucht und ihre Peripherie ist seit jeher ein Vogelrastgebiet von internationaler Bedeutung. Lediglich kleinere Arbeiten, wie der Bau des [[Leysiel|Leysiels]] im Jahre 1991 oder Maßnahmen zur Deichverstärkung wurden vorgenommen.


Mit dem Bau der [[Leybuchtpolder Schule]] im Jahr 1955 sowie der Errichtung [[Evangelisch-lutherische Kirche Leybuchtpolder|einer Kirche]] am [[Marktstraße|Dorfkern]] wurde Leybuchtpolder schließlich von einer Streusiedlung zu einem Ort mit Dorfcharakter.<ref name=":0" /> Am [[Alter Sielweg|Alten Sielweg]] entstand ein [[Altes Feuerwehrhaus (Leybuchtpolder)|Feuerwehrhaus]] und eine Freiwillige Feuerwehr. Ab dem 1. Dezember 1965 wurde Leybuchtpolder zum Hauptort und einer Teilgemeinde innerhalb der neu gegründeten ''Samtgemeinde Leybucht'', zu der auch die bis bis dahin ebenfalls eigenständigen Gemeinden [[Westermarsch I]], [[Westermarsch II]] und [[Neuwesteel]] gehörten. Ein Jahr zuvor, am 6. Juni 1964, wurde der [[SV Leybucht]] gegründet. Die Samtgemeinde wurde zum 1. Juli 1972 in die [[Stadt Norden]] integriert.
Mit dem Bau der [[Leybuchtpolder Schule]] im Jahr 1955 sowie der Errichtung [[Evangelisch-lutherische Kirche Leybuchtpolder|einer Kirche]] am [[Marktstraße|Dorfkern]] wurde Leybuchtpolder schließlich von einer Streusiedlung zu einem Ort mit Dorfcharakter.<ref name=":0" /> Am [[Alter Sielweg|Alten Sielweg]] entstand ein [[Altes Feuerwehrhaus (Leybuchtpolder)|Feuerwehrhaus]] und eine Freiwillige Feuerwehr. Ab dem 1. Dezember 1965 wurde Leybuchtpolder zum Hauptort und einer Teilgemeinde innerhalb der neu gegründeten ''Samtgemeinde Leybucht'', zu der auch die bis bis dahin ebenfalls eigenständigen Gemeinden [[Westermarsch I]], [[Westermarsch II]] und [[Neuwesteel]] gehörten. Ein Jahr zuvor, am 6. Juni 1964, wurde der [[SV Leybucht]] gegründet. Die Samtgemeinde wurde am 1. Juli 1972 in die [[Stadt Norden]] integriert.


Die anfangs spärliche Infrastruktur wurde ab den 1960er Jahren immer weiter verbessert bzw. aufgebaut. Anfangs gab es hingegen noch nicht einmal eine öffentliche Wasserversorgung, die nach altertümlicher Art über Regenwasserzisternen erfolgte. Um bei Bränden dennoch mit ausreichend Wasser versorgt zu sein, legte man den [[Dorfteich]] als künstliche Wasserentnahmestelle für die Pumpen der Feuerwehr an.
Die anfangs spärliche Infrastruktur wurde ab den 1960er Jahren immer weiter verbessert bzw. aufgebaut. Anfangs gab es hingegen noch nicht einmal eine öffentliche Wasserversorgung, die nach altertümlicher Art über Regenwasserzisternen erfolgte. Um bei Bränden dennoch mit ausreichend Wasser versorgt zu sein, legte man den [[Dorfteich]] als künstliche Wasserentnahmestelle für die Pumpen der Feuerwehr an.
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==Erwähnenswerte Gebäude==
==Erwähnenswerte Gebäude==
* siehe auch: [[:Kategorie:Gebäude in Leybuchtpolder|Kategorie:Gebäude in Leybuchtpolder]]
* [[Altes Feuerwehrhaus (Leybuchtpolder)|Altes Feuerwehrhaus]]
* [[Denkmal (Störtebekerdeich)|Denkmal zum Bau des ehemaligen Störtebekerdeichs]]
* [[Denkmal (Störtebekerdeich)|Denkmal zum Bau des ehemaligen Störtebekerdeichs]]
* Dorfgemeinschaftshaus ''Lüttje Kark'' (ehemals [[Evangelisch-reformierte Kirche Leybuchtpolder]])
* Dorfgemeinschaftshaus ''Lüttje Kark'' (ehemals [[Evangelisch-reformierte Kirche Leybuchtpolder]])
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* [[Evangelisch-lutherische Kirche Leybuchtpolder]]
* [[Evangelisch-lutherische Kirche Leybuchtpolder]]
* [[Siedlerdenkmal|Ehrenmal für die ersten Siedler auf dem Marktplatz]]
* [[Siedlerdenkmal|Ehrenmal für die ersten Siedler auf dem Marktplatz]]
* Sportplatz
* [[Feuerwehrhaus (Leybuchtpolder)|Feuerwehrhaus]]
* [[Sporthalle An der Leybucht|Sporthalle]]


== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==