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===1527 bis 1716===
===1527 bis 1716===
Nachdem sich die Reformation ab 1527 in Norden immer mehr durchsetzte und auch [[Enno II. Cirksena|Graf Enno II.]] als Landesherr den neuen Glauben als Religion annahm, waren die Katholiken gezwungen, zu konvertieren oder ihren Glauben im Untergrund auszuüben. Das öffentliche, katholische Gemeindeleben kam nunmehr gut 100 Jahre faktisch vollständig zu erliegen, bis es im Zuge des 30-jährigen Krieges (1618-1648), der auch als "Gegenreformation" verstanden werden kann, zu einer teilweisen Renaissance des Katholizismusses kam. In Norden gab es im Jahre 1632 nur noch eine geringe ein bis zweistellige Zahl an Katholiken, in ganz Ostfriesland noch etwa 400. Diese feierten ihre Gottesdienste im Verborgenen, unterstützt durch umherziehende Pfarrer, die die Gläubigen in ihren Häusern besuchten, um mit ihnen den Gottesdienst zu feiern. Dies änderte sich erstmalig, als Dodo II. zu Innhausen und Knyphausen, Herr von Lütetsburg, die strenggläubige, katholische Hedwig Oriana von Frydag zu Gödens heiratete. Obgleich Dodo II. ebenfalls evangelisch war, störte dies die Beziehung zwischen den beiden nicht. Sie vereinbarten in ihrem Ehevertrag, dass sie beide ihre Religion ausüben dürfen. Hedwig ermöglichte nun auch den verbliebenen Katholiken, ihren Gottesdienst auf Schloss Lütetsburg zu feiern. Ein Privileg, das später auch den [[Reformierte Gemeinde Lütetsburg-Norden|Evangelisch-reformierten Christen]] zuteil wurde, nachdem diese durch die Lutheraner aus Norden vertrieben wurden.
Nachdem sich die Reformation ab 1527 in Norden immer mehr durchsetzte und auch [[Enno II. Cirksena|Graf Enno II.]] als Landesherr den neuen Glauben als Religion annahm, waren die Katholiken gezwungen, zu konvertieren oder ihren Glauben im Untergrund auszuüben. Das öffentliche, katholische Gemeindeleben kam nunmehr gut 100 Jahre faktisch vollständig zu erliegen, bis es im Zuge des 30-jährigen Krieges (1618-1648), der auch als ''Gegenreformation'' verstanden werden kann, zu einer teilweisen Renaissance des Katholizismusses kam. In Norden gab es im Jahre 1632 nur noch eine geringe ein bis zweistellige Zahl an Katholiken, in ganz Ostfriesland noch etwa 400. Diese feierten ihre Gottesdienste im Verborgenen, unterstützt durch umherziehende Pfarrer, die die Gläubigen in ihren Häusern besuchten, um mit ihnen den Gottesdienst zu feiern. Dies änderte sich erstmalig, als Dodo II. zu Innhausen und Knyphausen, Herr von Lütetsburg, die strenggläubige, katholische Hedwig Oriana von Frydag zu Gödens heiratete. Obgleich Dodo II. ebenfalls evangelisch war, störte dies die Beziehung zwischen den beiden nicht. Sie vereinbarten in ihrem Ehevertrag, dass sie beide ihre Religion ausüben dürfen. Hedwig ermöglichte nun auch den verbliebenen Katholiken, ihren Gottesdienst auf Schloss Lütetsburg zu feiern. Ein Privileg, das später auch den [[Reformierte Gemeinde Lütetsburg-Norden|Evangelisch-reformierten Christen]] zuteil wurde, nachdem diese durch die Lutheraner aus Norden vertrieben wurden.


Als Hedwig am 5. Dezember 1694 unverhofft starb, war das weitere Schicksal der katholischen Gemeinde erneut ungewiss. Dodo II., der sich zu diesem Zeitpunkt am Hofe des brandenburg-preußischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm in Berlin aufhielt, dessen Hofkämmerer (Finanzminister) er war, verfügte, dass der katholische Priester Franciscus Grönincks sein Schloss zu verlassen habe. Auch verbot er den Katholiken, ihre Gottesdienste dort weiterhin zu feiern. Grönincks konnte dennoch auf große Erfolge zurückblicken. Die katholische Gemeinde des Umlands war von 30 auf über 300 Mitglieder angewachsen. Trotz Verbots von Dodo II. kehrte er immer wieder heimlich nach Lütetsburg zurück, um hier im Hause eines Herrn von oder van Schwetering Gottesdienste zu feiern. Dass er dies unbehelligt tun durfte, lag wohl an der häufigen Abwesenheit von Dodo II., der sich viele Jahre seines Lebens am Hofe in Berlin aufhielt.
Als Hedwig am 5. Dezember 1694 unverhofft starb, war das weitere Schicksal der katholischen Gemeinde erneut ungewiss. Dodo II., der sich zu diesem Zeitpunkt am Hofe des brandenburg-preußischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm in Berlin aufhielt, dessen Hofkämmerer (Finanzminister) er war, verfügte, dass der katholische Priester Franciscus Grönincks sein Schloss zu verlassen habe. Auch verbot er den Katholiken, ihre Gottesdienste dort weiterhin zu feiern. Grönincks konnte dennoch auf große Erfolge zurückblicken. Die katholische Gemeinde des Umlands war von 30 auf über 300 Mitglieder angewachsen. Trotz Verbots von Dodo II. kehrte er immer wieder heimlich nach Lütetsburg zurück, um hier im Hause eines Herrn von oder van Schwetering Gottesdienste zu feiern. Dass er dies unbehelligt tun durfte, lag wohl an der häufigen Abwesenheit von Dodo II., der sich viele Jahre seines Lebens am Hofe in Berlin aufhielt.


Auf Drängen der Familie der verstorbenen Hedwig und dank einflussreicher Vertreter der kaiserlichen Truppen, die seinerzeit in Leer stationiert waren, konnte unter dem Nachfolger von Dodo II., Ferdinand von Knyphausen, vereinbart werden, dass nun auch offiziell ein katholischer Gottesdienst im Hause des Herrn v. Schwietering abgehalten werden durfte. Das Haus befand sich in der Nähe der späteren "Gelben Schule" in Lütetsburg. Weiterer Bestandteil der Vereinbarung war, dass die Katholiken turnusmäßßig zwei Monate lang einen Gottesdienst feiern durften und dann einen Monat pausieren mussten. Die Gottesdienste wurden bis zu seinem Tode am 2. September 1715 fortwährend von Franciscus Grönincks geleitet. In seiner Amtszeit konnte er 40 Konvertierungen, 90 Taufen und 70 Eheschließungen vollziehen.
Auf Drängen der Familie der verstorbenen Hedwig und dank einflussreicher Vertreter der kaiserlichen Truppen, die seinerzeit in Leer stationiert waren, konnte unter dem Nachfolger von Dodo II., Ferdinand von Knyphausen, vereinbart werden, dass nun auch offiziell ein katholischer Gottesdienst im Hause des Herrn v. Schwietering abgehalten werden durfte. Das Haus befand sich in der Nähe der späteren ''Gelben Schule'' in Lütetsburg. Weiterer Bestandteil der Vereinbarung war, dass die Katholiken turnusmäßßig zwei Monate lang einen Gottesdienst feiern durften und dann einen Monat pausieren mussten. Die Gottesdienste wurden bis zu seinem Tode am 2. September 1715 fortwährend von Franciscus Grönincks geleitet. In seiner Amtszeit konnte er 40 Konvertierungen, 90 Taufen und 70 Eheschließungen vollziehen.


Graf Ferdinand versuchte, den Nachfolger Grönincks, Werner Schmitz, die Gottesdiensterlaubnis zu verweigern, doch kam es zu erneuten Absprachen zwischen den Parteien und der Gottesdienst durfte, wie bereits zuvor vereinbart, weiterhin ausgeübt werden. Eine zusätzliche Einschränkung war jedoch, dass die Gemeinde alle drei Jahre eine erneute Erlaubnis beantragen musste.
Graf Ferdinand versuchte, den Nachfolger Grönincks, Werner Schmitz, die Gottesdiensterlaubnis zu verweigern, doch kam es zu erneuten Absprachen zwischen den Parteien und der Gottesdienst durfte, wie bereits zuvor vereinbart, weiterhin ausgeübt werden. Eine zusätzliche Einschränkung war jedoch, dass die Gemeinde alle drei Jahre eine erneute Erlaubnis beantragen musste.
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Nach dem Rückgang der Fluten ging Klümper nach Norden und richtete ein Gesuch an den [[Magistrat|Norder Magistrat]], zu dieser Zeit besetzt durch [[Johann Laurenz Palms|Dr. Johann Laurenz Palms]] und [[Engelbert Kettler (1683)|Engelbert Kettler]], sowie an den [[Stadtrat]]. Klümper konnte erreichen, dass ihm am 3. Mai 1718 eine vorläufige Erlaubnis zum Abhalten eines ungestörten Gottesdienstes im Hause des Ratsherren und späteren Bürgermeisters [[Ludovicus Wenckebach]] in der [[Große Neustraße 1|Großen Neustraße 1]].<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 80f.</ref> Diese Erlaubnis würde mehrere Male um jeweils drei Jahre verlängert. Noch mindestens am 1. Oktober 1777 wurde die Erlaubnis planmäßig verlängert.
Nach dem Rückgang der Fluten ging Klümper nach Norden und richtete ein Gesuch an den [[Magistrat|Norder Magistrat]], zu dieser Zeit besetzt durch [[Johann Laurenz Palms|Dr. Johann Laurenz Palms]] und [[Engelbert Kettler (1683)|Engelbert Kettler]], sowie an den [[Stadtrat]]. Klümper konnte erreichen, dass ihm am 3. Mai 1718 eine vorläufige Erlaubnis zum Abhalten eines ungestörten Gottesdienstes im Hause des Ratsherren und späteren Bürgermeisters [[Ludovicus Wenckebach]] in der [[Große Neustraße 1|Großen Neustraße 1]].<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 80f.</ref> Diese Erlaubnis würde mehrere Male um jeweils drei Jahre verlängert. Noch mindestens am 1. Oktober 1777 wurde die Erlaubnis planmäßig verlängert.


Um auch die Gemeinde Lütetsburg nicht vollends zu verlieren, plante Klümper den Bau einer kleinen Kapelle in Lütetsburg, die bis in die 1790er Jahre existierte. In Norden gelang es ihm dank Unterstützung des Bischofs von Münster, Spenden und guter Beziehungen zu niederländischen Katholiken, in der [[Sielstraße]] 364 (später Nr. 55/56) ein Grundstück mit Haus zu erwerben. Dieses baute er zu einer "Missionsstation" um. Norden hatte damit erstmals seit gut 200 Jahren wieder ein eigenes, katholisches Gotteshaus.
Um auch die Gemeinde Lütetsburg nicht vollends zu verlieren, plante Klümper den Bau einer kleinen Kapelle in Lütetsburg, die bis in die 1790er Jahre existierte. In Norden gelang es ihm dank Unterstützung des Bischofs von Münster, Spenden und guter Beziehungen zu niederländischen Katholiken, in der [[Sielstraße]] 364 (später Nr. 55/56) ein Grundstück mit Haus zu erwerben. Dieses baute er zu einer ''Missionsstation'' um. Norden hatte damit erstmals seit gut 200 Jahren wieder ein eigenes, katholisches Gotteshaus.


Nach dem Tode Klümpers folgten ihm zahlreiche weitere Personen ins Amt, von denen erst [[Martinianus Schulte]] besonders hervortrat. Schulte war von 1777 bis 1795 im Amt. Er benannte die Missionsstation, wohl auch in Gedenken an Michael Klümper, nach dem Erzengel Michael auf den Namen "St. Michael". Bei Kaiser Friedrich dem Großen (Ostfriesland war seit 1744 preußisch) konnte Schulte erreichen, dass die vom Kaiser gewährte, allgemeine Religionsfreiheit auch für Norden galt. Das Recht wurde 1779 schließlich auch gewährt, in der Praxis jedoch stark durch ältere, noch gültige, ostfriesische Verträge wieder eingeengt wurde.
Nach dem Tode Klümpers folgten ihm zahlreiche weitere Personen ins Amt, von denen erst [[Martinianus Schulte]] besonders hervortrat. Schulte war von 1777 bis 1795 im Amt. Er benannte die Missionsstation, wohl auch in Gedenken an Michael Klümper, nach dem Erzengel Michael auf den Namen ''St. Michael''. Bei Friedrich dem Großen (Ostfriesland war seit 1744 preußisch) konnte Schulte erreichen, dass die von ihm gewährte, allgemeine Religionsfreiheit auch für Norden galt. Das Recht wurde 1779 schließlich auch gewährt, in der Praxis jedoch stark durch ältere, noch gültige, ostfriesische Verträge wieder eingeengt wurde.


Während der französischen Besatzungszeit (1810-1815) wird die Missionsstation ("Paterei") zur selbstständigen "Pfarre" erklärt. Am 28. September 1824 (Ostfriesland gehört seit 185 zum Königreich Hannover) erlässt die hannoversche Regierung einen Erlass, das die allgemeine Religionsfreiheit nun uneingeschränkt bekräftigt. Am 24. Juni 1825 wird die Pfarre dem Bistum Osnabrück unterstellt und alle ostfriesischen Gemeinden zu einem eigenen Dekanat zusammengefasst. Erstmalig nach der Reformation spendet am 17. Juli 1832 erstmalig wieder ein Bischof die heilige Firmung in Norden. Die [[Polizei Norden|Norder Polizei]] war gezwungen, die gesamte [[Sielstraße]] abzusperren, um der Menschenmasse Herr zu werden. Nur die vornehmsten und angesehensten Bürger der Stadt wurden bis nach vorne durchgelassen. Selbst den protestantischen Zuschauern soll das Ereignis sehr gefallen haben.
Während der französischen Besatzungszeit (1810-1815) wird die Missionsstation (''Paterei'') zur selbstständigen ''Pfarre'' erklärt. Zu diesem Zeitpunkt (1811) hat die Gemeinde 55 Mitglieder.<ref>Cremer, Ufke (1934): Die Einwohner der Stadt Norden im Jahre 1811, Norden, S. 14</ref>
 
Am 28. September 1824 (Ostfriesland gehört seit 1815 zum Königreich Hannover) erlässt die hannoversche Regierung einen Erlass, das die allgemeine Religionsfreiheit nun uneingeschränkt bekräftigt. Am 24. Juni 1825 wird die Pfarre dem Bistum Osnabrück unterstellt und alle ostfriesischen Gemeinden zu einem eigenen Dekanat zusammengefasst. Erstmalig nach der Reformation spendet am 17. Juli 1832 erstmalig wieder ein Bischof die heilige Firmung in Norden. Die [[Polizei Norden|Norder Polizei]] war gezwungen, die gesamte [[Sielstraße]] abzusperren, um der Menschenmasse Herr zu werden. Nur die vornehmsten und angesehensten Bürger der Stadt wurden bis nach vorne durchgelassen. Selbst den protestantischen Zuschauern soll das Ereignis sehr gefallen haben.


1843 wird neben der Kapelle [[Katholische Schule|eine Schule]] eingerichtet. Bis dahin gingen die katholischen Kinder in die protestantischen Schulen, nur der Religionsunterricht wurde von dem jeweiligen katholischen Geistlichen gegeben. Der für die Schule angestellte Lehrer musste zugleich die Aufgaben eines Küsters wahrnehmen und war sehr schlecht bezahlt.
1843 wird neben der Kapelle [[Katholische Schule|eine Schule]] eingerichtet. Bis dahin gingen die katholischen Kinder in die protestantischen Schulen, nur der Religionsunterricht wurde von dem jeweiligen katholischen Geistlichen gegeben. Der für die Schule angestellte Lehrer musste zugleich die Aufgaben eines Küsters wahrnehmen und war sehr schlecht bezahlt.


In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kehrt die katholische Gemeinde langsam aber sicher zu seiner alten Form als "echte" Kirchengemeinde zurück. 1864 wird das Pastorat von der [[Sielstraße]] in die [[Osterstraße|Kleinen Osterstraße]] 32 (heute Nr. 20) verlegt. Mit der Verlegung wurde auch der Ruf nach dem Bau einer neuen Schule laut. Dazu wurde 1874 das Grundstück der (damaligen) Hausnummer 42/43 (heute Nr. 142) erworben, welches schräg gegenüber des Pastorats lag. Die Schülerzahl lag damals bei etwa 40. Nach dem Bau der Schule konnte der alte, unhaltbar gewordene Standort an der Sielstraße endlich geschlossen werden.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kehrt die katholische Gemeinde langsam aber sicher zu seiner alten Form als ''echte'' Kirchengemeinde zurück. 1864 wird das Pastorat von der [[Sielstraße]] in die [[Osterstraße|Kleinen Osterstraße]] 32 (heute Nr. 20) verlegt. Mit der Verlegung wurde auch der Ruf nach dem Bau einer neuen Schule laut. Dazu wurde 1874 das Grundstück der (damaligen) Hausnummer 42/43 (heute Nr. 142) erworben, welches schräg gegenüber des Pastorats lag. Die Schülerzahl lag damals bei etwa 40. Nach dem Bau der Schule konnte der alte, unhaltbar gewordene Standort an der Sielstraße endlich geschlossen werden.
[[Datei:Ludgeruskirche 1964 01.JPG|links|mini|Die Ludgeruskirche und das neu erbaute [[Pfarrhaus]] im Jahre 1964.]]
[[Datei:Ludgeruskirche 1964 01.JPG|links|mini|Die Ludgeruskirche und das neu erbaute [[Pfarrhaus]] im Jahre 1964.]]
In einem Brief an Bischof von Osnabrück beschreibt der damalige Pfarrer der Norder Gemeinde, [[Franz-Josef Strieker]] (im Amt von 1852-1861), den Zustand des Gotteshauses in der Sielstraße. Er schildert (zurecht), dass dieses äußerlich nicht als solches erkennbar und in einem baufälligen, ärmlichen und beschämenden Zustand. Aber auch die Lage in der [[Sielstraße]] dürfte ein Argument für einen Neubau an anderer Stelle gewesen sein, denn die Straße galt seit jeher als verrufen und vor allem von Leuten niederer Herkunft oder geringen sozialen Ansehens bewohnt. Sogar ein Bordell soll sich hier befunden haben. Bürger, die hohes Ansehen genossen, konnten jenes verlieren, sollten sie in der Sielstraße gesehen werden. So scheuten viele Gläubige den Weg zur dortigen Kapelle.
In einem Brief an Bischof von Osnabrück beschreibt der damalige Pfarrer der Norder Gemeinde, [[Franz-Josef Strieker]] (im Amt von 1852-1861), den Zustand des Gotteshauses in der Sielstraße. Er schildert (zurecht), dass dieses äußerlich nicht als solches erkennbar und in einem baufälligen, ärmlichen und beschämenden Zustand. Aber auch die Lage in der [[Sielstraße]] dürfte ein Argument für einen Neubau an anderer Stelle gewesen sein, denn die Straße galt seit jeher als verrufen und vor allem von Leuten niederer Herkunft oder geringen sozialen Ansehens bewohnt. Sogar ein Bordell soll sich hier befunden haben. Bürger, die hohes Ansehen genossen, konnten jenes verlieren, sollten sie in der Sielstraße gesehen werden. So scheuten viele Gläubige den Weg zur dortigen Kapelle.


In der Frage um einen neuen Standort für die Kirche wählte Strieker anhand eines Stadtplans einen Ort in der [[Westerstraße]] und einen in der [[Osterstraße|(Kleinen) Osterstraße]]. Um genügend Geld aufzubringen, verfügte der Bischof am 6. Februar 1859, dass eine "Hauskollekte" zur Finanzierung des Baus gesammelt werden soll. So zogen Helfer in den Landdrosteien (Vorläufer der späteren Regierungsbezirke) Aurich und Osnabrück von Haus zu Haus, um Geld für den geplanten Kirchbau in Norden zu sammeln. Der gesammelte Betrag ermöglichte den Kauf des Grundstückes in der Westerstraße. Zu einer Bebauung kam es indes nicht, denn ein bischöfliches Darlehen von 3.600 Mark ermöglichte nun doch den Kauf des Grundstückes in der Osterstraße. Der seit 1869 amtierende Pfarrer [[Heinrich Kerstiens]] verkaufte das Kirchenland in der Westerstraße in kleinen Parzellen und konnte dadurch zusätzliche Barmittel erwirtschaften. Für 5.500 rheinische Gulden wurde das Grundstück in der Osterstraße schließlich erworben. Die Gemeinde errichtete ein [[Altes Pfarrhaus|Pfarrhaus]], in das die Kapelle integriert wurde. Ein unkündbares zinsloses Darlehen des Münsteraner Pelzhändlers Josef Hötte, der als außerordentlich wohltätig und gläubig beschrieben wird und vermutlich geschäftlich in Norden war, sicherte schließlich die Finanzierung für den Bau einer richtigen Kirche. Nach Ablauf von zehn Jahren sollte die Abzahlung beginnen, sobald die Gemeinde dazu in der Lage sei. Am 19. April 1885, dem zweiten Sonntag nach Ostern, wurde der Grundstein für den [[Ludgeruskirche|Bau der Kirche]] gelegt.
In der Frage um einen neuen Standort für die Kirche wählte Strieker anhand eines Stadtplans einen Ort in der [[Westerstraße]] und einen in der [[Osterstraße|(Kleinen) Osterstraße]]. Um genügend Geld aufzubringen, verfügte der Bischof am 6. Februar 1859, dass eine ''Hauskollekte'' zur Finanzierung des Baus gesammelt werden soll. So zogen Helfer in den Landdrosteien (Vorläufer der späteren Regierungsbezirke) Aurich und Osnabrück von Haus zu Haus, um Geld für den geplanten Kirchbau in Norden zu sammeln. Der gesammelte Betrag ermöglichte den Kauf des Grundstückes in der Westerstraße. Zu einer Bebauung kam es indes nicht, denn ein bischöfliches Darlehen von 3.600 Mark ermöglichte nun doch den Kauf des Grundstückes in der Osterstraße. Der seit 1869 amtierende Pfarrer [[Heinrich Kerstiens]] verkaufte das Kirchenland in der Westerstraße in kleinen Parzellen und konnte dadurch zusätzliche Barmittel erwirtschaften. Für 5.500 rheinische Gulden wurde das Grundstück in der Osterstraße schließlich erworben. Die Gemeinde errichtete ein [[Altes Pfarrhaus|Pfarrhaus]], in das die Kapelle integriert wurde. Ein unkündbares zinsloses Darlehen des Münsteraner Pelzhändlers Josef Hötte, der als außerordentlich wohltätig und gläubig beschrieben wird und vermutlich geschäftlich in Norden war, sicherte schließlich die Finanzierung für den Bau einer richtigen Kirche. Nach Ablauf von zehn Jahren sollte die Abzahlung beginnen, sobald die Gemeinde dazu in der Lage sei. Am 19. April 1885, dem zweiten Sonntag nach Ostern, wurde der Grundstein für den [[Ludgeruskirche|Bau der Kirche]] gelegt.


===1914 bis 1945===
===1914 bis 1945===
Kurz vor dem Ersten Weltkrieg weist die Kirche Schadstellen durch Feuchtigkeit auf und muss daher gründlich überholt und gestrichen werden. Während des Krieges verdoppelt sich die Zahl der Kommunionen beinahe auf etwa 3.000 pro Jahr, was auf eine vermehrte Frommheit durch das Kriegsgeschehen zurückgeführt wurde. 1928 wird für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Gemeindemitglieder eine Bronzetafel im Vorraum der Kirche eingeweiht.
Kurz vor dem Ersten Weltkrieg weist die Kirche Schadstellen durch Feuchtigkeit auf und muss daher gründlich überholt und gestrichen werden. Während des Krieges verdoppelt sich die Zahl der Kommunionen beinahe auf etwa 3.000 pro Jahr, was auf eine vermehrte Frommheit durch das Kriegsgeschehen zurückgeführt wurde. 1928 wird für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Gemeindemitglieder eine Bronzetafel im Vorraum der Kirche eingeweiht.


Ab 1933 zeichnet sich, bedingt durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten, ein immer kirchenfeindlicheres Klima ab. Die Katholiken werden als "Kirchstraßenleute" beschimpft. Nach der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wird ihnen von einigen Norder Bürgern angedeutet, dass sie als nächstes "dran" werden. Um dem zu begegnen, versuchte sich die Norder Gemeinde, unter anderen in der Soldatenfürsorge zu engagieren. Beim Bau der [[Vertriebenenlager Tidofeld|Kaserne in Tidofeld]] sorgte man für die die Kaserne erbauenden Soldaten und deren Familie. Dennoch bildete sich beispielsweise während eines Gottesdienstes im Jahre 1942 vor der Kirche eine Menschentraube, die den Papst und die Kirche verspottete.
Ab 1933 zeichnet sich, bedingt durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten, ein immer kirchenfeindlicheres Klima ab. Die Katholiken werden als [[Kirchstraße|''Kirchstraßenleute'']] beschimpft. Nach der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wird ihnen von einigen Norder Bürgern angedeutet, dass sie als nächstes ''dran'' ''sein'' werden. Um dem zu begegnen, versuchte sich die Norder Gemeinde, unter anderen in der Soldatenfürsorge zu engagieren. Beim Bau der [[Vertriebenenlager Tidofeld|Kaserne in Tidofeld]] sorgte man für die die Kaserne erbauenden Soldaten und deren Familie. Dennoch bildete sich beispielsweise während eines Gottesdienstes im Jahre 1942 vor der Kirche eine Menschentraube, die den Papst und die Kirche verspottete.


Bereits 1941 musste der Bibliotheksbetrieb der Gemeinde weitestgehend eingestellt werden. Es durfte keine Ausleihen mehr stattfinden und die der Unterhalt dienenden Schriften mussten versiegelt werden. Ab Pfingsten des Jahres war es darüber hinaus nicht mehr gestattet, einen Gottesdienst für die Kriegsgefangenen abzuhalten.
Bereits 1941 musste der Bibliotheksbetrieb der Gemeinde weitestgehend eingestellt werden. Es durfte keine Ausleihen mehr stattfinden und die der Unterhalt dienenden Schriften mussten versiegelt werden. Ab Pfingsten des Jahres war es darüber hinaus nicht mehr gestattet, einen Gottesdienst für die Kriegsgefangenen abzuhalten.
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1964 wird das [[Pfarrhaus]] neu erbaut, 1967 folgt das [[Pfarrheim]], das der Gemeinde als Gemeindehaus dient und 1979 erweitert wird.
1964 wird das [[Pfarrhaus]] neu erbaut, 1967 folgt das [[Pfarrheim]], das der Gemeinde als Gemeindehaus dient und 1979 erweitert wird.


Auch mit dem Zuzug von sogenannten "Boat People", Flüchtlinge aus Vietnam in den 1960er und 1970er Jahren, kamen neue Gemeindemitglieder hinzu. Für die vietnamesischen Katholiken stellt die Kirche bis heute ein regionaler Versammlungsort dar.
Auch mit dem Zuzug von sogenannten Boat People, Flüchtlinge aus Vietnam in den 1960er und 1970er Jahren, kamen neue Gemeindemitglieder hinzu. Für die vietnamesischen Katholiken stellt die Kirche bis heute ein regionaler Versammlungsort dar.


== Pastoren ==
== Pastoren ==


=== Norden-Lütetsburg (1677 bis 1717) [[ToDo]] ===
=== Norden-Lütetsburg (1677 bis 1717) [[ToDo]] ===
1677 - 1677 Nicolaus Mösinger
1677-1677 Nicolaus Mösinger


1677 - 1678 Eustachius Egidii
1677-1678 Eustachius Egidii


1679 - 1679 Wilhelm Heckling
1679-1679 Wilhelm Heckling


1680 - 1680 Wernerus Kemmer
1680-1680 Wernerus Kemmer


1682 - 1684 Franciscus Grönincks
1682-1684 Franciscus Grönincks


1684 - 1684 Leonhard Marcelis
1684-1684 Leonhard Marcelis


1684 - 1715 Franciscus Grönincks
1684-1715 Franciscus Grönincks


1716 - 1717 Werner(us) Schmitz
1716-1717 Werner(us) Schmitz


=== Norden (1717 bis heute) ===
=== Norden (1717 bis heute) ===
1717 - 1727 Michael Klümper
1717-1727 Michael Klümper


1728 - 1729 Bernard Eilers
1728-1729 Bernard Eilers


1729 - 1729 Athanasius Friedhof
1729-1729 Athanasius Friedhof


1729 - 1733 Sebastian Walthaus
1729-1733 Sebastian Walthaus


1733 - 1777 Emanuel Toholte
1733-1777 Emanuel Toholte


1777 - 1795 Martiniamus Schulte
1777-1795 Martiniamus Schulte


1795 - 1795 Liborius Meyer
1795-1795 Liborius Meyer


1796 - 1800 Pius Brands
1796-1800 Pius Brands


1801 - 1801 Fabiamus Frese
1801-1801 Fabiamus Frese


1801 - 1832 Basilius Frankenfeld
1801-1832 Basilius Frankenfeld


1832 - 1837 Johann Bernhard Philipp Schulte
1832-1837 Johann Bernhard Philipp Schulte


1837 - 1852 Johann Heinrich Lackmann
1837-1852 Johann Heinrich Lackmann


1852 - 1861 Franz-Josef Strieker
1852-1861 Franz-Josef Strieker


1861 - 1863 Anton Tensing
1861-1863 Anton Tensing


1863 - 1869 Conrad Heinrich Eduard Richard
1863-1869 Conrad Heinrich Eduard Richard


1869 - 1911 Heinrich Kerstiens
1869-1911 Heinrich Kerstiens


1911 - 1914 Wilhelm Gockel
1911-1914 Wilhelm Gockel


1914 - 1938 Hubert Garvert
1914-1938 Hubert Garvert


1938 - 1946 Heinrich Schulte
1938-1946 Heinrich Schulte


1946 - 1963 Bernhard Kaschny
1946-1963 Bernhard Kaschny


1963 - 1972 Lothar Kaiping
1963-1972 Lothar Kaiping


1972 - 1981 Gerhard Olde Monnikhof
1972-1981 Gerhard Olde Monnikhof


1982 - 1994 Johannes Kinne
1982-1994 Johannes Kinne


== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==